Codename U.N.C.L.E.
Manchmal genügt ein einziger Kameraschwenk, um zu verstehen, welchem Geist ein Film folgt. In „Codename U.N.C.L.E.“ ist es die erste Verfolgungsjagd durch Ost-Berlin: splitscreenähnlich montiert, mit cooler Distanz inszeniert, einem Soundtrack, der nach Sechziger-Jahre-Lounge klingt, und einem Henry Cavill, der dabei seinen Kaffee in Ruhe austrinkt. Guy Ritchie erklärt damit im Handumdrehen, was dieser Film sein will – und was er ausdrücklich nicht sein will.

| Dauer: | 116 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2015 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Guy Ritchie |
| Produzenten: | Steve Clark-Hall, John Davis, Lionel Wigram, Guy Ritchie |
| Hauptdarsteller: | Henry Cavill, Armie Hammer, Alicia Vikander |
| Nebendarsteller: | Elizabeth Debicki, Luca Calvani, Sylvester Groth, Hugh Grant |
| Studio: | Wigram Productions, Davis Entertainment, RatPac Entertainment, Warner Bros. Pictures |
Das Versprechen des Kalten Krieges als Spielwiese ist verführerisch. Zwei ideologische Feinde, eine gemeinsame Bedrohung, ein Jahrzehnt, das Stil wie kaum ein anderes versteht – das klingt nach Kino. Doch nicht jede Vorlage überlebt die Reise von der Fernsehserie zur Leinwand unbeschadet. Funktioniert Ritchies Rezept aus Nostalgie, Ironie und Understatement wirklich als Blockbuster-Tauglichkeit – oder ist das alles nur eine elegante Fassade?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Codename U.N.C.L.E.“ ist ein US-amerikanischer Agentenfilm aus dem Jahr 2015. Guy Ritchie führte Regie und schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Lionel Wigram. Kameramann John Mathieson verantwortete die Bildgestaltung, für den Schnitt zeichnete James Herbert verantwortlich. Den Soundtrack komponierte Daniel Pemberton. Der Film basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie von 1964 und wurde von Warner Bros. Pictures vertrieben. Gedreht wurde in England und Italien, unter anderem in Rom und an der Küste Kampaniens nahe Neapel.
Henry Cavill spielt CIA-Agent Napoleon Solo mit aristokratischer Lässigkeit. Armie Hammer gibt den sowjetischen KGB-Mann Illya Kuryakin als stoischen Kontrapunkt. Alicia Vikander übernimmt die Rolle der Gaby Teller, einer Kfz-Mechanikerin mit eigenem Spionagehintergrund. Elizabeth Debicki verkörpert die Antagonistin Victoria Vinciguerra. Hugh Grant ist als britischer Geheimdienstchef Waverly zu sehen. Weitere Rollen übernehmen Sylvester Groth, Christian Berkel, Luca Calvani und Jared Harris.
Der Film hat eine Laufzeit von 116 Minuten und trägt in Deutschland die FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Das Produktionsbudget lag bei geschätzten 75 Millionen US-Dollar; das weltweite Einspielergebnis blieb mit rund 110 Millionen Dollar deutlich hinter den Erwartungen zurück. Bei den Golden Trailer Awards gewann der Film in den Kategorien Best Motion/Title Graphics und Best Graphics in a TV Spot.
Handlung & Inhalt vom Film „Codename U.N.C.L.E.“
Berlin, 1963. CIA-Agent Napoleon Solo reist im Auftrag der amerikanischen Regierung in die DDR-Hauptstadt. Eigentlich verurteilter Meisterdieb, arbeitet er seit Jahren für die CIA ab, um einer langen Haftstrafe zu entgehen. Sein Ziel: die Kfz-Mechanikerin Gaby Teller. Ihr Vater, der Wissenschaftler Udo Teller, hat nach seiner Arbeit für die Nazis und die Amerikaner das Radar verlassen. Der Verdacht lautet, er entwickle nun für eine kriminelle Organisation Atomsprengköpfe – mit einem von ihm erfundenen, radikal vereinfachten Urananreicherungsverfahren. Solo eröffnet Gaby die Situation und will sie in den Westen schleusen, bevor es zu spät ist.
Die Flucht gelingt knapp – doch der KGB-Agent Illya Kuryakin war den beiden auf den Fersen. An der Berliner Mauer verliert er sie. Kurze Zeit später ändert sich das geopolitische Kalkül: Beide Supermächte wollen verhindern, dass Tellers Forschungsergebnisse in die falschen Hände geraten, und vereinbaren widerwillig eine Zusammenarbeit. Solo und Kuryakin werden als ungleiches Duo zusammengespannt. Gaby soll als Lockmittel dienen – über ihren Onkel Rudi soll sie Zugang zur Vinciguerra-Organisation verschaffen, die hinter dem Atomwaffenprojekt steckt. Die Spedition Vinciguerra gilt als Fassade. Hinter ihr verbirgt sich eine Organisation mit faschistischer Geschichte und globalen Ambitionen.
Zwischen Allianz und Verrat
In Rom tarnt sich Kuryakin als Gabys Verlobter, während Solo sich als Kunstdieb in die Kreise der Vinciguerras einschleust. Dabei weckt er das Interesse von Victoria Vinciguerra, der eigentlichen Strippenzieherin des Syndikats. Ihr Ehemann Alexander spielt zwar die Rolle des Playboys, doch Victoria trägt die fanatische Überzeugung. Anschließend dringen die Agenten gemeinsam in eine Firmenanlage ein und finden tatsächlich Beweise für eine aktive Urananreicherung. Dadurch erhärtet sich der Verdacht. Gleichzeitig wächst der Zeitdruck. Wenig später verrät Gaby bei einem Treffen mit Onkel Rudi und Alexander Vinciguerra die Tarnung der beiden Agenten, denn dieser Schachzug folgt einer eigenen Logik.
Solo wird von Victoria betäubt und soll anschließend durch Onkel Rudi, einen ehemaligen Nazi-Folterknecht, zu Tode gebracht werden. Doch Kuryakin kann ihn befreien. Dabei kommt Rudi selbst durch eine Fehlfunktion seines eigenen elektrischen Folterstuhls ums Leben. Gaby ist inzwischen mit den Vinciguerras auf deren Insel, wo der nukleare Sprengkopf zusammengebaut wird. Dort findet sie ihren Vater und bittet ihn, zum Schein mitzuspielen. Doch Victoria überrascht ihn bei einem Sabotageversuch. Udo Teller vollendet die Bombe unter Zwang und wird anschließend von Victoria erschossen.
MI6-Agent Waverly tritt aus dem Hintergrund hervor und eröffnet Solo und Kuryakin, dass Gaby seit zwei Jahren für den britischen Geheimdienst arbeitet. Mit seiner Unterstützung infiltrieren die beiden Agenten schließlich die Insel. Alexander flieht zwar mit Gaby und einem der Sprengköpfe über eine Landbrücke, doch Solo und Kuryakin stoppen ihn, sodass es zum Kampf kommt und Alexander stirbt. Der mitgenommene Sprengkopf ist allerdings die konventionelle Variante, während sich die eigentliche Nuklearwaffe auf einem Fischerboot befindet, mit dem Victoria zur Übergabe unterwegs ist. Solo ortet sie per Funk und schaltet sie aus. Im Abschluss werden die drei Agenten schließlich gemeinsam unter Waverlys Führung zu einem neuen Team formiert: U.N.C.L.E.
Filmkritik und Fazit zum Film „Codename U.N.C.L.E.“
„Codename U.N.C.L.E.“ ist ein Film, der weiß, was er ist. Das ist seine größte Stärke. Guy Ritchie inszeniert nicht mit dem Ehrgeiz eines Bond-Nachfolgers, sondern mit der Leichtigkeit eines Regisseurs, der seinem Genre vertraut. Die frühe Verfolgungssequenz in Ost-Berlin demonstriert das eindrücklich: Ritchie schneidet das Geschehen mit bemerkenswerter Ruhe, nutzt Splitscreen und Rückblenden als inszenatorische Mittel statt als Notlösung, und lässt Cavill als Solo demonstrativ unaufgeregt agieren. John Mathiesons Kamera findet in den Außenkulissen Kampaniens und Roms visuelle Würde, die zum Tonfall des Films passt.
Daniels Pembertons Soundtrack verdient besondere Erwähnung. Er denkt den Film von innen heraus. Twangy Gitarren, Cembalo-Passagen und druckvolle Blechbläser erzeugen eine Atmosphäre zwischen Pastiche und eigenem Ausdruck, die dem Bild voraus ist. Das Ensemble trägt seinen Teil bei: Cavill und Hammer funktionieren als Duo nicht trotz ihrer Unterschiedlichkeit, sondern wegen ihr. Vikander spielt Gaby mit eigenem Gewicht, nicht als bloße Staffage. Wo der Film Grenzen zeigt, ist im Mittelteil – die Handlung verliert zeitweise an Zug, und das Drehbuch traut sich in den Figurenzeichnungen weniger, als der Ton verspricht. Victoria Vinciguerra als Antagonistin bleibt, trotz Debickis Präsenz, etwas schematisch.
Wer einen Agentenfilm mit Haltung sucht – stilbewusst, selbstironisch und ohne Drang zur Selbstüberhöhung –, findet hier ein Werk, das diesen Anspruch einlöst. Ritchie liefert kein lautes Kino. Er liefert ein elegantes. Für Liebhaber des Genres lohnt sich dieser Film, weil er zeigt, dass Unterhaltung und Haltung kein Widerspruch sind.