Killer’s Bodyguard
Wenn Hollywood das Kino der großen Gesten bedient, greift es gern zum Gegensatzpaar. Zwei Männer, zwei Haltungen, ein unfreiwilliges Bündnis – dieses Muster ist so alt wie das Buddy-Movie selbst. Patrick Hughes spielt in „Killer’s Bodyguard“ genau auf dieser Klaviatur, und zwar mit dem selbstbewussten Gestus des Genrekundigen. Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson treten als ungleiches Duo an. Der eine verkörpert die Ordnung, der andere das Chaos. Ein Setup, das zündet – oder eben nicht.

| Dauer: | 111 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2017 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Patrick Hughes |
| Produzenten: | Les Weldon, John Thompson, Matthew O'Toole, Mark Gill |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman |
| Nebendarsteller: | Salma Hayek Pinault, Élodie Yung, Richard E. Grant, Joaquim de Almeida |
| Studio: | Campbell Grobman Films, East Light Media, Nu Boyana Film Studios, Tom de Mol Productions, Summit Entertainment, Millennium Media, Davis Films, Cristal Pictures, Lionsgate, TIK Films |
Die Frage ist also weniger, was hier geschieht, sondern wie. Denn das Skript von Tom O’Connor wurde kurz vor Drehbeginn vom Drama zur Komödie umgeschrieben, was man dem Resultat bisweilen anmerkt. Zwischen Schießereien, Grachtenverfolgung und zynischen Pointen sucht der Film seinen Rhythmus. Manches gelingt glänzend, anderes wirkt wie nachträglich aufgesetzt. Bleibt die Überlegung, ob zwei pointiert gespielte Hauptfiguren genügen, um über erzählerische Schlaglöcher hinwegzutragen?
Besetzung, Regie und Drehorte
Regie führte Patrick Hughes, bekannt aus dem Söldnerkino der späten „Expendables“-Ära. Das Drehbuch zu „Killer’s Bodyguard“ stammt von Tom O’Connor und schaffte es 2011 auf die Black List der bestbewerteten unverfilmten Skripte. Produziert wurde der Film unter anderem von Mark Gill, Matthew O’Toole, John Thompson und Les Weldon. Die Kamera übernahm Jules O’Loughlin, den Schnitt verantwortete Jake Roberts. Für die Filmmusik zeichnet Atli Örvarsson. Die Produktion kombinierte europäische Schauplätze mit bulgarischer Studioarbeit in den Nu-Boyana-Filmstudios.
In der Hauptrolle des akribischen Personenschützers Michael Bryce steht Ryan Reynolds, dessen trockener Charme hier auf Samuel L. Jackson trifft. Jackson spielt den Auftragskiller Darius Kincaid mit sichtbarer Spiellust. Salma Hayek verkörpert dessen temperamentvolle Ehefrau Sonia, während Élodie Yung als Interpol-Agentin Amelia Roussel zwischen beruflicher Ambition und privater Vergangenheit pendelt. Gary Oldman übernimmt die Rolle des belarussischen Diktators Vladislav Dukhovich. In weiteren Nebenrollen agieren Richard E. Grant, Kirsty Mitchell, Joaquim de Almeida und Ori Pfeffer.
Die Dreharbeiten führten das Team nach London, Amsterdam, Den Haag und Sofia. Mit einer Laufzeit von 118 Minuten und einer FSK-16-Freigabe richtet sich der Film eindeutig an ein erwachsenes Actionpublikum. Bemerkenswert ist der kaschierte Einsatz bulgarischer Schauplätze: Das Gebäude der Sofioter Nationalbank steht stellvertretend für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Eine Fortsetzung folgte im Juni 2021.
Handlung & Inhalt vom Film „Killer’s Bodyguard“
Michael Bryce gilt als einer der gefragtesten Personenschützer der Branche. Vor allem seine akribische Vorbereitung, seine methodische Routine sowie seine nahkampftaugliche Präzision haben ihm den Ruf einer echten Premium-Adresse eingebracht. Darüber hinaus verleiht ihm sein CIA-Training den nötigen taktischen Unterbau. Als er schließlich den japanischen Waffenhändler Kurosawa durch London zu dessen Privatjet eskortieren soll, scheint der Auftrag zunächst souverän zu verlaufen.
Allerdings kommt es im entscheidenden Moment zu einer Katastrophe: Kurosawa wird durch einen Kopfschuss aus großer Entfernung getötet. Dadurch bricht Bryces Ruf vollständig zusammen. In der Folgezeit stürzt er beruflich ab und arbeitet zwei Jahre später weit unter seinem ursprünglichen Niveau. Gleichzeitig belastet ihn der Vorfall so stark, dass er die Schuld dafür seiner Ex-Freundin Amelia Roussel zuschreibt, die inzwischen bei Interpol tätig ist.
Die Route nach Den Haag
Währenddessen erhält Amelia ihren ersten großen Auftrag. Sie soll den inhaftierten Profikiller Darius Kincaid von Manchester nach Den Haag eskortieren, damit dieser vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen den belarussischen Diktator Vladislav Dukhovich aussagt. Zwar steht Dukhovich wegen schwerer Verbrechen unter Anklage, doch fehlen eindeutige Beweise. Deshalb wird Kincaid als entscheidender Kronzeuge benötigt, der im Gegenzug die Freilassung seiner Ehefrau Sonia fordert.
Jedoch wird der Gefangenentransport in Coventry von Dukhovichs Männern angegriffen. Infolgedessen überleben nur Amelia und der verletzte Kincaid das Feuergefecht. Sie flüchten daraufhin in ein sicheres Versteck, da Amelia zudem einen Verräter in den eigenen Reihen vermutet. Aus Mangel an Alternativen wendet sie sich schließlich an Bryce, obwohl zwischen ihnen ein tiefes persönliches Zerwürfnis besteht.
Schließlich müssen Bryce und Kincaid ihre Differenzen überwinden, um gemeinsam nach Den Haag zu gelangen. Zwar prallen ihre Arbeitsweisen ständig aufeinander, doch zwingt sie die Situation zur Zusammenarbeit. Nach weiteren gefährlichen Zwischenfällen erreichen sie schließlich das Gerichtsgebäude, wo Kincaid die entscheidenden Beweise präsentiert. Als Dukhovich daraufhin eskaliert und fliehen will, greifen Bryce und Kincaid ein und verhindern seine Flucht endgültig. Am Ende stirbt der Diktator, und Wochen später können Kincaid und Sonia in Freiheit ihren Hochzeitstag feiern.
Filmkritik und Fazit zum Film „Killer’s Bodyguard“
Was „Killer’s Bodyguard“ trägt, ist die chemische Reaktion zwischen seinen Hauptdarstellern. Reynolds und Jackson funktionieren nicht deshalb, weil sie kontrastieren, sondern weil ihre Kontraste dramaturgische Funktion übernehmen. Der eine büßt im Verlauf seine zwanghafte Kontrolle ein, der andere gewinnt Konturen jenseits der Zynismus-Pose. Regisseur Hughes inszeniert diese Annäherung ohne Sentimentalität. Die Kamera von Jules O’Loughlin bleibt dabei funktional, manchmal etwas zu weichgezeichnet. Atli Örvarssons Score untermalt eher, als dass er akzentuiert.
Das eigentliche Kapital des Films steckt in den Actionsequenzen. Die Verfolgungsjagd durch Amsterdam zählt zu den choreografisch dichtesten Sequenzen des Genres im Jahr 2017. Hughes vertraut seinen Stuntteams und der physischen Plausibilität der Bewegungen, was dem Tempo eine haptische Qualität verleiht. Ryan Reynolds absolviert eine Nahkampfszene in einem Baumarkt, die Witz und Brutalität elegant verschränkt. Weniger überzeugt der Einsatz digitaler Nachbesserungen, die neben der handwerklichen Wucht der realen Stunts merklich abfallen. Ein visueller Bruch.
Als Ganzes bleibt der Film hinter seinem Potenzial zurück. Die Nebenfiguren, allen voran Oldmans Diktator und Hayeks Gefängnisfurie, verharren im Typenhaften. Wer geschliffenen Genre-Witz à la „Kingsman“ erwartet, wird die schärfere Klinge vermissen. Für Freunde physisch inszenierter Actionkomödien mit zwei spielfreudigen Hauptdarstellern lohnt sich der Film dennoch. Eine solide Genrearbeit mit brillanten Einzelszenen.