Isn’t It Romantic
Es gehört zu den schwierigeren Übungen des Kinos, ein Genre gleichzeitig zu bedienen und zu demontieren. Die romantische Komödie, seit Jahrzehnten mit einer bemerkenswert stabilen Formelsprache ausgestattet, hat sich als besonders widerstandsfähig gegen Selbstironie erwiesen. „Isn’t It Romantic“ aus dem Jahr 2019 unternimmt genau diesen Versuch: Der Film setzt seine Protagonistin in ein Liebesfilm-Universum, das sie selbst verachtet, und hofft darauf, dass der Widerspruch zwischen Genre-Bewusstsein und Genre-Vollzug als produktive Reibung funktioniert.

| Dauer: | 88 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2019 |
| Kategorien: | Komödie, Romantik |
| Regie: | Todd Strauss-Schulson |
| Produzenten: | Gina Matthews, Grant Scharbo, Todd Garner |
| Hauptdarsteller: | Rebel Wilson, Liam Hemsworth, Adam Devine |
| Nebendarsteller: | Priyanka Chopra Jonas, Betty Gilpin, Brandon Scott Jones, Tom Ellis |
| Studio: | New Line Cinema, Bron Studios, Broken Road Productions, Camp Sugar, Little Engine Productions |
Das Konzept ist nicht ohne Reiz. Eine Frau, die Romantischen Komödien für verlogenen Kitsch hält, findet sich nach einem Unfall plötzlich in einer wieder, und muss herausfinden, wie sie dieser zuckrigen Parallelwelt entkommt. Doch wie weit trägt eine solche Prämisse, wenn der Film, der sie transportiert, am Ende selbst nicht ganz auf die Konventionen verzichten will, über die er sich lustig macht?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Isn’t It Romantic“ entstand unter der Regie von Todd Strauss-Schulson, dem das Handwerk der Meta-Komödie bereits aus seinem Horrorfilm „The Final Girls“ (2015) vertraut war. Das Drehbuch verfassten Erin Cardillo, Dana Fox und Katie Silberman gemeinsam, wobei Cardillo das ursprüngliche Skript beisteuerte und Fox sowie Silberman spätere Überarbeitungen verantworteten. Produziert wurde der Film von Todd Garner, Gina Matthews und Grant Scharbo, außerdem übernahm Hauptdarstellerin Rebel Wilson auch eine Produzentinnenrolle. Die Filmmusik stammt von John Debney, die Kameraarbeit von Simon Duggan.
Rebel Wilson spielt die Architektin Natalie, an ihrer Seite agieren Liam Hemsworth als Milliardär Blake und Adam DeVine als Natalies bester Freund Josh. Priyanka Chopra Jonas übernimmt die Rolle der Isabella, einer Yoga-Botschafterin in der RomCom-Parallelwelt. Betty Gilpin spielt Whitney, Natalies Assistentin, die sich in der Fantasiewelt zur Gegenspielerin wandelt. Brandon Scott Jones verkörpert den Nachbarn Donny, Jennifer Saunders hat einen Gastauftritt als Natalies Mutter, und Tom Ellis ist als Arzt Dr. Todd zu sehen.
Die Dreharbeiten fanden ab Juli 2017 in New York City statt, unter anderem am 101 Park Avenue für die abschließende Tanzsequenz. Der Film hatte am 13. Februar 2019, kurz vor dem Valentinstag, in den USA einen Kinostart über Warner Bros. Pictures. In internationalen Märkten, darunter Deutschland, erschien er am 28. Februar 2019 direkt beim Streamingdienst Netflix. Das Budget betrug rund 30 Millionen US-Dollar, die Einspielergebnisse lagen bei über 44 Millionen Dollar.
Handlung & Inhalt vom Film „Isn’t It Romantic“
Natalie ist Anfang dreißig, arbeitet als Architektin in New York und führt ein Leben, das von Unsichtbarkeit geprägt ist. Ihre Kollegen nutzen sie als Mädchen für alles, niemand nimmt ihre Ideen ernst, und ihr Selbstbewusstsein ist entsprechend bescheiden. Romantische Komödien verachtet sie von Herzen. Ihre Kollegin Whitney versucht sie mit dem Genre zu begeistern, ihr bester Freund und Arbeitskollege Josh versucht sie zu ermutigen. Beides bleibt erfolglos. Natalies Alltag zwischen Büro und schäbiger Wohnung verläuft nach immer gleichen Mustern – bis zu einem Abend in der U-Bahn.
Beim Versuch, einen Taschendieb zu verfolgen, stößt Natalie sich den Kopf und verliert das Bewusstsein. Sie erwacht in einem Krankenhaus, das ungewöhnlich gepflegt wirkt – und stellt rasch fest, dass sich ihre Umgebung grundlegend verändert hat. New York erstrahlt in einem Glanz, der dem realen Manhattan vollständig fehlt: sauber, blumengeschmückt, makellos. Alle Männer finden sie plötzlich anziehend. Der reiche Blake, ihr Auftraggeber, wird von einer Limousine auf sie aufmerksam und verliebt sich sofort. Ihre chaotische Wohnung hat sich in ein großzügiges Apartment verwandelt. Nachbar Donny, bisher ein miesepetriger Zeitgenosse, tritt nun als hilfsbereiter Ratgeber auf. Es dauert nicht lange, bis Natalie begreift, was geschehen ist: Sie steckt in einer Romantischen Komödie fest.
Zwischen Zuckerwatte und Erkenntnis
Natalie versucht, die Gesetze dieser neuen Welt zu ergründen und dabei einen Ausweg zu finden. Im Büro wird sie zwar respektiert und als leitende Architektin behandelt – doch Whitney hat sich inzwischen zur neidischen Gegenspielerin entwickelt. Als Natalie Josh im Park von ihrer Lage erzählen will, rettet dieser zufällig der Yoga-Botschafterin Isabella das Leben, woraufhin die beiden sich prompt verlieben und Natalie in den Hintergrund rückt. Ihre Versuche, Streit anzufangen und die Parallelwelt durch Regelbrüche zu verlassen, enden schließlich mit einer Verhaftung. Blake zahlt daraufhin die Kaution, sie verbringen einen romantischen Abend miteinander, und Natalie hofft nun, durch das vermeintliche Finden der wahren Liebe zurück in die Realität zu gelangen.
Diese Hoffnung erweist sich jedoch als Irrtum. Denn am nächsten Tag werden Natalie und Blake zu einer Feier eingeladen, die sich als Joshs und Isabellas Verlobungsparty entpuppt. Das trifft Natalie härter als erwartet, sodass sie beginnt zu ahnen, dass nicht Blake der richtige Schlüssel zur Rückkehr ist. Schließlich kommt ihr am Hochzeitstag die eigentliche Einsicht: Sie liebt Josh. Daraufhin gibt sie Blake den Abschied, stürmt entschlossen in die Trauung und will die Hochzeit verhindern.
Doch kurz vor dem großen romantischen Auftritt erkennt Natalie, worauf es wirklich ankommt. Nicht die Liebe zu einem Mann ist der Ausweg, sondern die Liebe zu sich selbst. Sie verlässt die Kirche, entwendet das Hochzeitsauto und verunfallt – woraufhin sie aus dem Koma in der realen Welt erwacht. Zurück im Büro präsentiert sie selbstbewusst ihre Ideen und stellt fest, dass Josh schon lange Gefühle für sie hegt. Mit einem Kuss endet die Geschichte, ohne dass die ursprüngliche Romanze zwischen den beiden erzwungen wird. Das Selbstbewusstsein, das Natalie in der Fantasiewelt lernte, trägt sie zurück ins echte Leben.
Filmkritik und Fazit zum Film „Isn’t It Romantic“
Was „Isn’t It Romantic“ am stärksten auszeichnet, ist die Schärfe einzelner Beobachtungen innerhalb der Parallelwelt. Kameramann Simon Duggan setzt die RomCom-Ästhetik mit unübersehbarer Absicht um: warme Filter, übersättigte Farben, eine Choreografie der Räume, die Gemütlichkeit als Kulisse ausstellt. Wenn Natalie partout kein Schimpfwort aussprechen kann, weil immer ein Autohupen oder ein Wecker dazwischenfährt, hat das eine echte komödiantische Präzision. Rebel Wilson bewegt sich in diesen Momenten souverän zwischen Staunen und Erschöpfung, und das Timing stimmt. Adam DeVine hält dagegen mit seiner unreflektierten Begeisterung, was die Dynamik der beiden trägt.
Und doch zieht der Film die Handbremse, sobald es wirklich unbequem werden könnte. Strauss-Schulson inszeniert die RomCom-Klischees mit Sympathie statt mit Skalpell. Das Tempo ist gefällig, nie reizend; die Bildsprache ironisch grundiert, aber nie subversiv. John Debneys Soundtrack mit seinen zuckersüßen Pop-Balladen funktioniert als Parodie-Zitat und als aufrichtige Untermalung zugleich – was die Frage aufwirft, ob das Konzept wirklich greift oder ob der Film am Ende einfach das tut, was er zu kommentieren vorgibt. Wer eine bissige Dekonstruktion des Genres erwartet, wird feststellen, dass die Ironie stets höflich bleibt.
Für ein Publikum, das Romantischen Komödien grundsätzlich zugetan ist, bietet der Film kurzweilige 89 Minuten mit einer sympathischen Schlussaussage. Wer auf eine konsequente Genre-Zerlegung hofft, wird mit einem halben Schritt zufrieden sein müssen. „Isn’t It Romantic“ ist kein Film, der das Genre überwindet – er macht Frieden mit ihm, auf seine eigene, lächelnde Weise.