Saphirblau

Zeitreisen sind eine verführerische Metapher. Sie versprechen, was das Leben selten hält: Wiederholung, Korrektur, den zweiten Blick auf das, was einmal war. „Saphirblau“ nimmt diese Prämisse ernst – und schickt seine Heldin in Epochen, die glänzen, täuschen und gefährden. Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde inszenieren den zweiten Teil der Edelsteintrilogie mit Kostümsinn und atmosphärischem Gespür, ohne dabei die emotionale Hauptachse aus den Augen zu verlieren.

Saphirblau
Dauer: 118 Min.
FSK: 6 (DE)
Jahr: 2014
Kategorien: Fantasy
Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde
Produzenten: Katharina Schöde, Josef Reidinger, Philipp Budweg, Felix Fuchssteiner, Hans W. Geißendörfer, Robert Marciniak, Markus Zimmer
Hauptdarsteller: Maria Ehrich, Jannis Niewöhner, Josefine Preuß
Nebendarsteller: Florian Bartholomäi, Peter Simonischek, Rolf Kanies, Rufus Beck
Studio: ARRI Film & TV Services, mem-film, Lieblingsfilm, Geißendörfer Film-und Fernsehproduktion, RTL, Tele München

Das Fantasykino für junges Publikum kennt seine Gesetze: Geheimnisse, die sich schichten, eine Romanze, die stockt, und ein Antagonist, der mehr weiß als alle anderen. Diese Koordinaten sind vertraut – dennoch stellt sich die Frage, ob „Saphirblau“ innerhalb dieses bekannten Rahmens genug eigene Akzente setzt, um als eigenständiges Werk zu bestehen.

Besetzung, Regie und Drehorte

Saphirblau“ entstand unter der Regie von Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde, die auch das Drehbuch verfasste. Die Kamera führte Sonja Rom, den Schnitt übernahm Wolfgang Weigl, die Filmmusik komponierte Philipp F. Kölmel. Gedreht wurde an historischen Schauplätzen in Thüringen, Sachsen-Coburg und Nordrhein-Westfalen, darunter Schloss Tenneberg in Waltershausen, die Wartburg bei Eisenach und der Coburger Schlossplatz, ergänzt durch Außenaufnahmen in Aachen als Kulisse für das historische London.

Maria Ehrich verkörpert erneut Gwendolyn Shepherd, an ihrer Seite steht Jannis Niewöhner als Gideon de Villiers. Peter Simonischek übernimmt die Rolle des Grafen von Saint Germain, Josefine Preuß spielt Lucy Montrose, Florian Bartholomäi deren Mann Paul. Veronica Ferres ist als Gwens Mutter Grace zu sehen, Rufus Beck leiht dem animierten Wasserspeier Xemerius seine Stimme. Kostja Ullmann und Laura Berlin komplettieren das Ensemble als Schulgeist James und Rivalin Charlotte.

Der Film hat eine Laufzeit von 116 Minuten und ist ab FSK 6 freigegeben. Er startete am 14. August 2014 in den deutschen Kinos und bildet den mittleren Teil einer Trilogie, die mit „Rubinrot“ (2013) begann und mit „Smaragdgrün“ (2016) abgeschlossen wurde. Der Soundtrack erreichte im August 2014 Platz 85 der deutschen Albumcharts.

Handlung & Inhalt vom Film „Saphirblau“

Der Film eröffnet im Jahr 1609: Lucy und Paul beobachten in einer Londoner Schänke, wie William Shakespeare Texte vorträgt, und werden Zeugen eines Mordes. Der Graf von Saint Germain tötet vor ihren Augen seinen Vorfahren Lancelot de Villiers, den ersten Zeitreisenden seiner Familie, der gedroht hatte, den Chronografen zu vernichten. In der Gegenwart erfährt Gwendolyn Shepherd, dass Lady Tilney im Jahr 1912 Besuch von Lucy und Paul empfangen hatte. Gemeinsam mit Gideon de Villiers reist sie dorthin und trifft die beiden. Lucy erklärt, dass sie und Paul den Chronografen gestohlen haben, um Gwen zu schützen: Ihr Blut könnte einen Kreislauf vollenden, dessen Macht der Graf für sich beansprucht.

Zurück in der Gegenwart übernimmt Mr. Whitman die Koordination der Zeitreisen. Der sprechende Wasserspeier Xemerius, den nur Gwen wahrnehmen kann, schließt sich ihr an. Eine Zeitreise führt sie ins Jahr 1953, wo sie ihren Großvater Lucas als jungen Mann trifft. Er kennt den geheimnisvollen „grünen Reiter“ nicht, verspricht jedoch nachzudenken. Unterdessen warnt William de Villiers, Gideons Onkel, diesen vor Gefühlen und vor Gwens Einfluss. Gideons Bruder Raphael reist aus Frankreich an und nähert sich Gwens bester Freundin Leslie. Die Loge bereitet Gwen mit Etikette-Unterricht auf eine Soirée im 18. Jahrhundert vor. Im Jahr 1950 kommen sich Gwen und Gideon näher.

Verrat, Vertrauen und verborgene Wahrheiten

Die Soirée im Jahr 1783 gerät zum dramatischen Wendepunkt des Films. Gwen singt betrunken „The Time Warp“ für die Gesellschaft eine anachronistische Einlage, die die Stimmung kippen lässt. Als Männer der Florentinischen Allianz die Versammlung angreifen, schlägt Gwen sie mit einem improvisierten Flammenwerfer aus Haarspray und Kerze in die Flucht. Parallel findet Gwens Freundin Leslie gemeinsam mit Raphael heraus, dass ein Zahlencode im Buch „Der grüne Reiter“ zu einem Versteck in Gwens eigenem Haus führt. Dahinter verbirgt sich eine alte Truhe, darin der Chronograf von Lucy und Paul, dem nur Gwens und Gideons Blut fehlen.

Im Jahr 1912 trifft Gwen Paul vor einer Kirche, in dem Moment, als auch Gideon eintrifft und niedergeschlagen wird. Lucy und Paul gestehen ihr, was niemand wissen sollte: Gwen ist ihre Tochter. Als Kind zweier Zeitreisender, so glauben sie, besitzt sie eine Kraft, die den Grafen aufhalten könnte. Paul plant, das Memoire des Grafen durch eine Allianz mit den Florentinern zu beschaffen. Zurück in der Gegenwart rettet Gideon Gwen, nachdem er erfahren hat, dass William de Villiers und Mr. Whitman ihre Hebamme gefoltert haben.

Die Loge schickt beide schließlich erneut ins Jahr 1783. Gideon gesteht Gwen seine Gefühle und schlägt eine Zusammenarbeit ohne Geheimnisse vor. Der Graf jedoch enthüllt Gwen, dass Gideon einen Auftrag hatte: Sie sollte sich verlieben, um beherrschbar zu werden. Gwen flieht. Butler Bernhard hat den Chronografen in Sicherheit gebracht. Er übergibt ihr ein altes Foto, das sie und Gideon in den 1920er Jahren zeigt ein Zeitsprung, der noch vor ihr liegt. Im Jahr 1783 übergibt Paul dem geläuterten Gideon das Memoire, nachdem dieser bekräftigt, Gwen aufrichtig zu lieben.

Filmkritik und Fazit zum Film „Saphirblau“

Saphirblau“ ist ein Film, der seine Stärken kennt – und sie konsequent einsetzt. Kamerafrau Sonja Rom nutzt die prachtvollen Originalschauplätze mit sicherem Blick: Barockfestsäle, Kirchenschiffe und historische Gassenfluchten gewinnen in der Totale Würde, in der Nahaufnahme Intimität. Die Kostümausstattung ist sorgfältig recherchiert und visuell stimmig. Maria Ehrich trägt die Hauptrolle mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Verletzbarkeit, die der Figur mehr Tiefe verleiht, als das Drehbuch ihr manchmal zugesteht. Jannis Niewöhner hält mit kontrollierter Undurchsichtigkeit dagegen ein wirksames Gegengewicht.

Schwächer ist der Film dort, wo er seinen Rhythmus verliert. Die Musikauswahl weist Brüche auf: Philipp F. Kölmels atmosphärische Filmmusik konkurriert mit deplatzierten Pop- und Hip-Hop-Nummern, die keine dramaturgische Funktion erfüllen. Die „Time Warp“-Einlage auf der Soirée ist als inhaltlicher Selbstverweis gedacht, scheitert jedoch an der Ausführung. Zudem bleibt der Graf von Saint Germain trotz Peter Simonischeks präsenter Darstellung eine Figur, die mehr angedeutet als wirklich entfaltet wird. Das Tempo des zweiten Akts schwankt, Nebenhandlungen konkurrieren mit dem Hauptstrang, ohne ihn zu bereichern.

Wer die Vorlage kennt und der Trilogie folgt, wird mit einem visuell aufwendigen, emotional aufrichtig gemeinten Mittelstück belohnt. Für Genre-Liebhaber des deutschen Jugendfantasyfilms liefert „Saphirblau“ das, was es verspricht: Zeitreisen mit Herzklopfen, Kostümglanz und einem Geheimnis, das sich erst im dritten Teil vollständig löst. „Saphirblau“ erfüllt seinen Auftrag als Fortsetzung, ohne ihn zu übertreffen. Die Bilder überzeugen, die Hauptdarsteller tragen den Film, doch das Drehbuch bleibt an entscheidenden Stellen an der Oberfläche. Wer romantisches Fantasyabenteuer im Historiengewand sucht, ist hier am richtigen Ort.

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