Matrix
Ein Film kann eine Epoche markieren. „Matrix“ hat das getan, nicht laut, nicht mit dem Gestus des Bedeutsamen, sondern durch eine eigentümliche Mischung aus visueller Präzision und philosophischer Tiefe. Die Wachowskis legten 1999 einen Science-Fiction-Film vor, der das Genre neu vermessen hat. Er fragte nicht nur, was Wirklichkeit ist. Er zwang das Kinopublikum, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

| Dauer: | 136 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 1999 |
| Kategorien: | Science-Fiction |
| Regie: | Lana Wachowski, Lilly Wachowski |
| Produzenten: | Joel Silver |
| Hauptdarsteller: | Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss |
| Nebendarsteller: | Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano, Marcus Chong |
| Studio: | Village Roadshow Pictures, Groucho II Film Partnership, Silver Pictures, Warner Bros. Pictures |
Was auf den ersten Blick wie ein stylischer Actionfilm wirkt, entpuppt sich schnell als etwas Komplexeres. Die Matrix als Metapher trägt Schichten, erkenntnistheoretische, theologische, politische. Dabei verliert der Film nie seinen Unterhaltungsanspruch. Kann ein Blockbuster wirklich beides: philosophische Substanz und kinetischen Nervenkitzel?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Matrix“ ist ein US-amerikanisch-australisches Gemeinschaftsprojekt aus dem Jahr 1999, geschrieben und inszeniert von den Geschwistern Wachowski. Der Film wurde von Joel Silver produziert, die Filmmusik stammt von Don Davis, die Kameraarbeit übernahm Bill Pope, den Schnitt verantwortete Zach Staenberg. Die Dreharbeiten fanden zwischen März und September 1998 in Sydney statt, wo auch bereits vorhandene Kulissen des Films Dark City verwendet wurden.
In der Hauptrolle als Thomas Anderson alias Neo ist Keanu Reeves zu sehen. Laurence Fishburne verkörpert den Rebellenführer Morpheus, Carrie-Anne Moss spielt Trinity und Hugo Weaving den bedrohlichen Agent Smith. Das Orakel wird von Gloria Foster dargestellt, Joe Pantoliano übernimmt die Rolle des zwiespältigen Cypher. Ursprünglich war Will Smith für die Hauptrolle vorgesehen, der jedoch absagte.
Der Film hat eine Laufzeit von 136 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben. Bei der Oscarverleihung 2000 gewann er in vier Kategorien, darunter Bester Schnitt und Beste visuelle Effekte. Auch bei den BAFTA Awards und den MTV Movie Awards wurde der Film mehrfach ausgezeichnet. 2012 wurde er in das National Film Registry aufgenommen.
Handlung & Inhalt vom Film „Matrix“
Der Film beginnt mit einer Nachtszene: Polizisten stürmen ein Gebäude und versuchen, eine junge Frau festzunehmen. Doch sie entwischt mit scheinbar übernatürlichen Kräften und flieht zu einer Telefonzelle. Als Agenten in schwarzen Anzügen diese mit einem Lastwagen rammen, ist sie jedoch verschwunden. Anschließend lernt das Publikum Thomas Anderson kennen, einen Computerprogrammierer, der als Hacker unter dem Namen Neo aktiv ist. Dabei empfängt er eine rätselhafte Nachricht auf seinem Bildschirm: „Folg dem weißen Kaninchen.“ Schließlich führt ihn ein Tattoo auf der Schulter einer Fremden in ein Nachtlokal.
Dort begegnet Neo der gesuchten Hackerin Trinity, die ihn zugleich vor einer unmittelbaren Gefahr warnt. Am nächsten Tag erscheinen schließlich Agenten an seinem Arbeitsplatz. Morpheus, ein polizeilich gesuchter Mann, ruft ihn an und weist ihm deshalb einen Fluchtweg. Neo kehrt jedoch um und wird verhaftet. Agent Smith verhört ihn und setzt ihm anschließend in einer surrealen Szene ein spinnenförmiges Abhörgerät ein, das in seinen Körper kriecht. Neo wacht danach auf, als wäre alles nur ein Albtraum gewesen. Kurz darauf trifft er Trinity erneut, die das Gerät aus ihm entfernt. Morpheus empfängt ihn schließlich und erklärt: Die Welt, die Neo kennt, ist lediglich eine Computersimulation.
Verrat, Befreiung und die Entscheidung der Wahrheit
Morpheus stellt Neo nun vor die berühmte Wahl: eine blaue Pille, die alles vergessen lässt, oder eine rote, die dagegen die Wahrheit offenbart. Neo wählt die rote Pille und erwacht daraufhin in einer Kapsel, umgeben von unzähligen weiteren Menschen, die von Maschinen als Energiequellen genutzt werden. An Bord des Schiffes Nebuchadnezzar erfährt er anschließend die Geschichte der Menschheit: Sie verlor einen Krieg gegen künstliche Intelligenz, verdunkelte den Himmel und wurde daraufhin von den Maschinen versklavt. Dennoch leisten wenige Rebellen weiterhin Widerstand. Morpheus glaubt deshalb, Neo sei der prophezeite Auserwählte.
Nach intensiven Trainingssequenzen in der virtuellen Realität der Matrix besucht Neo schließlich das Orakel, das ihm jedoch mitteilt, er sei nicht der Auserwählte. Auf dem Rückweg verrät das Crewmitglied Cypher allerdings Morpheus an Agent Smith. Dabei sterben drei Crewmitglieder. Die Agenten foltern Morpheus anschließend, um den Zugangscode zur letzten freien Stadt Zion zu erzwingen. Neo und Trinity entscheiden sich deshalb, in die Matrix zurückzukehren und Morpheus zu befreien.
Morpheus wird gerettet, während Trinity entkommen kann. Neo jedoch wird von Agent Smith erschossen. Die Crew wartet verzweifelt, während gleichzeitig Wächterdrohnen das Schiff angreifen. Trinity, überzeugt von einer Prophezeiung des Orakels, gibt Neos körperlosem Abbild daraufhin einen Kuss. Er erwacht, sieht nun den Code der Matrix und kann ihn deshalb manipulieren. Er stoppt Kugeln mit einer Handbewegung, bezwingt schließlich Agent Smith und kehrt in die Realität zurück. Dort zerstört der EMP die Wächter. Am Ende kündigt Neo an, die in der Matrix gefangenen Menschen befreien zu wollen, bevor er sich schließlich in die Lüfte erhebt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Matrix“
„Matrix“ verdankt seine Wirkung nicht allein dem revolutionären Bullet-Time-Effekt, der durch 122 synchronisierte Kameras realisiert wurde. Die Inszenierung der Wachowskis besitzt eine seltene Eigenschaft: Sie verankert abstrakte Ideen in kinetischen Bildern. Kameramann Bill Pope arbeitet mit kompositorischer Genauigkeit, der Schnitt von Zach Staenberg, mit dem Oscar ausgezeichnet, strukturiert das Tempo so, dass Actionsequenzen und philosophische Passagen sich wechselseitig bedingen, statt einander zu unterbrechen. Don Davis‘ Filmmusik setzt auf Serialismus und Minimalismus statt auf orchestralen Hochglanz.
Die Bildsprache operiert mit bewusster Farbdramaturgie: Grüne Töne für die Simulation, blaue für die reale Welt. Diese visuelle Codierung funktioniert nicht als plumpes Symbol, sondern als atmosphärische Grundierung. Wo mancher Actionfilm auf reines Spektakel setzt, liefert Matrix eine konsistente Ästhetik, die philosophische Referenzen von Platons Höhlengleichnis bis Jean Baudrillards Simulationstheorie nicht als akademischen Ballast trägt, sondern in Bildmotive übersetzt. Keanu Reeves verkörpert Neo mit einer kontrollierten Zurückhaltung, die gut zum Charakter passt: Ein Mensch, der erst lernen muss, wer er ist. Hugo Weavings Agent Smith hingegen ist präzise gesetzt, mechanisch, bedrohlich, ohne ein überflüssiges Wort.
Der Film Film seinen Einfluss bis heute in unzähligen Parodien, Fortsetzungen und kulturellen Referenzen. Für Freunde anspruchsvoller Science-Fiction ist er unvermeidlich. Wer Wert legt auf eine Verbindung aus Genrekino und philosophischer Reflexion, findet hier ein seltenes Exemplar seines Fachs. Matrix ist kein Film, den man einmal sieht und vergisst. Er hinterlässt Fragen, die hartnäckiger sind als seine Actionszenen. Das Publikum, das sich 1999 in die Kinos setzte, verließ diese mit einem leicht veränderten Blick auf die Realität. Dieser Effekt ist nach wie vor spürbar.