Blade Runner

Ridley Scotts „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 ist mehr als ein Science-Fiction-Film. Er ist eine poetische Meditation über Vergänglichkeit, Identität und die dünne Membran zwischen Geschöpf und Schöpfer. Die Adaption von Philip K. Dicks Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ verweigerte sich bewusst den Erwartungen ihrer Zeit. Kritik und Publikum reagierten zunächst distanziert. Erst Jahre später begann die Neubewertung dieses düsteren Meilensteins.

Der Blade Runner
Dauer: 118 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1982
Kategorien: Action, Science-Fiction
Regie: Ridley Scott
Produzenten: Michael Deeley, Run Run Shaw
Hauptdarsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young
Nebendarsteller: Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, William Sanderson
Studio: Shaw Brothers, The Ladd Company, Warner Bros. Pictures

Heute gilt der Film als Geburtsstunde des Cyberpunk im Kino. Seine visuelle Grammatik prägte Generationen von Filmemachern und Autoren. Scott verschmilzt hier die Ikonografie des Film noir mit futuristischer Dystopie zu einer ästhetischen Einheit, die auch vier Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Sogwirkung verloren hat. Wer den Film erneut betrachtet, entdeckt immer neue Schichten. Wie lässt sich eine Zukunftsvision noch bewerten, die längst zur filmischen Gegenwart geworden ist?

Besetzung, Regie und Drehorte

Die Regie des Films „Blade Runner“ führte Ridley Scott, der zuvor mit „Alien“ bereits ein prägendes Werk des Genres vorgelegt hatte. Das Drehbuch verfassten Hampton Fancher und David Webb Peoples nach der Romanvorlage von Philip K. Dick. Produziert wurde das Projekt von Michael Deeley für The Ladd Company. Die Kameraarbeit übernahm Jordan Cronenweth, dessen Lichtgestaltung bis heute als wegweisend gilt. Für den Schnitt war Terry Rawlings verantwortlich. Vangelis komponierte die Musik, die den Film tragend prägt.

In der Hauptrolle des Rick Deckard überzeugt Harrison Ford mit karger, introvertierter Präsenz. Rutger Hauer gibt seinem Replikanten Roy Batty eine physische und seelische Größe, die ihresgleichen sucht. Sean Young verkörpert die rätselhafte Rachael mit nostalgischer Eleganz. Edward James Olmos bringt als Gaff eine enigmatische Kälte ein. Daryl Hannah, Joe Turkel, William Sanderson, Brion James und Joanna Cassidy komplettieren das Ensemble. M. Emmet Walsh spielt den aufgeweichten Vorgesetzten Bryant mit zynischer Routine.

Die Laufzeit beträgt 118 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei FSK 12, beim Final Cut bei FSK 16. Gedreht wurde unter anderem im Bradbury Building und im Ennis House von Frank Lloyd Wright. Der Film erhielt drei BAFTA Awards, einen Hugo Award und wurde 1993 in das National Film Registry aufgenommen. Nominierungen für Oscar und Golden Globe unterstreichen den späten Ruhm des Werks.

Handlung & Inhalt vom Film „Blade Runner“

Los Angeles im November 2019 präsentiert sich als Moloch aus Dauerregen und neonflirrender Finsternis. Dort fertigt die Tyrell Corporation künstliche Menschen, sogenannte Replikanten. Diese Wesen gleichen ihren Schöpfern äußerlich vollkommen. Um jedoch Machtansprüche zu verhindern, erhalten sie eine Lebensdauer von nur vier Jahren. Sechs Replikanten der Serie Nexus-6 haben allerdings ein Raumschiff gekapert und sind anschließend zur Erde geflohen. Rick Deckard, ehemaliger Blade Runner, wird deshalb von seinem früheren Vorgesetzten Bryant zur Jagd auf die Flüchtigen gezwungen. Dabei soll er die Abtrünnigen „aus dem Verkehr ziehen“. Doch der Auftrag wird schließlich sein Weltbild erschüttern.

Im Hauptsitz der Tyrell Corporation trifft Deckard schließlich auf Rachael, die Assistentin des Firmenchefs. Mit dem Voigt-Kampff-Test, der emotionale Reaktionen misst, identifiziert er sie jedoch als Replikantin. Rachael selbst weiß allerdings nichts von ihrer künstlichen Herkunft. Denn man hat ihr falsche Erinnerungen eingepflanzt. Als Deckard ihr die Wahrheit schonungslos offenbart, bricht deshalb ihre Welt zusammen. Parallel dazu infiltriert Roy Batty, der Anführer der Geflohenen, gemeinsam mit Leon die Werkstatt eines Augendesigners. Denn die Replikanten suchen nach einem Weg zu ihrem Schöpfer, weil sie mehr Leben wollen.

Zwischen Jäger und Gejagtem

Deckard spürt die Replikantin Zhora schließlich in einem schäbigen Nachtclub auf und erschießt sie anschließend auf offener Straße. Kurz darauf wird er jedoch von Leon überwältigt und beinahe getötet. Rachael rettet ihn im letzten Moment mit einem präzisen Schuss. Danach kehren die beiden in Deckards Wohnung zurück. Dort entwickelt sich zwischen ihnen eine zärtliche, aber zugleich verstörende Nähe. Roy Batty dringt derweil mit Hilfe des kranken Genetikers J. F. Sebastian in die Pyramide der Tyrell Corporation ein. Dort verlangt er von seinem Schöpfer ein längeres Leben. Tyrell kann ihm diesen Wunsch jedoch nicht erfüllen.

Daraufhin tötet Roy Tyrell, indem er ihm die Augen eindrückt. Auch Sebastian stirbt wenig später. Deckard folgt unterdessen den Spuren zu Sebastians Wohnung und wird dort von Pris überfallen. Er erschießt sie jedoch, bevor Roy zurückkehrt. Anschließend beginnt eine zermürbende Verfolgung durch das zerfallende Bradbury Building. Roy, körperlich überlegen, spielt dabei mit dem erschöpften Deckard. Doch sein biologischer Verfall hat bereits eingesetzt. Schließlich führt die Jagd beide auf die regennasse Dachlandschaft des Hochhauses. Deckard springt, stürzt und hängt schließlich verzweifelt über dem Abgrund.

In seinem letzten Atemzug zieht Roy ausgerechnet den Jäger, der ihn töten sollte, zu sich herauf. Anschließend spricht er vom Tannhäuser Tor und von Tränen im Regen, die schließlich in der Zeit verlorengehen. Dann stirbt er. Kurz darauf erscheint Gaff auf dem Dach, übergibt Deckard dessen Waffe und lässt ihn mit dem Hinweis ziehen, dass auch Rachael nicht ewig leben werde. Daraufhin kehrt Deckard zu ihr zurück. Am Boden seines Flurs liegt jedoch eine kleine Einhorn-Origamifigur. Sie weckt wiederum Erinnerungen an einen Traum. Schließlich verlässt Deckard gemeinsam mit Rachael die Wohnung. Doch die Zukunft bleibt offen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Blade Runner“

Blade Runner“ entfaltet seine Größe weniger in der Handlung als in der Inszenierung. Ridley Scott und Kameramann Jordan Cronenweth gestalten jedes Bild als bewusste Komposition. Die stroboskopartigen Lichtkegel der Werbefluggeräte, die wandernden Schatten in Deckards Wohnung, die Regenschlieren auf Plexiglas – all das formt eine visuelle Sprache von erstaunlicher Dichte. Harrison Ford spielt Deckard mit melancholischer Zurückhaltung. Rutger Hauer dagegen füllt jede Szene mit physischer Präsenz und philosophischer Trauer. Sein Sterbemonolog bleibt ein Fixpunkt der Filmgeschichte.

Das Tempo des Films ist bedächtig, fast kontemplativ. Wer Action erwartet, wird vor allem in der ersten Hälfte mit langen Totalen und schweigsamen Blicken konfrontiert. Genau hierin liegt die Kraft dieser Arbeit. Die Musik von Vangelis, gespielt auf dem Yamaha CS-80, verwebt Synthesizerflächen mit Saxofon-Soli zu einem melancholischen Klangteppich. Die Stadt selbst wird zum Protagonisten. Ihre postmoderne Collage aus Jugendstil, Art déco und futuristischer Technologie wirkt bis heute verblüffend zeitgenössisch. Der Film verlangt Geduld und belohnt sie reich.

Ridley Scotts Werk ist kein Film für den flüchtigen Konsum. Es ist ein visuelles und philosophisches Gedicht über das, was uns menschlich macht. Freunde des Cyberpunk, des Film noir und des anspruchsvollen Science-Fiction-Kinos finden hier ein Werk von seltener Dichte. Der Final Cut ist die empfehlenswerteste Fassung. Wer sich auf dieses Tempo einlässt, erlebt eines der prägendsten Kinoerlebnisse des zwanzigsten Jahrhunderts.

X