Nur noch 60 Sekunden
Fünfzig Autos. Drei Tage. Eine Legende, die eigentlich längst aufgehört hatte. „Nur noch 60 Sekunden“ von Regisseur Dominic Sena ist ein Film, der sein Versprechen beim Wort nimmt: Er zählt nicht auf Komplexität, sondern auf Geschwindigkeit. Das Jahr 2000 brachte dieses Remake des Independent-Kultwerks von H. B. Halicki in die Kinos, produziert von Jerry Bruckheimer, dem Meister des hochglänzenden Hollywood-Spektakels. Was entsteht, ist ein Film zwischen Automythologie und Actionkino, der seinen Protagonisten wie seine Fahrzeuge behandelt: poliert, funktional, mit einem Hang zur Legende.

| Dauer: | 118 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2000 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Dominic Sena |
| Produzenten: | Mike Stenson, Jerry Bruckheimer |
| Hauptdarsteller: | Nicolas Cage, Angelina Jolie, Giovanni Ribisi |
| Nebendarsteller: | Robert Duvall, Delroy Lindo, Timothy Olyphant, Chi McBride |
| Studio: | Touchstone Pictures, Jerry Bruckheimer Films |
Nicolas Cage spielt den Autodieb Memphis Raines, einen Mann, dessen Vergangenheit ihn nicht loslässt, egal wie weit er sich von ihr entfernt. Der Film stellt ihn nicht als Kriminellen vor, sondern als jemanden, der zwischen Verantwortung und Loyalität aufgerieben wird. Der Rhythmus des Erzählens folgt der Logik des Genres: aufgeladen, zielgerichtet, ohne Umwege. Wer also einen Film sucht, der vor allem eines will, nämlich Tempo erzeugen und Autos in Szene setzen, wird hier fündig. Doch hält der Film, was sein Titel verspricht?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Nur noch 60 Sekunden“ entstand im Jahr 2000 unter der Regie von Dominic Sena, der zuvor vor allem durch Musikvideos bekannt geworden war. Das Drehbuch schrieb Scott Rosenberg nach Motiven des Originals von H. B. Halicki aus dem Jahr 1974. Die Produktion übernahm Jerry Bruckheimer, bekannt für Actionfilme mit hohem Budgetaufwand und visuellem Hochglanzanspruch. Paul Cameron verantwortete die Kameraarbeit, Trevor Rabin komponierte den Soundtrack. Die Produktionskosten beliefen sich auf rund 90 Millionen US-Dollar, der weltweite Einspielbetrag überstieg 237 Millionen US-Dollar.
Nicolas Cage übernimmt die Hauptrolle des Randall „Memphis“ Raines, an seiner Seite spielen Giovanni Ribisi als sein jüngerer Bruder Kip sowie Angelina Jolie als Sara „Sway“ Wayland. Robert Duvall verkörpert den erfahrenen Mentor Otto Halliwell. Als Antagonist tritt Christopher Eccleston als Raymond Calitri auf, als ermittelnder Detective ist Delroy Lindo in der Rolle des Roland Castlebeck zu sehen. Vinnie Jones, Timothy Olyphant, Chi McBride, Scott Caan und Will Patton vervollständigen das Ensemble mit teils markanten Nebenrollen.
Die Laufzeit der Kinofassung beträgt 113 Minuten, der Director’s Cut kommt auf 122 Minuten. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 12 für die Kinofassung, der Director’s Cut erhielt FSK 16. Gedreht wurde an verschiedenen Standorten in Kalifornien sowie in der kanadischen Provinz Ontario. Bei den Taurus Awards 2001 gewann der Film eine Auszeichnung für den besten Stunt-Fahrer. Trevor Rabin erhielt einen BMI Film & TV Award für den Soundtrack, Angelina Jolie wurde bei den Blockbuster Entertainment Awards als Lieblingsschauspielerin im Actionfilm ausgezeichnet.
Handlung & Inhalt vom Film „Nur noch 60 Sekunden“
Randall „Memphis“ Raines war einst der versierteste Autodieb der Region um Long Beach. Vor sechs Jahren zog er sich aus dem Milieu zurück, in der Hoffnung, dass sein Ausstieg auch andere von einem solchen Leben abhält. Diese Hoffnung erweist sich als trügerisch. Sein jüngerer Bruder Kip ist mittlerweile selbst in der Szene aktiv und hat einen Auftrag für den skrupellosen Kriminellen Raymond Calitri übernommen. Der Raubzug misslingt, Kip gerät ins Visier der Polizei, und Calitri sieht nun seinen Auftrag gefährdet. Er stellt Memphis ein Ultimatum: Entweder übernimmt er persönlich den Job seines Bruders, oder Kip stirbt. Memphis hat keine Wahl. Er nimmt an.
Der Auftrag ist von beträchtlichem Umfang: fünfzig Fahrzeuge in drei Tagen, hochwertige Sportwagen, Klassiker und Luxuslimousinen, jedes mit einem Frauennamen als Codename versehen. Memphis trommelt ein Team aus ehemaligen Profi-Autodieben zusammen, ergänzt durch Kip und dessen Bekannte. Der erfahrene Otto Halliwell steht beratend zur Seite. Der Plan sieht vor, alle Fahrzeuge in einer einzigen Nacht zu stehlen. In der Nacht zuvor erkunden die Teammitglieder die Standorte der Fahrzeuge. Parallel dazu nimmt Detective Roland Castlebeck die Ermittlungen auf, ein Mann, dem Memphis seit Jahren entgangen ist und der diesmal entschlossen ist, ihn zu stellen.
Nacht der Entscheidung
Zunächst verläuft die Aktion reibungslos, doch bald treten erste Probleme auf. Für drei Mercedes benötigt das Team Ersatzschlüssel gegen die Wegfahrsperren. Allerdings enttarnt Detective Castlebeck den Kontaktmann bei einem Autohändler. Daraufhin überwacht die Polizei alle Fahrzeuge mit angefertigten Schlüsseln. Glücklicherweise erkennt Memphis die Falle noch rechtzeitig. Inzwischen eröffnet sich jedoch eine neue Möglichkeit durch Kips früheren Raubzug. Für drei identische Modelle existieren noch passende Schlüssel. Allerdings hat die Polizei diese Fahrzeuge bereits beschlagnahmt. Deshalb bricht das Team kurzerhand in die Verwahrstelle ein. Anschließend stiehlt es die benötigten Wagen direkt vom Polizeigelände.
Schließlich bleibt nur noch ein Fahrzeug übrig: der Shelby Mustang GT500 „Eleanor“. Allerdings bereitete dieser Wagen Memphis schon früher große Schwierigkeiten. Auch diesmal läuft die Mission nicht nach Plan. Plötzlich erscheint Castlebeck und überrascht Memphis auf frischer Tat. Daraufhin beginnt eine rasante Verfolgungsjagd durch die Straßen der Stadt. Memphis fährt den Mustang, während Castlebeck mit seinem BMW folgt. Zwar kann Memphis die Polizei letztlich abschütteln, doch er erreicht den Hafen zu spät. Außerdem trägt der Mustang nach der Flucht erhebliche Schäden davon.
Daraufhin beschließt Calitri, Memphis für das Scheitern töten zu lassen. Doch im letzten Moment verhindert Kip die Hinrichtung. Anschließend sucht Memphis die direkte Konfrontation mit Calitri. Dabei entwickelt sich eine Verfolgung durch die Lagerhallen des Hafens. Gleichzeitig folgt Castlebeck Calitris Spur bis zum Schauplatz. Als Calitri den Ermittler erschießen will, greift Memphis ein. Schließlich stößt er seinen Gegner über ein Geländer in die Tiefe. Danach lässt Castlebeck Memphis überraschend laufen. Zuvor verrät Memphis jedoch das Schiff mit den gestohlenen Fahrzeugen. Dadurch sichert Castlebeck einen wichtigen Ermittlungserfolg. Schließlich schenkt Kip seinem Bruder einen ramponierten Mustang. Dadurch versöhnen sich die beiden Brüder endgültig.
Filmkritik und Fazit zum Film „Nur noch 60 Sekunden“
„Nur noch 60 Sekunden“ gibt sich keinen Illusionen hin und versucht erst gar nicht, ein anderer Film zu sein als er ist. Dominic Sena inszeniert mit routinierter Handschrift, die Actionsequenzen sind präzise choreografiert und von Paul Camerons Kamera mit kühlem Glanz eingefangen. Nicolas Cage trägt die Last des Films mit geschmeidiger Nonchalance, und Robert Duvall verleiht dem Mentor-Charakter eine Würde, die dem Stoff mehr Gewicht gibt als das Drehbuch allein hergeben würde. Weniger befriedigend ist die Rolle von Angelina Jolie, deren Charakter deutlich zu knapp bemessen ist, um die versprochene emotionale Wirkung zu entfalten.
Das eigentliche Herzstück des Films ist die abschließende Verfolgungsjagd mit dem Shelby Mustang GT500, für dessen Produktion eigens zwölf Exemplare angefertigt wurden. Trevor Rabins Soundtrack gibt den Actionmomenten druckvolle Energie, ohne dabei die Bildebene zu überlagern. Der Schnitt, an dem gleich drei Editoren beteiligt waren, hält das Tempo hoch, opfert dabei jedoch Charaktertiefe. Die Figurenkonstellation erfüllt zuverlässig die Genreerwartungen, ohne sie zu übersteigen. Vinnie Jones‘ wortkarger Sphinx liefert einige der amüsanteren Momente des Films, Christopher Eccleston als Antagonist hingegen bleibt erstaunlich blass trotz des Drohpotenzials seiner Rolle.
Wer actionreiche Unterhaltung sucht, wird hier nicht enttäuscht. Der Film liefert das, was er ankündigt: Tempo, Chrom und eine finale Verfolgungsjagd, die das Adrenalin zuverlässig ansteigen lässt. Wer jedoch nach erzählerischer Tiefe oder charakterlicher Entwicklung greift, wird nur wenig finden. Für Fans des Genres und insbesondere für Liebhaber automobiler Ikonografie ist „Nur noch 60 Sekunden“ dennoch sehenswert, denn als Hochglanz-Actionfilm der Jahrtausendwende erfüllt er seine Aufgabe mit Stil.