Du sollst nicht lieben
„Du sollst nicht lieben“ bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Glauben und persönlicher Nähe. Der Film zeigt eine abgeschlossene Gemeinschaft mit festen Regeln. Gleichzeitig rücken individuelle Bedürfnisse in den Vordergrund. Tradition und Alltag greifen dabei eng ineinander. So entsteht ein ruhiger, aber klar strukturierter Rahmen. Auch die Rolle der Familie prägt jede Entscheidung. Daraus ergeben sich Konflikte, die nicht offen verhandelt werden.

| Dauer: | 90 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (GB) |
| Jahr: | 2009 |
| Kategorien: | Drama, Romantik |
| Regie: | Haim Tabakman |
| Produzenten: | Michael Eckelt, David C. Barrot, Isabelle Attali, Rafael Katz |
| Hauptdarsteller: | זהר שטראוס, Ran Danker, Tinkerbell |
| Nebendarsteller: | צחי גראד, Isaac Sharry, אבי גרייניק, Eva Zrihen-Attali |
| Studio: | Pimpa Film Productions, Riva Film, Totally, ARTE, The Ministry of Education, Culture and Sports, ZDF, Keshet Broadcasting, Israel Fund for Film Production, yes |
Aaron führt nach einem Verlust den Familienbetrieb weiter und ordnet sein Leben neu. In dieser Phase begegnet er Ezri, der ohne festen Halt lebt. Er nimmt ihn auf und integriert ihn in den täglichen Ablauf. Schritt für Schritt entsteht eine vertraute Verbindung zwischen beiden. Gleichzeitig nehmen äußere Spannungen zu und wirken sich auf das Umfeld aus. Die Gemeinschaft reagiert mit Ablehnung und verstärkt den Druck. Auch persönliche Beziehungen geraten ins Ungleichgewicht. Am Ende steht eine Entscheidung, die nicht einfach ausfällt. Wie verändert sich ein Leben unter wachsender Beobachtung?
Besetzung, Regie und Drehorte
Der Film „Du sollst nicht lieben“ erschien 2009 und gehört zum Genre Drama. Die Laufzeit beträgt 91 Minuten, außerdem liegt die Altersfreigabe bei 12 Jahren. Chaim Tabakman führte Regie und realisierte damit sein erstes Werk in Israel. Merav Doster schrieb das Drehbuch, während Nathaniel Méchaly die Musik komponierte. Axel Schneppat übernahm die Kameraarbeit und Dov Stoyer verantwortete den Schnitt. Raphael Katz, Michael Eckelt, David C. Barrot und Isabelle Attal produzierten den Film gemeinsam.
Zur Besetzung zählen Ran Danker als Ezri sowie Zohar Strauss als Aaron. Zudem spielen Tinkerbell die Figur Rivka und Tzahi Grad den Rabbi Vaisben. Avi Grayinik übernimmt die Rolle Israel Fisher, während Eva Zrihen Attali Sara darstellt. Ergänzend wirkt Mati Atlas als Ephraim mit. Die Dreharbeiten fanden teilweise im Jerusalemer Viertel Mea Shearim statt. Eine konkrete Drehadresse ist die Sideways Bar in der Heleni ha Malka Straße 5 in Jerusalem.
Die Produktion stand unter schwierigen Bedingungen, da das Team vor Ort Widerstand erlebte. Dreharbeiten erfolgten daher nur kurz und unter Einschränkungen. Zuschauer vor Ort reagierten teils aggressiv, wodurch der Ablauf erschwert wurde. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter Bester Film bei Shalom Europa. Außerdem gewann er das beste Spielfilmdebüt beim Palm Springs Filmfest. Zusätzlich erhielt er den Großen Preis beim Film Festival Gent 2009. Eine lobende Erwähnung beim Jerusalem Filmfest kam hinzu. Zudem lief der Film in der Sektion Un Certain Regard in Cannes.
Handlung & Inhalt vom Film „Du sollst nicht lieben“
Aaron lebt mit seiner Familie in Jerusalem und führt ein streng religiöses Leben. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Metzgerei und trägt Verantwortung für den Betrieb. Eines Tages betritt der junge Ezri den Laden, weil er telefonieren möchte. Zunächst lehnt Aaron seine Hilfe ab, doch später entdeckt er ihn schlafend in einer Synagoge. Daraufhin bietet er ihm einen Schlafplatz im Geschäft an. Kurz darauf nimmt er Ezri als Lehrling auf und unterstützt seine religiösen Studien. Als Aaron Zeichnungen findet, erkennt er dessen Talent und entwickelt zunehmend Interesse an seinem neuen Begleiter und dessen Persönlichkeit.
Mit der Zeit verbringen beide Männer immer mehr Stunden zusammen, wodurch eine enge Verbindung entsteht. Ezri lädt Aaron zu einem rituellen Bad außerhalb der Stadt ein, wodurch sich ihre Beziehung vertieft. Rivka, Aarons Ehefrau, begegnet dem jungen Mann zunächst freundlich und integriert ihn in den Alltag. Später bittet Aaron Ezri, ein Porträt von ihm anzufertigen. Dabei kommt es zu einer unerwarteten Annäherung, die Aaron zunächst zurückweist. Dennoch entwickelt sich danach eine heimliche Beziehung zwischen beiden. Gleichzeitig bemerkt Rivka Veränderungen im Verhalten ihres Mannes, da er später nach Hause kommt und sich zunehmend distanziert verhält.
Konflikt zwischen Gemeinschaft und Glaube
Währenddessen wächst der Druck aus dem Umfeld deutlich an, da die Gemeinschaft misstrauisch reagiert. Rabbi Vaisben warnt Aaron vor Ezri und berichtet von dessen Vergangenheit in Safed. Dennoch hält Aaron an ihm fest und verteidigt ihn gegenüber anderen. Gleichzeitig gerät er innerlich in einen Konflikt zwischen religiösen Pflichten, familiärer Verantwortung und seinen Gefühlen. Immer mehr Menschen im Viertel äußern Ablehnung gegenüber Ezri. Schließlich verbreiten sich Flugblätter mit Vorwürfen über ihn, wodurch sich die Lage weiter zuspitzt. Auch wirtschaftlich spürt Aaron die Folgen, da Kunden beginnen, seine Metzgerei zu meiden und Distanz zeigen.
Unter wachsendem Druck versucht Aaron, Abstand zu gewinnen, doch er schafft es nicht. Die Verbindung zu Ezri bleibt bestehen, obwohl die Situation eskaliert. Als Ezri seinen früheren Partner zur Rede stellt, kommt es vor der Synagoge zu einem Angriff. Mehrere Männer schlagen auf ihn ein, während Aaron das Geschehen beobachtet, jedoch nicht eingreift. Später kümmert er sich um Ezri, doch beide erkennen die ausweglose Lage. Schließlich beschließen sie, dass Ezri die Gemeinschaft verlassen muss. Aaron kehrt danach in sein Zuhause zurück und sucht Verständnis bei Rivka, die zwischen Nähe und Distanz schwankt und ihre Rolle neu einordnen muss.
Nach der Trennung bleibt Aaron innerlich zerrissen und findet keinen klaren Ausweg. Die Ereignisse hinterlassen Spuren, die seinen Alltag nachhaltig beeinflussen. Schließlich kehrt er an den Ort zurück, an dem er mit Ezri Zeit verbrachte. Dort steigt er erneut in das Wasser und taucht lange unter. Die Szene lässt offen, ob er wieder auftaucht oder nicht. Diese Ungewissheit prägt den Abschluss der Handlung. Gleichzeitig verdeutlicht sie seinen inneren Zustand und die ungelösten Konflikte. Die Geschichte endet ohne eindeutige Entscheidung, wodurch verschiedene Deutungen möglich bleiben und die Situation bewusst unaufgelöst wirkt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Du sollst nicht lieben“
Der Film „Du sollst nicht lieben“ setzt auf stille, kontrollierte Inszenierung. Chaim Tabakman hält die Kamera oft nah an Gesichtern. Dadurch entsteht eine dichte, fast klaustrophobische Atmosphäre. Axel Schneppat nutzt reduzierte Bewegungen und lange Einstellungen. Gleichzeitig verstärkt das natürliche Licht die dokumentarische Wirkung. Ran Danker und Zohar Strauss spielen mit zurückhaltender Intensität. Ihre Blicke tragen mehr Bedeutung als viele Dialoge. Besonders auffällig wirkt die präzise Körpersprache in engen Räumen.
Eine zentrale Szene zeigt ein gemeinsames Ritualbad außerhalb der Stadt. Die Kamera bleibt ruhig und beobachtet jede kleine Bewegung genau. Spannung entsteht durch Nähe, nicht durch dramatische Musik. Eine weitere Szene zeigt einen gewaltsamen Angriff vor der Synagoge. Tabakman verzichtet auf spektakuläre Inszenierung und bleibt distanziert. Gerade diese Zurückhaltung verstärkt die Wirkung deutlich. Gleichzeitig überzeugt der Ton durch gezielte Stille. Die Gesamtwirkung bleibt konsequent reduziert und eindringlich.
Der Film entwickelt seinen Rhythmus langsam und fordert Geduld vom Publikum. Diese bewusste Langsamkeit unterstützt jedoch die emotionale Wirkung nachhaltig. Gleichzeitig entstehen Längen, die nicht jede Szene tragen kann. Dennoch überzeugt die formale Konsequenz und die klare visuelle Sprache. Zuschauer mit Interesse an ruhigem Autorenkino finden hier starken Zugang. Wer mehr Dynamik erwartet, wird sich hingegen distanzieren.