Kill Bill – Volume 1
Es gibt Filme, die sich einordnen lassen, und es gibt Filme, die jede Einordnung verweigern. „Kill Bill – Volume 1“ gehört zur zweiten Sorte. Quentin Tarantino kehrt 2003 nach sechs Jahren Pause auf die Leinwand zurück und legt ein Werk vor, das sich wie eine Liebeserklärung an das Genrekino liest. Eastern, Samurai-Epos, Italowestern, Martial-Arts-Huldigung – alles verdichtet sich zu einem stilisierten Rachedrama. Die Geschichte ist dabei beinahe Nebensache.

| Dauer: | 111 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 2003 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Quentin Tarantino |
| Produzenten: | Lawrence Bender, Katsuji Morishita |
| Hauptdarsteller: | Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox |
| Nebendarsteller: | Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Julie Dreyfus |
| Studio: | Miramax, A Band Apart, Super Cool ManChu |
Im Zentrum steht eine Frau mit Schwert und ohne Namen. Uma Thurman verkörpert „die Braut“, eine ehemalige Attentäterin, die nach vier Jahren Koma nur ein Ziel kennt. Tarantino verwandelt ihren Rachefeldzug in ein choreografiertes Blutballett, das sich bewusst jeder realistischen Lesart entzieht. Bildsprache, Musik und Gewalt greifen ineinander wie Zahnräder einer Präzisionsmechanik. Doch wie viel Substanz trägt diese filmische Hommage jenseits ihrer virtuosen Oberfläche?
Besetzung, Regie und Drehorte
Quentin Tarantino zeichnet sich bei „Kill Bill – Volume 1“ für Regie und Drehbuch verantwortlich und setzt damit seine Handschrift des nicht-linearen Erzählens fort. Produziert hat Lawrence Bender für A Band Apart, die Kameraarbeit übernahm Robert Richardson. Für den Schnitt verantwortlich zeichnet Sally Menke, die Tarantinos rhythmisches Timing seit Jahren begleitet. Die musikalische Leitung lag bei The RZA vom Wu-Tang Clan. Gedreht wurde unter anderem in der Mojave-Wüste bei Hi Vista, wo eine Baptistenkirche als Kulisse diente.
Uma Thurman führt das Ensemble als namenlose Rächerin an und liefert eine physisch fordernde Darstellung. Ihr Stuntdouble war die Neuseeländerin Zoë Bell, die später selbst in Tarantinos Filmografie aufstieg. Lucy Liu spielt die Yakuza-Anführerin O-Ren Ishii, Vivica A. Fox verkörpert Vernita Green. Daryl Hannah tritt als Elle Driver auf, Michael Madsen als Budd. Sonny Chiba gibt den legendären Schwertmeister Hattori Hanzo. David Carradine bleibt als Bill vorerst im Hintergrund.
Der Film dauert 106 Minuten und erhielt in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren. Ursprünglich als vierstündige Einheit konzipiert, teilte Tarantino das Werk in zwei Teile. Bei den MTV Movie Awards 2004 gewann Thurman den Preis als beste Darstellerin, Lucy Liu überzeugte als beste Bösewichtin. Der Saturn Award für den besten Actionfilm ging ebenfalls an das Werk.
Handlung & Inhalt vom Film „Kill Bill – Volume 1“
Zunächst beginnt der Film mit einem Schwarz-Weiß-Prolog von brutaler Ruhe. Eine blutüberströmte Frau liegt am Boden einer Kapelle, während die Stiefel eines Mannes über ihr erscheinen. Kurz darauf nähert sich Bill seiner ehemaligen Geliebten und erklärt, wie sehr es ihn schmerze, sie töten zu müssen. Obwohl sie ihm offenbart, dass sie sein Kind erwartet, drückt er schließlich dennoch ab. Der Schuss hallt nach, woraufhin das Bild abrupt abbricht. Anschließend entfaltet sich die Handlung nicht chronologisch. Stattdessen springt Tarantino zwischen verschiedenen Zeitebenen, unterteilt die Geschichte in Kapitel und fragmentiert die Ereignisse bewusst. Dadurch wird das Massaker zum zentralen Bezugspunkt, um den sich alle weiteren Episoden drehen.
Vier Jahre später erwacht die Braut aus dem Koma. Sofort bemerkt sie, dass ihr Kind verschwunden ist. Daraufhin flieht sie aus dem Krankenhaus, nachdem sie mit einem übergriffigen Pfleger abgerechnet hat. Anschließend sucht sie in Pasadena Vernita Green auf, eine ehemalige Kollegin aus dem Tödliche-Viper-Team. Dort entwickelt sich ein heftiger Kampf in der Küche, der schließlich tödlich endet – allerdings vor den Augen von Vernitas vierjähriger Tochter. Danach folgt eine Rückblende im Anime-Stil, die die Herkunft von O-Ren Ishii beleuchtet. Als Kind musste sie mit ansehen, wie ihre Eltern ermordet wurden. Wenige Jahre später rächte sie sich schließlich an dem verantwortlichen Yakuza-Boss Matsumoto.
Der Weg nach Tokio
Daraufhin führt die Reise die Braut nach Okinawa zum legendären Waffenschmied Hattori Hanzo. Dieser hat sich eigentlich längst vom Handwerk zurückgezogen und fertigt nur noch dekorative Klingen. Dennoch ändert sich seine Haltung, sobald die Braut offenbart, dass ihr Ziel ausgerechnet Bill ist, ein ehemaliger Schüler Hanzos. Folglich bricht der Meister seinen Schwur. Einen Monat später überreicht er ihr in einer feierlichen Zeremonie ein Katana von außergewöhnlicher Qualität. Anschließend reist die Braut nach Tokio, wo sie O-Ren Ishii im Haus der Blauen Blätter aufspürt. Dort feiert diese gemeinsam mit ihrer Leibgarde, während sich gleichzeitig der bevorstehende Showdown ankündigt.
Zunächst stellt die Braut Ishii zur Rede und verstümmelt dabei Sofie Fatale. Kurz darauf beginnt die berühmteste Kampfabfolge des Films. Die junge Gogo Yubari greift mit einer Morgenstern-Kugel an, wird jedoch im Nahkampf besiegt. Anschließend stürmt die Elitetruppe der Crazy 88 das Restaurant. Währenddessen inszeniert Tarantino ein exzessives Massaker, das abwechselnd in Schwarz-Weiß und in stilisierten Silhouetten gezeigt wird. Dabei fliegen Gliedmaßen durch die Luft, während Blutfontänen die Überzeichnung der Gewalt zusätzlich verstärken. Letztlich bleibt die Braut als Siegerin zurück und steht allein inmitten der Leichen.
Schließlich verlagert sich das finale Duell in einen verschneiten Garten. Dort tritt O-Ren Ishii der Braut zum Schwertkampf entgegen, während das rhythmische Klopfen eines Shishi odoshi die Szene begleitet. Zugleich bilden die fallenden Schneeflocken einen ruhigen Kontrast zur Härte des Kampfes. Im Verlauf des Duells treffen beide Kämpferinnen schwere Treffer. Letztlich überlebt jedoch nur eine von ihnen. Nachdem Ishii eine tödliche Kopfverletzung erlitten hat, stirbt sie. Daraufhin verschont die Braut die schwer verletzte Sofie Fatale, damit diese Bill von den Ereignissen berichten kann. Abschließend erfährt der Zuschauer in der Schlussszene, dass die Tochter der Braut entgegen aller Erwartungen noch am Leben ist.
Filmkritik und Fazit zum Film „Kill Bill – Volume 1“
Dass „Kill Bill – Volume 1“ inhaltlich schmal gestrickt ist, lässt sich schwerlich bestreiten. Eine Frau sucht Rache – mehr Handlungsgerüst benötigt Tarantino nicht. Genau darin liegt die Stärke seiner Inszenierung. Robert Richardsons Kamera arbeitet mit präzisen Fahrten und kompositorischer Strenge, während Sally Menkes Schnitt den Rhythmus zwischen Ruhe und Eruption setzt. Uma Thurman trägt den Film physisch, beinahe ohne Dialog, allein durch Haltung und Blick. Der gelb-schwarze Anzug wird zur ikonografischen Chiffre. Jede Bewegung erscheint kalkuliert.
Das Sounddesign ist ein eigenes Kapitel. Tarantino kuratiert den Soundtrack wie ein Musikarchäologe, mischt Nancy Sinatras melancholisches „Bang Bang“ mit Tomoyasu Hoteis treibendem „Battle Without Honor or Humanity“ und Bernard Herrmanns verstörender Pfeifmelodie aus „Twisted Nerve“. Die Anime-Sequenz zu O-Rens Herkunft bricht die Erzählform und funktioniert dennoch als emotionaler Kernmoment. Die Gartenszene im Schnee zeigt Tarantinos Gespür für das Gegenteil seiner eigenen Exzesse: stille Kontemplation vor dem finalen Schlag. Der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und Farbe wirkt nicht als Gimmick, sondern als dramaturgisches Mittel.
Für Freunde des stilisierten Actionkinos ist dieses Werk eine Pflichtlektion. Tarantino zeigt, wie viel filmisches Kapital in der Form selbst steckt, wenn sie mit solcher Präzision ausgereizt wird. Wer psychologische Tiefe sucht, wird enttäuscht heimgehen. Wer sich auf das Ritual einlässt, erlebt eine der stringentesten Genre-Hommagen des Jahrzehnts. Ein Film, der seine Oberfläche als Statement versteht.