Source Code

Was bleibt von einem Menschen, wenn der Körper versagt? Was ist Wirklichkeit, wenn Erinnerung und Bewusstsein getrennte Wege gehen? „Source Code“ stellt diese Fragen nicht als philosophisches Traktat, sondern als atemberaubenden Thriller – in acht Minuten, die sich wiederholen, verschieben und am Ende mehr verändern, als jede Prämisse vermuten ließ. Duncan Jones entfaltet ein Szenario, das mit den Konventionen des Zeitreisekinos spielt und dabei etwas Eigenständiges destilliert.

Source Code
Dauer: 93 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2011
Kategorien: Science-Fiction, Thriller
Regie: Duncan Jones
Produzenten: Jordan Wynn, Mark Gordon, Philippe Rousselet
Hauptdarsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga
Nebendarsteller: Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar, Russell Peters
Studio: The Mark Gordon Company, Summit Entertainment, Vendôme Production

Science-Fiction hat schon immer von der Angst vor dem Kontrollverlust gelebt. Hier ist es nicht das Weltall, das den Menschen isoliert, sondern das eigene Bewusstsein. Ein Soldat, dessen Identität ihm genommen wurde. Ein Auftrag, der keine Wahl lässt. Ein Zug, der immer wieder explodiert. Jones führt sein Publikum in diesen Strudel aus Wiederholung und Dringlichkeit mit sicherer Hand – und lässt die eigentlich beunruhigende Frage erst langsam ans Licht treten: Wer entscheidet eigentlich, wann genug ist?

Besetzung, Regie und Drehorte

Source Code“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Thriller aus dem Jahr 2011. Regie führte Duncan Jones, der mit seinem Debüt „Moon“ bereits erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Das Drehbuch stammt von Ben Ripley, produziert wurde der Film von Mark Gordon, Jordan Wynn und Philippe Rousselet. Die Musik komponierte Chris P. Bacon, die Kameraarbeit übernahm Don Burgess, den Schnitt verantwortete Paul Hirsch. Summit Entertainment brachte den Film am 1. April 2011 in den USA in die Kinos.

Jake Gyllenhaal spielt die Hauptfigur Captain Colter Stevens, der sich im Körper des Geschichtslehrers Sean Fentress wiederfindet. Michelle Monaghan verkörpert Christina Warren, die Mitreisende, in die Stevens sich zunehmend verliebt. Vera Farmiga ist als Air-Force-Captain Colleen Goodwin zu sehen – bemerkenswert, da sie aufgrund einer Schwangerschaft nur zehn Drehtage zur Verfügung hatte. Jeffrey Wright spielt den ehrgeizigen Programm-Erfinder Dr. Rutledge. Scott Bakula leiht Stevens‘ Vater seine Stimme, eine bewusste Hommage an seine Hauptrolle in der Serie „Zurück in die Vergangenheit“.

Die Hauptdreharbeiten fanden vom 1. März bis 29. April 2010 in Montreal statt. Einzelne Szenen entstanden in Chicago selbst, darunter Aufnahmen im Millennium Park und am Illinois Institute of Technology. Der Film läuft 93 Minuten und ist in Deutschland ab zwölf Jahren freigegeben. Ursprünglich war New York City als Drehort vorgesehen; auch die Besetzung der Hauptrolle verlief anders als geplant, zunächst war Topher Grace für die Rolle des Colter Stevens im Gespräch.

Handlung & Inhalt vom Film „Source Code“

Captain Colter Stevens, ein Hubschrauberpilot der US Army, erwacht ohne Erinnerung in einem Nahverkehrszug nach Chicago. Er sitzt einer Frau namens Christina Warren gegenüber, die ihn offenbar kennt und ihn mit einem fremden Namen anspricht. Stevens ist desorientiert. Er versteht seine Situation nicht. Die Mitreisenden wirken vertraut mit ihm, obwohl er sie nie gesehen hat. Bevor er die Lage erfassen kann, erschüttert eine Explosion den Zug. Alle sterben. Dann erwacht Stevens erneut – diesmal in einer hermetischen Kapsel, auf einen Mechanismus geschnallt.

Auf einem Monitor erscheint Colleen Goodwin, eine Air-Force-Offizierin, und klärt ihn auf: Er nimmt am „Source Code“ teil, einem Programm, das es ermöglicht, die letzten acht Minuten eines Verstorbenen im gespeicherten Erinnerungsecho seines Gehirns zu durchleben. Stevens soll den Täter eines Bombenanschlags auf den Zug identifizieren – denn der Attentäter hat angekündigt, als Nächstes eine radioaktive Bombe in Chicagos Innenstadt zu zünden. Millionen Leben stehen auf dem Spiel. Goodwin und der Programm-Erfinder Dr. Rutledge drängen zur Eile. Die Erklärungen bleiben knapp. Stevens hat keine Wahl.

Jagd gegen die Uhr

Mit jeder neuen Reise in den Source Code wächst Stevens’ Handlungsspielraum zunehmend. Zunächst lernt er die Passagiere kennen, beobachtet ihre Verhaltensmuster und verdächtigt dabei den Falschen. Gleichzeitig entwickelt sich in den wenigen Minuten eine Verbindung zu Christina, die er unbedingt retten will. Dennoch machen Goodwin und Rutledge ihm unmissverständlich klar, dass der Source Code keine echte Zeitreise ist. Stattdessen endet jede alternative Realität unausweichlich mit der Explosion – es gibt keine Rettung, sondern nur Informationen. Trotzdem verfolgt Stevens zunehmend seinen eigenen Plan und versucht darüber hinaus, in der Kapsel mehr über sein tatsächliches Schicksal herauszufinden.

Schließlich erfährt er eine erschütternde Wahrheit: Sein Körper ist schwer verstümmelt, und offiziell gilt er längst als tot. Darüber hinaus nutzt Dr. Rutledge ihn als einzige funktionierende Schnittstelle zum Programm. Zudem stellt sich heraus, dass das vermeintliche Cockpit lediglich eine Projektion seines Bewusstseins ist. Währenddessen verspricht Rutledge, nach Abschluss der Mission die lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten. Zunächst akzeptiert Stevens dieses Angebot, doch gleichzeitig treibt er die Mission voran und identifiziert schließlich den Attentäter: Derek Frost. Infolgedessen können die Behörden eingreifen und die zweite Bombe rechtzeitig entschärfen.

Dennoch plant Rutledge, Stevens’ Erinnerungen zu löschen und ihn weiter einzusetzen, wodurch er die ursprüngliche Abmachung bricht. Im Gegensatz dazu unterstützt Goodwin Stevens’ Wunsch nach einer letzten Reise. Schließlich schaltet sie die Lebenserhaltung nach exakt acht Minuten ab. In dieser verbleibenden Zeit entschärft Stevens die Bombe, überwältigt Frost und nimmt Kontakt zu seinem Vater auf. Gleichzeitig nutzt er die letzten Sekunden, um sich von Christina zu verabschieden. Unerwartet bleibt sein Bewusstsein bestehen, sodass er den Zug verlassen kann. Abschließend erklärt er in einer E-Mail an Goodwin, dass der Source Code mehr ermöglicht als gedacht und gibt ihr eine letzte Botschaft mit.

Filmkritik und Fazit zum Film „Source Code“

Source Code“ gelingt das Kunststück, ein konzeptionell komplexes Szenario mit konsequenter erzählerischer Ökonomie zu verbinden. Duncan Jones verzichtet auf ausufernde Exposition. Die Regeln des Programms werden in wenigen Sätzen etabliert, der Rest entfaltet sich über Handlung und Wiederholung. Jake Gyllenhaal trägt den Film mit einer Darstellung, die zwischen Kontrolle und Erschütterung pendelt, seine Reaktionen in der Kapsel, das allmähliche Erkennen der eigenen Situation, funktionieren ohne Überwältigung. Don Burgess‘ Kamera bleibt nah am Geschehen, ohne die Enge der Zugabteile zu ästhetisieren.

Das Drehbuch verbindet Thriller, Mystery und Sci-Fi mit einem Tempo, das kaum Verschnaufpausen erlaubt. Die Zeitdruckstruktur, immer acht Minuten, immer die gleiche Ausgangssituation – erzeugt eine Spannung, die sich nicht aus Überraschungseffekten speist, sondern aus der akkumulierten Kenntnis des Protagonisten. Jede Wiederholung verschiebt die Gewichtung. Chris P. Bacons Score unterstützt das ohne Aufdringlichkeit. Wo der Film Abstriche macht, liegt es im Handlungsgerüst selbst: Die Liebesgeschichte bleibt funktional, die Figur Christinas reaktiv. Tiefergehende Fragen über Bewusstsein und Identität werden angedeutet, aber nicht ausformuliert.

Für Liebhaber des Sci-Fi-Thrillers ist „Source Code“ ein verlässlich handwerklich starker Film, der seine 93 Minuten ohne Leerlauf nutzt. Er ist kein Film, der philosophische Tiefe ausschöpft, dafür einer, der sein Konzept mit Präzision und Haltung inszeniert. Jones zeigt, was möglich ist, wenn ein Genre-Stoff mit Ernsthaftigkeit behandelt wird, ohne in Prätention zu verfallen. Das reicht für mehr als einen Blick.

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