Hancock
Der Superheld als Penner. Diese Prämisse klingt nach dem erfrischendsten Konzept, das Hollywood seit Jahren aus der Schublade gezogen hat. „Hancock“ aus dem Jahr 2008 wagt den Schritt, einen Retter der Menschheit als verwahrlosten Trinker zu zeigen – unrasiert, unbeliebt und unberechenbar. Regisseur Peter Berg inszeniert Los Angeles als eine Stadt, die ihren Superhelden nicht verdient und er seinen Job nicht will.

| Dauer: | 92 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2008 |
| Kategorien: | Komödie, Science-Fiction |
| Regie: | Peter Berg |
| Produzenten: | Akiva Goldsman, James Lassiter, Michael Mann, Will Smith |
| Hauptdarsteller: | Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman |
| Nebendarsteller: | Jae Head, Eddie Marsan, David Mattey, Maetrix Fitten |
| Studio: | Columbia Pictures, Relativity Media, Blue Light, Weed Road Pictures, Overbrook Entertainment |
Was diesen Film von Anfang an interessant macht, ist die Frage nach dem Selbstbild des Helden – und nach dem, was Heldsein in einer medialen, imagebewussten Gesellschaft überhaupt bedeutet. Ein Wesen mit unbegrenzter Kraft, das sich dem Rollendruck verweigert. Klingt nach Subversion. Klingt nach Tiefe. Aber hält der Film, was seine Ausgangssituation verspricht?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Hancock“ ist eine US-amerikanische Superhelden-Produktion aus dem Jahr 2008, entstanden unter der Regie von Peter Berg. Das Drehbuch geht auf einen Entwurf von Vincent Ngo aus dem Jahr 1996 zurück, der später von Vince Gilligan überarbeitet wurde. Produziert wurde der Film von Akiva Goldsman, James Lassiter, Michael Mann und Will Smith selbst. Die Musik stammt von John Powell, die Kamera führte Tobias A. Schliessler. Gedreht wurde überwiegend in Los Angeles sowie in den Universal Studios Hollywood.
Die Hauptrolle des John Hancock übernahm Will Smith, der den gefallenen Superhelden mit roher Energie spielt. An seiner Seite stehen Jason Bateman als PR-Berater Ray Embrey und Charlize Theron als dessen Frau Mary, deren Rolle im Verlauf des Films eine entscheidende Wendung nimmt. Jae Head verkörpert Rays Sohn Aaron. Den Bösewicht gibt Eddie Marsan als Kenneth „Red“ Parker Jr., ergänzt durch David Mattey und Maetrix Fitten in weiteren Nebenrollen.
Der Film feierte seine Weltpremiere am 16. Juni 2008 beim 30. Internationalen Filmfestival Moskau, wo er als Eröffnungsfilm gezeigt wurde. In Deutschland startete er am 3. Juli 2008. Die Kinofassung hat eine Laufzeit von 92 Minuten, die Extended Version kommt auf 102 Minuten. Die FSK-Freigabe liegt bei 12 Jahren.
Handlung & Inhalt vom Film „Hancock“
John Hancock lebt in Los Angeles – manchmal in einem schäbigen Wohnwagen in der Wüste, manchmal auf einer Parkbank. Er ist unverwundbar, nahezu unsterblich, fähig zu überschallschnellem Flug und körperlich grenzenlos stark. Dennoch verbringt er die meiste Zeit betrunken und lustlos. Wenn er eingreift, verursacht er regelmäßig immense Sachschäden. Die Bevölkerung reagiert mit Verachtung, Hancock mit Gegenbeschimpfungen. Er ist der Held, den niemand will – und der das augenscheinlich erwidert.
Die Wendung kommt durch eine zufällige Begegnung. PR-Berater Ray Embrey steckt mit seinem Auto auf einem Bahnübergang fest, als ein Güterzug heranrast. Hancock rettet ihn – und hinterlässt dabei ein Trümmerfeld aus entgleisten Waggons. Nur Ray bedankt sich. Er lädt Hancock zum Essen ein und macht ihm ein ungewöhnliches Angebot: Er will das Image des Helden neu erfinden. Ray schlägt vor, dass Hancock freiwillig ins Gefängnis geht, um für die angehäuften Haftbefehle und Sachschäden einzustehen. Hancocks skeptisches Einlenken markiert den Beginn einer merkwürdigen Partnerschaft.
Geheimnis, Macht und Vergänglichkeit
Hancock tritt die Haftstrafe an, nimmt an einem Antiaggressionstraining teil und durchläuft zugleich einen Alkoholentzug. Ray besucht ihn regelmäßig, während er ihn außerdem im Umgang mit Menschen und zugleich in der Symbolik des Superheldentums schult. Die Rechnung geht tatsächlich auf, denn die Kriminalitätsrate in Los Angeles steigt deutlich an. Schon bald bittet der Polizeichef Hancock deshalb um Hilfe bei einem bewaffneten Bankraub. Im neu angeschafften Kostüm agiert er diesmal deutlich souveräner, rettet dabei eine Polizistin, dankt den Einsatzkräften und amputiert schließlich einem Täter die Hand, um so eine Detonation zu verhindern.
Beim gemeinsamen Abendessen erzählt Hancock anschließend, dass er vor 80 Jahren ohne Erinnerung in einem Krankenhaus in Miami erwachte – retrograde Amnesie, keine Vergangenheit und keine Identität. Doch dann enthüllt ein unerwarteter Kuss plötzlich, dass Marys freundliche Fassade in Wahrheit eine andere Natur verbirgt. Kurz darauf schleudert sie Hancock durch eine Wand. Sie ist nämlich ebenfalls ein übernatürliches Wesen. Widerwillig erklärt sie daraufhin, dass die beiden die letzten Vertreter einer gottgleichen Spezies sind. Solche Wesen existierten nämlich stets paarweise und wurden zudem über Jahrtausende hinweg immer wieder zu einem Paar.
Der Konflikt eskaliert zunehmend. Hancock will mehr wissen, während Mary weiterhin ausweicht, und schließlich verwüstet ein übernatürlicher Kampf zwischen den beiden einen ganzen Häuserblock. Mary offenbart daraufhin die entscheidende Konsequenz ihrer Verbindung: Sobald sie sich zu nahekommen, verlieren sie ihre Kräfte und werden sterblich. Genau das geschieht wenig später, als Hancock bei einem Überfall angeschossen und schwer verwundet wird. Im Krankenhaus dringen schließlich drei Rächer ein, woraufhin ein brutaler Kampf entbrennt, bei dem sowohl Hancock als auch Mary schwer verletzt werden. Ray greift selbst ein, während Hancock das Krankenhaus nur knapp dem Tod entkommt und im Flug verlässt – und damit zugleich Marys Leben rettet, indem er sich bewusst von ihr entfernt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Hancock“
„Hancock“ beginnt mit einem echten Versprechen: ein Antiheld ohne Glanzkostüm, ein Superheldenbild, das die Erwartungen des Genres unterläuft. Peter Berg inszeniert die erste Hälfte mit einem nervösen, handgeführten Kamerastil, der den Film bewusst von klassischen Comic-Verfilmungen abgrenzt. Tobias Schliesslers Kamera klebt nah am Geschehen, erzeugt Unmittelbarkeit. Das funktioniert in Momenten – etwa bei der Zugsequenz, die chaotisch und absurd zugleich wirkt. Doch dieser Stil reibt sich an der leichthändigen Komödie, die der Film gleichzeitig sein möchte.
Das eigentliche Problem liegt im Drehbuch. Nach der Hälfte der Laufzeit vollzieht der Film einen Genrebruch, der nicht vorbereitet wird. Aus der Antiheldenkomödie wird plötzlich ein mythologisches Liebesdrama, und der Zuschauer sitzt im Stich gelassen vor einem Tonwechsel, für den keine erzählerische Grundlage gelegt wurde. Will Smith trägt den Film mit natürlicher Präsenz, kann jedoch die Konturen von Hancock als eigenständiger Figur nicht schärfen. Charlize Theron gelingt es, sich im zweiten Akt aus dem Schatten des Stars zu lösen. Jason Bateman gibt dem Film Erdung und Wärme. John Powells Musik wirkt stellenweise überplatziert. Die Antagonisten bleiben blass.
Für Fans des Superhelden-Genres bietet Hancock trotz seiner Brüche einige originelle Momente. Die erste Hälfte unterhält durch unkonventionelle Energie, und der Ansatz eines mythologisch verankerten Helden ohne Comicvorlage verdient Anerkennung. Wer jedoch Konsequenz in Ton und Erzählung sucht, wird enttäuscht. Hancock ist ein Film, der mehr wollte als er konnte – und gerade deshalb bleibt er in Erinnerung.