Downsizing
Was wäre, wenn die Lösung für alle Probleme darin bestünde, einfach kleiner zu werden? „Downsizing“ stellt diese Frage mit einer Ernsthaftigkeit, die man dem Stoff zunächst nicht zutraut. Alexander Payne, bekannt für seine präzisen Porträts amerikanischer Mittelmäßigkeit, wagt mit diesem Science-Fiction-Tragikomödie den vielleicht riskantesten Schritt seiner Karriere. Er nimmt eine radikal absurde Prämisse und zwingt sie in den Dienst einer zutiefst menschlichen Geschichte.

| Dauer: | 136 Min. |
|---|---|
| FSK: | R (US) |
| Jahr: | 2017 |
| Kategorien: | Drama |
| Regie: | Alexander Payne |
| Produzenten: | Jim Burke, Jim Taylor, Alexander Payne, Mark Johnson |
| Hauptdarsteller: | Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau |
| Nebendarsteller: | Kristen Wiig, Rolf Lassgård, Ingjerd Egeberg, Udo Kier |
| Studio: | Ad Hominem Enterprises, Gran Via Productions, Paramount Pictures |
Die Miniaturisierung des Menschen als Antwort auf den drohenden Ressourcenkollaps – das klingt nach satirischer Zuspitzung, nach Gedankenexperiment mit Augenzwinkern. Und tatsächlich beginnt Payne seinen Film als genau das: eine präzise, mit Staunen durchdrungene Gesellschaftsparabel. Doch wohin führt dieser Weg, wenn das Kleine zur Normalität wird und der Film seinen eigenen Zauber hinter sich lässt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Downsizing“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Alexander Payne, der das Drehbuch gemeinsam mit seinem langjährigen Kollaborateur Jim Taylor verfasste. Es ist das sechste gemeinsame Filmprojekt der beiden, nach früheren Arbeiten wie „Election“, „About Schmidt“ und „Sideways“. Hinter der Kamera stand Phedon Papamichael, für den Schnitt war Kevin Tent verantwortlich, die Filmmusik komponierte Rolfe Kent – allesamt bewährte Mitarbeiter Paynes. Produziert wurde der Film von Ad Hominem Productions und Gran Via Productions; der Verleih lag bei Paramount Pictures.
Die Hauptrolle des Paul Safranek übernahm Matt Damon, an seiner Seite als Ehefrau Audrey Kristen Wiig. Christoph Waltz verkörpert den exzentrischen Nachbarn Dušan Mirković, während Hong Chau die vietnamesische Reinigungskraft Ngoc Lan Tran spielt. Udo Kier ist als Konrad zu sehen, Rolf Lassgård gibt den norwegischen Wissenschaftler Dr. Jorgen Asbjørnsen. Weitere Nebenrollen übernahmen Jason Sudeikis, Neil Patrick Harris, Laura Dern und Maribeth Monroe.
Der Film hat eine Laufzeit von 135 Minuten und ist in Deutschland ab FSK 0 freigegeben. „Downsizing“ eröffnete am 30. August 2017 die 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, wo er im Wettbewerb um den Goldenen Löwen antrat, jedoch unprämiert blieb. Die National Board of Review nahm den Film in ihre Liste der besten Kinofilme des Jahres 2017 auf. Hong Chau erhielt je eine Nominierung beim Golden Globe und bei den Screen Actors Guild Awards als beste Nebendarstellerin.
Handlung & Inhalt vom Film „Downsizing“
Paul Safranek ist kein Held, nicht einmal im kleinen Maßstab. Der gutmütige Physiotherapeut aus Omaha führt ein Leben, das sich irgendwo zwischen solide und beengt bewegt. Er träumt mit seiner Frau Audrey von mehr – mehr Raum, mehr Freiheit, mehr Zukunft. Die Welt unterdessen stöhnt unter dem Gewicht ihrer eigenen Bevölkerung. Wissenschaftler um den norwegischen Forscher Dr. Jorgen Asbjørnsen entwickeln eine Antwort auf die globale Ressourcenkrise: die zelluläre Miniaturisierung. Menschen lassen sich auf gerade einmal zwölf Zentimeter Körpergröße schrumpfen. In Norwegen entsteht die erste Kolonie dieser Miniaturmenschen. Bald folgen weitere Gemeinden weltweit.
Die Verlockung ist handfest: Wer in der Miniaturwelt lebt, braucht kaum Ressourcen und kann mit normalen Ersparnissen ein Leben führen, das in der großen Welt einem Millionenvermögen entspräche. Paul und Audrey entscheiden sich für den Schritt. Die Prozedur erfolgt getrennt nach Geschlechtern. Als Paul erwacht, geschrumpft und allein in seiner neuen Villa in der abgeschirmten Miniaturstadt Leisureland in New Mexico, fehlt Audrey. Sie hat im letzten Moment einen Rückzieher gemacht, ohne es ihm zu sagen. Die Scheidung folgt. Der Traum vom Neuanfang endet noch vor dem ersten Morgen.
Hinter der glänzenden Fassade
Ein Jahr später hat der Alltag Paul jedoch wieder eingeholt. Die Villa ist weg, und stattdessen ist nur eine kleine Wohnung geblieben. Zudem zwingt ihn die abgelaufene Therapeutenlizenz in einen Job als Callcenter-Mitarbeiter. Bei einer Party lernt er dann seinen Nachbarn Dušan kennen, einen serbischen Lebemann mit einem Hang zu ausschweifenden Feiern, sowie dessen Freund Konrad. Gleichzeitig verändert die nächtliche Begegnung mit Ngoc Lan, einer vietnamesischen Reinigungskraft, Pauls Perspektive grundlegend. Ngoc Lan war in ihrer Heimat politische Gefangene. Das Regime ließ sie zwangsverkleinern und anschließend mit anderen Häftlingen in einer Postsendung in die USA abschieben. Sie überlebte zwar als Einzige, verlor dabei allerdings ein Bein.
Paul bemerkt daraufhin, dass ihre Prothese schlecht sitzt, und bietet deshalb seine Hilfe an. Ngoc Lan führt ihn anschließend durch einen Tunnel in der hohen Mauer, die Leisureland umgibt, und damit auf die andere Seite. Dort stehen verrostete Baucontainer in Normalgröße, die zu Wohnungen für Migranten und Arme umgebaut wurden. Es gibt weder Aufzüge noch irgendwelche Annehmlichkeiten. Dadurch bricht das Bild der perfekten Miniaturwelt zunehmend auf. Gleichzeitig versorgt Ngoc Lan hier Kranke und Bedürftige mit abgelaufenen Medikamenten sowie Lebensmitteln, die sie zuvor bei Bewohnern des reichen Teils erbettelt.
Dušan und Konrad planen eine Reise zur norwegischen Ursprungskolonie und nehmen Paul mit. Ngoc Lan überredet die drei, auch sie mitzunehmen: Dr. Asbjørnsen hatte sie eingeladen, nachdem ihr Schicksal ihm zu Ohren kam. Auf Konrads Boot wächst eine Liebesbeziehung zwischen Paul und Ngoc Lan. In Norwegen erfahren sie, dass die dortige Gemeinschaft das Ende der Welt für nah hält – massiv austretendes Methan in der Antarktis. Die Bewohner bereiten sich darauf vor, in ein unterirdisches Gewölbesystem zu ziehen. Paul entschließt sich, mitzugehen. Im letzten Moment dreht er um. Er kehrt zu Ngoc Lan zurück, und gemeinsam widmen sie sich den Bewohnern der Containerstadt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Downsizing“
„Downsizing“ ist ein Film in zwei Hälften – und diese Hälften passen nicht immer gut zusammen. Die erste Stunde zählt zum Präzisesten, was Payne je inszeniert hat. Die Szenenfolge rund um die Schrumpfprozedur entfaltet eine eigentümliche Suggestivkraft: steril, fast industriell, mit bewusstem Verzicht auf Science-Fiction-Klischees. Wenn die nackten Miniaturmenschen mit Pfannenwenden aus überdimensionierten Betten gehoben werden, trifft Payne einen Ton, der irgendwo zwischen kafkaesker Nüchternheit und dunklem Humor oszilliert. Matt Damon trägt diese erste Hälfte mit seiner Fähigkeit zum lakonischen Understatement, und Hong Chau bringt in die zweite Hälfte eine Energie, die den Film wiederholt aus seinen eigenen Längen reißt.
Was jedoch zunehmend drückt, ist die dramaturgische Streuung. Payne versucht zu viel auf einmal: Sozialsatire, Liebesgeschichte, Umweltparabel, Sektendrama. Die Themen wechseln, ohne sich vollständig zu erschließen. Phedon Papamichaeils Kamera hält die beiden Welten – das glänzende Leisureland und die trostlosen Container dahinter – visuell klar auseinander, doch das Drehbuch schafft keine vergleichbare Schärfe. Rolfe Kents Musik begleitet das Geschehen solide, ohne es zu prägen. Das Erzähltempo gerät nach dem ersten Akt spürbar ins Stocken, und manche Wendung wirkt eher kalkuliert als zwingend.
Wer Paynes früheres Werk kennt und schätzt, findet in „Downsizing“ dennoch mehr als bloße Unterhaltung. Der Film stellt Fragen nach Privilegien, Verantwortung und dem Sinn eines kleinen Lebens in einer großen Welt – und er stellt sie mit echtem Gewicht. Die Unebenheiten des zweiten und dritten Akts nehmen dem Film seine Schlagkraft, schmälern aber nicht das Verdienst des Versuchs. Für ein anspruchsvolles Publikum, das bereit ist, die Brüche mitzutragen, lohnt sich dieser Film.