Drive Angry

Der Actionfilm der 2010er-Jahre operiert gern zwischen Pose und Posse. Manche Regisseure verstehen diese Gratwanderung, andere stürzen früh ab. „Drive Angry“ wählt einen dritten Weg: den bewussten Sprung ins Exzessive. Patrick Lussier setzt auf Tempo, Schauwerte und eine dreidimensionale Bildsprache, die ihre Herkunft aus dem Exploitation-Kino offensiv trägt. Nicolas Cage liefert dabei genau jene Form von Präsenz, die das Genre verlangt. Der Film weiß, was er sein will.

Drive Angry
Dauer: 104 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 2011
Kategorien: Action, Horror
Regie: Patrick Lussier
Produzenten: Michael De Luca, René Besson, Adam Fields
Hauptdarsteller: Nicolas Cage, Amber Heard, William Fichtner
Nebendarsteller: Billy Burke, David Morse, Charlotte Ross, Christa Campbell
Studio: Summit Entertainment, Saturn Films, Nu Image, Michael De Luca Productions, Millennium Media

Ein aus der Hölle entflohener Krimineller, eine resolute Kellnerin, ein dämonischer Buchhalter im Anzug. Aus dieser Konstellation destilliert Lussier einen Rachefilm, der seine Einflüsse offen ausstellt. Muscle Cars, Bleikugeln und satanistische Rituale bilden das Fundament. Das Drehbuch von Todd Farmer und Lussier selbst verzichtet auf Subtilität und bekennt sich zu seinen Wurzeln im Autokino der siebziger Jahre. Gleichzeitig versucht der Film, der Hochglanzästhetik moderner Blockbuster etwas entgegenzusetzen. Bleibt am Ende mehr als nur der Lärm der Motoren?

Besetzung, Regie und Drehorte

Drive Angry“ ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahr 2011 unter der Regie von Patrick Lussier. Das Drehbuch verfasste Lussier gemeinsam mit Todd Farmer, der auch selbst in einer Nebenrolle auftritt. Die Produktion verantworteten Michael De Luca, René Besson und Adam Fields. Für die Kamera zeichnete Brian Pearson, für die Musik Michael Wandmacher. Den Schnitt übernahmen Patrick Lussier und Devin C. Lussier. Die Spezialeffekte stammen von Gary J. Tunnicliffe.

In der Hauptrolle agiert Nicolas Cage als John Milton, an seiner Seite spielt Amber Heard die Figur der Piper. William Fichtner verkörpert den Buchhalter, Billy Burke den Sektenführer Jonah King. David Morse tritt als Webster auf, Katy Mixon als Norma Jean. Charlotte Ross ist als Candy zu sehen, Tom Atkins als Captain. Pruitt Taylor Vince übernimmt die Rolle des Roy, Jack McGee spielt Fat Lou. Co-Autor Todd Farmer komplettiert das Ensemble als Frank.

Die Laufzeit beträgt 104 Minuten, die FSK gab den Film ab 18 Jahren frei. Gedreht wurde in Minden, Plain Dealing und Shreveport im US-Bundesstaat Louisiana. Die Aufnahmen entstanden in stereoskopischem 3D. Auf deutschen Leinwänden lief der Film ab dem 24. Februar 2011, einen Tag vor dem US-Start. Später folgten Veröffentlichungen auf DVD und Blu-ray, ergänzt durch eine 3D-Blu-ray-Fassung.

Handlung & Inhalt vom Film „Drive Angry“

John Milton ist aus der Hölle ausgebrochen, um seine Enkelin zu retten. Gleichzeitig hat der Sektenführer Jonah King seine Tochter und deren Ehemann ermordet und plant zudem, das Neugeborene beim nächsten Vollmond zu opfern. Nachdem Milton einige Gefolgsleute Kings verhört hat, erfährt er schließlich, dass das Ritual in Stillwater stattfinden wird, einem Gefängnis in Louisiana. Daraufhin macht er sich unverzüglich auf den Weg. Unterdessen ist ihm ein Dämon im Anzug auf den Fersen, der sich selbst als „Buchhalter“ bezeichnet und außerdem den Auftrag hat, die entflohene Seele zurückzubringen. Währenddessen lernt Milton in einem Diner die Kellnerin Piper kennen, wobei eine von ihm verursachte Autopanne letztlich zur ersten Begegnung führt und den weiteren Verlauf einleitet.

Bei Piper zuhause eskaliert die Situation zusätzlich, als sie ihren Verlobten Frank beim Seitensprung erwischt. Daraufhin greift sie das Paar an, wird jedoch von Frank niedergeschlagen. Genau in diesem Moment schreitet Milton ein und verprügelt den gewalttätigen Verlobten, woraufhin die beiden gemeinsam nach Smithfalls aufbrechen. Inzwischen trifft der Buchhalter bei Frank ein, entlockt ihm Miltons Route und tötet ihn anschließend. Danach spannt er zwei Polizisten als falsche FBI-Agenten für seine Jagd ein, wodurch sich die Spur weiter verdichtet und schließlich zu einem Motel führt, wo Kings Anhänger das Duo überraschend überfallen.

Konfrontation und Vergeltung

Während Milton später mit einer Kellnerin im Bett liegt, wehrt er erneut mehrere Angreifer ab und tötet sie allesamt. Kurz darauf erscheint der Buchhalter gemeinsam mit den Polizisten, weshalb Milton den Gotteskiller einsetzt und den Wagen des Gegners von einer Brücke schleudert. Im Anschluss führt die Jagd in eine Kirche, wo King einen Hinterhalt legt, Milton erschießt und Piper entführt. Allerdings erwacht Milton erneut, tötet Kings verbleibende Männer und ermöglicht Piper so die Flucht.

Daraufhin stellt Webster dem Paar ein neues Auto zur Verfügung, sodass sie ihre Flucht fortsetzen können. Während der Weiterfahrt erfährt Piper schließlich die ganze Vorgeschichte: Milton musste seine Tochter einst verstoßen, um sie vor seinen kriminellen Kontakten zu schützen, wodurch sie später für Kings Einfluss anfällig wurde. Parallel erkennt auch der Buchhalter zunehmend Miltons wahres Motiv und entscheidet sich überraschend, ihm bei seiner Mission zu helfen.

In Smithfalls bereitet King schließlich das endgültige Opferritual vor, während Milton und seine Verbündeten im letzten Moment eintreffen. Zwar tötet Milton zahlreiche Sektenmitglieder, wird jedoch selbst angeschossen, während eine Frau das Kind zunächst nicht töten kann. Schließlich greift Milton erneut zum Gotteskiller und vernichtet Kings Seele mit einem einzigen Schuss. Danach übergibt der Buchhalter das Baby an ihn, woraufhin Milton es Piper anvertraut. Schließlich kündigt er auf dem Rückweg in die Hölle bereits seinen nächsten Ausbruch an, worauf der Buchhalter gelassen reagiert und sich darauf freut.

Filmkritik und Fazit zum Film „Drive Angry“

Drive Angry“ lebt von der bewussten Überzeichnung. Patrick Lussier inszeniert eine Verneigung vor dem Autokino der siebziger Jahre, die ihre Vorbilder nicht verleugnet. Nicolas Cage agiert mit jener stoischen Lässigkeit, die seinem Spiel seit den Ghost-Rider-Filmen anhaftet. Eine Szene verdichtet die Haltung des Films exemplarisch: Während Milton mit einer Frau schläft, wehrt er eine bewaffnete Horde ab, raucht Zigarre und leert nebenbei eine Flasche Whiskey. Hier zeigt sich, welches Spiel Lussier treibt.

Die Bildsprache arbeitet mit sattem Farbkontrast, die Kamera von Brian Pearson bleibt nahe an den Muscle Cars und ihren Fahrern. Michael Wandmachers Score unterstützt die Motorik des Films ohne überbordenden Pathos. Die 3D-Technik erweist sich als gemischter Segen. Sie verleiht den Splatter-Momenten Plastizität, bleibt technisch jedoch hinter dem zeitgleich florierenden Blockbuster-Kino zurück. Schwächer wirkt der Film in seinen ruhigen Passagen. Sobald Cage die Leinwand verlässt, verliert das Drehbuch an Zug und Dichte. William Fichtner kompensiert dies teilweise mit trockener Eleganz.

Der Film richtet sich an ein Publikum, das Exploitation-Ästhetik als bewusste Stilwahl schätzt. Wer nuancierte Figurenzeichnung sucht, wird wenig Befriedigung finden. Wer hingegen Tempo, Härte und selbstironischen Pulp erwartet, bekommt ein konsequent durchgestaltetes Werk. Cage und Fichtner tragen die Inszenierung durch jede Schwäche des Drehbuchs. Ein Genrebeitrag mit klarer Handschrift – und klaren Grenzen.

X