Chennai Express
Ein Zug, der nicht nur Menschen, sondern ganze Genres transportiert – das ist die Ausgangsidee von „Chennai Express„. Rohit Shetty verwandelt das Reisemotiv in ein Vehikel, das weit über seine narrative Funktion hinausweist. Bewegung wird hier zum Prinzip: körperlich, emotional, kulturell. Die rund zweieinhalb Stunden Laufzeit entwickeln einen eigenwilligen Sog. Das Publikum wird mitgenommen auf eine Fahrt zwischen Mumbai und Rameswaram, zwischen Herkunft und Aufbruch.

| Dauer: | 141 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2013 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | Rohit Shetty |
| Produzenten: | Siddharth Roy Kapur, Gauri Khan, Ronnie Screwvala, Karim Morani |
| Hauptdarsteller: | Shah Rukh Khan, Deepika Padukone, Nikitin Dheer |
| Nebendarsteller: | Sathyaraj, Mukesh Tiwari, Kamini Kaushal, Lekh Tandon |
| Studio: | Red Chillies Entertainment, UTV Motion Pictures, Reliance MediaWorks |
Dass der Film im Jahr seiner Veröffentlichung zur bis dahin kommerziell erfolgreichsten Hindi-Produktion aufstieg, ist kein Zufall. Shetty versteht das Handwerk der populären Unterhaltung, und Shah Rukh Khan bringt jene Mischung aus Pathos und Selbstironie ein, die seinem Starpersönlichkeitsprofil seit Jahrzehnten eigen ist. Deepika Padukone ergänzt ihn als ebenbürtige Gegenspielerin. Gemeinsam tragen sie einen Stoff, der formal beinahe simpel wirkt. Was verbirgt sich hinter dieser vermeintlichen Leichtigkeit – und wie viel Kalkül steckt im scheinbaren Überschwang?
Besetzung, Regie und Drehorte
Der 2013 erschienene Film „Chennai Express“ entstand unter der Regie von Rohit Shetty, dem Erfolgsgaranten der Golmaal-Reihe. Das Drehbuch stammt von Robin Bhatt und Rashid Sajid, die Produktion übernahmen Gauri Khan, Ronnie Screwvala und Siddharth Roy Kapur unter den Bannern Red Chillies Entertainment und UTV Motion Pictures. Die Musik komponierte das Duo Vishal-Shekhar, während Amar Mohile den Score beisteuerte. Kameramann Dudley setzte die Landschaften zwischen Maharashtra, Goa und Kerala in Szene. Steven H. Bernard verantwortete den Schnitt und formte daraus eine rhythmische Erzählstruktur.
In den Hauptrollen agieren Shah Rukh Khan als Rahul Mithaiwala und Deepika Padukone als Meenamma Azhagusundaram. Es ist ihre zweite gemeinsame Arbeit nach Om Shanti Om aus dem Jahr 2007. Der tamilische Schauspieler Satyaraj gibt mit der Rolle des Mafiapatriarchen Durgeshwara Azhagusundaram sein Bollywood-Debüt. Nikitin Dheer verkörpert den Gegenspieler Tangaballi mit imposanter Präsenz. Kamini Kaushal und Lekh Tandon ergänzen das Ensemble als Großeltern des Protagonisten. Einen Cameo-Auftritt im Item-Song absolviert Priyamani.
Der Film dauert 141 Minuten und trägt in Deutschland die Altersfreigabe FSK 12. Bei den 59. Filmfare Awards erhielt „Chennai Express“ sieben Nominierungen, darunter für besten Film, beste Regie sowie die Hauptdarsteller-Kategorien. Rund 68 Minuten des Materials wurden von Reliance MediaWorks mit CGI-Effekten nachbearbeitet. Die deutsche Synchronfassung von Rapid Eye Movies erschien zur DVD-Veröffentlichung am 13. Dezember 2013.
Handlung & Inhalt vom Film „Chennai Express“
Rahul Mithaiwala lebt mit vierzig Jahren noch immer bei seinen Großeltern in Mumbai. Sein Großvater Y. Y. Mithaiwala führt eine Kette von Süßwarenläden und feiert außerdem bald seinen hundertsten Geburtstag. Als der alte Herr jedoch am Vorabend der Feier stirbt, verändert sich Rahuls Leben abrupt. Daraufhin bittet ihn seine Großmutter Neetu, einen Teil der Asche in Rameswaram zu verstreuen. Rahul sagt zwar widerwillig zu, doch eigentlich hat er längst eine Reise nach Goa mit seinen Freunden Bobby und Baman geplant. Die Urne soll deshalb eher lästige Pflicht als spirituelle Mission sein. Den Zug besteigt er nur zum Schein, weil er an der nächsten Station wieder aussteigen will.
Bevor Rahul jedoch den Chennai Express verlassen kann, muss er zunächst zur Urne zurück. Auf dem Bahnsteig sprintet ihm währenddessen eine junge Frau entgegen. Hilfsbereit reicht er ihr die Hand und zieht sie in den fahrenden Waggon. Vier kräftige Männer folgen ihr, wobei er auch ihnen beim Einstieg hilft. Dadurch verpasst er schließlich seinen eigenen Ausstieg. Die Frau stellt sich anschließend als Meenamma vor und erklärt ihm, dass die Verfolger ihre Cousins sind. Sie soll nämlich zwangsweise den Drogenbaron Tangaballi heiraten. Ihr Vater Durgeshwara Azhagusundaram herrscht wiederum als Mafiaboss über das tamilische Dorf Komban. Als schließlich ein Schaffner aus dem Zug geworfen wird, begreift Rahul den Ernst der Lage.
Zwischen Flucht und Gefühlsumkehr
In Komban angekommen, stellt Meenamma Rahul überraschend als ihren Geliebten vor. Daraufhin fordert Tangaballi ihn zum Duell heraus, was Rahul wegen fehlender Tamil-Kenntnisse unwissentlich annimmt. Zwar verhilft ihm ein lokaler Polizist namens Shamsher zur Flucht, doch anschließend landet er auf einem Boot srilankischer Schmuggler. Nach einer Schießerei zwischen Polizei und Schmugglern kehrt er schließlich nach Komban zurück. Dort inszeniert er eine Geiselnahme Meenammas und entkommt anschließend mit ihr in Durgeshs Wagen. Als das Auto liegenbleibt, streiten sich beide und trennen sich zunächst. Doch Rahul kehrt schließlich um.
Meenamma führt ihn daraufhin in das Nachbardorf Vidhamba. Dort erklärt sie beide zu einem Ehepaar, das dringend Schutz sucht. Die Dorfbewohner gewähren ihnen Obhut, während Meenamma erkennt, dass sie Rahul liebt. Als er heimlich verschwinden will, stellt sie ihn deshalb zur Rede. Tangaballi spürt die beiden zwar auf, doch das Dorf hilft ihnen erneut bei der Flucht. Gemeinsam reisen sie anschließend nach Rameswaram und vollziehen dort den Ritus an der Asche. Auf dem Rückweg begreift Rahul schließlich seine eigenen Gefühle.
Rahul bringt Meenamma danach zu ihrem Vater zurück. Vor Durgesh und der versammelten Dorfgemeinschaft bekennt er offen seine Liebe und bittet zugleich um Respekt für Meenammas Willen. Anschließend stellt er sich Tangaballi zum angekündigten Kampf. Zwar wird er schwer verprügelt, doch am Ende behält er dennoch die Oberhand. Durgesh und Tangaballi zeigen sich deshalb beeindruckt von der Beharrlichkeit des gewöhnlichen Mannes. Daraufhin erlaubt der Mafiaboss die Hochzeit seiner Tochter. Rahul hinterlässt schließlich eine Botschaft: Liebe kennt weder regionale noch sprachliche Grenzen. Am Ende steht damit die Einsicht, dass ein entschlossenes Herz über jede Hierarchie triumphieren kann.
Filmkritik und Fazit zum Film „Chennai Express“
Rohit Shetty inszeniert „Chennai Express“ als kalkuliertes Spektakel, das seine eigenen Konventionen mit augenzwinkernder Präzision ausstellt. Die Zugszene zu Beginn ist in ihrer choreografierten Mechanik ein Glanzstück komischen Timings. Kameramann Dudley nutzt die satten Farben der südindischen Landschaft als visuellen Kontrast zur urbanen Enge Mumbais. Shah Rukh Khan spielt Rahul mit entwaffnender Selbstironie und lässt seinen eigenen Starstatus mitschwingen, ohne ihn auszustellen. Deepika Padukone begegnet ihm auf gleicher Augenhöhe und bringt eine trotzige Energie ein. Das Zusammenspiel trägt den Film durch seine Längen.
Das Tempo variiert zwischen komödiantischer Hetze und retardierenden Gesangsnummern. Vishal-Shekhar liefern einen eklektischen Soundtrack, der vom klassischen Playback-Epos bis zum Hip-Hop-Einschlag von „Lungi Dance“ reicht. Die Rückkehr des Sängers S. P. Balasubrahmanyam nach fünfzehnjähriger Pause verleiht dem Titelsong eine nostalgische Tiefe. Shettys Actionchoreografie bleibt erwartungsgemäß überzeichnet, wobei die finale Prügelszene nahe an die Schmerzgrenze der Genre-Konvention heranreicht. Die deutsche Synchronfassung mit ihrem erfundenen Dialekt „Kaffspraak“ teilt das Publikum – als Lösung eines sprachlichen Dilemmas ist sie jedoch bemerkenswert mutig.
Wer sich auf die kulturelle Dichte und den rhythmischen Überschuss des Bollywood-Kinos einlässt, findet hier eine der zugänglichsten Produktionen des Genres. Der Film balanciert Slapstick, Romanze und Action mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Für Genre-Liebhaber ist er eine Empfehlung, für Neulinge ein solider Einstieg. Die kommerzielle Sonderstellung des Films lässt sich nachvollziehen, ohne sie zu überhöhen. Zurück bleibt ein Werk, das seine eigene Konstruktion feiert.