Far Cry
Es gehört zu den eigentümlichen Phänomenen des frühen 21. Jahrhunderts, dass Uwe Boll es ein ums andere Mal verstand, sein Publikum in die Kinos zu locken – und dieses Publikum es ein ums andere Mal bereute. „Far Cry“ aus dem Jahr 2008 ist kein Sonderfall in diesem Werk, wohl aber ein bezeichnender. Der Film basiert auf einem seinerzeit populären Ego-Shooter von Crytek, dessen atmosphärische Stärke – tropisches Inselambiente, offene Spielwelt, das Gefühl von Isolation – von der Verfilmung vollständig ungenutzt bleibt. Was bleibt, ist ein Actionfilm, der sich selbst offenbar für kompetenter hält, als er es ist.

| Dauer: | 95 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2008 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Uwe Boll |
| Produzenten: | Shawn Williamson, Uwe Boll |
| Hauptdarsteller: | Til Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Udo Kier |
| Nebendarsteller: | Natalia Avelon, Don S. Davis, Ralf Moeller, Craig Fairbrass |
| Studio: | Brightlight Pictures, Boll KG, Far Cry Productions, Splendid Film |
Dabei wäre das Ausgangsmaterial nicht uninteressant gewesen. Ein ehemaliger Elitesoldat, der als Bootsführer ein ruhigeres Leben sucht, wird in die Machenschaften eines skrupellosen Wissenschaftlers hineingezogen – das klingt nach einem konventionellen, aber funktionsfähigen Genreentwurf. Boll bezeichnet „Far Cry“ selbst als „Die Hard auf einer Insel“. Was ihn zu dieser Einschätzung bewog, und ob das Ergebnis diesem Anspruch auch nur annähernd gerecht wird, ist eine Frage, der sich jeder Zuschauer früher oder später stellt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Far Cry“ ist eine deutsch-kanadische Koproduktion aus dem Jahr 2008 unter der Regie von Uwe Boll, der auch als Produzent fungierte. Das Drehbuch stammt von Masaji Takei, Michael Roesch und Peter Scheerer. Die Kameraarbeit übernahm Mathias Neumann, den Schnitt verantwortete Karen Porter, die Filmmusik komponierte Jessica de Rooij. Die Dreharbeiten fanden von Juni bis August 2007 in Vancouver, Kanada, statt – und nicht, wie die Spielvorlage suggerierte, auf einer tropischen Insel.
In der Hauptrolle des Jack Carver ist Til Schweiger zu sehen, flankiert von Emmanuelle Vaugier als Journalistin Valerie Cardinal. Udo Kier verkörpert den Antagonisten Dr. Lucas Krieger, Ralf Möller dessen als Kampfmaschine umgewandelten Colonel Max Cardinal. Natalia Avelon spielt die Sicherheitskommandantin Katia Tchernov. Weitere Rollen übernehmen Mike Dopud, Craig Fairbrass, Michael Paré und Chris Coppola als komödiantischer Sidekick Emilio.
Der Film hatte ein Budget von 34 Millionen Euro, das Boll durch Beteiligungen an Medienfonds finanzierte – „Far Cry“ war der letzte Film, der auf diesem Wege entstand, da eine Gesetzesänderung im November 2005 das entsprechende Steuerschlupfloch schloss. Der Kinostart in Deutschland war der 2. Oktober 2008, in den USA lief der Film ab dem 17. Dezember 2008. Die FSK-Freigabe lautet ab 16 Jahren. Die deutschen Einspielergebnisse beliefen sich auf rund 566.000 Euro.
Handlung & Inhalt vom Film „Far Cry“
Die Geschichte beginnt mit einem Angriff auf einer abgelegenen Insel vor der nordamerikanischen Küste: Ein Söldnertrupp wird in einer Nachtoperation von einem unbekannten Angreifer ausgeschaltet. Dahinter steckt Dr. Lucas Krieger, ein Wissenschaftler, der im Auftrag des Militärs Soldaten zu genetisch optimierten Kampfmaschinen umwandelt. Seine Schöpfungen verfügen über außergewöhnliche Körperkraft und Widerstandsfähigkeit, sind jedoch für jeden kontrollierten Einsatz ungeeignet. Die Journalistin Valerie Cardinal erhält heimlich Informationen über Kriegers Forschung. Sie beschließt, ihren Informanten auf der Insel aufzusuchen – und engagiert den ehemaligen Spezialeinheitensoldaten Jack Carver, der nunmehr als Bootsführer an der amerikanischen Küste arbeitet, für die Überfahrt.
Während der Überfahrt enthüllt Valerie, dass ihr Informant ihr Onkel Colonel Max Cardinal ist, ein alter Bekannter Carvers – was dieser jedoch bestreitet. Auf der Insel angekommen, wird Max bereits von Kriegers sadistischer Stellvertreterin Katia Tchernov festgehalten und in einen Mutanten verwandelt. Söldner legen einen Hinterhalt. Valerie wird gefangen genommen, Carvers Boot zerstört. Er selbst entkommt knapp und befreit Valerie. Sie weigert sich jedoch, ohne Max zu fliehen, und so dringen beide tiefer in das Lagergelände vor.
Kontrolle verloren, Insel in Chaos
Erneut gefangen genommen, landen Carver und der zufällig involvierte Lebensmittellieferant Emilio in einer Zelle. Währenddessen diniert Valerie unter Zwang mit Krieger, der Max auf die beiden ansetzt. Im direkten Aufeinandertreffen gelingt es Carver jedoch, Max durch gezielte Ansprache aus Kriegers Konditionierung herauszulösen. Max dreht sich gegen die Söldner und befreit die übrigen Mutanten aus ihren Hochsicherheitszellen. Die Lage gerät außer Kontrolle. Enraged und auf Rache sinnend, machen die Mutanten nun Jagd auf alle Menschen auf der Insel.
Ein Teil der Söldner erkennt Kriegers Wahnsinn und schlägt sich auf Carvers Seite. Die andere Hälfte bleibt loyal und kämpft gleichzeitig gegen Carver und gegen die Mutanten. Beide Fraktionen werden rasch dezimiert. Tchernov erschießt den skeptischen Sergeant Ryder, der Carvers Seite ergriffen hat. Krieger versucht derweil, die Insel mit Valerie und Tchernov zu verlassen. Carver versucht, ihn als Geisel zu nehmen, wird jedoch verwundet.
In der abschließenden Konfrontation greift Max ein, als Tchernov Valerie bedroht. Er tötet Tchernov, erliegt jedoch kurz danach seinen Verletzungen. Carver und Valerie entkommen mit Emilio auf Kriegers Boot. Krieger selbst bleibt am Dock zurück, hilflos den herannahenden Mutanten ausgeliefert. Der Film endet mit einem Zeitsprung: Carver hat ein neues Boot, Emilio ist Teil seiner Crew. Valerie entpuppt sich als verdeckte CIA-Agentin und reist weiterhin an seiner Seite, während sie ihrer Arbeit für die Behörde nachgeht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Far Cry“
„Far Cry“ leidet vor allem an einem strukturellen Problem, das kein Schauspieler und kein Schnitt beheben kann: Das Drehbuch von Takei, Roesch und Scheerer verteilt sein dramatisches Gewicht so ungleichmäßig, dass Spannung nie entsteht. Til Schweiger spielt Carver mit einer Gleichgültigkeit, die man für Coolness halten könnte, wäre sie nur minimal dosierter. Udo Kier hingegen verleiht Krieger eine merkwürdige Flüchtigkeit – ein Antagonist, der Wagner hört und Selbstporträts malt, aber nie wirklich furchterregend wird. Kamera und Schnitt wechseln zwischen ambitionierten Fahrten und hektischer Unübersichtlichkeit, ohne eine verlässliche Bildsprache zu entwickeln.
Auf der Ebene der Inszenierung zeigt Boll, dass er grundlegende Mechanismen des Actionkinos kennt – Verfolgungsjagden, Showdowns, Ensemble-Chaos –, aber keinen überzeugenden Umgang mit ihnen gefunden hat. Actionsequenzen verpuffen, weil räumliche Orientierung fehlt. Die Szene, in der Carver eine ganze Söldnergruppe ausschaltet, ohne erkennbar zu zielen, ist kein stilistisches Mittel, sondern ein Inszenierungsfehler. Dem Sounddesign gelingt es punktuell, Druck zu erzeugen, doch ohne dramaturgischen Kontext bleibt dieser Druck wirkungslos. Jessie de Rooijs Score bewegt sich in generischen Genregleisen, ohne eigenes Profil zu entwickeln.
Für Genre-Liebhaber, die handwerklich solides Actionkino suchen, bietet „Far Cry“ zu wenig. Der Film verfügt über einzelne Momente unfreiwilliger Komik und einen Grundton, der manchmal in die Nähe eines B-Movie-Charmes gerät, diesen jedoch nie wirklich ausformuliert. Wer bereit ist, ihn als das zu sehen, was er ist – ein unambitioniertes Produkt seines Produktionskontextes –, der findet immerhin 94 Minuten leicht verdauliche Unterhaltung ohne Substanz und ohne Nachwirkung.