Crimson Peak

Das Gothic-Genre verlangt nach einem Haus, das mehr ist als Kulisse. Es muss atmen, knirschen, sich erinnern. „Crimson Peak“ schickt seine Protagonistin in ein solches Gemäuer – und macht den Ort selbst zur zentralen Figur. Guillermo del Toro inszeniert eine viktorianische Schauergeschichte zwischen Begehren und Verwesung. Die roten Tonadern, die aus dem Boden quellen, werden zum Sinnbild einer Familie, deren Geheimnisse den Grund selbst vergiften. Stilistisch ist das Werk Behauptung, keine bloße Nachahmung.

Crimson Peak
Dauer: 119 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2015
Kategorien: Horror, Romantik
Regie: Guillermo del Toro
Produzenten: Callum Greene, Thomas Tull, Guillermo del Toro, Jon Jashni
Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston
Nebendarsteller: Charlie Hunnam, Jim Beaver, Burn Gorman, Leslie Hope
Studio: Double Dare You, Legendary Pictures

Im Zentrum steht die junge Autorin Edith Cushing, die an Geister glaubt, weil sie welche gesehen hat. Der schottische Baronet Thomas Sharpe bezaubert sie, obwohl ihr Vater seinen Motiven misstraut. Nach einem verdächtigen Todesfall folgt Edith dem Fremden in ein abgelegenes Anwesen in Nordengland. Dort wartet seine Schwester Lucille, dort warten Schatten, die flüstern. Hinter Eleganz und Höflichkeit liegt eine Wunde, die Generationen überdauert hat. Was geschieht, wenn das Haus selbst die Wahrheit ausschwitzt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Crimson Peak“ ist ein US-amerikanischer Mystery-Horror-Film mit romantischen Akzenten aus dem Jahr 2015. Regie führte Guillermo del Toro, der das Drehbuch gemeinsam mit Matthew Robbins verfasste. Produziert wurde der Film unter anderem von del Toro, Callum Greene, Jon Jashni und Thomas Tull für Universal Studios. Die Musik komponierte Fernando Velázquez, die Kamera übernahm Dan Laustsen. Für den Schnitt war Bernat Vilaplana verantwortlich. Die Produktionskosten beliefen sich auf 55 Millionen US-Dollar.

Die Hauptrolle der Edith Cushing spielt Mia Wasikowska. Tom Hiddleston verkörpert Thomas Sharpe, nachdem der ursprünglich besetzte Benedict Cumberbatch aus dem Projekt ausgestiegen war. Jessica Chastain übernahm die Figur der Lucille Sharpe. Charlie Hunnam ist als Dr. Alan McMichael zu sehen, Jim Beaver spielt Carter Cushing. In weiteren Rollen treten Burn Gorman, Leslie Hope, Doug Jones und Jonathan Hyde auf. Die Dreharbeiten fanden zwischen Februar und Mai 2014 in Kanada statt, unter anderem in den Pinewood Toronto Studios und auf Dundurn Castle in Hamilton.

Der Film hat eine Laufzeit von 119 Minuten und erhielt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Kinopremiere war am 25. September 2015 beim Fantastic Fest in Austin. Bei den Saturn Awards 2016 gewann das Werk drei Preise bei neun Nominierungen, darunter als Bester Horrorfilm und für die Beste Ausstattung. Jessica Chastain wurde zudem mit dem Fangoria Chainsaw Award ausgezeichnet.

Handlung & Inhalt vom Film „Crimson Peak“

Edith Cushing wächst um die Wende zum 20. Jahrhundert in Buffalo auf, wo ihr Vater als wohlhabender Bauunternehmer arbeitet. Den frühen Tod ihrer Mutter verarbeitet sie nie vollständig, denn deren Geist erschien ihr als Kind mit einer rätselhaften Warnung: Sie solle sich vor Crimson Peak hüten. Aus diesem Erlebnis speist sich ihre spätere Leidenschaft für das Schreiben von Gruselgeschichten. In der männlich geprägten Verlagswelt stößt sie damit auf Widerstand. Eines Tages taucht der charismatische schottische Baronet Thomas Sharpe in der Stadt auf. Er sucht Investoren für eine Maschine und wirbt um Edith. Ihr Vater durchschaut den mittellosen Fremden und versucht, ihn abzuwimmeln.

Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters unter dubiosen Umständen bricht Ediths Widerstand zusammen. Sie heiratet Thomas und reist mit ihm in dessen nordenglischen Stammsitz Allerdale Hall. Dort trifft sie auf ihre Schwägerin Lucille, die das Haus wie eine Aufseherin regiert. Das Gebäude wirkt von Anfang an bedrohlich: Das Dach ist löchrig, die Räume kalt, der Wind pfeift durch die Mauern. Weil das Anwesen auf einer roten Tonschicht errichtet wurde, sinkt es langsam ein. Aus den Wänden quillt eine blutähnliche Masse. Edith beginnt, Geister zu sehen, die sie nicht bedrohen, sondern warnen.

Konfrontation und dunkle Wahrheit

Die Bewohner der Gegend nennen das Anwesen Crimson Peak, weil der Schnee sich im Winter rot färbt. Edith erfährt außerdem, dass Thomas vor ihr bereits dreimal verheiratet war. Alle drei Frauen starben unter ungeklärten Umständen, nachdem ihr Vermögen verbraucht war. Durch alte Aufzeichnungen kommt Edith schließlich hinter das Muster, denn Lucille hat die Opfer systematisch mit vergiftetem Tee getötet. Ein erster Fluchtversuch misslingt jedoch, und Edith wird verletzt. Sie kann danach kaum noch laufen. In einer Nacht beobachtet sie ihren Ehemann und dessen Schwester in inzestuöser Umarmung und begreift dadurch das volle Ausmaß des Betrugs.

Lucille stößt Edith daraufhin aus dem ersten Stock in die Eingangshalle hinab. Schwer verletzt überlebt sie dennoch, weil Dr. Alan McMichael im entscheidenden Moment eintrifft. Der Jugendfreund hatte Verdacht geschöpft und war Edith deshalb nachgereist. Auf Lucilles Befehl hin sticht Thomas auf Alan ein und soll ihn im Keller schließlich vollends töten. Während Lucille jedoch versucht, Edith zur Überschreibung ihres Vermögens zu zwingen, bricht Thomas innerlich zusammen. Seine Zuneigung zu Edith gewinnt schließlich die Oberhand, sodass er sich der Schwester widersetzt.

Lucille ersticht Thomas schließlich in einem Ausbruch rasender Eifersucht. Anschließend stellt sie Edith im Schnee des verschneiten Hofs. Der Kampf der beiden Frauen wird damit zum körperlichen Endpunkt einer langen psychologischen Belagerung. Thomas erscheint seiner Witwe jedoch als Geist und lenkt Lucille im entscheidenden Moment ab. Mit einer Schaufel schlägt Edith daraufhin zu. Anschließend rettet sie den verwundeten Alan aus dem sinkenden Haus. Crimson Peak bleibt zurück, bewohnt nur von den Toten und einer Erinnerung, die nicht vergeht.

Filmkritik und Fazit zum Film „Crimson Peak“

Crimson Peak“ ist zuallererst ein Triumph der Ausstattung. Thomas E. Sanders errichtet ein Haus, das wie ein lebender Organismus wirkt, und Dan Laustsens Kamera verliebt sich sichtbar in jede Schattenkante. Die Farbdramaturgie aus tiefem Schwarz, kreidiger Blässe und fließendem Karmesin trägt die ganze Erzählung. Fernando Velázquez‘ Musik unterstützt diese visuelle Strenge mit einem hauptsächlich auf Ediths Motiv gestützten Gewebe aus Walzer und Drohung. Mia Wasikowska spielt mit zurückgenommener Verletzlichkeit. Jessica Chastain dagegen verkörpert Lucille mit einer klirrenden Härte, die den Film wiederholt in ihre Richtung kippen lässt.

Schwierig bleibt das erzählerische Tempo. Del Toro und Matthew Robbins bauen lange an einer Exposition, die mehr Atmosphäre als Dringlichkeit erzeugt. Die digitalen Geistererscheinungen stehen in auffälligem Kontrast zur handwerklichen Solidität der Kulissen. Ihre Animation wirkt stellenweise grobschlächtig, wo das Haus selbst längst zu spuken imstande wäre. Das zentrale Geheimnis erschließt sich früher, als das Drehbuch es vorsieht. Umgekehrt gewinnt der Film dort an Kraft, wo er sich auf Stoffe, Räume und Körper verlässt – etwa in einer stillen Szene am Klavier, in der Lucilles Wiegenlied unmerklich zur Drohgebärde wird.

Für Liebhaber der Gothic Romance ist der Film ein lohnendes Erlebnis. Wer klassischen Horror sucht, wird das Tempo vielleicht als träge empfinden. Del Toro liefert keinen reinen Schocker, sondern eine illustrierte Schauernovelle mit psychologischer Grundierung. Seine Sprache ist die des Bildes, nicht des Jumpscares. Wer sich darauf einlässt, findet in Allerdale Hall eines der eindrucksvollsten Filmhäuser der letzten Jahre.

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