Good Will Hunting
Ein Genie, das sich selbst im Weg steht. Ein Therapeut, der selbst längst aufgehört hat zu leben. „Good Will Hunting“ erzählt von zwei Menschen, die einander brauchen, ohne es zunächst zu wissen. Gus Van Sant schuf 1997 ein Drama, das seinen Figuren Zeit lässt – Zeit zum Schweigen, zum Ausweichen, zum schmerzhaften Öffnen. Der Film kommt ohne Lärm aus und findet gerade darin seine Stärke.

| Dauer: | 126 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 1997 |
| Regie: | Gus Van Sant |
| Produzenten: | Lawrence Bender |
| Hauptdarsteller: | Matt Damon, Robin Williams, Ben Affleck |
| Nebendarsteller: | Stellan Skarsgård, Minnie Driver, Casey Affleck, Cole Hauser |
| Studio: | Lawrence Bender Productions, Be Gentlemen Limited Partnership, Miramax |
Was bedeutet es, eine Gabe zu besitzen, die man selbst für wertlos hält? Will Hunting, Anfang zwanzig, lebt in South Boston, putzt die Flure des MIT und schlägt sich mit Vorstrafen durch. Er hat gelernt, Verletzlichkeit wegzuprügeln – nach innen wie nach außen. „Good Will Hunting“ stellt diese Frage nicht laut, sondern lässt sie in jedem Gespräch zwischen Will und seinem Therapeuten Sean Maguire widerhallen: Was geschieht mit einem Menschen, dem niemand je gesagt hat, dass er es wert ist?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Good Will Hunting“ ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1997. Regie führte Gus Van Sant, das Drehbuch verfassten Matt Damon und Ben Affleck, die beide auch zentrale Rollen übernahmen. Produziert wurde der Film von Lawrence Bender, die Musik stammt von Danny Elfman, die Kamera führte Jean-Yves Escoffier, den Schnitt verantwortete Pietro Scalia. Gedreht wurde überwiegend in Boston und Cambridge, Massachusetts.
Matt Damon spielt die Titelrolle des Will Hunting. Robin Williams verkörpert den Psychologen Sean Maguire, Ben Affleck gibt Wills besten Freund Chuckie Sullivan. Stellan Skarsgård übernimmt die Rolle des Mathematikprofessors Gerald Lambeau, Minnie Driver spielt die Medizinstudentin Skylar. Casey Affleck und Cole Hauser sind als Freunde aus Wills Umfeld zu sehen.
Der Film läuft 122 Minuten und ist ab FSK 12 freigegeben. Bei der Oscarverleihung 1998 gewann er zwei Auszeichnungen: das beste Originaldrehbuch für Damon und Affleck sowie den Besten Nebendarsteller für Robin Williams. Nominiert wurden zudem Gus Van Sant als Bester Regisseur, Matt Damon als Bester Hauptdarsteller und Minnie Driver als Beste Nebendarstellerin. Beim Europäischen Filmpreis 1998 wurde Stellan Skarsgård für seine Leistung ausgezeichnet.
Handlung & Inhalt vom Film „Good Will Hunting“
Will Hunting ist zwanzig Jahre alt, wohnt in einem ärmlichen Viertel von South Boston und arbeitet als Reinigungskraft am Massachusetts Institute of Technology. Seine Freizeit verbringt er mit seinen Freunden Chuckie, Billy und Morgan beim Baseball, in Bars und gelegentlichen Schlägereien. Will trägt bereits einige Vorstrafen, darunter Körperverletzung und Autodiebstahl. Dass er nebenbei hochkomplexe Mathematikaufgaben löst, die Professoren für ihre Studenten an Flurwände schreiben, fällt zunächst niemandem auf. Erst der Mathematikprofessor Gerald Lambeau erkennt das ungewöhnliche Talent des unbekannten Hilfsarbeiters und beginnt, sich für ihn zu interessieren.
Als Will erneut in eine Schlägerei gerät und diesmal auch einen Polizisten angreift, droht ihm wegen seiner Vorstrafen Gefängnis. Lambeau handelt mit dem Richter einen Deal aus: Will wird auf freiem Fuß belassen, wenn er sich regelmäßig mit dem Professor trifft und eine Therapie beginnt. Will nutzt die Sitzungen zunächst, um fünf Therapeuten nacheinander zur Aufgabe zu bewegen, mit gezielten Provokationen, psychologischem Wissen und schneidender Kälte. Lambeau wendet sich daraufhin an seinen alten Studienfreund Sean Maguire, einen Psychologen am Bunker Hill Community College, der aus demselben Arbeiterviertel stammt wie Will.
Zwischen Abwehr und Annäherung
Maguire lässt sich von Wills Spielen nicht aus der Ruhe bringen. Er kennt die Sprache dieses Milieus. Er offenbart sich selbst, spricht über seine verstorbene Frau und seine eigene Kindheit mit einem gewalttätigen Vater und schafft so nach und nach einen Zugang, den Will nicht wegargumentieren kann. Parallel dazu trifft Will in einer Bar die Medizinstudentin Skylar. Die beiden verlieben sich. Doch je näher Skylar ihm kommt, desto mehr weicht Will aus. Lambeau drängt ihn währenddessen, eine lukrative Stelle in Forschung oder Industrie anzunehmen. Will verweigert sich auch hier konsequent.
Der Kontakt zwischen Will und Lambeau bricht ab. Von Skylar trennt er sich mit der Behauptung, er liebe sie nicht. Maguire erfährt aus den Gerichtsakten, dass Will in Pflegefamilien aufgewachsen und dort körperlich misshandelt worden ist. In einer der nächsten Therapiesitzungen konfrontiert er Will damit direkt. Er wiederholt ihm ruhig und bestimmt, dass Will keine Schuld trage, immer wieder, bis Will die Kontrolle verliert, in Tränen ausbricht und Maguire in die Arme fällt.
Den letzten Anstoß zur Veränderung gibt nicht der Therapeut, sondern Chuckie. Er stellt Will zur Rede: Es würde ihn am meisten beglücken, wenn Will eines Morgens einfach weg wäre, ohne Abschied, um Größeres anzugehen. Will macht sich schließlich ohne Worte auf den Weg nach Kalifornien, wo Skylar Medizin studiert. Für Maguire hinterlässt er einen Zettel. Auch Maguire selbst findet nach dem Ende seiner Trauer einen neuen Aufbruch: Er entschließt sich zu einer Weltreise. Zwei Männer haben einander geholfen, sich aus ihren bisherigen Lebensmustern zu lösen, und gerade dadurch zueinander gefunden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Good Will Hunting“
„Good Will Hunting“ lebt von einem Drehbuch, das seinen Figuren vertraut, statt sie zu erklären. Damon und Affleck schrieben keine Heldengeschichte, sondern ein Porträt von Gegenwehr – gegen Fürsorge, gegen Zukunft, gegen sich selbst. Gus Van Sant setzt diesen Text mit bewusster Zurückhaltung in Szene: keine manipulativen Montagen, keine aufgeblähten Wendepunkte. Jean-Yves Escoffiers Kamera beobachtet die Figuren auf Distanz, und Danny Elfmans Musik verdichtet die emotionalen Momente, ohne sie zu überwältigen. Die Dialogszenen zwischen Damon und Williams tragen den Film.
Robin Williams spielt Sean Maguire mit einer Stille, die man von ihm selten gesehen hat. Sein Maguire ist kein weiser Retter, sondern ein gebrochener Mann, der in der Therapie von Will unbewusst auch sich selbst behandelt. Matt Damon hält dagegen mit einer Präzision, die jeden falschen Ton verhindert: Seine Abwehr wirkt nie theatralisch, seine Erschütterungen nie inszeniert. Minnie Driver gibt der Figur Skylar eine Wärme und Eigenständigkeit, die sie über die Funktion der Liebesinteresse hinaushebt. Dennoch bleibt das Tempo des Films an manchen Stellen etwas gleichmäßig – der mittlere Akt zieht sich, weil die Therapieszenen wenig strukturelle Variation bieten, auch wenn sie inhaltlich präzise sind.
„Good Will Hunting“ ist ein Film für alle, die Dramen schätzen, in denen nicht Handlung, sondern Haltung zählt. Er funktioniert nicht als Aufsteigergeschichte, sondern als stilles Plädoyer dafür, das eigene Schweigen zu brechen. Wer Geduld mitbringt und sich auf zwei außergewöhnliche Darsteller einlässt, findet hier ein Werk, das trotz seiner dreißig Jahre nichts an Genauigkeit verloren hat.