Sunshine

Wenn das größte Gestirn unseres Sonnensystems erlischt, verschiebt sich nicht nur das physikalische, sondern auch das metaphysische Koordinatensystem der Menschheit. Genau diese Verschiebung bildet den Ausgangspunkt von „Sunshine„. Danny Boyle wagt sich 2007 in ein Genre, das er zuvor nie betreten hatte. Er tut es mit der Akribie eines Forschers und der Wucht eines Stilisten. Das Ergebnis ist ein Weltraumthriller, der seine Spannung aus Licht statt aus Dunkelheit destilliert. Wenige Filme haben den Stern so reflektiert wie dieser.

Sunshine
Dauer: 107 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2007
Kategorien: Science-Fiction, Thriller
Regie: Danny Boyle
Produzenten: Andrew Macdonald
Hauptdarsteller: Cillian Murphy, Rose Byrne, Chris Evans
Nebendarsteller: Michelle Yeoh, Cliff Curtis, Hiroyuki Sanada, Troy Garity
Studio: Ingenious Media, Moving Picture Company, UK Film Council, DNA Films

Die Konstellation klingt zunächst vertraut: ein internationales Team, eine sterbende Welt, eine letzte Mission. Was Boyle daraus formt, ist allerdings weit entfernt vom üblichen Rettungsdrama. Er verschmilzt die nüchterne Wissenschaftlichkeit eines Brian Cox mit der existenziellen Furcht eines Tarkowski. Sein Blick richtet sich nach innen, während sich der Bug der Icarus II nach außen bewegt. Die Kamera sucht nicht das Pathos, sondern den Augenblick des Innehaltens. Was geschieht mit dem Menschen, wenn er Gott ins Auge schaut?

Besetzung, Regie und Drehorte

Regie führte Danny Boyle nach einem Drehbuch von Alex Garland. Beide hatten zuvor bei „The Beach“ und „28 Days Later“ zusammengearbeitet. Die Dreharbeiten fanden zwischen 2005 und 2007 in den 3 Mills Studios im Osten Londons statt. Produziert wurde der Film von DNA Films, dem UK Film Council und Ingenious Film Partners. Die Kamera führte Alwin H. Küchler im anamorphen Breitbildformat. Den Schnitt verantwortete Chris Gill. Das Budget belief sich auf rund 40 Millionen US-Dollar.

Cillian Murphy übernimmt die Hauptrolle des Physikers Capa, dem das Schicksal der Mission auf die Schultern gelegt wird. Ihm zur Seite stehen Chris Evans als Ingenieur Mace und Rose Byrne als Pilotin Cassie. Michelle Yeoh verkörpert die Botanikerin Corazon, Cliff Curtis den Schiffsarzt Searle. Hiroyuki Sanada gibt den Kapitän Kaneda, Troy Garity den Kommunikationsoffizier Harvey, Benedict Wong den Navigator Trey. Mark Strong erscheint als der entstellte Pinbacker. Die Stimme des Bordcomputers gehört Chipo Chung.

Der Film läuft 107 Minuten und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Die Musik komponierte John Murphy, ergänzt durch Beiträge der Band Underworld und einen Track von I Am Kloot. Beim British Independent Film Award 2007 wurde Mark Tildesley für sein Produktdesign ausgezeichnet, Murphy in der Kategorie Bester Schauspieler nominiert. Eine weitere Nominierung folgte beim Saturn Award 2008.

Handlung & Inhalt vom Film „Sunshine“

Im Jahr 2057 steht die Menschheit am Rand der Auslöschung. Die Sonne erlischt, die Erde erstarrt unter einem solaren Winter. Eine letzte Hoffnung trägt den Namen Icarus II. An Bord befindet sich eine Bombe von der Masse Manhattans, die im Kern des Sterns das Fusionsfeuer neu entfachen soll. Acht Astronauten bilden die multinationale Crew unter Kapitän Kaneda. Der Physiker Capa ist der Einzige, der die Funktionsweise der Waffe wirklich versteht. Bereits ein erstes Schiff, die Icarus I, war sieben Jahre zuvor aufgebrochen. Es ist seither verschollen.

Beim Einschwenken in die Umlaufbahn des Merkurs empfängt die Crew ein Signal des verlorenen Schwesterschiffs. Capa schlägt vor, beide Bomben einzusetzen. Zwei letzte Hoffnungen seien besser als eine. Die Mannschaft folgt seiner Argumentation und ändert den Kurs. Bei dem Manöver unterläuft dem Navigator Trey ein folgenschwerer Rechenfehler. Der Hitzeschutzschild wird beschädigt, der Sauerstoffgarten brennt aus, Kaneda stirbt bei der Reparatur im offenen Sonnenlicht. Eine Rückkehr zur Erde ist ab diesem Moment ausgeschlossen. Trey wird wegen akuter Suizidgefahr auf der Krankenstation isoliert.

Konfrontation mit dem Vorgänger

An Bord der Icarus I finden die Überlebenden schließlich ein Schiff der Toten vor. Der Bordcomputer wurde zerstört, während die Crew offenbar von ihrem eigenen Kapitän Pinbacker in den Tod getrieben wurde. Aus seinem Logbuch geht außerdem hervor, dass er sich als Vollstrecker eines göttlichen Willens versteht. Während der Untersuchung sabotiert jedoch eine unsichtbare Hand die Verbindung zwischen beiden Schiffen. Daraufhin wird die Luftschleuse zur Icarus I zerstört. Searle opfert sich schließlich freiwillig, um die Luke manuell zu öffnen. Deshalb wagen drei Männer den Sprung durchs Vakuum. Searle selbst wählt dagegen das Sonnenobservatorium und damit das Verbrennen im ungefilterten Licht.

Während des Übersetzens treibt Harvey jedoch ab und erfriert schließlich im Weltraum. Capa und Mace erreichen zwar die Icarus II, doch der Sauerstoff reicht nicht mehr für alle. Deshalb entscheiden die Verbliebenen, einen aus ihren Reihen zu opfern. Die Wahl fällt schließlich auf Trey. Mace findet ihn jedoch bereits tot vor, eigenhändig gerichtet. Kurz darauf meldet der Bordcomputer außerdem, dass sich noch immer fünf Personen an Bord befinden. Pinbacker hat nämlich überlebt und sich unbemerkt auf die Icarus II geschlichen. Sein verbranntes Antlitz wird dadurch zur fleischgewordenen Gegenfigur des aufklärerischen Projekts.

Pinbacker tötet daraufhin Corazon, kurz nachdem sie eine aus der Asche neu sprießende Pflanze entdeckt hat. Mace ertrinkt oder erfriert währenddessen im Kühltank, als er versucht, den Bordrechner neu zu starten. Capa muss deshalb die Bombe manuell auslösen und kämpft im Inneren der Sprengkapsel schließlich mit dem entstellten Fanatiker. Dann zündet er die Bombe. Acht Minuten später bemerkt seine Schwester im verschneiten Sydney, wie das Licht auf der Erde plötzlich heller wird. Die Sonne brennt wieder, doch der Preis dafür ist die gesamte Crew der Icarus II.

Filmkritik und Fazit zum Film „Sunshine“

Boyle inszeniert „Sunshine“ als physikalische und metaphysische Grenzerfahrung. Küchlers Kamera operiert mit einer reduzierten Farbpalette aus Grau, Blau und Grün, sodass jeder Sonnenstrahl wie eine Verletzung wirkt. Der Score von John Murphy und Underworld arbeitet mit hypnotischen Streichern und industriellen Texturen. Das Sounddesign nutzt die Stille des Vakuums kalkuliert. Murphy spielt seinen Capa mit einer fast monastischen Versenkung, während Chris Evans dem Ingenieur Mace eine schroffe Bodenständigkeit verleiht. Garlands Drehbuch bündelt Wissenschaft und Wahn auf engstem Raum.

Die erste Stunde gehört zu den dichtesten Sequenzen des Genres seit „Alien“. Eine Außenreparatur am Hitzeschild, bei der das tödliche Licht der Sonne langsam um die Ecke kriecht, gerät zur Lehrstunde inszenatorischer Bedrohung. Auch die Szene im Kühltank, in der Mace den Bordrechner unter Eiswasser neu zu starten versucht, zeigt Boyles Gespür für klaustrophobische Verdichtung. Im letzten Drittel kippt der Film allerdings ins Slasher-Register. Pinbacker bleibt eine flackernde Erscheinung, mehr Symbol als Figur. Diese tonale Verschiebung kostet den Film einen Teil seiner intellektuellen Schärfe.

Der Film bleibt ein eigenwilliges Werk zwischen Tarkowski, Kubrick und Carpenter. Er fordert Geduld und belohnt sie mit Bildern von seltener Wucht. Wer Science-Fiction als sinnliches und gedankliches Ereignis sucht, findet hier einen verlässlichen Begleiter. Die letzten zwanzig Minuten verlangen Nachsicht. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Stern, dem ein Regisseur ungewöhnlich nahegekommen ist.

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