True Lies – Wahre Lügen

Wenn James Cameron 1994 zur Actionkomödie greift, entsteht kein Kompromiss, sondern eine Hybride mit Muskeln und Manieren. „True Lies – Wahre Lügen“ verpflanzt die Zellstruktur einer französischen Boulevardkomödie in das pyrotechnische Skelett eines Hollywood-Blockbusters. Das Ergebnis ist widersprüchlich, laut und verblüffend selbstironisch. Hier kämpft ein Geheimagent gleichzeitig gegen Terroristen und gegen die eigene Ehelüge. Zwei Fronten, ein Schauplatz.

True Lies - Wahre Lügen
Dauer: 141 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1994
Kategorien: Action, Komödie
Regie: James Cameron
Produzenten: Stephanie Austin, James Cameron
Hauptdarsteller: Arnold Schwarzenegger, Jamie Lee Curtis, Tom Arnold
Nebendarsteller: Bill Paxton, Tia Carrere, Art Malik, Eliza Dushku
Studio: Lightstorm Entertainment, 20th Century Fox

Cameron, bis dahin vor allem als Chronist apokalyptischer Maschinenwelten bekannt, wagt mit diesem Film einen Tonwechsel, der bei genauerem Hinsehen gar keiner ist. Die Maschinerie bleibt; nur richtet sie sich diesmal gegen die bürgerliche Fassade. Arnold Schwarzenegger, Jamie Lee Curtis und ein Harrier-Senkrechtstarter bilden ein Dreieck aus Muskeln, Witz und Schubkraft. Zwischen Ehekrise und Atomsprengkopf entfaltet sich ein Spektakel, das seine eigene Maßlosigkeit zum Programm erhebt. Was verrät dieser Tonfall über das Actionkino jener Jahre?

Besetzung, Regie und Drehorte

True Lies – Wahre Lügen“ entstand 1994 in den USA unter der Regie von James Cameron, der gemeinsam mit Randall Frakes auch für die Story verantwortlich zeichnete. Das Drehbuch basiert auf der französischen Komödie „La Totale!“ von Claude Zidi aus dem Jahr 1991. Produziert wurde der Film von Stephanie Austin und Lawrence Kasanoff. Für die Musik sorgte Brad Fiedel, bereits zuvor Camerons Stammkomponist. Die Kamera führte Russell Carpenter. Den Schnitt übernahmen Conrad Buff, Mark Goldblatt und Richard A. Harris in arbeitsteiliger Montage.

In der Hauptrolle als Doppelleben-Agent Harry Tasker agiert Arnold Schwarzenegger. An seiner Seite steht Jamie Lee Curtis als Ehefrau Helen. Tom Arnold verkörpert den Partner Albert Gibson, Tia Carrere die Kunsthändlerin Juno Skinner. Art Malik gibt den Terroristen Salim Abu Aziz. Weitere Rollen übernahmen Grant Heslov als Techniker Faisil, Eliza Dushku als Tochter Dana sowie Bill Paxton als Hochstapler Simon. Charlton Heston spielt den Omega-Sector-Chef Spencer Trilby.

Die Laufzeit beträgt 141 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. Mit rund 110 Millionen US-Dollar Produktionskosten war der Film Camerons bis dahin teuerstes Actionprojekt, weltweit spielte er etwa 379 Millionen Dollar ein. Gedreht wurde hauptsächlich in San Diego. Jamie Lee Curtis erhielt 1995 den Golden Globe als beste Darstellerin in einer Komödie, der Film war zudem für den Oscar in der Kategorie Beste visuelle Effekte nominiert.

Handlung & Inhalt vom Film „True Lies – Wahre Lügen“

Harry Tasker führt zunächst ein sorgfältig konstruiertes Doppelleben. Nach außen hin arbeitet er als Handelsvertreter für Businesssoftware und wirkt zugleich als geduldiger Ehemann sowie vielgereister Vater. Gleichzeitig kümmert sich seine Frau Helen als Rechtsanwaltsfachangestellte um den Alltag, während sie allzu häufig auf seine Rückkehr wartet. Zudem steckt Tochter Dana mitten in der Pubertät und rebelliert zunehmend. In Wahrheit jedoch arbeitet Harry für den Omega Sector, eine geheime Bundesorganisation zur Terrorabwehr, wobei seine Tarnung so konsequent ist, dass selbst Helen nichts davon ahnt. Aktuell verfolgt er außerdem die Kunsthändlerin Juno Skinner, die im Auftrag einer arabischen Terrorgruppe nukleare Sprengköpfe aus alten Sowjetbeständen in antiken Statuen ins Land schmuggelt.

Obwohl Harry der Organisation bereits empfindliche Schläge versetzt hat, entkommt dennoch deren Anführer Salim Abu Aziz. Parallel dazu gerät auch Harrys Privatleben zunehmend aus dem Gleichgewicht. Währenddessen fühlt sich Helen immer stärker vernachlässigt und sucht daher Ablenkung. Infolgedessen tritt ein gewisser Simon in ihr Leben, der angeblich als Geheimagent im Dienst des Präsidenten arbeitet und sie umwirbt. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei ihm lediglich um einen Gebrauchtwagenhändler, der seine Agentenrolle gezielt zur Verführung nutzt. Als Harry die Affäre entdeckt, setzt er wiederum die Ressourcen des Omega Sector ein, um beide zu beschatten. Schließlich greift er im Wohnmobil des Aufschneiders mit einem Einsatzkommando ein, wodurch Simon eine deutliche Lektion erhält und Helen anschließend anonym verhört wird.

Zwischen Eheshow und Ernstfall

Im weiteren Verlauf des Geschehens gesteht Helen im Verhör, dass sie ihren Mann zwar liebt, jedoch Abwechslung in ihrem Leben vermisst. Daraufhin reagiert Harry, ohne sich zu erkennen zu geben, indem er ein inszeniertes Scheinabenteuer arrangiert. Als angeblicher Waffenhändler lockt er sie in ein Hotelzimmer und zwingt die Situation in eine riskante Mission, bei der Helen eine Wanze anbringen und gleichzeitig einen Striptease aufführen soll. Allerdings kippt die Inszenierung abrupt, als Aziz und seine Männer überraschend hereinplatzen und beide entführen. Infolgedessen werden Harry und Helen auf eine Insel der Florida Keys verschleppt, wo Harry unter Wahrheitsserum schließlich seine wahre Identität preisgibt.

Während Helen diese Wahrheit in kürzester Zeit verarbeiten muss, nutzt Harry die entstehende Situation zur Flucht und befreit schließlich auch seine Frau. Anschließend beobachten beide, wie Aziz einen nuklearen Sprengkopf aktiviert und in Beton einbetten lässt. Daraufhin entbrennt ein heftiges Gefecht, in dem Harry zahlreiche Terroristen ausschaltet, während Helen erneut in Skinners Hände fällt. Gleichzeitig startet Aziz mit einem zweiten Sprengkopf Richtung Miami, während der Rest der Gruppe Helen als Geisel über den Overseas Highway transportiert. Kurz darauf zerstören Militärjets die Brücke, wodurch Harry Helen im letzten Moment aus einem führerlosen Wagen rettet und die Inselbombe ferngezündet wird.

Schließlich erreicht Aziz Miami und nimmt Tochter Dana als Geisel, während sich die Terroristen in einem Hochhaus verschanzen. Parallel dazu beschafft sich Harry einen Harrier-Senkrechtstarter und startet eine spektakuläre Rettungsaktion. Währenddessen entwendet Dana den Zündschlüssel und flieht auf einen Baukran, sodass Aziz ihr folgt. Kurz bevor sie abstürzt, fängt der Harrier sie im letzten Moment auf, während Aziz an einer Rakete hängen bleibt, die Harry schließlich zündet. Am Ende wird Helen selbst Agentin des Omega Sector, sodass das Ehepaar nun gemeinsam arbeitet und bei einem neuen Einsatz erneut auf den unverbesserlichen Simon trifft.

Filmkritik und Fazit zum Film „True Lies – Wahre Lügen“

True Lies – Wahre Lügen“ funktioniert nach einem Prinzip, das Cameron schon in früheren Werken perfektioniert hat: Überwältigung durch Präzision. Russell Carpenters Kamera bleibt selbst in chaotischen Szenen erstaunlich geordnet und gibt dem Zuschauer stets räumliche Orientierung. Brad Fiedels Musik unterlegt das Geschehen mit einer metallischen Unterströmung, die an seine Terminator-Partitur erinnert, ohne sich darin zu erschöpfen. Schwarzenegger spielt Harry mit bemerkenswerter Selbstironie. Jamie Lee Curtis setzt dem eine darstellerische Breite entgegen, die zwischen Tragik und Slapstick nie ins Karikaturhafte kippt. Die legendäre Striptease-Szene zeigt das exemplarisch.

Tempo und Inszenierung leiden allerdings unter der Länge von 141 Minuten. Cameron dehnt einzelne Sequenzen über das dramaturgisch Notwendige hinaus. Das Pferdeverfolgungsjagd-Finale im Hotel Marriott gehört zu den glanzvollsten Momenten des Films und demonstriert seine technische Ambition. Die Sprengung einer Brücke über den Keys-Highway durch Militärjets wiederum offenbart die frühe Reife digitaler und analoger Trickeffektkombination. Problematisch bleibt die Figurenzeichnung der arabischen Antagonisten, die heute deutlich stärker als Klischee erscheinen als noch 1994. Diese Schwäche lässt sich nicht mit dem Verweis auf Genrekonventionen wegwischen.

Als Hybrid aus Ehekomödie und Terrorthriller bleibt der Film ein Zeitdokument seiner Ära. Wer das Actionkino der neunziger Jahre in seiner selbstbewussten Maßlosigkeit studieren möchte, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Cameron verbindet Ironie und Effektgewitter mit einer Souveränität, die heute selten geworden ist. Für Liebhaber der Actionkomödie ist „True Lies“ trotz seiner Schwächen lohnenswert. Seine Kühnheit hat ihre Patina, aber auch ihren bleibenden Reiz.

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