Citizen Kane
Es gibt Filme, die ihre Entstehungszeit überleben, und solche, die sie umschreiben. „Citizen Kane“ gehört zur zweiten Kategorie. Orson Welles drehte sein Debüt mit 25 Jahren. Das Werk brach mit Konventionen, die Hollywood für selbstverständlich hielt. Kamera, Schnitt und Erzählstruktur fanden eine neue Sprache. Seither gilt das Porträt als Referenzpunkt für jede filmische Biografie.

| Dauer: | 119 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 1941 |
| Kategorien: | Drama, Mystery |
| Regie: | Orson Welles |
| Produzenten: | Orson Welles |
| Hauptdarsteller: | Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore |
| Nebendarsteller: | Ray Collins, George Coulouris, Agnes Moorehead, Paul Stewart |
| Studio: | Mercury Productions, RKO Radio Pictures |
Im Zentrum steht ein Mann, dessen Macht sein Menschsein verdrängt hat. Charles Foster Kane baut ein Medienimperium auf und zerstört dabei jedes Band, das ihn geerdet hätte. Ein Reporter sucht nach dem Sinn eines einzigen Wortes. Dieses Wort öffnet einen Reigen aus Erinnerungen, Widersprüchen und Leerstellen. Zeugen erzählen, doch keiner kennt die ganze Wahrheit. Kann ein Leben überhaupt aus fremden Perspektiven rekonstruiert werden?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Citizen Kane“ ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1941. Orson Welles führte Regie, produzierte den Film und schrieb gemeinsam mit Herman J. Mankiewicz das Drehbuch. Die Kamera übernahm Gregg Toland, dessen experimentelle Arbeit dem Werk seine visuelle Signatur verlieh. Robert Wise verantwortete den Schnitt, Bernard Herrmann komponierte die Musik. Das Budget belief sich auf rund 700.000 Dollar. Produziert wurde der Schwarzweißfilm von RKO Pictures und Welles’ Mercury Productions.
Orson Welles verkörpert selbst die Hauptfigur und altert im Film um vierzig Jahre. Joseph Cotten spielt Kanes besten Freund Jedediah Leland, Dorothy Comingore die zweite Ehefrau Susan Alexander. Ruth Warrick übernimmt die Rolle der ersten Gattin Emily Norton, Everett Sloane den treuen Geschäftsführer Bernstein. Agnes Moorehead verkörpert Kanes Mutter, Ray Collins den politischen Gegner Gettys. Viele Mitwirkende gaben hier ihr Leinwanddebüt. Die meisten kamen aus Welles’ Mercury-Theatergruppe und hatten zuvor keine Filmerfahrung.
Mit 119 Minuten Laufzeit und einer FSK-Freigabe ab zwölf Jahren zählt das Werk zu den kompakten Epen der Filmgeschichte. Bei der Oscarverleihung 1942 war der Film neunfach nominiert, gewann jedoch nur den Preis für das beste Originaldrehbuch. Das American Film Institute listet ihn als den besten US-amerikanischen Film aller Zeiten. 1989 wurde er in das National Film Registry aufgenommen.
Handlung & Inhalt vom Film „Citizen Kane“
Der Film beginnt zwar mit einem Ende, doch auf dem Privatanwesen Xanadu stirbt der alte Zeitungsmagnat Charles Foster Kane, während er eine Schneekugel in der Hand hält. Sein letztes Wort lautet „Rosebud“. Anschließend fasst eine Wochenschau sein Leben zusammen, wird jedoch danach als unzureichend verworfen. Deshalb beauftragt der Produzent den Reporter Thompson damit, die Bedeutung dieses einen Wortes zu ergründen. Dieser beginnt seine Recherche zunächst bei Susan Alexander, Kanes zweiter Frau, die ihn im Nachtclub jedoch betrunken abweist. Daraufhin wechselt der Reporter die Spur und taucht sowohl in Archive als auch in Erinnerungen und Gespräche ein.
Im Archiv des verstorbenen Bankiers Thatcher erfährt Thompson anschließend mehr über Kanes Kindheit. Die Mutter kam 1871 durch einen Zufall in den Besitz einer Goldmine, weshalb sie den Jungen in die Obhut des Vormunds Thatcher übergab, um ihm dadurch eine bessere Zukunft zu sichern. Kane verließ seine Eltern zwar widerwillig, ließ dabei jedoch seinen Schlitten im Schnee zurück. Später übernahm er die Zeitung New York Inquirer und verwandelte sie daraufhin in ein Boulevardblatt. Seine Grundsatzerklärung versprach sowohl Wahrheit als auch Unabhängigkeit. Geschäftsführer Bernstein bewahrt diese Erklärung deshalb als Dokument auf.
Aufstieg, Ehen und der Preis der Macht
Leland, der langjährige Freund und zugleich Theaterkritiker des Inquirer, liefert anschließend die nächste Perspektive. Er schildert dabei Kanes Ehe mit Emily Norton, der Nichte des Präsidenten. Die Entfremdung des Paares verdichtet sich über mehrere Jahre hinweg in einer Sequenz am Frühstückstisch. Kane kandidiert zwar als Gouverneur, trifft jedoch parallel die junge Sängerin Susan Alexander. Sein politischer Gegner Gettys stellt ihm daraufhin ein Ultimatum. Kane weigert sich allerdings zurückzuziehen, sodass der Skandal schließlich seine Kandidatur zerstört. Die Ehe mit Emily zerbricht, woraufhin er Susan heiratet.
Susan erzählt dem Reporter anschließend ihre Seite der Geschichte. Kane baute ihr zwar ein Opernhaus in Chicago, doch ihre Stimme trug diese Ambition nicht. Leland verfasste deshalb einen vernichtenden Verriss, obwohl er betrunken war und der Text halbfertig blieb. Kane beendete die Kritik dennoch im gleichen Ton und feuerte den Freund daraufhin. Susan zwang er außerdem zu weiteren Auftritten, bis sie schließlich einen Suizidversuch unternahm. Auf Xanadu vereinsamten beide zunehmend. Nach einem gewaltsamen Streit packte Susan schließlich ihre Sachen und verließ ihn.
Der Butler Raymond liefert schließlich die letzte Erinnerung. Nach Susans Abreise zerstörte Kane ihr Zimmer in blinder Wut, doch inmitten der Trümmer fand er eine Schneekugel, die ihn wiederum an seine Kindheit erinnerte. Thompson beendet seine Recherche dennoch ohne Antwort und vermutet deshalb, Rosebud sei etwas Verlorenes gewesen. Währenddessen sortieren Arbeiter Kanes unermessliche Sammlung. Wertloses wandert dabei in den Ofen. Schließlich zeigt die Kamera einen alten Schlitten, der im Feuer verbrennt. Auf dem Holz steht jedoch die Aufschrift Rosebud.
Filmkritik und Fazit zum Film „Citizen Kane“
„Citizen Kane“ zieht seine Wirkung aus dem Zusammenspiel mehrerer Ebenen. Gregg Tolands Deep-Focus-Kamera schärft Vorder- und Hintergrund gleichermaßen und zwingt den Blick zur Aktivität. Welles filmt Kane aus extremer Untersicht, wenn Macht gezeigt wird, und stürzt die Perspektive nach dessen Scheitern. Die Montage arbeitet mit Zeitsprüngen, die Sätze über Jahre hinweg vollenden. Bernard Herrmanns Leitmotiv variiert, statt sich zu wiederholen. Robert Wises sparsamer Schnitt lässt die langen Einstellungen atmen.
Das Tempo entspricht keinem heutigen Standard und genau darin liegt die Kraft. Die Frühstücksszene verdichtet eine Ehe in wenigen Minuten, ohne einen einzigen erklärenden Dialog. Welles’ Darstellung wirkt physisch, fast expressionistisch aufgeladen. Die Maskentechnik überzeugt auch nach achtzig Jahren, der Tonschnitt mit überlappenden Stimmen war 1941 ein Novum. Einige Passagen tragen theatralische Spuren, vor allem in den Pathosmomenten. Diese Stilbrüche wirken nicht als Schwäche, sondern als Spur der Herkunft.
Wer sich auf die Schwarzweißästhetik und das bedächtige Erzähltempo einlässt, erlebt ein Werk von bleibender Klarheit. Der Film verzichtet auf Psychologisierung und vertraut dem Bild. Genre-Liebhaber des klassischen Filmdramas finden hier eine Blaupause für vieles, was danach kam. Die Fragmentierung einer Biografie bleibt sein stärkster Gedanke. Ein Mensch ist mehr als ein letztes Wort.