Phantom Kommando
Wenige Filme der Achtziger haben das Actiongenre so unverblümt auf seine Grundformel reduziert wie dieser Streifen aus dem Hause Joel Silver. Regisseur Mark L. Lester stellt einen einzelnen Mann gegen eine ganze Privatarmee – und macht daraus ein mechanisches Ballett aus Muskelkraft, Munition und markigen Worten. „Phantom-Kommando“ ist Blaupause und Parodie zugleich, Genrekino in seiner grobkörnigsten Form. Schwarzenegger dominiert jede Einstellung. Seine physische Präsenz ersetzt, was dem Drehbuch an Tiefe fehlt.

| Dauer: | 90 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 1985 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Mark L. Lester |
| Produzenten: | Joel Silver |
| Hauptdarsteller: | Arnold Schwarzenegger, Rae Dawn Chong, Dan Hedaya |
| Nebendarsteller: | Vernon Wells, James Olson, David Patrick Kelly, Alyssa Milano |
| Studio: | SLM Production Group, Silver Pictures, 20th Century Fox |
Die Handlung folgt einer rachemotivierten Rettungsmission, die kaum Umwege duldet. Binnen neunzig Minuten hetzt Matrix durch Kalifornien, über Flugplätze und Einkaufszentren, bis zur finalen Schlacht auf einer Insel vor der Küste. Dabei entstehen Bilder, die ins kollektive Gedächtnis des Genres eingegangen sind. Der Film arbeitet ökonomisch, fast brutal straff. Horner untermalt das Geschehen mit Steel-Drum-Motiven, die heute seltsam exotisch wirken. Bleibt die Frage, ob diese radikale Formreduktion Stärke oder Schwäche des Films ist?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Phantom-Kommando“ entstand 1985 unter der Regie von Mark L. Lester, produziert von Joel Silver, dem späteren Architekten zahlreicher Hochglanz-Actionfilme. Das Drehbuch stammt von Steven E. de Souza, der wenige Jahre später mit Stirb langsam seinen Durchbruch feiern sollte. Ursprünglich hatte Jeph Loeb ein Skript über einen israelischen Soldaten verfasst. De Souza schrieb es vollständig um, maßgeschneidert für den neuen Hauptdarsteller. Die Kamera führte Matthew F. Leonetti. Für den Score verantwortlich zeichnete James Horner, dessen Musik Motive aus 48 Hrs. wiederverwendet.
In der Hauptrolle agiert Arnold Schwarzenegger als Colonel John Matrix, kurz nach seinem Durchbruch mit Terminator. An seiner Seite spielt Rae Dawn Chong die resolute Flugbegleiterin Cindy, während Alyssa Milano als entführte Tochter Jenny auftritt. Dan Hedaya verkörpert den Ex-Diktator Arius mit öliger Beiläufigkeit. Vernon Wells, zuvor bekannt aus Mad Max 2, wurde für Captain Bennett besetzt – laut Lester war er der einzige Darsteller, der neben Schwarzenegger bestehen konnte. Bill Duke und David Patrick Kelly runden die Riege der Antagonisten ab.
Die Dreharbeiten begannen im April 1985 und endeten nach fünfundvierzig Tagen. Gefilmt wurde ausschließlich in Kalifornien, unter anderem am Mount Baldy, in der Sherman Oaks Galleria und auf dem Anwesen des Harold Lloyd Estate. Das Budget stieg von acht auf zehn Millionen Dollar. Die deutsche FSK-18-Fassung lief lange nur geschnitten in den Kinos.
Handlung & Inhalt vom Film „Phantom-Kommando“
Colonel John Matrix, einst Kopf einer geheimen Spezialeinheit, lebt zurückgezogen mit seiner Tochter Jenny in den Bergen. Zwar hat er den Krieg hinter sich gelassen, dennoch bleibt seine Vergangenheit präsent, während die Wälder seine Gegenwart bestimmen. Eines Morgens erscheint Generalmajor Franklin Kirby und bringt beunruhigende Nachrichten: Drei ehemalige Kameraden der Einheit wurden bereits systematisch und professionell ermordet. Folglich ist Matrix vermutlich das nächste Ziel. Kaum ist Kirby jedoch abgeflogen, überfällt ein bewaffnetes Kommando das Haus. Matrix kämpft zwar verbissen, doch letztlich ist die Übermacht zu groß. Infolgedessen wird Jenny entführt und Matrix überwältigt.
Gefesselt erwacht er später vor Arius, einem ehemaligen Diktator aus Val Verde, gegen den Matrix einst selbst vorgegangen ist. Nun jedoch fordert Arius Vergeltung und verlangt zusätzlich ein Attentat auf Präsident Velasquez. Darüber hinaus steht Captain Bennett an seiner Seite – ein früherer Kollege, der wegen seiner Brutalität entlassen wurde und angeblich tot sein sollte. Als Matrix sich zunächst weigert, eskaliert die Situation sofort: Arius droht mit Jennys Tod. Deshalb gibt Matrix vor, den Auftrag auszuführen, um Zeit zu gewinnen, und wird schließlich zum Flughafen eskortiert.
Elf Stunden bis zur Landung
Im startenden Flugzeug nutzt er jedoch im entscheidenden Moment die Gelegenheit, bricht seinem Bewacher das Genick und entkommt durch das Fahrwerk in einen Sumpf. Anschließend kehrt er zum Terminal zurück und verfolgt Sully, einen weiteren Handlanger Arius’. Währenddessen bedrängt dieser gerade die Flugbegleiterin Cindy, die sich jedoch wehrt. Daher zwingt Matrix sie zunächst zur Zusammenarbeit, obwohl sie ihm anfangs misstraut. Nach und nach erkennt sie jedoch die Lage, und gemeinsam folgen sie der Spur durch Los Angeles, wobei sie unter anderem einen Waffenladen plündern und mehrere Sperren umgehen.
Schließlich führt die Spur zu einer Insel der Channel Islands, wo Jenny festgehalten wird. Dort startet Matrix sofort den Angriff, landet mit einem Wasserflugzeug und setzt systematisch sein Arsenal ein. Währenddessen eliminiert er Wachen, sprengt Anlagen und zerschlägt die Rebellen Stück für Stück. Infolgedessen fällt Arius in seiner Villa, doch die finale Konfrontation bleibt Bennett vorbehalten, der Jenny als Druckmittel nutzt.
Abschließend entbrennt ein brutaler Nahkampf zwischen Matrix und Bennett, der sich schließlich zuspitzt. Obwohl Bennett alles versucht, setzt sich Matrix durch und tötet ihn. Dadurch ist Jenny befreit und die Mission erfüllt. Kurz darauf erscheint Kirby mit einem Hubschrauber und bietet eine Rückkehr in die Special Forces an. Dennoch lehnt Matrix ab, da seine Tochter Vorrang hat. Schließlich verlässt er gemeinsam mit Cindy und Jenny den Schauplatz seiner letzten Schlacht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Phantom-Kommando“
Als Actionfilm seiner Ära gehorcht „Phantom-Kommando“ einer fast mathematischen Dramaturgie. Lester inszeniert kompromisslos und zielorientiert, ohne Nebenstränge oder emotionale Ablenkungen. Der Schnitt von Mark Goldblatt, John F. Link und Glenn Farr hält das Tempo konstant hoch, auch in ruhigeren Passagen. Leonettis Kamera liebt die Muskulatur des Hauptdarstellers und die Silhouetten gegen den kalifornischen Himmel. Horners Score arbeitet mit ungewöhnlichen Klangfarben, vor allem den namensgebenden Steel Drums, die dem Film einen unverwechselbaren Sound verleihen. Das Drehbuch verzichtet auf Charakterentwicklung. Das ist Schwäche und Konzept zugleich.
Schwarzenegger agiert mit der Routine des bereits arrivierten Stars. Seine Physis trägt die gesamte Inszenierung, seine Einzeiler sind trocken genug, um die Selbstironie des Projekts zu transportieren. Rae Dawn Chong bringt als Cindy eine willkommene Gegenstimme ein, wenn sie das maskuline Gehabe als solches benennt. Vernon Wells gelingt mit Bennett ein Antagonist zwischen Fixierung und Hass, dessen Motivation über bloßen Bösewicht-Standard hinausweist. Die Actionszenen wirken heute teils unfreiwillig komisch, etwa wenn ein umgestürztes Auto einfach wieder aufgerichtet weiterfährt. Doch genau in diesen Brüchen liegt der bleibende Reiz.
Lesters Film ist Genrekino in Reinform, formuliert ohne ironische Distanz und doch nicht ohne Augenzwinkern. Wer Tiefgang sucht, wird enttäuscht. Wer die Achtzigerjahre-Action in ihrer prototypischen Gestalt erleben will, findet hier einen nahezu kanonischen Vertreter. Für Genre-Liebhaber bleibt der Film eine unverzichtbare Referenz, ein Muskelmärchen mit selbstbewusstem Rhythmus. Ein Stück Filmgeschichte, rau und unprätentiös.