Hui Buh – Das Schlossgespenst
Zwischen Hörspielnostalgie und Blockbuster-Ambition balanciert ein deutscher Familienfilm, der ein ikonisches Kinderzimmer-Relikt auf die große Leinwand hievt. „Hui Buh – Das Schlossgespenst“ von Sebastian Niemann trat 2006 an, um ein halbes Jahrhundert akustischer Gruselmagie in visuelle Form zu gießen. Der Film sollte Kassenmagnet werden und wurde es auch. Zwei Millionen Zuschauer strömten in die Kinos. Das Erbe jedoch trägt schwer.

| Dauer: | 98 Min. |
|---|---|
| Jahr: | 2006 |
| Kategorien: | Fantasy, Komödie |
| Regie: | Sebastian Niemann |
| Produzenten: | Anita Schneider, Christian Becker, Simon Happ |
| Hauptdarsteller: | Michael Herbig, Christoph Maria Herbst, Heike Makatsch |
| Nebendarsteller: | Ellenie Salvo González, Hans Clarin, Rick Kavanian, Nick Brimble |
| Studio: | Rat Pack Filmproduktion, Constantin Film |
Constantin Film setzte auf Starpower, auf Animation, auf das warme Leuchten kollektiver Erinnerung. Michael Herbig als titelgebendes Gespenst, Christoph Maria Herbst als tollpatschiger Monarch, Heike Makatsch als intrigante Gräfin: die Zutaten schienen unverwechselbar. Hinzu kam der späte Glanz von Hans Clarin, der Ikone der Originalhörspiele. Seine letzte Filmrolle verleiht der Produktion eine melancholische Patina. Bleibt die Frage, ob diese Patina genügt, um einen ganzen Film zu tragen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Hui Buh – Das Schlossgespenst“ entstand unter der Regie von Sebastian Niemann, der das Drehbuch gemeinsam mit Dirk Ahner verfasste. Die Produktion übernahm Christian Becker, während Egon Riedel die Musik komponierte. Gerhard Schirlo führte die Kamera, den Schnitt verantwortete Moune Barius. Mit einem Budget von rund zehn Millionen Euro gehörte der Film zu den aufwendigeren deutschen Produktionen seiner Zeit. Den Verleih übernahm Constantin Film.
Michael Herbig übernahm die Doppelrolle des Ritters Balduin und seines gespenstischen Alter Egos. An seiner Seite brillierte Christoph Maria Herbst als König Julius CXI. Ellenie Salvo González spielte die Zofe Konstanzia, Heike Makatsch die Gräfin Leonora zu Etepetete. Nick Brimble verkörperte den Widersacher Adolar, während Rick Kavanian in der Rolle des Charles einen Kurzauftritt absolvierte. Die Titelfigur der Originalhörspiele, Hans Clarin, war als Kastellan zu sehen. Oliver Pocher ergänzte das Ensemble als Liftboy-Geist.
Die Laufzeit beträgt 98 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei FSK 0. Der Kinostart erfolgte am 20. Juli 2006. Bemerkenswert ist, dass die legendäre Einleitungsstimme Hans Paetschs auch posthum erhalten blieb. Das Einspielergebnis lag bei 10,4 Millionen Euro, womit der Film sein Budget knapp übertraf. Eine Fortsetzung folgte 2022.
Handlung & Inhalt vom Film „Hui Buh – Das Schlossgespenst“
Wir schreiben das Jahr 1399, und auf Schloss Burgeck versucht Ritter Balduin sein Glück am Kartentisch. Sein Spiel ist allerdings weniger ritterlich als gaunerhaft, denn er betrügt mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit. Als sein Gegenspieler Adolar den Schwindel durchschaut, eskaliert die Auseinandersetzung jedoch schnell. Balduin, in die Enge getrieben, ruft daraufhin einen theatralischen Fluch über sich selbst aus. Dabei schwört er, ein Blitz möge ihn treffen, sollte er gefälscht haben. Die Götter hören offenbar mit, denn wenig später folgt die Konsequenz. Ein Blitzschlag verwandelt ihn augenblicklich in ein Gespenst, während Adolar zugleich rückwärts durchs Fenster in den Burggraben stürzt.
Fünf Jahrhunderte später hat sich Balduin inzwischen mit seiner spukenden Existenz arrangiert. Als einziges behördlich zugelassenes Gespenst auf Burgeck pflegt Hui Buh daher ein geruhsames Dasein. An seiner Seite lebt außerdem der betagte Kastellan, dessen stoische Freundlichkeit das Gemäuer in sanfte Routine hüllt. Diese Ruhe findet jedoch ein jähes Ende, als König Julius CXI. mit Gefolge anrückt. Der Monarch plant nämlich seine Verlobung mit Leonora Gräfin zu Etepetete. Hui Buh sieht dadurch sein Refugium bedroht und greift deshalb zu den altbewährten Mitteln des Spukens.
Eine Allianz aus Not
Hui Buhs Aversion gegen den neuen Schlossherrn bleibt allerdings nicht ohne Folgen. Julius, alles andere als furchtsam, verbrennt kurzerhand die Geisterlizenz und setzt damit ein deutliches Zeichen. Dadurch verliert Hui Buh seine übernatürlichen Fähigkeiten samt behördlichem Segen. Die Lage wendet sich jedoch dramatisch, als Julius von einem verborgenen Schatz im Geisterstadt. Dort werden sie jedoch enttarnt und müssen überstürzt fliehen. Währenddessen zieht sich im Hintergrund die Intrige immer weiter zusammen. Daalor, der Behördenvertreter, entpuppt sich schließlich als niemand Geringeres als der einst gestürzte Adolar. Gemeinsam mit Gräfin Leonora schmiedet er daraufhin einen Racheplan.
Das Komplott zielt schließlich auf die Rückgewinnung des Schlosses, das Adolars Nachfahren einst durch Balduins Falschspiel verloren hatten. Ein Mordversuch an Julius scheitert jedoch, sodass sich die Lage erneut verändert. Unterdessen hat auch die Geisterbehörde Wind von der Verschwörung bekommen. Daraufhin rückt Major Servatius Sebaldus mit seinen Wachen an und nimmt die Verschwörer fest. Leonora, mittlerweile selbst zum Gespenst geworden, teilt anschließend dieses Schicksal. Hui Buh erhält dagegen seine Lizenz zurück. Julius und Konstanzia schließen schließlich den Bund fürs Leben, während der Spuk auf Schloss Burgeck wieder in geordnete Bahnen zurückkehrt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Hui Buh – Das Schlossgespenst“
„Hui Buh – Das Schlossgespenst“ ringt sichtbar mit seiner eigenen Ambition. Sebastian Niemann inszeniert mit handwerklicher Solidität, doch das Tempo schleppt sich oft durch vorhersehbare Stationen. Die Entscheidung, die Titelfigur komplett digital zu animieren, bleibt das zentrale ästhetische Wagnis. Herbigs animierter Hui Buh bewegt sich schwerelos durch die Räume, wirkt zwischen realen Darstellern allerdings wie ein Fremdkörper. Die Slapstick-Einlagen setzen auf bekannte Muster. Pointen landen zuverlässig beim jüngeren Publikum, verpuffen bei älteren Zuschauern häufig im Raum.
Christoph Maria Herbst liefert die heimliche Schauwerte des Films. Sein König Julius changiert zwischen Kindlichkeit und königlicher Attitüde, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Heike Makatsch zeichnet Leonora als diabolische Intrigantin mit karikaturesker Eleganz. Das Produktionsdesign beeindruckt durch atmosphärische Kulissen und detailverliebte Kostüme. Die Musik von Egon Riedel untermalt geschickt, ohne je eigenen Charakter zu entwickeln. Sichtbar bleibt die angelegte Kalkulation. Niemann will niemanden verschrecken und verspielt dadurch jenen schrägen Charme, den die Hörspielvorlage über Jahrzehnte prägte.
Der Film funktioniert als harmloses Familienvergnügen, ohne die erzählerische Tiefe seiner Vorlage zu erreichen. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren dürften bestens bedient werden. Erwachsene Begleiter finden kleine Freuden in Herbsts Spiel und Clarins würdevollem Abschied. Für Genre-Liebhaber deutscher Familienkomödien lohnt ein Blick durchaus. Wer jedoch den nostalgischen Zauber der Originalhörspiele sucht, bleibt besser bei Kassette und Plattenspieler.