Ostwind – Zusammen sind wir frei

Pferde und Kino – das ist eine Verbindung, die so alt ist wie das Medium selbst. „Ostwind – Zusammen sind wir frei“ knüpft 2013 an diese Tradition an und schafft dabei etwas, das im deutschen Jugendfilm selten gelingt: ein echtes Gespür für das Tier als dramatischen Partner. Regisseurin Katja von Garnier, selbst leidenschaftliche Reiterin, verleiht dem Stoff eine Authentizität, die über das bloße Genrekino hinausweist.

Ostwind
Dauer: 105 Min.
FSK: NR (US)
Jahr: 2013
Kategorien: Abenteuer
Regie: Katja von Garnier
Produzenten: Andreas Ulmke-Smeaton, Ewa Karlström
Hauptdarsteller: Hanna Binke, Marvin Linke, Cornelia Froboess
Nebendarsteller: Tilo Prückner, Nina Kronjäger, Jürgen Vogel, Detlev Buck
Studio: Constantin Film, SamFilm

Dabei erzählt der Film im Kern eine vertraute Geschichte – das schwierige Kind trifft das schwierige Tier, und beide finden sich. Was dieses Zusammentreffen trägt, ist nicht das Drehbuch, sondern die Bilder. Sie entfalten eine Stille und Weite, die den nordhessischen Drehorte etwas beinahe Mythisches verleihen. Ob von Garnier damit wirklich etwas Bleibendes geschaffen hat oder nur ein solides Märchen für eine Saison?

Besetzung, Regie und Drehorte

Ostwind – Zusammen sind wir frei“ ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2013, der am 21. März desselben Jahres in die deutschen Kinos kam. Regie führte Katja von Garnier, das Drehbuch stammt von Lea Schmidbauer und Kristina Magdalena Henn. Die Produktion lag in den Händen von Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton. Für die Filmmusik zeichnete Annette Focks verantwortlich, die Kamera übernahm Torsten Breuer, den Schnitt Dirk Grau.

In der Hauptrolle der Mika Schwarz ist die Newcomerin Hanna Binke zu sehen. An ihrer Seite agieren Marvin Linke als Samuel Kaan, Amber Bongard als Fanella Schleicher sowie Cornelia Froboess als Großmutter Maria Kaltenbach und Tilo Prückner als Herr Kaan. Weitere Rollen übernehmen Nina Kronjäger und Jürgen Vogel als Mikas Eltern sowie Detlev Buck als Dr. Anders und Henriette Morawe als Tinka Anders. Der Film wurde auf dem Gut Waitzrodt in Immenhausen, in der Beberbecker Hute im Reinhardswald und auf den Helfensteinen bei Zierenberg sowie in Friesland gedreht.

Der Film läuft 105 Minuten und ist ab FSK 0 freigegeben. Von der Deutschen Film- und Medienbewertung erhielt er das Prädikat „besonders wertvoll“. Beim Filmfest München 2013 wurde er mit dem Kindermedienpreis „Der weiße Elefant“ in den Kategorien Beste Regie und Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. 2014 folgte der Deutsche Filmpreis für den besten Kinderfilm. Bis Ende 2013 zählte er über 840.000 Zuschauer in deutschen Kinos. Der Erfolg führte zu vier Fortsetzungen: „Ostwind 2“ erschien 2015, „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ folgte 2017 und „Ostwind – Aris Ankunft“ kam 2019 in die Kinos. Mit „Ostwind – Der große Orkan“ wurde die Filmreihe 2021 fortgesetzt.

Handlung & Inhalt vom Film „Ostwind – Zusammen sind wir frei“

Mika Schwarz ist vierzehn Jahre alt und hat keinen leichten Sommer vor sich. Ihre Versetzung ist gescheitert, und das Zeugnis fällt so schlecht aus, dass ihre Eltern zu einem drastischen Mittel greifen. Statt des ersehnten Feriencamps am Meer mit ihrer besten Freundin Fanny landet Mika auf dem Reiterhof ihrer Großmutter Maria Kaltenbach in Nordhessen. Dort soll sie lernen, sich fügen – eine Disziplin, die dem freiheitsliebenden Mädchen bislang fremd geblieben ist. Der Hof ist streng geführt, das Regiment klar. Mika hat von Pferden keine Ahnung. Trotzdem zieht es sie schon am ersten Abend zu den Tieren, und dabei stößt sie auf einen Hengst, der alle anderen meidet: Ostwind.

Ostwind gilt auf dem Hof als gefährlich. Nach einem Unfall, bei dem Maria Kaltenbach schwer verletzt wurde, steht der Hengst isoliert in seiner Box – kaum jemand nähert sich ihm noch. Mika ignoriert die Warnungen und schleicht sich Nacht für Nacht zu ihm. Was entsteht, ist kein vernünftiger Plan, sondern etwas Instinktives: eine Verbindung, die weder Mika noch Ostwind vollständig erklären können. Herr Kaan, der alte Nachbar, beobachtet das Treiben und erkennt darin etwas Seltenes. Er beginnt, Mika das Reiten beizubringen. Damit nimmt eine Entwicklung ihren Lauf, die weit über Reitstunden hinausgeht.

Sabotage, Flucht und ein letzter Galopp

Um Ostwind vor dem Verkauf an einen Pferdemetzger zu retten, meldet Mika sich und den Hengst für die bevorstehenden Kaltenbachclassics an. Großmutter Maria ist anfangs skeptisch, lässt sich dann aber von Mikas Fortschritten überzeugen. Das Turnier endet jedoch in einem Fiasko. Ostwind geht durch und wirft Mika ab, die sich dabei verletzt. Erst später kommt heraus, dass Michelle, die Vorzeigerschülerin des Hofs, Mikas Bandagen sabotiert hatte: mit einer Creme, die dem Pferd starken Juckreiz verursachte. Tinka, die Michelle die Creme gegeben hatte, deckt die Intrige schließlich auf. Michelle wird des Hofs verwiesen und scheidet aus dem Landeskader aus.

Mika erfährt nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus, dass ihre Großmutter den Verkauf Ostwinds dennoch nicht aufgibt. Sie flieht mit dem Hengst und macht sich auf den langen Weg zu Fanny ans Meer. Die Ankunft im Feriencamp bringt neue Gefahr: Kinder füttern Ostwind unwissentlich mit Süßigkeiten, die für Pferde giftig sind. Der Hengst erkrankt schwer an Koliken. Mikas Eltern treffen mit dem Tierarzt am Meer ein, Mika selbst landet erneut im Krankenhaus. Ostwind wird geheilt, nach Kaltenbach zurückgebracht – und doch verkauft.

Die Familie Schwarz tritt die Heimreise an. Mika sitzt schweigsam im Auto, als ein Stau die Fahrt zum Stillstand bringt. Ein umgekippter Hänger hat die Straße blockiert. Mika steigt aus, läuft zu Herrn Kaans Koppel – und Ostwind galoppiert ihr entgegen. Er hat sich aus dem Anhänger des Käufers befreit. Die beiden finden sich wieder. Ein letzter gemeinsamer Ausritt schließt den Film ab, ohne große Geste, ohne ausgestelltes Pathos.

Filmkritik und Fazit zum Film „Ostwind – Zusammen sind wir frei“

Was „Ostwind – Zusammen sind wir frei“ von vergleichbaren Pferdefilmen unterscheidet, ist die Entschlossenheit, mit der von Garnier auf stumme Szenen vertraut. Die Sequenzen auf der Koppel – Mika und Ostwind in einem fast choreografischen Wechselspiel aus Annäherung und Rückzug – wirken nicht arrangiert, sondern beobachtet. Kameramann Torsten Breuer gibt diesen Momenten Raum, ohne sie zu erläutern. Hanna Binke trägt diese Bilder mit einer körperlichen Präsenz, die erstaunlich ist für eine Erstbesetzung. Cornelia Froboess hingegen ringt erkennbar gegen Dialogzeilen an, die ihr wenig Spielraum lassen.

Das Drehbuch neigt zur Überexplizitheit. Szenen, die bereits alles zeigen, werden anschließend noch einmal kommentiert – durch Figuren, die aussprechen, was die Bilder längst gesagt haben. Der Antagonismus zwischen Mika und Michelle bleibt schematisch, und die Sabotage-Handlung wirkt wie ein Fremdkörper in einem Film, dem die leisen Töne besser stehen. Annette Focks‘ Musik verstärkt diesen Zug ins Effektvolle; dort, wo Bilder atmen dürften, drängt sich der Score vor. Dennoch gelingt von Garnier das Wesentliche: Die Verbindung zwischen Mika und Ostwind fühlt sich nie konstruiert an, sondern wie etwas Organisches, das die Kamera zufällig eingefangen hat.

Für sein Zielpublikum ist der Film mehr als ausreichend – er ist stark genug, um auch Erwachsene zu erreichen, die bereit sind, über seine Schwächen hinwegzusehen. Wer das Kino der Natural Horsemanship schätzt und wer wissen möchte, wie ein Mensch-Tier-Verhältnis ohne Sentimentalität erzählt werden kann, findet hier einen Film, der das trotz aller Einschränkungen immer wieder versucht. Ein vollständig überzeugender Pferdefilm ist „Ostwind“ nicht. Ein sehenswerter schon.

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