Focus

Das Kino hat eine ausgeprägte Zuneigung zu Täuschungen – zu Figuren, die das Leben als einzigen großen Bluff begreifen. „Focus“ von Glenn Ficarra und John Requa spielt mit genau dieser Faszination und schickt seinen Protagonisten durch ein Geflecht aus Lügen, Verführung und strategischer Ablenkung. Der Film verhandelt nicht nur Taschendiebstahl und Hochstapelei, sondern stellt eine ältere Frage: Was geschieht, wenn jemand, der anderen den Kopf verdreht, selbst den Halt verliert?

Focus
Dauer: 115 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2015
Kategorien: Krimi, Thriller
Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Produzenten: Denise Di Novi
Hauptdarsteller: Will Smith, Margot Robbie, Adrian Martinez
Nebendarsteller: Gerald McRaney, Rodrigo Santoro, BD Wong, Brennan Brown
Studio: RatPac Entertainment, Zaftig Films, Warner Bros. Pictures, Di Novi Pictures

Betrug als Kunstform, Romantik als Risikofaktor – das klingt nach einem klassischen Hollywood-Versprechen. Ficarra und Requa haben mit romantischen Komödien bereits bewiesen, dass sie Genres mit Fingerspitzengefühl handhaben. Nun verlagern sie den Schauplatz ins Reich der Ganoven und fragen, ob Gefühle in einem Beruf existieren dürfen, der auf der Abwesenheit von Vertrauen beruht. Ob dieser Versuch gelingt, hängt von mehr ab als von zwei charismatischen Hauptdarstellern.

Besetzung, Regie und Drehorte

Focus“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2015, geschrieben und inszeniert von Glenn Ficarra und John Requa. Die Produktion übernahm Denise Di Novi, die Kameraarbeit lag in den Händen von Xavier Pérez Grobet, den Schnitt verantwortete Jan Kovac, und die Filmmusik komponierte Nick Urata. Ficarra und Requa sind als Duo bekannt, das Herzschmerz und Ironie souverän verbindet – mit „Focus“ wagten sie erstmals den Schritt in die Welt des Schwindels und der Gegentäuschung.

Will Smith übernimmt die Hauptrolle des erfahrenen Trickbetrügers Nicky Spurgeon, Margot Robbie spielt seine Schülerin und spätere Gegenspielerin Jess Barrett. Rodrigo Santoro ist als Motorsport-Milliardär Rafael Garriga zu sehen, während Gerald McRaney in der Rolle des rätselhaften Sicherheitschefs Owens auftritt. Adrian Martinez als Nickys loyaler Kompagnon Farhad sorgt für komische Entlastung. Die ursprünglich für die Hauptrollen vorgesehene Besetzung – darunter Ryan Gosling, Emma Watson, Brad Pitt und Ben Affleck – wäre eine andere Geschichte geworden.

Die Dreharbeiten begannen am 14. September 2013 in New Orleans und setzten sich ab November desselben Jahres in Buenos Aires fort, wo Stadtteile wie San Telmo, Puerto Madero und Palermo als Kulisse dienten. Ein letzter Drehtag fand in New York statt. Als Berater für die Taschendiebstahl-Sequenzen war Apollo Robbins tätig, ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Der Film trägt eine FSK-12-Freigabe und hat eine Laufzeit von 104 Minuten.

Handlung & Inhalt vom Film „Focus“

Nicky Spurgeon ist ein Profi, denn er lebt von Ablenkung. Zudem führt er ein eingespieltes Team aus Betrügern. Dabei hält er seine Gefühle streng unter Kontrolle. Als er Jess trifft, durchschaut er sie sofort. Dennoch nimmt er sie unter seine Fittiche. Dadurch lernt sie schnell und zeigt deutliches Talent. Während der Operationen in New Orleans integriert sie sich. Außerdem gewinnt sie zunehmend das Vertrauen des Teams.

Doch Vertrauen ist in Nickys Welt immer gefährlich. So entwickelt sich aus der Zusammenarbeit eine Nähe. Dennoch beendet Nicky alles plötzlich und ohne Erklärung. Zuvor erhält Jess ihren Anteil am Erlös. Anschließend verschwindet sie aus seinem Leben. Gleichzeitig läuft ein komplexes Wettsystem mit Liyuan Tse. Dabei nutzt Nicky Jess unwissend als entscheidenden Faktor. So zeigt sich früh das zentrale Prinzip des Films.

Verrat, Gefühle und ein letzter Coup

Drei Jahre vergehen. Nicky taucht in Buenos Aires auf, engagiert vom Motorsport-Teamchef Rafael Garriga, um einem Konkurrenten eine manipulierte Softwareversion für die Treibstoffverbrennung zu verkaufen. Der Plan ist komplex, die Risiken kalkuliert. Was Nicky nicht einkalkuliert: Jess ist nun Garrigas Begleiterin. Ihre Wiederbegegnung wühlt beide auf, und was als rein strategischer Kontakt beginnt, nimmt rasch persönliche Züge an. Parallel verkauft Nicky die echte Software an mehrere Konkurrenten und sichert sich damit einen erheblichen Gewinn hinter Garrigas Rücken. Garrigas Sicherheitschef Owens beobachtet die Entwicklungen mit wachsendem Argwohn.

Die Situation spitzt sich zu, als Nicky und Jess von Garrigas Männern gefasst werden. Nicky versucht, Jess zu schützen, indem er behauptet, sie manipuliert zu haben. Jess ihrerseits gibt preis, dass sie Garriga selbst angelogen hat – nicht aus Liebe zu Nicky, sondern um an dessen wertvolle Uhr zu gelangen. Die Fronten verschwimmen, Loyalitäten erweisen sich als konstruierte Kulissen. Owens schießt auf Nicky, Garriga flieht panisch, und Jess glaubt, den Mann zu verlieren, dem sie näher war als jeder andere.

Die Auflösung offenbart, was der Film von Beginn an andeutet: Nichts ist, wie es scheint. Owens entpuppt sich als Nickys Vater Bucky, der Schuss als inszeniertes Ablenkungsmanöver, bekannt als das „Toledo Panic Button“. Bucky fährt die beiden ins Krankenhaus, nimmt das gesamte ergaunerte Geld an sich und hinterlässt seinen Sohn mit einem Ratschlag – demselben, der den Film wie ein Leitmotiv durchzieht. Jess und Nicky gehen gemeinsam in Richtung Krankenhauseingang. Ein letztes Detail sorgt für ein stilles, befriedigendes Lächeln: Garrigas Uhr trägt nun Jess am Handgelenk.

Filmkritik und Fazit zum Film „Focus“

Focus“ entfaltet seine stärksten Momente dort, wo Inszenierung und Schauspiel ineinandergreifen, ohne dass einer den anderen überwältigt. Will Smith liefert eine geerdetere Darbietung, als man es von ihm gewohnt war – weniger auf Coolness gebürstet, stärker auf innere Widersprüche ausgerichtet. Margot Robbie hält diesem Gleichgewicht stand und entwickelt eine Figur, die nicht bloß Reaktionsfläche bleibt, sondern ein eigenes Kalkül verfolgt. Xavier Pérez Grobets Kamera unterstreicht dieses Kräftemessen mit gezielten Unschärfen und räumlicher Enge, die Täuschung nicht nur erzählen, sondern visuell erfahrbar machen.

Das Drehbuch operiert in zwei deutlich voneinander geschiedenen Hälften, und dieser strukturelle Schnitt ist das eigentliche Risiko des Films. Die erste Hälfte – New Orleans, der Super-Bowl-Einsatz, das Wettsystem mit Liyuan Tse – trägt eine Leichtigkeit, die den Zuschauer mitreißt und im besten Sinne desorientiert. Die zweite Hälfte in Buenos Aires dreht die Koordinaten um: Aus spielerischer Energie wird emotionale Spannung. Dieser Wechsel kostet Tempo, gewinnt dafür an Ambiguität. Nick Uratas Musik unterstützt diesen Übergang mit einem Score, der zwischen Jazz-Eleganz und melancholischem Unterton navigiert, ohne aufdringlich zu werden.

Wer Gaunerkomödien mit emotionalem Fundament schätzt und bereit ist, ein nachlassendes Mitteltempo gegen ein befriedigendes Finale einzutauschen, findet in „Focus“ einen Film, der mehr Substanz besitzt als seine glatte Oberfläche vermuten lässt. Er ist kein lupenreines Genre-Meisterstück, aber ein handwerklich überzeugender Unterhaltungsfilm mit zwei Hauptdarstellern, die dem Spiel aus Annäherung und Täuschung ein echtes Gewicht verleihen.

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