VENOM

Der schwarze Symbiont als Spiegel: Über das Verhältnis von Körper, Kontrolle und Identität hat das Science-Fiction-Kino seit Jahrzehnten nachgedacht. John Carpenter ließ 1982 in „Das Ding aus einer anderen Welt“ die Frage offen, wer noch er selbst ist. David Cronenberg baute eine ganze Karriere auf die Schnittstelle zwischen Fleisch und Fremdkörper. „Venom“ von 2018 tritt in diese Tradition ein – und wählt dabei einen unerwarteten Ton.

Venom
Dauer: 112 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2018
Kategorien: Action, Fantasy, Science-Fiction
Regie: Ruben Fleischer
Produzenten: Avi Arad, Matt Tolmach, Amy Pascal
Hauptdarsteller: Tom Hardy, Michelle Williams, Riz Ahmed
Nebendarsteller: Scott Haze, Reid Scott, Jenny Slate, Melora Walters
Studio: Matt Tolmach Productions, Pascal Pictures, Marvel Entertainment, Tencent Pictures, Arad Productions, Columbia Pictures

Regisseur Ruben Fleischer, bekannt durch das Genre-Experiment „Zombieland“, übernimmt 2018 eine Figur mit langer Vorgeschichte. Sony Pictures hatte seit Jahren versucht, den Antihelden aus den Marvel-Comics auf die Leinwand zu bringen – nach einem enttäuschenden Gastauftritt in „Spider-Man 3″ entstand nun ein eigenständiges Universum. Was dabei entsteht, ist ein Film, der sich zwischen dunklem Körperhorror und zugänglichem Blockbuster-Kino bewegt. Ob diese Balance aufgeht?

Besetzung, Regie und Drehorte

Venom“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2018. Er entstand unter der Regie von Ruben Fleischer, das Drehbuch verfassten Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Kelly Marcel und Will Beall. Die Kamera verantwortete Matthew Libatique, den Schnitt übernahmen Alan Baumgarten und Maryann Brandon. Die Filmmusik stammt von Ludwig Göransson, das Titellied von Eminem. Produziert wurde der Film von Avi Arad, Amy Pascal und Matt Tolmach.

Die Hauptrolle des Eddie Brock und Venoms Stimme übernahm Tom Hardy. Riz Ahmed spielt den Antagonisten Dr. Carlton Drake. Michelle Williams ist als Anwältin Anne Weying zu sehen, Jenny Slate als Wissenschaftlerin Dr. Dora Skirth. Reid Scott verkörpert Dr. Dan Lewis, Scott Haze den Sicherheitschef Roland Treece. Peggy Lu spielt Mrs. Chen, Woody Harrelson hat einen Kurzauftritt als Cletus Kasady.

Die Dreharbeiten begannen am 23. Oktober 2017 und fanden in Atlanta sowie New York statt. Der Film startete am 3. Oktober 2018 in deutschen Kinos, zwei Tage später in den USA. Die Laufzeit beträgt 113 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei FSK 12. „Venom“ ist der erste Film aus Sonys eigenem Spider-Man Universe.

Handlung & Inhalt vom Film „Venom“

Ein Raumschiff der Life Foundation kehrt aus dem All zurück. Es trägt vier außerirdische Symbionten an Bord – und stürzt im malaysischen Regenwald ab. Die gesamte Besatzung kommt ums Leben, bis auf einen Commander. Einer der Symbionten entkommt seinem Behälter und überträgt sich auf ihn. Er wechselt danach auf eine Sanitäterin, deren Verletzungen sich sofort regenerieren. Die drei verbliebenen Symbionten werden geborgen und in den US-Hauptsitz der Life Foundation gebracht. Der entkommene Symbiont begibt sich zu Fuß auf den Weg, von Wirt zu Wirt springend, in Richtung San Francisco.

Eddie Brock ist investigativer Journalist in San Francisco und mit der Anwältin Anne Weying verlobt. Er erhält den Auftrag, Dr. Carlton Drake, den Leiter der Life Foundation, zu interviewen. Auf Annes Laptop entdeckt er zuvor eine vertrauliche E-Mail über Menschenversuche. Beim Interview konfrontiert er Drake damit. Das Interview bricht ab, Eddie verliert seinen Job. Auch Anne wird entlassen, da man sie für die Informantin hält. Sie trennt sich von Eddie. Sechs Monate vergehen. Eddie lebt allein, beruflich und privat am Boden.

Symbiose, Verfolgung und offene Konfrontation

Die Life Foundation macht unterdessen Fortschritte. Drake lässt Symbionten in Menschenversuchen einsetzen, viele Probanden sterben an der Unverträglichkeit. Laborleiterin Dr. Dora Skirth wendet sich mit Gewissensbissen an Eddie. Sie schmuggelt ihn in die Einrichtung, damit er Beweise sammelt. Dabei findet er eine ihm bekannte Obdachlose als Versuchsobjekt. Er versucht sie zu befreien, doch der in ihr lebende Symbiont überträgt sich dabei auf Eddie. Maria stirbt. Eddie flieht aus dem Labor und bemerkt beim Entkommen ungewöhnliche Kräfte – Superstärke, blitzartige Reflexe.

Eddie sucht Anne und Dr. Dan Lewis auf. Er verhält sich seltsam, leidet unter Fressanfällen und hört eine innere Stimme. Eine MRT-Untersuchung zeigt: Hohe Frequenzen schwächen den Symbionten. Dr. Skirth gesteht Drake ihren Verrat – er übergibt sie einem Symbionten, beide sterben. Drake schickt ein Söldnerteam, doch in Eddies Wohnung manifestiert sich der Symbiont erstmals vollständig und bekämpft die Angreifer. Er stellt sich als Venom vor. Riot, der vierte Symbiont, wählt Drake als Wirt und plant, weitere Symbionten zur Erde zu bringen. Anne verbindet sich kurzzeitig mit Venom, um Eddie zu befreien – danach kehrt Venom zu ihm zurück.

Eddie und Venom kämpfen auf dem Startgelände gegen Riot. Anne verursacht im Kontrollzentrum eine Hochfrequenz-Rückkopplung, die beide Symbionten von ihren Wirten trennt. Eddie und Drake ringen gegeneinander. Riot verbindet sich erneut mit Drake und verletzt Eddie schwer. Venom kehrt rechtzeitig zurück, heilt Eddie und beschädigt den startenden Raumschifftank. Die Explosion tötet Riot und Drake. Venom setzt sich den Flammen aus, um Eddies Sturz abzufedern. Später erzählt Anne, sie glaube, Venom sei tot. Eddie verrät ihr das Gegenteil nicht. In Mrs. Chens Supermarkt stellen die beiden einen Schutzgelderpresser – Eddie erlaubt Venom, ihn zu fressen. In einer Mid-Credit-Szene interviewt Eddie den inhaftierten Serienmörder Cletus Kasady, der ein „Blutbad“ ankündigt.

Filmkritik und Fazit zum Film „Venom“

Venom“ schwankt in seiner Inszenierung zwischen zwei Tonlagen, die selten reibungslos zusammenfinden. Ruben Fleischer inszeniert die Entstehungsgeschichte des Antihelden mit spürbarem Gespür für komödiantische Situationskomik, besonders in den Momenten, wenn Eddie Brock und sein innerer Mitbewohner miteinander streiten. Tom Hardy trägt diese Ambivalenz mit einer körperlich wie stimmlich ungewöhnlichen Performance. Die Symbiose zweier Figuren in einem Körper hat selten so unvermittelt komisches Potenzial entfaltet wie in der Szene, in der Eddie in einem Edelrestaurant im Hummeraquarium landet. Das Drehbuch hingegen behandelt seine eigene interne Logik nachlässig: Einmal eingeführte Regeln über Symbiose-Kompatibilität werden im weiteren Verlauf nach Bedarf außer Kraft gesetzt.

Das erste Drittel des Films arbeitet mit einer Dichte, die dem Material angemessen ist. Die Verfolgungsjagd durch San Francisco entfaltet ein Tempo, das Venoms körperliche Präsenz glaubhaft macht. Ludwig Göranssons Filmmusik setzt dabei kraftvoll akzentuierende Impulse, ohne den Raum zu überladen. Gegen Ende jedoch löst sich die Spannung in einem CGI-Showdown auf, der zwei nahezu ununterscheidbare schwarze Gestalten gegeneinanderstellt. Dieser finale Kampf zwischen Venom und Riot leidet darunter, dass dem Antagonisten Carlton Drake jede emotionale Tiefe fehlt. Der Konflikt wirkt abstrakt, weil er nicht zwischen Menschen, sondern zwischen Effekten ausgetragen wird.

Für Zuschauer, die mit dem Genre vertraut sind, bietet „Venom“ solide Unterhaltung mit einem ungewöhnlichen Hauptdarsteller-Konzept. Hardy rettet Szenen, die das Drehbuch allein nicht tragen könnte. Wer jedoch die Ambiguität erwartet, die Venoms Comicvorlage auszeichnet – die echte Frage, ob hier ein Schurke oder ein Held handelt – wird feststellen, dass der Film diese Spannung frühzeitig auflöst. Er ist ein origins-getreuer Blockbuster mit Ecken, die interessieren. Mehr kommt er nicht zu sein.

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