The Zero Theorem

Was bedeutet es, auf etwas zu warten, das vielleicht nie kommt? Terry Gilliam stellt diese Frage in „The Zero Theorem“ mit der Wucht eines Gedankenexperiments und der Beiläufigkeit eines Albtraums. Der Film dreht sich um einen Mann, der sein Leben an eine Erwartung gehängt hat – und dabei das Leben selbst verpasst. Eine dystopische Parabel über Sinnsuche, Kontrolle und die Angst vor dem Nichts, die Gilliam mit gewohnt eigenwilliger Bildsprache in Szene setzt.

The Zero Theorem
Dauer: 107 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2013
Kategorien: Science-Fiction
Regie: Terry Gilliam
Produzenten: Dean Zanuck, Nicolas Chartier, Andrei Boncea, Zev Foreman, Andreea Stanculeanu, Phil Robertson, Jean Labadie, Chris Curling
Hauptdarsteller: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry
Nebendarsteller: Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw, Tilda Swinton
Studio: Zanuck Independent, MediaPro Pictures, Zephyr Films, Picture Perfect Corporation, Voltage Pictures, Asia & Europe Productions

Gilliam inszeniert dabei keine schlichte Allegorie, sondern ein vielschichtiges Geflecht aus Obsession, Einsamkeit und philosophischer Zumutung. Die Frage, ob das Universum am Ende nur reines Chaos ist, hängt wie ein schwarzes Loch über der gesamten Handlung. Wer glaubt, Gilliams Kino liefere Antworten, wird enttäuscht. Doch wer bereit ist, sich dem Schwindel auszusetzen, findet einen Film, der unter seiner bunten Oberfläche erschreckend konsequent ist. Was bleibt, wenn das Nichts bewiesen ist?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Zero Theorem“ ist ein dystopischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2013, produziert in Großbritannien und Rumänien. Regie führte Terry Gilliam, das Drehbuch stammt von Pat Rushin, der als Professor für kreatives Schreiben an der University of Central Florida arbeitet. Die Kamera lag in den Händen von Nicola Pecorini, für den Schnitt war Mick Audsley verantwortlich, die Musik komponierte George Fenton. Der Film wurde im Herbst 2012 in nur 37 Drehtagen in Bukarest realisiert und hatte seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig 2013.

In der Hauptrolle des kahlköpfigen Computergenie Qohen Leth ist Christoph Waltz zu sehen, dem Gilliam eigens das Rasieren der Augenbrauen abverlangte. Mélanie Thierry spielt die rätselhafte Bainsley, Matt Damon tritt als kühler Firmenchef „Management“ auf. David Thewlis gibt Qohens Vorgesetzten Joby, Lucas Hedges verkörpert Bobs rebellischen Sohn. Tilda Swinton ist als KI-Therapeutin Dr. Shrink-Rom zu erleben, Ben Whishaw als einer der Unternehmensärzte.

Der Film wurde mit einem Budget von rund 10,3 Millionen Euro gedreht – Gilliams niedrigstem Produktionsetat seit den 1970er Jahren. Die FSK-Freigabe liegt bei FSK 12. In Deutschland kam der Film am 27. November 2014 in die Kinos, in Österreich eine Woche später. Das besondere Aufnahmeformat Maxivision mit einem Seitenverhältnis von 1,85:1 sicherte Gilliam die volle Kontrolle über die Bildgestaltung auf allen Wiedergabegeräten.

Handlung & Inhalt vom Film „The Zero Theorem“

In einer grellen, lärmenden Zukunft lebt Qohen Leth zurückgezogen in einer ausgebrannten Kirche. Er arbeitet als sogenannter Entitätenknacker für den Großkonzern Mancom – ein Job, der in einem Großraumbüro stattfindet, das mehr wie eine Spielhalle wirkt als wie ein Arbeitsplatz. Qohen spricht von sich selbst in der ersten Person Plural und wartet seit Jahren auf einen Telefonanruf, von dem er überzeugt ist, dass er ihm den Sinn seines Lebens mitteilen wird. Seinen Ärzten gegenüber behauptet er, sterbenskrank zu sein, doch die Diagnose lautet: körperlich gesund, psychisch auffällig. Pflichtgemäß schickt man ihn zu Dr. Shrink-Rom, einer virtuellen KI-Therapeutin. Auf einer Betriebsfeier trifft er schließlich Managements geheimnisvollen Chef persönlich.

Management gewährt Qohen den ersehnten Homeoffice-Platz – verbunden mit einer neuen Aufgabe. Er soll das Zero Theorem beweisen, eine mathematische Formel von mythischem Ruf, die angeblich jeden, der sich ihr widmet, in den Wahnsinn treibt. Qohen verbringt Monate allein in seiner Kirche und scheitert immer wieder. Die Formel verlangt den Beweis, dass das Nichts hundert Prozent entspricht – dass das Universum ohne Bedeutung ist. Je länger Qohen rechnet, desto mehr zerfällt seine geistige Stabilität. Schließlich zerstört er in einem Ausbruch von Frustration sein Computersystem mit einem Hammer. Sein Vorgesetzter Joby schickt daraufhin Bainsley zu ihm, eine junge Frau, der Qohen bereits auf der Betriebsfeier begegnet war.

Zwischen Sehnsucht und Manipulation

Bainsley bringt Qohen einen hochentwickelten VR-Anzug, der ihm Zugang zu ihrer Website ermöglicht. In einer virtuellen Strandwelt fühlt sich Qohen erstmals frei, und sie küssen sich, während die Formel kurz in den Hintergrund tritt. Gleichzeitig klärt Managements Sohn Bob ihn auf: Bainsley wird bezahlt, um Zeit mit ihm zu verbringen, und Mancom überwacht sein Zuhause mit versteckten Kameras. Außerdem repariert Bob den Computer und enthüllt, dass das Zero Theorem den Kollaps des Universums beschreibt. Qohen weigert sich jedoch, das zu akzeptieren.

Als er Bainsleys Website besucht, entdeckt er ihre Arbeit als Webcam-Darstellerin. Daraufhin bricht er den Kontakt ab. Kurz darauf sucht Bainsley ihn auf, gesteht Gefühle und will fliehen, doch Qohen lehnt ab. Währenddessen verschlechtert sich Bobs Gesundheitszustand stark, und er verbringt mehr Zeit in der Kirche. Qohen pflegt ihn und entdeckt dabei versteckte Kameras, die er zerstört. Kurz darauf holen Managements Mitarbeiter Bob schließlich ab.

Qohen setzt seinen reparierten VR-Anzug auf und verbindet sich mit dem Computernetz. Dabei wird er elektrisiert. Er erscheint vor dem Neural Net Mainframe des Mancom-Konzerns. Management erklärt die Entstehung des Universums aus Chaos. Es existiert im Chaos und kehrt dorthin zurück. Qohen wurde wegen seines Glaubens ausgewählt. Dieser widerspricht Managements nihilistischer Weltanschauung. Wütend zerstört Qohen das Netz. Dahinter öffnet sich das schwarze Loch seiner Träume. Er lächelt und springt hinein. Schließlich findet er sich allein am virtuellen Strand wieder. Er ist nackt und kahl. Mit der Hand vollzieht er den Sonnenuntergang.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Zero Theorem“

The Zero Theorem“ zeigt Terry Gilliam in einem charakteristischen Dilemma: Der Regisseur denkt größer als sein Budget erlaubt, und das ist sowohl Stärke als auch Begrenzung. Christoph Waltz trägt den Film mit einer körperlich extremen Darbietung – kahl, augenbrauenlos, in sich zusammengefaltet –, die Qohens innere Zerrissenheit nach außen kehrt. Mélanie Thierry gibt Bainsley eine warmherzige Mehrdeutigkeit, die über das Klischee der Verführerin hinausweist. Matt Damons chamäleonartige Auftritte als Management hingegen wirken kalkuliert distanziert, was der Figur eine beunruhigende Ungreifbarkeit verleiht.

Kameramann Nicola Pecorini und Produktionsdesigner Dave Warren erschaffen in Bukarest eine Welt, die gleichzeitig retro und futuristisch ist – überdreht bunt, lärmend und klaustrophobisch. Gilliams Bildsprache funktioniert auch mit kleinem Budget: Wenige Schauplätze werden durch kreative Ausstattung so aufgeladen, dass jede Einstellung philosophisches Gewicht trägt. Das Sounddesign spiegelt Qohens Überforderung – permanente Reizüberflutung draußen, bedrückendes Schweigen in der Kirche. George Fentons Score bleibt im Hintergrund, während Karen Souzas Lounge-Version von Radioheads „Creep“ programmatisch sitzt: ein Lied über Fremdheit, neu verkleidet.

„The Zero Theorem“ ist kein einfacher Film und will es auch nicht sein. Wer Gilliams frühere dystopische Arbeiten kennt, findet hier bekannte Motive – doch in einer unverstellteren, kühleren Form. Das philosophische Fundament ist ernsthafter als die bunte Oberfläche vermuten lässt. Für Genre-Fans, die bereit sind, sich auf ein Kino einzulassen, das keine Auflösung anbietet, sondern eine Haltung, lohnt sich dieser Film. Er verweigert den Trost – und das ist seine ehrlichste Qualität.

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