Big Eyes

Wem gehört ein Bild, wenn nur einer es malt, aber ein anderer es signiert? „Big Eyes“ stellt diese Frage anhand eines der merkwürdigsten Kunstskandale der amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Tim Burton erzählt vom systematischen Diebstahl einer künstlerischen Identität – ruhig, in Pastellfarben getaucht, mit einem Blick auf die 1950er und 1960er Jahre, der zugleich nostalgisch und entlarvend ist.

Big Eyes
Dauer: 105 Min.
FSK: PG-13 (US)
Jahr: 2014
Kategorien: Drama
Regie: Tim Burton
Produzenten: Tim Burton, Larry Karaszewski, Lynette Howell Taylor, Scott Alexander
Hauptdarsteller: Amy Adams, Christoph Waltz, Danny Huston
Nebendarsteller: Jon Polito, Krysten Ritter, Jason Schwartzman, Terence Stamp
Studio: The Weinstein Company, Silverwood Films, Electric City Entertainment, Tim Burton Productions

Das Sujet passt zu Burton wie kaum ein anderes: das Eigentümliche hinter bürgerlicher Fassade, das Verdrängtsein des Authentischen. Doch wer einen skurrilen Burton-Exzess erwartet, findet hier etwas anderes. Den Regisseur interessiert diesmal nicht das Fantastische, sondern das Reale – und das ist erschreckend genug. Welche Welt musste eine Frau wie Margaret Keane bewohnen, dass sie jahrelang schweigen konnte?

Besetzung, Regie und Drehorte

Big Eyes“ ist ein US-amerikanisches Biopic aus dem Jahr 2014, inszeniert von Tim Burton nach einem Drehbuch von Scott Alexander und Larry Karaszewski. Die Kamera führte Bruno Delbonnel, den Schnitt übernahm JC Bond – für Burton ungewohnt, da er erstmals seit „Edward Scissorhands“ (1990) ohne seinen langjährigen Cutter Chris Lebenzon arbeitete. Für die Musik zeichnet Danny Elfman verantwortlich, der langjährige Weggefährte Burtons. Die Produktion lief unter anderem über The Weinstein Company und wurde mit einem Budget von rund zehn Millionen Dollar umgesetzt.

Die Hauptrolle der Malerin Margaret Keane übernimmt Amy Adams, ihr Ehemann Walter wird von Christoph Waltz verkörpert. Weitere Rollen bekleiden Krysten Ritter als Margarets Freundin Dee-Ann, Danny Huston als Kolumnist Dick Nolan und Terence Stamp als Kunstkritiker John Canaday. Jason Schwartzman spielt Galerist Ruben, Jon Polito den Clubbesitzer Enrico Banducci. Die Sängerin Lana Del Rey steuerte zwei Originalsongs zum Soundtrack bei.

Der Film läuft 106 Minuten und ist in Deutschland ohne Altersbeschränkung freigegeben (FSK 0). Amy Adams gewann für ihre Darstellung den Golden Globe als Beste Hauptdarstellerin in einer Komödie oder einem Musical. Christoph Waltz war in derselben Kategorie nominiert, ebenso Lana Del Rey für den Titelsong „Big Eyes“. Beim BAFTA wurde Adams als Beste Hauptdarstellerin nominiert, zudem erhielt der Film eine Nominierung für das beste Produktionsdesign.

Handlung & Inhalt vom Film „Big Eyes“

Im Jahr 1958 verlässt Margaret Ulbrich ihren Ehemann und bricht mit ihrer kleinen Tochter Jane nach San Francisco auf. Sie findet eine Anstellung in einer Möbelfabrik, wo sie Illustrationen malt, und verdient sich nebenher etwas bei Freiluft-Kunstausstellungen hinzu. Dort begegnet sie Walter Keane, einem charmanten Mann, der Pariser Straßenszenen verkauft, seinen Lebensunterhalt jedoch hauptsächlich als Immobilienmakler bestreitet. Die beiden kommen sich rasch näher. Als Margarets Exmann das alleinige Sorgerecht für Jane einfordert, macht Walter ihr einen Heiratsantrag. Sie heiraten und reisen nach Hawaii in die Flitterwochen. Jane bleibt bei Margaret.

Walter versucht vergeblich, seine und Margarets Bilder in einer Galerie unterzubringen. Er überredet schließlich Enrico Banducci, Inhaber eines beliebten Jazzclubs, Wandfläche für eine Ausstellung zu vermieten. Der zugewiesene Platz liegt ungünstig nahe den Toiletten. Walter gerät mit Banducci in Streit und rammt dessen Kopf durch eine von Margarets Leinwänden – ein Vorfall, der in der Lokalpresse landet und neugierige Besucher in den Club lockt. Kolumnist Dick Nolan interessiert sich fortan für die Gemälde. Er spricht Walter auf Margarets Bilder an, und dieser klärt das Missverständnis nicht auf: Er lässt die Welt glauben, er sei der Schöpfer der Werke mit den großen Augen. Margaret willigt ein, als Walter ihr vorrechnet, wie viel besser sich die Kunst eines Mannes verkauft.

Lüge, Kontrolle und der Weg nach draußen

Walter eröffnet eine eigene Galerie und verkauft günstige Reproduktionen von Margarets Gemälden mit großem Erfolg. Während die Familie in ein großes Haus zieht und Walter sich in Promikreisen bewegt, lebt Margaret zunehmend isoliert und malt heimlich in einem verschlossenen Atelier weiter. Selbst gegenüber Jane muss sie verbergen, dass die Bilder von ihr stammen. Schließlich entdeckt Margaret eine Kiste mit fremden Straßenszenen unter dem Namen „S. Cenic“ und erkennt dadurch, dass Walter nie selbst gemalt hat. Als sie ihn darauf anspricht, gesteht er, immer Künstler sein zu wollen, obwohl ihm dafür das Talent fehlte.

Walter plant, eines von Margarets Werken auf der New Yorker Weltausstellung zu zeigen, weshalb er sie auffordert, ihr Meisterwerk zu malen. Gleichzeitig gesteht Jane ihrer Mutter heimlich, dass sie längst weiß, wer die Bilder wirklich erschafft. Nachdem Walter auf einer Party die vernichtende Kritik des Kunstkritikers Canaday an „Tomorrow Forever“ liest und die Weltausstellung das Werk ablehnt, macht er Margaret für das Scheitern verantwortlich. Daraufhin betrinkt sich Walter, wird gewalttätig und bedroht Mutter und Tochter sogar im Atelier mit brennenden Streichhölzern. Dennoch gelingt beiden schließlich die Flucht.

Ein Jahr später leben Margaret und Jane in Honolulu. Walter willigt jedoch nur in die Scheidung ein, wenn Margaret ihm die Rechte an allen bisherigen Bildern überlässt und zusätzlich hundert neue Werke liefert. Zunächst stimmt sie zu, doch ihr wachsendes Interesse an den Zeugen Jehovas bringt sie schließlich dazu, die Wahrheit öffentlich anzuerkennen. In einer Radiosendung erklärt Margaret, dass sie die wahre Schöpferin der „Big Eyes“-Gemälde ist, während Walter dies weiterhin bestreitet. Deshalb verklagt sie ihn wegen Verleumdung. Vor Gericht fordert der Richter beide auf, im Saal ein Bild zu malen. Margaret beendet ihr Gemälde innerhalb einer Stunde, während Walter über Schulterschmerzen klagt und keinen Pinsel anfasst. Das Urteil fällt schließlich zu Margarets Gunsten.

Filmkritik und Fazit zum Film „Big Eyes“

Big Eyes“ ist ein Film, der zwei Kräfte in sich trägt, die sich nicht vollständig versöhnen lassen. Bruno Delbonnels Kameraarbeit entwirft ein elegantes, pastellfarbenes Bild der amerikanischen Nachkriegszeit, das den Kontrast zwischen äußerem Glanz und innerer Enge präzise einfängt. Amy Adams trägt diesen Kontrast körperlich aus: in der Art, wie sie den Blick senkt, wie sie die Farbe auf die Leinwand trägt, wie sie schweigt. Ihr gegenüber steht Christoph Waltz, dessen Darstellung von Beginn an auf Übersteigerung setzt. Die Diskrepanz zwischen den Spielansätzen beider Hauptdarsteller ist unübersehbar – und erzeugt keinen produktiven Reibungseffekt, sondern eine tonale Spannung, die der Erzählung schadet.

Dabei liegt das eigentliche Versäumnis weniger im Schauspiel als in der Inszenierung. Burton hält sich merklich zurück, was dem Film eine Nüchternheit verleiht, die dem Stoff nicht immer dient. Die Szene, in der Walter brennende Streichhölzer durch das Schlüsselloch schiebt, hätte das Potenzial für eine beklemmende Verdichtung der häuslichen Bedrohung – doch sie bleibt episodisch, ohne dass das Tempo vorher darauf vorbereitet hätte. Danny Elfmans Score akzentuiert einzelne Momente, ohne die emotionale Unterströmung des Films wirklich zu formen. Lana Del Reys Titelsong dagegen besitzt eine melancholische Stimmigkeit, die zum Thema passt.

Wer sich für das Thema Urheberschaft, Geschlechterrollen in der Kunstwelt oder die Biografie Margaret Keanes interessiert, findet in diesem Film eine solide, gut gespielte und visuell ansprechende Aufarbeitung. Als Kinoereignis bleibt „Big Eyes“ jedoch hinter seinen Möglichkeiten. Adams‘ Leistung allein rechtfertigt die Sichtung – sie verleiht einer Figur, die jahrelang verstummt ist, eine stille, anhaltende Würde.

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