Die glorreichen Sieben

Neuverfilmungen klassischer Stoffe stehen unter einem stillen Verdikt: Sie müssen rechtfertigen, dass sie überhaupt existieren. „Die glorreichen Sieben“ von Antoine Fuqua tritt diesen Beweis 2016 an – als dritte Inkarnation eines Stoffs, der von Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ über John Sturges‘ Klassiker von 1960 nun in den Händen eines Regisseurs landet, der für markantes Mainstream-Kino bekannt ist. Das Gewicht dieser Ahnenreihe ist beträchtlich.

Die glorreichen Sieben
Dauer: 132 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2016
Regie: Antoine Fuqua
Produzenten: Roger Birnbaum, Todd Black
Hauptdarsteller: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke
Nebendarsteller: Vincent D'Onofrio, Lee Byung-hun, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier
Studio: Metro-Goldwyn-Mayer, Columbia Pictures, LStar Capital, Village Roadshow Pictures, Pin High, Escape Artists

Fuqua, der als Zwölfjähriger gemeinsam mit seiner Großmutter Western entdeckte und sich ihr Urteil während des gesamten Drehs als inneren Kompass bewahrte, nähert sich dem Material mit einer Mischung aus Ehrfurcht und eigenem Gestaltungswillen. Er fragt nicht, wie man das Rad neu erfindet – er fragt, wie man es so dreht, dass auch heute noch etwas in Bewegung gerät. Ob dieser Ansatz aufgeht, entscheidet sich in 133 Minuten zwischen Staub, Schüssen und dem Echo eines unvergesslichen Soundtracks.

Besetzung, Regie und Drehorte

Die glorreichen Sieben“ ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahr 2016, inszeniert von Antoine Fuqua nach einem Drehbuch von Richard Wenk und Nic Pizzolatto. Die Kamera lag in den Händen von Mauro Fiore, dem langjährigen Stammkameramann Fuquas. Den Schnitt verantwortete John Refoua. Das Projekt wurde von Roger Birnbaum und Todd Black produziert und erschien unter dem Originaltitel „The Magnificent Seven“.

Denzel Washington übernimmt als Kopfgeldjäger Sam Chisolm die Führungsrolle, an seiner Seite stehen Chris Pratt als Zocker Josh Faraday und Ethan Hawke als traumatisierter Scharfschütze Goodnight Robicheaux. Das Ensemble ergänzen Vincent D’Onofrio als Bergmann Jack Horne, Byung-hun Lee als Messerwerfer Billy Rocks, Manuel Garcia-Rulfo als Gesetzloser Vasquez und Martin Sensmeier als Comanche-Krieger Red Harvest. Den Antagonisten Bartholomew Bogue spielt Peter Sarsgaard, die weibliche Hauptrolle Emma Cullen verkörpert Haley Bennett.

Die Hauptdreharbeiten dauerten 92 Tage und fanden zwischen Mai und August 2015 in Louisiana statt, mit Drehorten in Baton Rouge, St. Francisville und Zachary. Weitere Aufnahmen entstanden in Ridgway, Colorado, sowie in New Mexico. Der ursprünglich vorgesehene Komponist James Horner verstarb im Juni 2015, bevor die Produktion begann. Sein Freund Simon Franglen vervollständigte den Soundtrack posthum. Der Film lief zur Weltpremiere als Eröffnungsfilm des Toronto International Film Festival 2016 und erhielt die FSK-Freigabe ab 16 Jahren.

Handlung & Inhalt vom Film „Die glorreichen Sieben“

Rose Creek ist ein kleines Farmerdorf, dessen Bewohner sich mit harter Arbeit eine Existenz aufgebaut haben. Der skrupellose Industrielle Bartholomew Bogue will dieses Land um jeden Preis. Er braucht es für seine Goldminen und setzt die Dorfbewohner unter Druck, ihm den Boden zu einem Spottpreis zu verkaufen. Wer sich widersetzt, riskiert sein Leben. Als Bogue einen öffentlichen Protest gewaltsam niederschlagen lässt und dabei mehrere Männer erschießt, darunter den Ehemann der jungen Emma Cullen, ist für sie klar: Verhandeln hat keinen Sinn mehr. Emma bricht mit ihrem Freund Teddy Q. auf, um Hilfe zu suchen. Emma findet den Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der sofort aufmerkt, als Bogues Name fällt. Er nimmt den Auftrag an und beginnt, eine Gruppe von Männern zu versammeln, die ebenso verwegen wie kampferprobt sind.

Zu ihnen gehören der charmante Spieler Josh Faraday, der von Kriegserinnerungen geplagte Scharfschütze Goodnight Robicheaux und sein schweigsamer Begleiter Billy Rocks, ein tödlich präziser Messerwerfer. Der bärbeißige Trapper Jack Horne und der flüchtige Mexikaner Vasquez stoßen ebenfalls dazu. Auf dem Weg nach Rose Creek schließt sich schließlich Red Harvest an, ein vertriebener Comanche-Krieger. Gemeinsam reiten sie in das bedrohte Dorf. In Rose Creek überwältigen die Sieben zunächst Bogues Männer, die den Ort kontrollieren, und vertreiben sie anschließend. Den entlassenen Sheriff lassen sie dabei absichtlich frei, damit er Bogue eine unmissverständliche Botschaft überbringt.

Kampf um Rose Creek

Gleichzeitig ist klar, dass Bogue mit einer weit überlegenen Streitmacht zurückkehren wird. Die verbleibende Zeit nutzen die Sieben daher, um die Farmer im Umgang mit Waffen zu schulen, und zugleich bereiten sie sich gezielt auf die Verteidigung vor. Zudem überfallen sie eine nahegelegene Mine Bogues, um die dort versklavten Arbeiter zu befreien und gleichzeitig Dynamit zu erbeuten. Auf diese Weise verwandelt sich Rose Creek Schritt für Schritt in eine Festung aus Fallen und Hinterhalten.

Als Bogue schließlich mit seiner Armee anrückt, beginnt unmittelbar ein erbitterter Kampf. Durch geschickt platzierte Sprengfallen sowie koordinierte Angriffe dezimieren die Verteidiger die Angreifer nach und nach. Dabei fällt Jack Horne im Zweikampf gegen Bogues Befehlshaber Denali, der jedoch seinerseits von Red Harvest getötet wird. Als Bogue die Niederlage bereits nahestehend sieht, lässt er dennoch eine Gatling-Gun in Stellung bringen und beschießt daraufhin die Stadt. Währenddessen sterben Billy Rocks und Goodnight Robicheaux, die sich im Kirchturm verschanzt hatten, in dem anhaltenden Hagel aus Blei.

Josh Faraday, bereits durch Schüsse verwundet, täuscht einen verzweifelten Sturmangriff auf die Geschützstellung vor. Er lässt sich niederschießen und spielt den Besiegten. Als die Schützen ihm eine letzte Zigarette gönnen, entzündet er damit eine Dynamitstange und sprengt sich mit der Stellung in die Luft. Der entscheidende Schlag. Bogue betritt mit seinen letzten Männern das still gewordene Dorf – und läuft in eine Falle. Chisolm erschießt die Begleiter und konfrontiert Bogue schließlich allein. Im Showdown enthüllt er seine wahren Motive: Bogue ließ einst Chisolms Mutter vergewaltigen und seine Schwestern ermorden. Als Bogue im Chaos der zerstörten Kirche eine versteckte Waffe zieht, ist es Emma Cullen, die den Schuss abfeuert. Vier der Sieben liegen tot. Chisolm, Vasquez und Red Harvest verlassen Rose Creek, das nun frei, aber schwer gezeichnet ist.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die glorreichen Sieben“

Die glorreichen Sieben“ ist ein Film, der weiß, was er sein will – und dieses Ziel mit handwerklicher Präzision verfolgt. Fuqua inszeniert den Western als kinetisches Spektakel, das seinen Klassiker-Referenzen mit Respekt begegnet, ohne sich von ihnen lähmen zu lassen. Kameramann Mauro Fiore fängt die Weite der Landschaft und die Enge der Straßenschlacht gleichermaßen überzeugend ein. Besonders der finale Angriff, in dem Rose Creek systematisch zur Kampfzone umgebaut wird, zeugt von einem präzisen Gespür für Raumwirkung und Timing.

Das Ensemble trägt den Film mit unterschiedlichem Gewicht. Denzel Washington verleiht Chisolm eine physische Autorität, die keine große Geste braucht – eine Schulter, ein Blick genügen. Chris Pratt bringt in der ersten Filmhälfte Leichtigkeit in den ansonsten ernsthaften Grundton, bevor die Handlung ihn zunehmend einengt. Die übrigen fünf bleiben im Vergleich skizzenhaft, was bei sieben Hauptfiguren strukturell kaum zu vermeiden ist. Der posthume Score von James Horner und Simon Franglen – ein gediegenes Bindeglied zwischen dem Elmer-Bernstein-Original und einem modernen Klangbild – gibt dem Film seinen emotionalen Takt. Drehbuchautor Nic Pizzolatto setzt auf klare Frontlinien statt auf moralische Graustufen, was dem Unterhaltungsfluss nützt, dem Tiefgang jedoch Grenzen setzt.

Fuquas Neuverfilmung ist kein Werk, das die Grenzen des Genres verschiebt. Sie rechtfertigt ihre Existenz dennoch durch handwerkliche Verlässlichkeit, ein ungewöhnlich diverses Ensemble und das ehrliche Bestreben, Unterhaltungskino mit Haltung zu verbinden. Wer Western mag, wird sich gut aufgehoben fühlen.

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