Zurück in die Zukunft II

Manche Filme werden zum kulturellen Echo einer ganzen Dekade. Robert Zemeckis‘ „Zurück in die Zukunft II“ aus dem Jahr 1989 gehört zweifellos dazu. Die Fortsetzung des Kinohits „Zurück in die Zukunft“ von 1985 entwarf eine Vision des Jahres 2015, die sich tief ins kollektive Gedächtnis einbrannte. Fliegende Autos, selbstschnürende Schuhe, schwebende Bretter. Die Ikonografie dieses Films hat die Populärkultur nachhaltig geprägt, selbst dort, wo sie sich nie bewahrheitete.

Zurück in die Zukunft II
Dauer: 108 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 1989
Kategorien: Science-Fiction
Regie: Robert Zemeckis
Produzenten: Bob Gale, Neil Canton
Hauptdarsteller: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Lea Thompson
Nebendarsteller: Thomas F. Wilson, Elisabeth Shue, James Tolkan, Jeffrey Weissman
Studio: Universal Pictures, Amblin Entertainment

Bob Gale konstruierte ein Drehbuch, das drei Zeitebenen parallel verhandelt und daraus ein schwindelerregendes Geflecht formt. Die Komödie wird zur Versuchsanordnung über Kausalität, Konsequenz und Korruption. Zemeckis inszeniert diesen intellektuellen Stresstest mit halsbrecherischem Tempo. Die Effekte sind technisch bemerkenswert, doch der eigentliche Reiz liegt anderswo. Was geschieht, wenn eine Fortsetzung nicht expandiert, sondern sich in ihrem eigenen Ursprung verdoppelt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Robert Zemeckis übernahm erneut die Regie bei „Zurück in die Zukunft II„, während Bob Gale das Drehbuch verfasste und gemeinsam mit Neil Canton produzierte. Ursprünglich war nur eine einzige Fortsetzung geplant, doch Länge und Budget sprengten den Rahmen eines Films. Gale teilte den Stoff daraufhin auf zwei Produktionen auf. Das Budget belief sich auf 40 Millionen US-Dollar. Die Dreharbeiten begannen im Februar 1989 und endeten im August desselben Jahres. Parallel dazu entstanden bereits Szenen für den dritten Teil der Trilogie.

Michael J. Fox spielt erneut Marty McFly und verkörpert zudem dessen Sohn und dessen Tochter. Christopher Lloyd gibt den exzentrischen Doc Brown, Lea Thompson kehrt als Lorraine zurück. Thomas F. Wilson brilliert in einer Doppelrolle als Biff und Griff Tannen. Elisabeth Shue ersetzt Claudia Wells als Jennifer Parker. In kleineren Rollen treten der damals achtjährige Elijah Wood und Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea auf. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Berliner Synchron unter der Dialogregie von Michael Nowka. „Zurück in die Zukunft II“ hat eine Laufzeit von 108 Minuten.

Der Film erhielt die Freigabe ab zwölf Jahren und spielte weltweit rund 332 Millionen US-Dollar ein. Bei der Oscarverleihung 1990 war er für die besten visuellen Effekte nominiert. Den BAFTA-Award 1991 gewann die Produktion in derselben Kategorie, hinzu kam ein Saturn Award für die Spezialeffekte. Für die Produktion entwickelte Industrial Light & Magic das sogenannte VistaGlide-System. Diese Kameratechnik ermöglichte Szenen, in denen ein Darsteller mit sich selbst interagiert.

Handlung & Inhalt vom Film „Zurück in die Zukunft II“

Am 26. Oktober 1985 kehrt Doc Brown aus der Zukunft zurück und drängt Marty McFly zu einer sofortigen Zeitreise. Gemeinsam mit Martys Freundin Jennifer springen sie ins Jahr 2015. Dort soll Marty verhindern, dass sein eigener Sohn gemeinsam mit Griff Tannen, dem Enkel des alten Widersachers Biff, eine Straftat begeht. Die Mission gelingt nach einigen Komplikationen. Marty erwirbt heimlich einen Sport-Almanach mit sämtlichen Ergebnissen von 1950 bis 2000. Er hofft auf mühelose Gewinne durch Wetten in der Vergangenheit. Brown entdeckt den Plan und entsorgt das Buch erbost. Der alte Biff jedoch belauscht den Disput.

Biff erkennt die Tragweite seines Wissens. Er entwendet die DeLorean-Zeitmaschine und reist ins Jahr 1955 zurück. Dort drückt er seinem jüngeren Ich den Almanach in die Hand und kehrt unbemerkt ins Jahr 2015 zurück. Marty, Jennifer und Brown begreifen zunächst nichts von dieser Manipulation. Als sie in ihre eigene Gegenwart zurückkehren, finden sie ein monströs verändertes Hill Valley vor. Biff herrscht als Kasinomogul über die Stadt. George McFly wurde 1973 ermordet, Lorraine ist zur zweiten Ehefrau des Tyrannen geworden. Brown gilt als entmündigt, die Stadt versinkt in Korruption und Verfall.

Der lange Weg zurück zur Ordnung

Doc Brown analysiert die verheerende Verzweigung der Zeitlinie an einer hastig skizzierten Tafel, wobei schnell deutlich wird, dass die Rückkehr zur ursprünglichen Realität nur über einen gezielten Eingriff im Jahr 1955 führt. Deshalb presst Marty dem korrumpierten Biff die Wahrheit über die Herkunft des Almanachs ab. Dabei prahlt dieser nicht nur mit seinem Wissen, sondern auch mit dem Mord an Martys Vater. Daraufhin entkommt Marty nur knapp einem Mordanschlag, bevor er gemeinsam mit Brown in die Vergangenheit flieht. Im Jahr 1955 müssen beide jedoch unbedingt vermeiden, ihren jüngeren Ichs zu begegnen, denn ein solches Paradoxon könnte die Realität endgültig zerreißen.

Die Rückkehr ins Jahr 1955 führt sie wiederum mitten in die Ereignisse des ersten Films. Während die vertraute Handlung im Hintergrund weiterläuft, beobachtet Marty sich selbst aus völlig anderen Perspektiven. Obwohl es dabei zu zahlreichen Beinahe-Katastrophen kommt, gelingt es ihm schließlich, dem jungen Biff den Almanach wieder abzunehmen. Anschließend sorgt die Verbrennung des Buches dafür, dass die ursprüngliche Zeitlinie wiederhergestellt wird. Die Erleichterung währt jedoch nur wenige Sekunden, denn das Schicksal greift erneut und zugleich völlig unerwartet ein.

Plötzlich trifft ein Blitz die Zeitmaschine, in der sich Doc Brown befindet, woraufhin beide spurlos aus der Gegenwart verschwinden. Unmittelbar danach taucht neben Marty ein verblüffter Postzusteller auf, der ihm einen Brief übergibt, welcher bereits siebzig Jahre zuvor abgesandt wurde. Der Absender ist niemand anderes als Doc Brown, der durch den Blitz ins Jahr 1885 katapultiert wurde. Deshalb eilt Marty sofort in die Stadt, wo er schließlich auf den Doc Brown aus dem Jahr 1955 trifft. Als dieser jedoch den erneut aufgetauchten Marty erblickt, wird er derart überwältigt, dass er umgehend ohnmächtig wird. Damit endet der Film schließlich mit einem Cliffhanger, der zugleich nahtlos den dritten Teil vorbereitet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Zurück in die Zukunft II“

Zemeckis inszeniert „Zurück in die Zukunft II“ als ein temporeiches Vexierspiel, das die narrative Logik bis an ihre Belastungsgrenze treibt. Dean Cundey fotografiert Hill Valley in drei verschiedenen Epochen und schafft jeweils eine eigene visuelle Grammatik. Die dystopische Variante von 1985 zitiert unverhohlen Frank Capras Albtraumvision aus „Ist das Leben nicht schön?“, neonblinkend und verkommen. Alan Silvestris Score treibt die Handlung energisch voran, ohne je übergriffig zu werden. Die VistaGlide-Technik ermöglicht jene berühmte Esstischszene, in der Michael J. Fox simultan drei Figuren verkörpert. Das ist technisch verblüffend, dramaturgisch aber mehr Kunststück als Erkenntnis.

Die zweite Hälfte funktioniert durch Wiederaufnahme und perspektivische Verschiebung. Vertraute Szenen aus dem Vorgänger kehren wieder, diesmal aus dem Off betrachtet, sabotiert oder kommentiert. Diese Konstruktion ist dramaturgisch kühn und funktioniert als kluge Meditation über Wiederholung und Variation. Sie setzt jedoch intime Kenntnis des ersten Teils voraus und schwächt damit die Eigenständigkeit. Die Zukunftsvision von 2015 bleibt eine ironisch überzeichnete Achtzigerjahre-Projektion, kein ernsthafter Entwurf. Thomas F. Wilson dominiert als doppelter Tannen jede Szene, die er betritt. Seine Interpretation des alten Biff trägt dunkle, fast groteske Züge.

Für Freunde des Science-Fiction-Kinos bleibt dieser Film ein unverzichtbares Dokument seiner Zeit. Er wagt mehr als sein Vorgänger und riskiert dabei narrative Überladung. Die Balance zwischen Slapstick und spekulativer Tiefe gerät gelegentlich ins Wanken. Genau diese Ambivalenz aber macht die Faszination des Werks aus. Wer sich auf die verschachtelte Logik einlässt, erlebt eine der formal ambitioniertesten Komödien des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts.

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