6 Underground

Wenn ein Regisseur sein 150-Millionen-Dollar-Budget in ein Streaming-Projekt steckt, dann sagt das bereits etwas über den Zustand des zeitgenössischen Popcornkinos aus. Michael Bay hat mit „6 Underground“ im Jahr 2019 einen Film vorgelegt, der sich wie ein Manifest liest. Netflix gab ihm alle Freiheiten. Bay nutzte sie. Entstanden ist ein Werk, das keinerlei Rücksicht auf erzählerische Konventionen nimmt und sich stattdessen ganz der Dynamik, dem Bildrausch und der ornamentalen Zerstörung verschreibt.

6 Underground
Dauer: 127 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2019
Kategorien: Abenteuer, Action
Regie: Michael Bay
Produzenten: David Ellison, Dana Goldberg, Michael Bay, Don Granger, Ian Bryce
Hauptdarsteller: Ryan Reynolds, Mélanie Laurent, Manuel Garcia-Rulfo
Nebendarsteller: Ben Hardy, Adria Arjona, Dave Franco, Corey Hawkins
Studio: Skydance Media, Bay Films

Die Geschichte einer siebenköpfigen Freischar, die einen Diktator stürzen will, dient dabei nur als Gerüst. Ryan Reynolds führt als Milliardär mit Codenamen „Eins“ eine Truppe anonymer Spezialisten an. Florenz, Las Vegas, Hongkong und das fiktive Turgistan werden zu Spielfeldern einer Actionchoreografie, die jede physikalische Logik verachtet. Bay inszeniert nicht, er orchestriert. Zwischen Parkour-Sprüngen, magnetischen Impulsen und brennenden Fassaden stellt sich die Frage, wie viel Stilwille ein Popcornfilm eigentlich verträgt, ohne seine Zuschauer zu verlieren?

Besetzung, Regie und Drehorte

Michael Bay führte Regie bei „6 Underground“ aus dem Jahr 2019, deren Drehbuch aus der Feder von Rhett Reese und Paul Wernick stammt. Das Autorenduo schrieb zuvor beide „Deadpool“-Filme und bringt entsprechende Erfahrung mit meta-ironischer Tonalität mit. Produziert wurde der Streifen von Skydance Media in Kooperation mit Bay selbst, David Ellison, Dana Goldberg, Don Granger und Ian Bryce. Die Filmmusik komponierte Lorne Balfe, die Kamera führte Bojan Bazelli, für den Schnitt zeichneten William Goldenberg, Roger Barton und Calvin Wimmer verantwortlich.

In den Hauptrollen agieren Ryan Reynolds als Anführer „Eins“, Mélanie Laurent als „Zwei“ beziehungsweise Camille und Manuel Garcia-Rulfo als „Drei“. Ergänzt wird das Ensemble durch Ben Hardy, Adria Arjona, Dave Franco und Corey Hawkins, die das Kollektiv der Geister verkörpern. Lior Raz tritt als Diktator Rovach Alimov auf, Payman Maadi spielt dessen Bruder Murat. Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Kaze Uzumaki unter der Dialogregie von Ina Kämpfe bei der Berliner Synchron.

Mit einer Laufzeit von 128 Minuten und einer Altersempfehlung ab sechzehn Jahren gehört „6 Underground“ zu den teuersten Netflix-Originalen überhaupt. Gedreht wurde in Italien, Los Angeles, Budapest und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine ausgedehnte Verfolgungsjagd entstand im historischen Zentrum von Florenz, die Parkour-Sequenzen choreografierte das britische Team Storror. Premiere feierte der Film am 10. Dezember 2019 in New York.

Handlung & Inhalt vom Film „6 Underground“

Ein namenloser US-amerikanischer Selfmade-Milliardär und Philanthrop inszeniert seinen eigenen Tod, nachdem er die Brutalität des Regimes von Rovach Alimov miterlebt hat. Alimov regiert den fiktiven Staat Turgistan mit eiserner Hand. Unter dem Codenamen „Eins“ rekrutiert der Milliardär eine sechsköpfige Freischar aus ebenfalls totgeglaubten Spezialisten. Jedes Mitglied erhält eine Zahl statt eines Namens. Bay etabliert damit von Anfang an ein Kollektiv ohne biografische Verankerung. Die erste Mission führt die Truppe nach Florenz, wo sie den Anwalt des Diktators ausschaltet. Eine wilde Hetzjagd durch die Innenstadt folgt. Bei der Flucht stirbt der Fahrer „Sechs“ einen grausigen Tod.

Tage später rekrutiert „Eins“ den Delta-Force-Scharfschützen Blaine und verleiht ihm den Codenamen „Sieben“. Gemeinsam schmieden sie einen ambitionierten Plan. Während des turgistanischen Tags der Toten soll Rovach Alimov gestürzt und durch seinen demokratisch gesinnten Bruder Murat ersetzt werden. Eine bittere Pointe liegt darin, dass „Zwei“ einst im Auftrag der CIA genau diesen Murat gefangen genommen und an Rovach ausgeliefert hatte. Der erste Schritt führt das Team nach Las Vegas. Dort eliminieren sie Rovachs Generäle und pressen ihnen Informationen über Murats Aufenthaltsort ab. Zwischen „Zwei“ und „Drei“ entwickelt sich dabei eine Liebesbeziehung.

Der Sturm auf die Macht

Murat wird zunächst in einem Hochhaus in Hongkong festgehalten. Während der Rettungsaktion gerät „Vier“ in Bedrängnis und wird von Rovachs Handlangern verfolgt. Obwohl es den ausdrücklichen Befehl von „Eins“ gibt, greift „Sieben“ ein und rettet den Kollegen. Damit zeigt sich bereits der erste echte Bruch innerhalb der Gruppe. Anschließend folgt ein intensiver Kampf in einer von Poolwasser gefluteten Hochhausetage, der die Eskalation der Situation deutlich macht.

Daraufhin reist die Truppe nach Turgistan. Dort hacken sie den staatlichen Fernsehsender und unterbrechen eine Rede des Diktators. Infolgedessen erhält Murat erstmals eine Stimme, und seine spontane Ansprache entfacht eine starke Reaktion in der Bevölkerung. Die Bürger Turgistans erheben sich, während strategisch platzierte Explosionen die Hauptstadt erschüttern und Rovach zunehmend in die Enge treiben.

Schließlich flieht der Diktator auf seine Yacht, während Murat den Palast besetzt und das Militär auf seine Seite bringt. Parallel dazu greift das Team die Yacht mit einem magnetischen Impuls an und setzt die Wachen außer Gefecht. Als das Schiff sinkt, entscheidet sich „Eins“ letztlich gegen die Verfolgung und für die Rettung von „Vier“. Danach zerstreut sich das Team in verschiedene Leben, während „Eins“ in New York heimlich seinen Sohn beobachtet und sich auf mögliche zukünftige Missionen vorbereitet.

Filmkritik und Fazit zum Film „6 Underground“

6 Underground“ ist ein Film der bewussten Übertreibung. Michael Bay verzichtet auf jede Form narrativer Bescheidenheit und inszeniert stattdessen eine knapp zweieinhalbstündige Bildsymphonie aus Farbfiltern, Zeitlupen und pyrotechnischen Entladungen. Kameramann Bojan Bazelli liefert dazu eine hochgesättigte, fast plakathafte Ästhetik, die sich bewusst vom Realismus verabschiedet. Die Figuren bleiben dabei konsequent Schablonen. Lediglich Ryan Reynolds erhält genug Raum, um seine gewohnte ironische Präsenz zu entfalten. Das Drehbuch von Rhett Reese und Paul Wernick würzt das Geschehen mit jenen Meta-Gags, die man aus der „Deadpool“-Reihe kennt.

Die Eröffnungssequenz in Florenz gehört zweifellos zu den formstrengsten Actionchoreografien des letzten Jahrzehnts. Eine wilde Verfolgungsjagd durch die Altstadt, eine improvisierte Notoperation auf dem Rücksitz und ein tödliches Finale verdichten sich zu einem wahnwitzigen Crescendo. Der spätere Kampf auf der gefluteten Hochhausetage und die Yacht-Sequenz mit magnetischem Impuls demonstrieren Bays Gespür für denkwürdige Schauwerte. Lorne Balfes Score bleibt dahinter zurück. Er liefert solide Klangkulisse, ohne jene prägnanten Themen zu prägen, die Bays frühere Filme auszeichneten. Die politische Grundierung wiederum verharrt in bedenklichen Klischees vom fiktiven Nahost-Schurken.

Wer Michael Bays Handschrift schätzt, findet hier dessen konsequenteste Ausprägung. Der Film liefert überbordende Action, visuelle Präzision und einen selbstironischen Ton, der die eigene Absurdität mitreflektiert. Die inhaltliche Substanz bleibt allerdings dünn, die Figurenzeichnung ist kaum mehr als ein Umriss. Für Liebhaber kompromissloser Genreware ist dieses Werk dennoch ein Ereignis. Andere dürften nach zwanzig Minuten bereits genug gesehen haben.

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