Jupiter Ascending

Manche Filme scheitern nicht an mangelndem Ehrgeiz, sondern an einem Zuviel davon. „Jupiter Ascending“ ist so ein Fall: eine Weltraumoper der Wachowski-Geschwister, die mit einem Budget von über 200 Millionen Dollar antrat, ein neues Science-Fiction-Universum zu erschaffen – und dabei an einer Überfülle an Ideen, Schauwerten und Erzählebenen fast zerbrach. Lana und Lilly Wachowski, die mit der „Matrix“-Trilogie den Maßstab für das Genre neu gesetzt hatten, versuchten hier etwas prinzipiell Respektables: eine weibliche Heldenreise fernab stoischer Action-Stereotypen zu erzählen.

Jupiter Ascending
Dauer: 125 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2015
Kategorien: Action
Regie: Lana Wachowski, Lilly Wachowski
Produzenten: Grant Hill, Lilly Wachowski, Lana Wachowski
Hauptdarsteller: Channing Tatum, Mila Kunis, Sean Bean
Nebendarsteller: Eddie Redmayne, Douglas Booth, Tuppence Middleton, Nikki Amuka-Bird
Studio: Warner Bros. Pictures, Village Roadshow Pictures, RatPac Entertainment, Anarchos Productions

Herausgekommen ist ein Film, der zwischen opulentem Weltendesign und erzählerischer Überforderung pendelt. Schon die mehrfach verschobene Premiere – zunächst für Juli 2014 geplant, letztlich im Februar 2015 in den Kinos – deutete darauf hin, dass die Produktionsprozesse alles andere als reibungslos verliefen. Ob „Jupiter Ascending“ dabei als faszinierendes Scheitern oder als verpasste Chance einzuordnen ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Urteil beantworten.

Besetzung, Regie und Drehorte

Jupiter Ascending“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2015, geschrieben und inszeniert von Lana Wachowski und Lilly Wachowski. Die Produktion entstand als Co-Produktion zwischen Warner Bros. Pictures und Village Roadshow Pictures mit einem Endbudget von über 210 Millionen US-Dollar. Die Kamera übernahm John Toll, der Schnitt lag bei Alexander Berner, die Filmmusik komponierte Michael Giacchino, der den Score ungewöhnlicherweise vor dem Abschluss der Dreharbeiten aufnahm – eine Methode, die den Wachowskis mehr kreative Freiheit ermöglichte.

Mila Kunis spielt die Putzfrau Jupiter Jones, Channing Tatum den genetisch modifizierten Soldaten Caine Wise und Sean Bean den Bienenzüchter und Ex-Militär Stinger Apini. Als Antagonist Balem Abrasax ist Eddie Redmayne zu sehen, flankiert von Douglas Booth als dessen Bruder Titus und Tuppence Middleton als Schwester Kalique. Die Hauptdrehorte erstreckten sich über London, Chicago und Bilbao; im Hintergrund agiert Terry Gilliam in einem Cameo-Auftritt, der bewusst an seinen Film „Brazil“ anknüpft.

Der Film erhielt beim Razzie Award 2016 eine Auszeichnung als schlechtester Nebendarsteller für Eddie Redmayne sowie Nominierungen in fünf weiteren Kategorien. Die ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehene Natalie Portman musste aus Termingründen absagen. Die Laufzeit beträgt 127 Minuten, die FSK-Freigabe lautet ab 12 Jahren.

Handlung & Inhalt vom Film „Jupiter Ascending“

Jupiter Jones wird unter dem aufsteigenden Jupiter geboren, was ihre Tante als Zeichen großer Bestimmung deutet. Dennoch wächst sie in einfachen Verhältnissen auf und arbeitet später als Putzfrau in Chicago. Dort reinigt sie Wohnungen wohlhabender Kunden und lebt ein bescheidenes Leben. Gleichzeitig träumt sie von einem eigenen Teleskop und einer besseren Zukunft. Um Geld zu verdienen, entscheidet sie sich schließlich für eine Eizellenspende in einer Klinik.

Der Eingriff entpuppt sich jedoch als tödliche Falle. Das Klinikpersonal sind Außerirdische, die Jupiter töten wollen. In letzter Sekunde rettet sie Caine Wise, ein genetisch veränderter Ex-Soldat. Er ist halb Mensch, halb Wolf und bewegt sich mit Antigravitationsstiefeln durch die Luft. Gemeinsam fliehen sie vor ihren Verfolgern.

Intrigen, Erbfolge und kosmische Machtspiele

Caine bringt Jupiter zu Stinger Apini, einem ehemaligen Militärangehörigen und heutigen Bienenzüchter. Dort erfährt sie die Wahrheit über ihre Herkunft. Sie besitzt dieselbe DNA wie die verstorbene Königin der Abrasax-Dynastie. Diese Familie kontrolliert zahlreiche Planeten und gewinnt aus Menschen ein Lebenselixier. Dadurch wird Jupiter zur Erbin eines kosmischen Imperiums und zur Bedrohung für Balem, Titus und Kalique.

Kalique zeigt ihr das System der Abrasax-Familie und das Geheimnis des Elixiers. Kurz darauf versucht Titus, Jupiter durch eine Heirat zu kontrollieren. Caine erkennt den Plan rechtzeitig und verhindert die Hochzeit. Gleichzeitig entführt Balem Jupiters Familie und fordert die Aufgabe der Erde. Jupiter lehnt ab und widersetzt sich seiner Forderung.

Am Ende gelangt Caine mit Jupiter in Balems gigantische Anlage im Inneren eines Planeten. Dort kommt es zum finalen Kampf, in dem Balem stirbt. Jupiter kehrt danach auf die Erde zurück und lebt ihr altes Leben weiter. Ihre Familie erinnert sich an nichts, da ihre Erinnerungen gelöscht wurden. Schließlich beginnt sie mit Caine über der Stadt zu fliegen und erkennt ihre neue Rolle.

Filmkritik und Fazit zum Film „Jupiter Ascending“

Jupiter Ascending“ ist ein Film, der seine Stärken und Schwächen mit gleicher Entschiedenheit vorträgt. Die Wachowskis entwerfen ein galaktisches Universum von beeindruckender Detailtiefe – Kasten, Erbfolgerecht, Genetik als Religion, Lebenszeit als Währung – das im besten Sinne nach mehr verlangt. Das Produktionsdesign, das Renaissance-Architektur mit gotischen Elementen und futuristischem Glas verknüpft, trägt eine eigene visuelle Logik. Doch dieser Reichtum hat seinen Preis: Das Drehbuch verliert sich in Exposition, wiederholt strukturell das gleiche Muster – Jupiter gerät in Not, Caine rettet sie – und lässt den Figuren kaum Raum zur Entwicklung. Mila Kunis und Channing Tatum wirken in ihren Rollen profilarm, weniger durch eigene Schwäche als durch ein Skript, das sie funktional statt menschlich anlegt. Eddie Redmayne dagegen wählt eine riskante Darstellungsstrategie: sein Balem flüstert jede Zeile wie eine Beichte und explodiert dann in kurzen Zornausbrüchen, was unfreiwillig komisch und zugleich eigenartig einprägsam wirkt.

Kameramann John Toll setzt auf eine nahe, rastlose Bildgestaltung. Besonders in der Verfolgungsjagd über Chicagos Dächern wird das zur Herausforderung. Was als Spektakel gedacht ist, wirkt oft desorientierend. Zu viele Schnitte nehmen den Überblick, während CGI nicht immer integriert wirkt. Michael Giacchinos Partitur unterstützt den epischen Anspruch des Films. Sie arbeitet mit choralen Strukturen und großer Wucht. Dennoch kann sie die narrativen Lücken nicht schließen. Wo die Erzählung Atem bräuchte, drängt der Score nach vorne. Dadurch verstärkt er paradoxerweise das Gefühl von Überforderung.

„Jupiter Ascending“ ist kein Film für Zuschauer, die klare Heldenbögen und erzählerische Ökonomie suchen. Er ist jedoch lohnend für alle, die sich auf ein visuell opulentes, konzeptuell ambitioniertes Science-Fiction-Experiment einlassen wollen – mit dem Wissen, dass der Weg holprig ist. Als gescheitertes Original-Franchise-Projekt ist er vielleicht aufschlussreicher als mancher Blockbuster, der glatter wirkt, aber weniger riskiert.

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