Passengers

Was passiert mit einem Menschen, wenn er weiß, dass er nie ankommen wird? „Passengers“ stellt diese Frage mit kosmischer Konsequenz. Morten Tyldum inszeniert das Weltraum-Szenario als Gedankenexperiment über Einsamkeit, moralisches Versagen und die Sehnsucht nach Nähe. Das Raumschiff Avalon gleitet durch die Dunkelheit des Alls – und mit ihm ein Mann, dessen Isolation ihn zu einer Entscheidung treibt, die keiner Rechtfertigung standhält.

Passengers
Dauer: 116 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2016
Kategorien: Science-Fiction
Regie: Morten Tyldum
Produzenten: Ori Marmur, Michael Maher, Stephen Hamel, Neal H. Moritz
Hauptdarsteller: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen
Nebendarsteller: Laurence Fishburne, Andy Garcia, Vince Foster, Kara Flowers
Studio: Columbia Pictures, Village Roadshow Pictures, Original Film, Company Films, Start Motion Pictures, LStar Capital, Wanda Pictures

Dass der Film dabei nicht zu den großen Science-Fiction-Werken des Jahrzehnts zählt, liegt weniger an seinem Konzept als an dem, was er aus diesem Konzept macht. Die erste Filmhälfte trägt eine echte Stärke in sich: die Stille, das Leerlaufen der Zeit, die körperliche Präsenz eines Mannes in einer menschenleeren Welt. Doch sobald das Drama seinen zweiten Gang einlegt, wechselt Tyldum die Spur. Wohin genau führt dieser Wechsel – und lohnt sich die Reise trotzdem?

Besetzung, Regie und Drehorte

Passengers“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2016 mit romantischen Elementen. Regie führte der norwegische Regisseur Morten Tyldum, das Drehbuch stammt von Jon Spaihts, der bereits 2007 das Skript verfasste. Es stand jahrelang auf der renommierten Blacklist der besten unverfilmten Drehbücher. Die Produktion übernahmen Stephen Hamel, Michael Maher, Ori Marmur und Neal H. Moritz. Die Filmmusik komponierte Thomas Newman, die Kameraarbeit verantwortete Rodrigo Prieto, den Schnitt übernahm Maryann Brandon.

Die Hauptrollen übernahmen Chris Pratt als Mechaniker Jim Preston und Jennifer Lawrence als Journalistin Aurora Lane. Michael Sheen spielt den androiden Barkeeper Arthur, eine technisch wie schauspielerisch besondere Rolle: Sheens Beine wurden digital entfernt, sodass Arthur als Oberkörper auf einer Laufschiene erscheint. Laurence Fishburne ist als Deckoffizier Gus Mancuso in einer kleineren, aber handlungsentscheidenden Rolle zu sehen. Andy García tritt in einem kurzen Cameo als Captain Norris auf.

Der Film wurde in den Pinewood Studios in Atlanta gedreht, wo rund 45 Sets entstanden. Das Budget betrug geschätzte 110 Millionen US-Dollar. Der Kinostart erfolgte am 21. Dezember 2016 in den USA und am 5. Januar 2017 in Deutschland. Die Laufzeit beträgt 116 Minuten, die FSK-Freigabe gilt ab 12 Jahren. Bei der Oscarverleihung 2017 erhielt der Film zwei Nominierungen: für das beste Szenenbild sowie die beste Filmmusik.

Handlung & Inhalt vom Film „Passengers“

Im 24. Jahrhundert befördert das Raumschiff Avalon rund 5.000 Passagiere in Hyperschlafkapseln auf die 120-jährige Reise zur Koloniewelt Homestead II. Das Schiff wird vollautomatisch gesteuert und soll die Passagiere erst kurz vor der Ankunft wieder wecken. Einem Kollisionsereignis mit einem Asteroidenfeld zum Trotz scheint die Avalon ihren Kurs unbeeinträchtigt fortzusetzen. Doch die Kollision hat unsichtbare Schäden hinterlassen. Der Zweite-Klasse-Passagier Jim Preston, ein Mechaniker, erwacht aus dem Kälteschlaf – allein, 90 Jahre zu früh.

Jim versucht zunächst, eine Lösung für seine Lage zu finden. Die Schiffssysteme geben keine verwertbaren Antworten. Eine Rückkehr in den Hyperschlaf ist technisch unmöglich. Den Crewbereich kann er nicht betreten. Er sendet einen Notruf zur Erde – und erfährt, dass die Antwort frühestens in 55 Jahren eintreffen wird. Sein einziger Gesprächspartner ist der Androide Arthur hinter der Bartheke. Nach über einem Jahr an Bord, geprägt von Einsamkeit und wachsender Hoffnungslosigkeit, bricht Jim kurz davor zusammen und erwägt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er bricht den Versuch im letzten Moment ab.

Schuld, Nähe und der Preis einer Lüge

Auf seinen Streifzügen durch die Passagierhalle entdeckt Jim die schlafende Journalistin Aurora Lane. Er beginnt ihr digitales Persönlichkeitsprofil zu studieren und verliebt sich in sie. Technisch wäre er in der Lage, ihre Kapsel zu öffnen. Er weiß jedoch, dass er damit ihr gesamtes Leben zerstören würde – auch sie könnte Homestead II dann nicht mehr lebend erreichen. Monatelang kämpft er mit sich. Schließlich weckt er Aurora auf, ohne ihr die Wahrheit zu sagen. Er lässt sie glauben, ihre Kapsel habe von selbst versagt.

Aurora und Jim finden sich in ihrer gemeinsamen Lage zurecht. Aus Fremdheit wird Vertrautheit, aus Vertrautheit Zuneigung. Die beiden werden ein Paar. Als Jim ihr einen Heiratsantrag machen will, kommt durch einen Gesprächsfehler zwischen ihm und Arthur die Wahrheit ans Licht. Aurora erfährt, dass Jim sie absichtlich aufgeweckt hat. Sie weist ihn zurück und meidet jeden unnötigen Kontakt. Kurz darauf häufen sich technische Fehlfunktionen an Bord.

Reinigungsroboter laufen unkontrolliert und die künstliche Schwerkraft fällt kurzzeitig aus. Aurora gerät in einer Wasserkugel im Pool in Lebensgefahr. Gleichzeitig erwacht Deckoffizier Gus Mancuso, verschafft Zugang zu gesperrten Bereichen und erkennt massive Schäden, stirbt jedoch kurz darauf durch Organschäden seiner Hyperschlafkapsel. Jim entdeckt einen Meteoroideneinschlag und einen überhitzenden Reaktor. Er verlässt das Schiff im Raumanzug, die Sicherheitsleine reißt, doch Aurora rettet ihn und reanimiert ihn an Bord. Jim erkennt die Möglichkeit des Rückversetzens in den Hyperschlaf, doch Aurora bleibt bei ihm. 88 Jahre später erwacht die Crew und findet eine gewachsene Lebenswelt vor. Auroras Nachricht erklärt, dass beide ein erfülltes Leben hatten.

Filmkritik und Fazit zum Film „Passengers“

Passengers“ trägt ein ungelöstes ethisches Problem mit sich, das dem Film auf eigentümliche Weise schadet – nicht weil er es stellt, sondern weil er es nicht ernst genug nimmt. Jims Entscheidung, Aurora ohne ihr Wissen aus dem Schlaf zu reißen, ist ein schwerwiegender Eingriff in ihre Autonomie. Das Drehbuch baut diesen Konflikt zwar auf, löst ihn aber im dritten Akt durch Heldentum und romantische Konvention auf. Thomas Newmans Filmmusik trägt unterdessen die emotionalen Gewichte, die das Drehbuch nicht vollständig trägt – nobel, aber auch ein Zeichen für eine erzählerische Lücke.

Rodrigo Prietos Kameraarbeit gehört zu den verlässlichsten Qualitäten des Films. Die Bilder des Raumschiffs sind klar durchdacht: kühle Formen, konsequente Geometrie, eine Leere, die Einsamkeit sichtbar macht, ohne zu betonen. Die berühmte Schwimmbadszene, in der Aurora in einer schwebenden Wasserblase fast ertrinkt und dabei an Millais‘ Gemälde „Ophelia“ erinnert, zeigt, wozu der Film visuell fähig wäre, wenn er sich öfter traut. Michael Sheen als Androide Arthur ist eine der stärksten Leistungen des Films – präzise kalibriert, nie mechanisch. Pratt und Lawrence füllen ihre Figuren mit Wärme, stoßen aber an die Grenzen eines Drehbuchs, das sie letztlich im Ungefähren lässt.

Der Film lohnt sich für jene, die bereit sind, das moralische Fundament nicht zu sehr auf die Probe zu stellen. Wer Stille, Raumarchitektur und die Chemie zweier überzeugender Hauptdarsteller schätzt, findet hier durchaus Substanz. Science-Fiction-Zuschauer mit Interesse an psychologischer Tiefe werden hingegen einen Film vorfinden, der an seinen stärksten Momenten ahnen lässt, was er hätte sein können – und dann doch den vertrauten Weg wählt.

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