The Big Lebowski
Manche Filme erzählen eine Geschichte. Andere beschreiben einen Zustand. „The Big Lebowski“ von Joel und Ethan Coen gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Los Angeles, Anfang der neunziger Jahre, ein weicher, beinahe träger Glanz liegt über der Stadt. Ein Mann mit Bademantel und White Russian schlurft durch die verbliebenen Reste seiner Gegenwart. Er bewegt sich, als hätte die Zeit ihn vergessen.

| Dauer: | 117 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 1998 |
| Kategorien: | Komödie, Krimi |
| Regie: | Joel Coen, Ethan Coen |
| Produzenten: | Ethan Coen |
| Hauptdarsteller: | Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore |
| Nebendarsteller: | Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid |
| Studio: | PolyGram Filmed Entertainment, Working Title Films |
Die Coens hüllen ihren Stoff in eine Ästhetik, die zwischen Film noir und Slacker-Komödie changiert. Jeff Bridges verkörpert den Dude mit einer Lässigkeit, die ihresgleichen sucht. Roger Deakins‘ Kamera verleiht dem kalifornischen Alltag einen beinahe melancholischen Firnis. Carter Burwells Musik wechselt souverän zwischen Countrynostalgie, Mozart-Requiem und Technopop. Dazu mischen sich Stimmen von Bob Dylan, Kenny Rogers und Townes Van Zandt. Kann eine derart verschachtelte Erzählung überhaupt zu einem stimmigen Ganzen finden?
Besetzung, Regie und Drehorte
Regie führen Joel und Ethan Coen gemeinsam, wobei Ethan im Vorspann unerwähnt bleibt. Das Drehbuch stammt aus beiden Federn, die Produktion ebenfalls. Carter Burwell komponiert die Musik zum Film „The Big Lebowski„, Roger Deakins verantwortet die Kamera. Für den Schnitt zeichnen Roderick Jaynes und Tricia Cooke. Die Dreharbeiten fanden zwischen Januar und April 1997 an verschiedenen Orten in Kalifornien statt. Als Kulisse für Jackie Treehorns Villa dient die Sheats-Goldstein Residence in Los Angeles. Die Bowlingsequenzen entstanden bei den Hollywood Star Lanes.
In der Hauptrolle überzeugt Jeff Bridges als Jeffrey Lebowski, genannt der Dude. John Goodman spielt den cholerischen Vietnam-Veteranen Walter Sobchak, Steve Buscemi verkörpert den phlegmatischen Donny. Julianne Moore gibt die exzentrische Künstlerin Maude Lebowski. David Huddleston übernimmt die Rolle des Millionärs im Rollstuhl, Philip Seymour Hoffman den unterwürfigen Sekretär Brandt. John Turturro brilliert als Bowler Jesus Quintana. Weitere Auftritte haben Ben Gazzara, Peter Stormare und Flea von den Red Hot Chili Peppers.
Der Film läuft 117 Minuten und trägt eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren. Seine Weltpremiere erlebte er im Januar 1998 auf dem Sundance Film Festival. Im Februar folgte der Wettbewerb der Berlinale mit Nominierung für den Goldenen Bären. Beim Europäischen Filmpreis war er als bester nicht-europäischer Film nominiert. 2014 wurde das Werk ins National Film Registry aufgenommen.
Handlung & Inhalt vom Film „The Big Lebowski“
Im Los Angeles des Jahres 1991 lebt der arbeitslose Jeffrey Lebowski ein beschauliches Dasein. Alle nennen ihn nur den Dude. Er verbringt seine Tage mit Bowling, Joints und White Russians. Dabei begleiten ihn zwei Freunde: der Vietnam-Veteran Walter Sobchak sowie der stille Donny Kerabatsos. Eines Tages dringen jedoch zwei Schlägertypen in seine Wohnung ein. Sie verwechseln ihn mit dem gleichnamigen Millionär Lebowski. Bevor ihnen der Irrtum auffällt, tauchen sie den Dude in die Toilette und urinieren auf seinen Teppich. Damit beginnt schließlich eine Kette absurder Verwicklungen, die das Leben des Protagonisten gehörig durcheinanderwirbelt.
Am nächsten Tag sucht der Dude den echten Millionär Lebowski auf. Er fordert Schadensersatz für seinen ruinierten Teppich. Der im Rollstuhl sitzende Geschäftsmann hält ihn jedoch für einen faulen Penner und verweigert jede Entschädigung. Durch eine List erhält der Dude dennoch einen Ersatzteppich aus dem Haus. Beim Verlassen begegnet er außerdem der jungen Gattin Bunny sowie dem deutschen Nihilisten Uli Kunkel. Wenig später kontaktiert ihn Lebowski erneut mit einer überraschenden Bitte. Bunny sei entführt worden, weshalb ein Lösegeld von einer Million Dollar im Raum stehe. Der Dude soll deshalb die Übergabe organisieren und zugleich die Entführer identifizieren.
Zwischen Lösegeld und Lügengespinst
Walter begleitet den Dude bei der Geldübergabe. Statt des Koffers wirft er jedoch eine Tasche mit Schmutzwäsche aus dem fahrenden Wagen. Anschließend lassen die beiden den echten Lösegeldkoffer im Auto liegen und gehen stattdessen bowlen. Kurz darauf verschwindet der Wagen samt Koffer spurlos. Nun meldet sich Maude Lebowski, die feministische Tochter des Millionärs, beim Dude. Sie äußert den Verdacht, Bunny habe die Entführung selbst inszeniert. Ihr Vater habe das Geld unrechtmäßig aus einer Stiftung entnommen. Außerdem zeigt sie dem Dude eine Pornoplatte sowie die Schallplatte der Band Autobahn.
Der gestohlene Ford taucht schließlich wieder auf, allerdings ohne den Geldkoffer. Stattdessen findet der Dude die Hausaufgaben eines Teenagers namens Larry. Walter glaubt daraufhin, Larry habe sich mit dem Lösegeld eine Corvette gekauft, und zertrümmert das Fahrzeug. Der wahre Besitzer rächt sich jedoch prompt am Ford des Dudes. Bald präsentiert der Millionär außerdem einen abgeschnittenen Zeh als Beweis. Wenig später entführen die Schläger den Dude zum Pornoproduzenten Jackie Treehorn, der ihn unter Drogen setzt. Dadurch tritt die Wahrheit über Bunny langsam zutage.
Bunny kehrt schließlich unversehrt von einem Ausflug zurück. Die Entführung war lediglich eine Inszenierung der Nihilisten um Uli, Franz und Kieffer. Der Zeh stammt zudem von Ulis Freundin. Der vermeintliche Millionär Lebowski wiederum nutzte die vorgetäuschte Entführung, um Geld aus der Stiftung zu unterschlagen. Der Koffer enthielt vermutlich nie einen Dollar. Schließlich überfallen die Nihilisten den Dude und seine Freunde auf dem Parkplatz des Bowlingcenters. Während des Gerangels erleidet Donny einen tödlichen Herzinfarkt. Anschließend verstreuen der Dude und Walter die Asche ihres Freundes an einem windigen Klippenrand. Danach gehen sie wieder bowlen, wie immer.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Big Lebowski“
„The Big Lebowski“ ist weniger ein Kriminalfilm als eine choreografierte Zustandsbeschreibung. Die Coens zitieren Raymond Chandler, ohne dessen Logik zu bedienen. Roger Deakins fängt die kalifornische Lichtstimmung in sanften, fast schlaflosen Tönen ein. Carter Burwells Musikcollage verbindet Mozart mit Kenny Rogers und Creedence Clearwater Revival. Jeff Bridges spielt den Dude mit einer Physis, die wirkt wie verwurzelt im Bademantel. John Goodman und Steve Buscemi flankieren ihn als komödiantisches Kontrastpaar von furioser Präzision.
Das Tempo folgt keiner klassischen Dramaturgie, sondern dem Pulsschlag seines Helden. Die Traumsequenzen, inszeniert als Hommage an Busby Berkeley, durchbrechen die Realität mit ironischer Eleganz. Jesus Quintanas Auftritt im Bowlingcenter entfaltet, unterlegt mit der spanischen Hotel-California-Version der Gipsy Kings, eine fast tänzerische Bildsprache. Die deutschen Nihilisten taumeln durch absurde Szenen, die Klischee und Parodie verschmelzen. Einige Dialoge kreisen länger, als es die Handlung verlangt. Diese Abschweifungen sind jedoch Programm, nicht Versehen.
Der Film belohnt jene, die sich auf seinen eigenen Rhythmus einlassen. Wer eine straffe Krimihandlung erwartet, wird zwangsläufig irritiert. Für Freunde der Coen-Handschrift und des intelligenten Genremixes ist er ein bleibendes Ereignis. Die Figur des Dudes hat sich längst in die Popkultur eingeschrieben. Am Ende bleibt ein Film, der sich selbst genügt und gerade deshalb nachwirkt.