Om Shanti Om

Farah Khan inszeniert mit „Om Shanti Om“ ein Werk, das Bollywood zugleich huldigt und karikiert. Der Film ist eine Liebeserklärung an die goldene Ära der siebziger Jahre und eine augenzwinkernde Bestandsaufnahme der Gegenwart. Shah Rukh Khan und die damals völlig unbekannte Deepika Padukone tragen diese doppelbödige Konstruktion. Zwischen Studiokulissen, Wiedergeburtsmotiv und Rachefantasie entfaltet sich ein erstaunlich selbstbewusstes Spektakel. Khans Regiedebüt als eigene Autorin wird zur filmischen Selbstvergewisserung eines ganzen Industriezweigs.

Om Shanti Om
Dauer: 162 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2007
Kategorien: Komödie, Romantik
Regie: Farah Khan
Produzenten: Shah Rukh Khan, Gauri Khan
Hauptdarsteller: Shah Rukh Khan, Deepika Padukone, Arjun Rampal
Nebendarsteller: Kirron Kher, Shreyas Talpade, Javed Sheikh, Asawari Joshi
Studio: Red Chillies Entertainment, Eros International

Bemerkenswert ist, mit welcher Souveränität die Regisseurin Pathos und Parodie gegeneinander ausspielt. Die Tonwechsel sind extrem. Melodram kippt in Komödie, Komödie in Geistergeschichte. Wer einen stringenten Erzählbogen erwartet, wird irritiert sein. Wer sich einlässt, erlebt ein maximalistisches Kinoerlebnis, das seine eigenen Konventionen mit sichtbarer Freude zerlegt. Das Ergebnis ist ein Film, der weiß, was er tut – und genau darin seine Eigenständigkeit findet. Bleibt die Frage: Trägt dieser Rausch über 168 Minuten?

Besetzung, Regie und Drehorte

Farah Khan übernahm bei „Om Shanti Om“ neben der Regie auch einen Teil der Drehbucharbeit, gemeinsam mit Mayur Puri und Mushtaq Sheikh. Produziert wurde der Film 2007 von Gauri Khan unter dem Label Red Chillies Entertainment. Für die Musik zeichneten Vishal Dadlani, Shekhar Ravjiani sowie Pyarelal Ramprasad Sharma verantwortlich. Die Kamera führte V. Manikandan, den Schnitt übernahm Shirish Kunder. Die Ausstattung lag in den Händen von Sabu Cyril, der dafür später mit dem National Film Award ausgezeichnet wurde.

In den Hauptrollen agieren Shah Rukh Khan in der Doppelrolle als Om Prakash Makhija und Om Kapoor sowie Deepika Padukone als Shantipriya und Sandy. Arjun Rampal verkörpert den Produzenten Mukesh Mehra, Shreyas Talpade den treuen Freund Pappu. Kirron Kher spielt Oms Mutter Bela, Javed Sheikh den Filmproduzenten Rajesh Kapoor. Bindu ist als Kamini zu sehen. Die deutsche Synchronisation entstand bei der Deutschen Synchron in Berlin unter Dialogregie von Beate Gerlach.

Mit einer Laufzeit von 168 Minuten und einer Freigabe ab zwölf Jahren erreichte der Film ein weltweites Einspielergebnis von rund 27 Millionen US-Dollar. Er gewann zahlreiche Preise, darunter mehrere Filmfare Awards, IIFA Awards und den Asian Film Award für die beste Komposition. Deepika Padukone erhielt die Auszeichnung als beste Debütantin. Ein besonderes Novum ist die Tanzsequenz „Deewangi Deewangi“ mit dreißig Gastauftritten prominenter Kolleginnen und Kollegen.

Handlung & Inhalt vom Film „Om Shanti Om“

Bombay in den siebziger Jahren: Om Prakash Makhija kämpft sich als Komparse durch die Filmindustrie, während sein bester Freund Pappu ihn mit ähnlichen Träumen begleitet. Gleichzeitig glaubt seine Mutter Bela unerschütterlich an seinen Durchbruch, obwohl dieser bislang ausbleibt. Währenddessen richtet sich Oms ganze Sehnsucht auf die Leinwandgöttin Shantipriya, deren Auftritte er voller Ehrfurcht verfolgt. Schließlich bringt ein Zufall ihn ihr näher, denn er rettet sie bei einem brenzligen Filmdreh. Dadurch entsteht zwischen beiden eine vorsichtige Freundschaft, sodass die Distanz zwischen Star und Statist zunächst überwindbar scheint.

Allerdings folgt die Ernüchterung schnell, denn Shantipriya ist heimlich mit Produzent Mukesh Mehra verheiratet. Gleichzeitig verbirgt Mehra diese Ehe aus strategischen Gründen, da er für sein nächstes Projekt eine Finanzierung sichern will. Deshalb plant er zusätzlich, die Tochter eines reichen Geschäftsmannes zu heiraten. Währenddessen fordert Shantipriya Aufrichtigkeit und öffentliche Anerkennung, wodurch die Situation zunehmend eskaliert. Folglich zieht sich Om zurück, um ihr nicht im Weg zu stehen. Kurz darauf beobachtet er jedoch zufällig, wie Mehra und Shantipriya gemeinsam die Filmstudios betreten, wodurch eine folgenschwere Entscheidung vorbereitet wird.

Zwischen Flammen und Wiedergeburt

Daraufhin legt Mehra Feuer in den Studios, um seine Ehefrau zu beseitigen, während Om die Gefahr erkennt und verzweifelt eingreifen will. Dennoch halten ihn die Bodyguards zurück, sodass er die Explosion nicht verhindern kann und Shantipriya stirbt. Gleichzeitig wird Om selbst von der Druckwelle erfasst und von einem Auto angefahren, das eine schwangere Frau ins Krankenhaus bringt. Infolgedessen stirbt er im Operationssaal, während im selben Moment ein Junge geboren wird, in dessen Körper sein Bewusstsein wieder erwacht.

Dreißig Jahre später ist aus dem ehemaligen Komparsen der gefeierte Star Om Kapoor geworden. Als er später in den abgebrannten Studios dreht, kehren plötzlich Erinnerungen zurück. Danach trifft er auf einer Party Mukesh Mehra wieder, der inzwischen als Hollywoodproduzent arbeitet. Außerdem begegnet er seiner früheren Mutter Bela und seinem alten Freund Pappu. Schließlich entdeckt er Sandy, die Shantipriya zum Verwechseln ähnelt, wodurch sein Plan entsteht, Mehra eine Falle zu stellen.

Jedoch entgleiten die Ereignisse zunehmend seiner Kontrolle, denn Mehra durchschaut die Inszenierung. Deshalb stellt er Om zur Rede, wodurch es zur finalen Konfrontation kommt. Plötzlich erscheint Shanti auf der Treppe und offenbart Details ihres Todes, die niemand kennen konnte. Daraufhin erkennt Om die Wahrheit, dass nicht Sandy, sondern ihr Geist vor ihnen steht. Schließlich löst sich der Kronleuchter und begräbt Mehra, während Shanti sich verabschiedet und für immer verschwindet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Om Shanti Om“

Farah Khan gelingt mit „Om Shanti Om“ ein seltenes Kunststück. Sie feiert das klassische Hindi-Kino und kommentiert es zugleich mit trockenem Witz. Die visuelle Gestaltung von Sabu Cyril rekonstruiert die siebziger Jahre mit beinahe musealer Sorgfalt. Das Sounddesign kombiniert analoge Wärme mit pointierten Effekten. V. Manikandans Kamera schwelgt in grellen Farben, ohne die Komposition zu verlieren. Shah Rukh Khan spielt seine Doppelrolle mit kalkulierter Selbstironie, Arjun Rampal verleiht dem Antagonisten eine kühle, glatt polierte Boshaftigkeit.

Das Tempo wirkt in den ersten neunzig Minuten mitreißend, verliert im zweiten Teil jedoch an Präzision. Die Rachehandlung zieht sich stellenweise, während die übernatürliche Wendung im Finale tonal bricht. Musikalisch liefert das Duo Vishal-Shekhar einen der prägendsten Soundtracks des Jahrzehnts. Die Massenchoreografie zu „Deewangi Deewangi“ bleibt ein Meisterstück kollektiver Selbstinszenierung der Branche. Deepika Padukone überrascht als Debütantin mit bemerkenswerter Präsenz. Ihre zweite Rolle als Sandy entlarvt zugleich den Starkult, den der Film gleichzeitig zelebriert.

Die Rezension fällt differenziert aus. „Om Shanti Om“ ist kein erzählerisch strenges Werk, sondern ein schillerndes Genre-Kaleidoskop mit Längen und Brüchen. Wer Bollywood liebt, findet hier dessen konzentrierte Essenz. Wer Distanz sucht, wird die ironische Metaebene schätzen. Empfehlenswert für Genrefans, Cineasten mit Humor und alle, die Kino als Rausch verstehen.

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