Herr der Diebe
Mit „Herr der Diebe“ trifft ein klassisches Familienabenteuer auf soziale Unsicherheit und kindliche Selbstbehauptung. Der Film nutzt Venedig nicht nur als malerischen Hintergrund. Enge Gassen, alte Gebäude und verborgene Orte bestimmen auch das Leben der Figuren. Gleichzeitig verbindet die Handlung reale Sorgen mit einem klaren Fantasieelement. Im Zentrum bleibt dabei die enge Beziehung zweier Brüder.

| Dauer: | 98 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2006 |
| Kategorien: | Drama |
| Regie: | Richard Claus |
| Produzenten: | Daniel Musgrave, John Buchanan, Kwesi Dickson, Carola Ash, Richard Claus |
| Hauptdarsteller: | Aaron Taylor-Johnson, Jasper Harris, Rollo Weeks |
| Nebendarsteller: | Alice Connor, George MacKay, Jim Carter, Caroline Goodall |
| Studio: | Thema Production, Delux Productions, Future Films, Comet Films, Comet Film |
Prosper befreit Bo aus dem Haus ihrer Tante und flieht mit ihm. In Venedig finden beide Zuflucht bei Scipio und dessen Freunden. Gemeinsam leben die Kinder in einem verlassenen Kino. Ihren Alltag finanzieren sie durch gestohlene Gegenstände und deren Verkauf. Bald erhalten sie den Auftrag, einen besonderen Holzflügel zu beschaffen. Dadurch geraten sie an ein verschollenes Karussell mit ungewöhnlichen Kräften. Außerdem verfolgt Victor Getz die Brüder im Auftrag ihrer Verwandten. Welche Entscheidung wird Prosper treffen, als das Karussell seine Zukunft verändern könnte?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Herr der Diebe“ erschien 2005 und verbindet Familiendrama mit einer literarischen Vorlage. Richard Claus führte Regie und schrieb gemeinsam mit Daniel Musgrave das Drehbuch. Produziert wurde der Film von Claus, John Buchanan, Kwesi Dickson und Musgrave. Warner Bros. GmbH Deutschland übernahm den Verleih der internationalen Koproduktion. Grundlage bildet der gleichnamige Roman von Cornelia Funke. Die Uraufführung fand am 18. Dezember 2005 in Hamburg statt. Der deutsche Kinostart folgte anschließend am 5. Januar 2006.
Rollo Weeks spielt Scipio, den titelgebenden Herrn der Diebe. Aaron Johnson übernimmt Prosper, während Jasper Harris dessen jüngeren Bruder Bo verkörpert. Alice Connor tritt als Wespe auf, außerdem spielt George MacKay Riccio. Lathaniel Dyer ist als Mosca zu sehen. Alexei Sayle verkörpert Ernesto Barbarossa, und Jim Carter spielt Victor Getz. Caroline Goodall übernimmt Ida Spavento, Geoffrey Hutchings erscheint als der Conte. Gedreht wurde in Luxemburg sowie an verschiedenen Schauplätzen in Venedig.
Nigel Clarke und Michael Csányi-Willis komponierten die Filmmusik. David Slama verantwortete die Kamera, während Peter R. Adam den Schnitt übernahm. Insgesamt dauert der Film 98 Minuten und erhielt eine Freigabe ab null Jahren. Als Genre ist Drama angegeben, zugleich gilt das Werk als Familienfilm. Angaben zu Auszeichnungen enthalten die bereitgestellten Informationen nicht. Der weltweite Bruttoertrag beträgt 5.141.916 US-Dollar.
Handlung & Inhalt vom Film „Herr der Diebe“
Nach dem Tod ihrer Mutter sollen Prosper und Bo getrennt voneinander aufwachsen. Tante Esther nimmt Bo bei sich auf, während Prosper ins Waisenhaus kommen soll. Die Brüder wollen jedoch zusammenbleiben und bereiten deshalb heimlich ihre Flucht vor. Prosper holt Bo aus der Hamburger Villa seiner Tante und verlässt mit ihm die Stadt. Anschließend reisen sie nach Venedig, weil ihre Mutter diese Stadt besonders geliebt hatte. Dort fehlen ihnen Geld, eine sichere Unterkunft und verlässliche Unterstützung. Eines Abends begegnen sie dem maskierten Scipio, der sich Herr der Diebe nennt. Er bringt beide in ein verlassenes Kino, wo Riccio, Wespe und Mosca sie freundlich aufnehmen.
Die Bande verkauft gestohlene Gegenstände regelmäßig an den zwielichtigen Händler Ernesto Barbarossa. Mit dem erhaltenen Geld können sich die Kinder Nahrung, Kleidung und andere wichtige Dinge leisten. Währenddessen beauftragen Esther und Maximilian Hartlieb den Detektiv Victor Getz mit der Suche nach den Brüdern. Victor verfolgt ihre Spuren mit Verkleidungen, technischen Geräten und auffälligen Ermittlungsmethoden. Gleichzeitig erhält Scipio über Barbarossa einen ungewöhnlichen Auftrag mit einer hohen Belohnung. Ein geheimnisvoller Conte sucht einen hölzernen Flügel, dessen Bedeutung zunächst niemand kennt. Im Beichtstuhl planen Scipio, Mosca und Prosper den Diebstahl, während Bo Victor versehentlich wichtige Einzelheiten verrät. Schließlich entdeckt der Detektiv das Kino und stößt außerdem auf Scipios verborgenes Familiengeheimnis.
Die Suche nach Bo und Wespe
Im Kino überwältigen die Kinder Victor, doch nach einiger Zeit gewinnt er ihr Vertrauen. Er erklärt ihnen, dass Scipio aus einer wohlhabenden Familie stammt und keineswegs als Straßenkind lebt. Seine vermeintliche Beute nahm der angebliche Meisterdieb lediglich aus dem Haus seiner Eltern mit. Enttäuscht überprüfen die Kinder Victors Bericht in der Villa der Familie Massimo. Danach schließen sie Scipio aus ihrer Gemeinschaft aus und setzen den Auftrag ohne ihn fort. Beim Einbruch überrascht Ida Spavento die Gruppe, hört sich jedoch ihre Erklärung an. Schließlich verrät sie, dass der gesuchte Flügel zu einem magischen Karussell gehört.
Ida überlässt ihnen den Flügel und begleitet später die Übergabe an den Conte. Gemeinsam folgen sie ihm bis zur Isola Segreta, wo das wiederhergestellte Karussell steht. Als der Conte seine Verfolger bemerkt, muss die Gruppe fliehen. Währenddessen verrät Barbarossa das Kino an die Polizei. Bo gelangt erneut zu Esther, während Wespe in ein Waisenhaus gebracht wird. Zunächst verdächtigen Prosper, Riccio und Mosca Victor, doch er beweist seine Unschuld. Mit Idas Hilfe befreit er Wespe, während Bo seiner Tante erneut entkommt. Außerdem erfahren die Kinder, dass der Conte sie mit wertlosem Falschgeld bezahlt hat.
Prosper und Scipio kehren schließlich allein zur verborgenen Insel zurück. Beide möchten zunächst erwachsen werden und künftig unabhängig leben. Dort treffen sie Renzo und seine verjüngte Schwester. Scipio erhält als Entschädigung eine Fahrt und kehrt als erwachsener Mann zurück. Prosper verzichtet dagegen auf die Verwandlung, weil Bo weiterhin seine Unterstützung braucht. Kurz darauf wird Barbarossa durch das Karussell zum Kind. Dabei zerbricht der Flügel und macht das Gerät dauerhaft unbrauchbar. Später finden Prosper, Bo und Wespe bei Ida ein gemeinsames Zuhause.
Fazit & Kritiken zum Film „Herr der Diebe“
„Herr der Diebe“ beginnt als bodenständiges Fluchtdrama und entwickelt sich zunehmend zu einem märchenhaften Abenteuer. Besonders überzeugend bleibt der Konflikt zwischen Prosper und seiner Tante, weil seine Entscheidung für Bo aus echter Verantwortung entsteht. Auch Victors erste Begegnung mit der Bande sorgt für glaubwürdigen Humor, ohne in bloße Klamotte abzurutschen. Aus der zunächst komischen Situation wächst langsam ein vorsichtiges Vertrauen zwischen dem Erwachsenen und den Ausreißern.
Weniger überzeugend gestaltet der Film die Entlarvung Scipios als Sohn einer wohlhabenden Familie. Die Enttäuschung der anderen Kinder wirkt nachvollziehbar, verliert jedoch überraschend schnell ihre Schärfe. Bereits beim Einbruch in Idas Haus verfolgen alle wieder gemeinsame Ziele, wodurch Verrat und verletzter Stolz kaum nachwirken. Ähnlich hastig führt die Handlung das magische Karussell ein, dessen Regeln die stärkeren sozialen Konflikte verdrängen. Barbarossas Verwandlung wirkt deshalb weniger konsequent als wie ein einfacher Schlusswitz.
Trotz dieser Schwächen funktioniert das Abenteuer für ein jüngeres Publikum über weite Strecken gut. Die Verfolgung zur Isola Segreta bringt Tempo und gibt den Figuren ein klares Ziel. Vor allem Prosper gewinnt an Kontur, weil er sich bewusst gegen das Erwachsenwerden entscheidet und Verantwortung für Bo übernimmt. Seine Wahl beendet den wichtigsten inneren Konflikt nachvollziehbar und verleiht dem Finale emotionales Gewicht. Das versöhnliche Ende ordnet fast jede Figur bequem neu, doch die gefundene Familie schenkt dem Abschluss Wärme. Als Romanverfilmung verkürzt der Film viele Entwicklungen, bewahrt aber seinen emotional zugänglichen Kern.