Deadpool 2
Fortsetzungen von Überraschungserfolgen tragen eine besondere Last. Sie müssen die Mechanik des Vorgängers wiederholen und zugleich überbieten – ein Balanceakt zwischen Vertrautheit und Eskalation. Bei „Deadpool 2“ verschärft sich diese Aufgabe zusätzlich: Der erste Teil hatte 2016 ein Genre vorgeführt, das sich selbst nicht ernst nimmt. Wer das Selbstironische zur Marke macht, muss beim zweiten Mal aufpassen, nicht zur Manier zu erstarren. Regisseur David Leitch übernimmt hier ein schwieriges Erbe.

| Dauer: | 119 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2018 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | David Leitch |
| Produzenten: | Simon Kinberg, Ryan Reynolds, Lauren Shuler Donner |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Josh Brolin, Morena Baccarin |
| Nebendarsteller: | Julian Dennison, Zazie Beetz, T.J. Miller, Leslie Uggams |
| Studio: | Maximum Effort, Genre Films, 20th Century Fox, Marvel Entertainment |
Der Nachfolger sucht die Antwort in der Aufrüstung. Mehr Budget, mehr Figuren, spektakulärere Stunts – und ein zeitreisender Cyborg als Gegenspieler. Gleichzeitig verschiebt sich der Ton. Wo der erste Teil noch mit dem kleinen Format kokettierte, gibt sich die Fortsetzung als ausgewachsener Blockbuster. Diese Verschiebung ist Risiko und Chance zugleich. Gelingt es dem Film, seine anarchische Grundhaltung im größeren Rahmen zu bewahren, oder erstickt die aufgedrehte Metaebene im eigenen Apparat?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Deadpool 2“ entstand unter der Regie von David Leitch, der sich zuvor mit „John Wick“ und „Atomic Blonde“ als Stilist handgemachter Actionchoreografien empfahl. Das Drehbuch verantworten Rhett Reese und Paul Wernick gemeinsam mit Hauptdarsteller Ryan Reynolds, der diesmal auch als Produzent fungiert. Simon Kinberg und Lauren Shuler Donner komplettieren die Produktion. Die Bildgestaltung übernahm Jonathan Sela, der bereits zuvor mit Leitch zusammengearbeitet hatte. Tyler Bates ersetzte den ursprünglich vorgesehenen Komponisten Junkie XL. Die Dreharbeiten begannen am 17. Juni 2017 in Hatley Castle in Victoria und fanden anschließend hauptsächlich in Vancouver statt.
Ryan Reynolds kehrt in der Doppelrolle als Wade Wilson und Deadpool zurück und leiht zudem dem Juggernaut seine Stimme. An seiner Seite agiert Josh Brolin als düsterer Zeitreisender Cable, während Zazie Beetz als Domino mit der unkonventionellen Superkraft „Glück“ ausgestattet ist. Julian Dennison verkörpert den jugendlichen Firefist, Morena Baccarin ist erneut als Vanessa zu sehen. Stefan Kapičić leiht Colossus die Stimme, Brianna Hildebrand ist abermals als Negasonic Teenage Warhead besetzt. Ergänzend tauchen Terry Crews, Bill Skarsgård und Leslie Uggams auf.
Die Kinofassung läuft 119 Minuten, der später erschienene „Super Duper $@%!#& Cut“ bringt es auf 134 Minuten. Eine dritte Variante namens „Once Upon a Deadpool“ reduziert den Film auf 118 Minuten und eine familienfreundliche Freigabe. Die deutsche Kinofassung trägt eine FSK-16-Einstufung. Während der Dreharbeiten verunglückte die Stuntfrau Joi Harris tödlich. Nominierungen folgten unter anderem bei den Critics‘ Choice Movie Awards 2019.
Handlung & Inhalt vom Film „Deadpool 2“
Zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils „Deadpool“ hat sich Wade Wilson als global agierender Auftragskiller etabliert. Nach einem gescheiterten Einsatz gegen einen Drogenboss kehrt er zu seiner Lebensgefährtin Vanessa zurück, um den gemeinsamen Jahrestag zu feiern. Die beiden beschließen, eine Familie zu gründen. Wade überreicht ihr als symbolisches Geschenk einen Skee-Ball-Token, der an ihre erste Verabredung erinnert. Noch in derselben Nacht bricht das Kartell in ihre Wohnung ein. Vanessa stirbt in Wades Armen. Er stellt den Mörder und streckt ihn nieder. Der Schmerz bleibt.
Sechs Wochen später versucht Wade, sich mit Benzinkanistern in die Luft zu jagen. In einer Vision erscheint ihm Vanessa und deutet an, dass sein Herz noch nicht bereit sei. Colossus birgt die verbliebenen Reste und nimmt Wade auf das Anwesen der X-Men mit. Dort schließt er sich den Mutanten halbherzig an. Ein erster Einsatz führt das Team zu einem Waisenhaus, in dem der junge Russell Collins randaliert. Wade erkennt die Misshandlungen durch den Direktor. Er erschießt einen Betreuer und wird verhaftet.
Die X-Force auf Kollisionskurs
In der sogenannten Eisbox werden die Mutantenkräfte durch Halsbänder unterdrückt. Gleichzeitig verschlechtert sich Wades Zustand, da sein Heilungsfaktor zusammenbricht und der Krebs zurückkehrt. Währenddessen dringt der Cyborg-Soldat Cable in das Gefängnis ein, um Russell zu töten, da er aus der Zukunft weiß, dass der Junge später seine Familie auslöscht. Inmitten dieses Chaos gelingt Wade schließlich die Flucht. Kurz darauf führt ihn eine weitere Vision von Vanessa zu der Erkenntnis, dass er Russell retten muss, um letztlich auch sich selbst zu retten. Daraufhin stellt er gemeinsam mit Weasel ein Team zusammen, das er X-Force nennt.
Im Anschluss daran gerät der Angriff auf den Gefangenentransport jedoch völlig außer Kontrolle und entwickelt sich zu einer grotesken Katastrophe. Die meisten Rekruten sterben bereits beim Fallschirmsprung aufgrund der unberechenbaren Windverhältnisse. Dennoch erreichen nur Deadpool und Domino den Konvoi. Gleichzeitig befreit Russell dort den Juggernaut, der Wade brutal den Unterleib abreißt und anschließend mit dem Jungen verschwindet. Währenddessen regeneriert Wade bei Blind Al, woraufhin Cable ihn aufsucht und überraschend eine Zusammenarbeit anbietet. Schließlich willigt Wade ein, fordert jedoch zunächst dreißig Sekunden Verhandlungszeit mit Russell.
Das Finale führt anschließend zurück zum Waisenhaus, wo sich die Ereignisse zuspitzen. Während Colossus, Negasonic und Yukio den Juggernaut binden, legt Wade sich das Halsband an und stellt sich somit schutzlos dem Direktor entgegen. Gleichzeitig feuert Cable einen Schuss ab, doch Wade springt dazwischen und wird tödlich am Herzen getroffen. Infolgedessen opfert er sein Leben, wodurch Russell gerettet wird und sich damit auch Cables Zukunft verändert. Schließlich aktiviert Cable seine letzte Energie des Zeitreisegeräts und rettet Wade, indem er den Skee-Ball-Token über dessen Herz platziert und so den Tod verhindert.
Filmkritik und Fazit zum Film „Deadpool 2“
„Deadpool 2“ lebt von einer Spannung, die der Film selbst produziert und nur selten auflösen kann. David Leitch inszeniert die Actionsequenzen mit bemerkenswerter räumlicher Klarheit. Besonders die Verfolgungsjagd auf dem Convoy, die zwischen Trucks, Windböen und Fallschirmen changiert, zeigt sein Gespür für physische Choreografie. Jonathan Selas Kamera arbeitet mit Bewegung statt mit Schnittgewitter. Ryan Reynolds bleibt das Gravitationszentrum, doch Zazie Beetz liefert mit lakonischer Präzision die vielleicht eigenständigste Figur des Films.
Das Drehbuch dagegen verhakt sich in seinen eigenen Schleifen. Der Verlust Vanessas soll emotionales Fundament sein, wird aber zugleich permanent mit Metakommentar unterlaufen. Diese Doppelbewegung funktioniert, solange der Film sie bewusst einsetzt – etwa in der Celine-Dion-unterlegten Vorspannsequenz. Wenn Russells Drama jedoch ernst genommen werden soll, steht die ständige Pointenmaschinerie im Weg. Tyler Bates‘ Musik agiert zweckmäßig, ohne eigenen Akzent. Der groteske Tod fast der gesamten X-Force zählt zu den wagemutigsten Momenten des zeitgenössischen Blockbusterkinos.
Am Ende bleibt eine ambivalente Bilanz. Leitchs handwerkliche Sicherheit hebt die Action deutlich über den Durchschnitt des Genres. Die Selbstironie wirkt vertrauter, damit auch weniger wirksam. Wer den ersten Teil schätzte, findet hier eine konsequente, technisch präzisere Fortsetzung. Wer die Masche damals schon bezweifelte, wird sie jetzt durchschauen. Ein Film mit Haltung – nur nicht immer mit Tiefe.