Die Legende von Aang

Manche Adaptionen scheitern an der Ehrfurcht vor dem Material. Andere an deren Abwesenheit. „Die Legende von Aang“ gehört in die zweite Kategorie – ein Film, der seine Vorlage mit eigenwilliger Konsequenz umgestaltet, ohne eine vergleichbare Vision anzubieten. M. Night Shyamalan versucht sich an einer Verdichtung, die den Reichtum der Zeichentrickserie in neunundneunzig Minuten pressen will. Das Ergebnis wirft Fragen auf, die über das einzelne Werk hinausreichen.

Die Legende von Aang
Dauer: 103 Min.
FSK: 6 (DE)
Jahr: 2010
Kategorien: Abenteuer, Action
Regie: M. Night Shyamalan
Produzenten: Sam Mercer, M. Night Shyamalan, Frank Marshall
Hauptdarsteller: Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz
Nebendarsteller: Jackson Rathbone, Shaun Toub, Aasif Mandvi, Cliff Curtis
Studio: Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Blinding Edge Pictures, The Kennedy/Marshall Company

Die Fernsehserie „Avatar – Der Herr der Elemente“ entwarf eine ostasiatisch geprägte Welt voller Mythen, Kampfkunst und komplexer Figuren. Ein ganzes Universum aus vier Nationen, verbunden durch das Konzept des Elementbändigens, fesselte ein Millionenpublikum. M. Night Shyamalan sah in diesem Stoff das Potenzial für eine Filmtrilogie und setzte seine Vision 2010 in die Tat um. Sein Film deckt die erste Staffel ab – zwanzig Episoden, verdichtet auf Spielfilmlänge. Was bleibt von einer solchen Verdichtung übrig, wenn der Kern einer Geschichte in ihren Figuren liegt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Die Legende von Aang“ ist ein Action- und Fantasyfilm von M. Night Shyamalan aus dem Jahr 2010. Shyamalan zeichnete für Regie, Drehbuch und Produktion verantwortlich. Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko, die Schöpfer der Animationsserie, wirkten am Drehbuch mit. Die Kamera führte Andrew Lesnie, den Schnitt übernahm Conrad Buff IV. James Newton Howard komponierte die Filmmusik, Frank Marshall und Sam Mercer produzierten.

Noah Ringer verkörpert den zwölfjährigen Aang, Dev Patel spielt Prinz Zuko. Nicola Peltz und Jackson Rathbone übernehmen die Rollen von Katara und Sokka. In weiteren Rollen sind Aasif Mandvi als General Zhao, Shaun Toub als Onkel Iroh und Cliff Curtis als Feuerlord Ozai zu sehen. Seychelle Gabriel gibt Prinzessin Yue, Summer Bishil erscheint als Azula. Gedreht wurde in Grönland, Pennsylvania und Vietnam mit einem Budget von 150 Millionen US-Dollar.

Der Film hat eine Laufzeit von 99 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren. Er erschien sowohl als 2D- als auch als nachträglich konvertierte 3D-Fassung. Bei den Goldenen Himbeeren 2011 wurde er als schlechtester Film, für die schlechteste Regie, das schlechteste Drehbuch und den schlimmsten Einsatz von 3D-Technik ausgezeichnet. James Newton Howard gewann einen ASCAP Award in der Kategorie „Top Box Office Films“.

Handlung & Inhalt vom Film „Die Legende von Aang“

In einer Welt, in der bestimmte Menschen die Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft kontrollieren können, herrscht Krieg. Die Feuernation unterjocht die anderen Nationen bereits seit hundert Jahren. Nur der Avatar, der alle vier Elemente beherrscht, könnte den Frieden wiederherstellen. Er verschwand jedoch vor einem Jahrhundert spurlos. Die junge Wasserbändigerin Katara und ihr Bruder Sokka stoßen beim Jagen im ewigen Eis auf einen eingefrorenen Jungen. Sie befreien den zwölfjährigen Aang und seinen fliegenden Himmelsbison Appa. Beide ahnen dabei nicht, wen sie gerade erweckt haben.

Die bei Aangs Befreiung freigesetzten Kräfte ziehen schließlich Prinz Zuko an. Der verbannte Sohn des Feuerlords sucht den Avatar, um seine Ehre wiederherzustellen. Deshalb landet Zuko mit seinem Schiff in Kataras Dorf und erkennt sofort Aangs Luftnomaden-Tätowierungen. Seine Soldaten nehmen den Jungen zunächst gefangen, doch Aang entkommt durch Luftbändigen. Kataras Großmutter bestätigt anschließend den Verdacht: Aang ist der Avatar. Katara und Sokka folgen ihm daraufhin auf Appa. Am Südlichen Lufttempel erkennt Aang schließlich, dass die Feuernation sein Volk vernichtet hat, und tritt in den Avatar-Zustand ein.

Mondgeist und letzte Schlacht

Aang beherrscht bisher nur Luftbändigen und braucht deshalb dringend einen Lehrer. Eine Schriftrolle mit Wasserbändiger-Techniken hilft Katara und ihm zunächst vorläufig weiter. Dennoch beschließt die Gruppe, zum Nordpol zu reisen, wo erfahrene Wasserbändiger leben. General Zhao verfolgt derweil einen finsteren Plan: Er will den Mondgeist töten und dadurch den Wasserbändigern ihre Kraft nehmen. Auf dem Weg zum Nordpol gerät Aang jedoch in eine Falle und wird gefangen genommen. Ein Maskierter, der sogenannte Blaue Geist, befreit ihn. Bei dessen Enttarnung erkennt Aang schließlich Prinz Zuko.

Am Nordpol angekommen, trainieren Aang und Katara unter Meister Pakku. Gleichzeitig verliebt sich Sokka in Prinzessin Yue. Die kurze Ruhe endet jedoch, als Zhaos Flotte angreift. Währenddessen schleicht sich Zuko in die Stadt und entführt Aang, doch Katara friert den Prinzen schließlich ein. Zhao dringt zugleich zum Mondgeist vor und tötet ihn. Daraufhin verfärbt sich der Mond rot und die Wasserbändiger verlieren ihre Fähigkeiten. Die Lage scheint nun aussichtslos.

Onkel Iroh weiß jedoch, dass Prinzessin Yue einen Teil des Mondgeistes in sich trägt. Als Neugeborene kam sie stumm und leblos zur Welt und wurde erst durch die Quelle des Mondgeistes gerettet. Auf Irohs Bitte hin opfert Yue schließlich ihr Leben, um den Geist wiederzubeleben. Der Mond kehrt daraufhin zurück und die Wasserbändiger gewinnen ihre Kraft wieder. Aang nutzt anschließend den Avatar-Zustand und drängt die Flotte der Feuernation mit einer gewaltigen Welle zurück. Als der Feuerlord schließlich von Zhaos Tod und Irohs Verrat erfährt, beauftragt er seine Tochter Azula mit der Suche nach dem Avatar.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die Legende von Aang“

Die Legende von Aang“ offenbart ein grundlegendes Inszenierungsproblem: Die Verdichtung von zwanzig Serienfolgen erzeugt ein Tempo, das keine Figur atmen lässt. Das Drehbuch setzt auf erklärende Voiceover, wo filmisches Erzählen nötig wäre. Die Kampfchoreografien wirken steif, die Bändigungsbewegungen entbehren der Dynamik ihrer Vorlagen. Dev Patel bleibt in seiner Rolle als Zuko auf einen einzigen Gesichtsausdruck beschränkt. Noah Ringer bewegt sich körperlich überzeugend, scheitert jedoch an den emotionalen Anforderungen seiner Figur.

Die nachträgliche 3D-Konvertierung liefert keinen Mehrwert und unterstreicht den Eindruck fehlender gestalterischer Konsequenz. Andrew Lesnies Kameraarbeit bleibt funktional, ohne Atmosphäre zu erzeugen. James Newton Howards Musik hingegen bietet durchaus Substanz und verleiht einzelnen Szenen eine Schwere, die der Rest des Films vermissen lässt. Die Elementareffekte fallen handwerklich solide aus, entfalten jedoch keine dramatische Wirkung. Wenn eine Szene Feuerbändiger zeigt, die zwingend vorhandenes Feuer benötigen, reduziert diese Regeländerung die Bedrohlichkeit der Antagonisten auf ein Minimum.

Für Liebhaber von Fantasy- und Actionfilmen bleibt „Die Legende von Aang“ eine vertane Chance. Das Ausgangsmaterial hätte die Grundlage für ein visuell opulentes Epos liefern können. Stattdessen entstand ein Film, der weder die Tiefe seiner Vorlage erreicht noch eine eigenständige filmische Identität entwickelt. Wer sich dennoch auf das Universum einlassen möchte, findet in der Animationsserie die weit überzeugendere Erzählung.

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