Logan Lucky
Ein Regisseur kehrt zurück – und er hat seine Hausaufgaben gemacht. Steven Soderbergh, der sich 2013 demonstrativ aus dem Kinobetrieb verabschiedet hatte, meldet sich mit „Logan Lucky“ wieder zu Wort. Diesmal ohne Hollywoodbudget, ohne Studioaufsicht, dafür mit einem Hang zum Eigensinnigen, der dem Film eine seltsam befreiende Leichtigkeit verleiht.

| Dauer: | 118 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2017 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | Steven Soderbergh |
| Produzenten: | Reid Carolin, Gregory Jacobs, Mark Johnson, Channing Tatum |
| Hauptdarsteller: | Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig |
| Nebendarsteller: | Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Seth MacFarlane |
| Studio: | Fingerprint Releasing |
Soderbergh dreht das Tableau seiner eleganten „Ocean’s“-Welt einfach um: Statt Maßanzüge und Las Vegas nun Arbeitsstiefel und North Carolina. Statt smarter Gentlemen, die ohnehin schon alles haben, nun Brüder, die nichts zu verlieren haben – außer vielleicht dem letzten Rest an Würde. Was dieser Perspektivwechsel aus dem Heist-Genre herausholt, ist überraschend frisch. Und die Frage, ob sich das Prinzip wirklich trägt oder nur als Umkehrtrick funktioniert, beantwortet der Film auf seine ganz eigene Art.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Logan Lucky“ ist eine US-amerikanische Kriminalkomödie aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Steven Soderbergh, der zugleich als Kameramann und Cutter tätig war – beides unter seinen bekannten Pseudonymen. Das Drehbuch stammt offiziell von Rebecca Blunt, einem Namen, den Kenner des Filmgeschäfts als Pseudonym einordnen. Produziert wurde der Film vollständig außerhalb des Hollywoodsystems, finanziert durch den Vorverkauf internationaler Verleihs- und Heimkinorechte. Die Filmmusik komponierte David Holmes.
Channing Tatum übernimmt die Hauptrolle des Jimmy Logan, sein Bruder Clyde wird von Adam Driver gespielt. Riley Keough verkörpert die Schwester Mellie, während Daniel Craig als Sprengstoffexperte Joe Bang zu erleben ist. In weiteren Rollen sind Katie Holmes, Seth MacFarlane, Hilary Swank, Katherine Waterston und Sebastian Stan zu sehen. Mehrere echte NASCAR-Fahrer haben Cameo-Auftritte, darunter Kyle Busch und Carl Edwards.
Die Dreharbeiten begannen im August 2016 und fanden unter anderem am Charlotte Motor Speedway sowie am Atlanta Motor Speedway statt. Weitere Schauplätze lagen in Georgia, darunter Douglasville und Clayton County. Der Film startete am 18. August 2017 in den USA und am 14. September 2017 in Deutschland. Er wurde beim Festa del Cinema di Roma im offiziellen Wettbewerb gezeigt und erhielt eine FSK-12-Freigabe. Das National Board of Review nahm ihn in seine Top 10 der Independent Movies auf.
Handlung & Inhalt vom Film „Logan Lucky“
Im ländlichen West Virginia, einem der ärmsten Bundesstaaten der USA, führen die Logan-Brüder ein Leben unter dem Vorzeichen des Scheiterns. Jimmy Logan war einst ein vielversprechender Footballspieler, doch eine Knieverletzung beendete seine Karriere abrupt. Nun arbeitet er als Bauarbeiter – bis auch dieser Job wegfällt. Sein Bruder Clyde verlor im Irakkrieg seinen linken Unterarm und arbeitet seitdem als einarmiger Barkeeper in einer schummrigen Spelunke, wo er gelegentlich Zielscheibe für schlechte Witze wird. Schwester Mellie blieb bisher von größerem Unglück verschont. Die Geschwister glauben fest an einen Familienfluch.
Jimmys Privatleben gestaltet sich nicht minder kompliziert. Von seiner Ex-Frau Bobbie Jo getrennt, lebt er nur für seine Tochter Sadie, die an einem Kinderschönheitswettbewerb teilnehmen möchte. Bobbie Jo plant jedoch den Wegzug mit ihrem neuen Mann, was den Kontakt zu Sadie gefährdet. Aus dieser Mischung aus Frust, Geldnot und Vatergefühlen entsteht ein Plan: Jimmy weiß aus seiner Zeit als Bauarbeiter an der Rennstrecke in Charlotte, dass der dortige Tresor durch laufende Bauarbeiten schlechter gesichert ist als üblich. Mit Mellie und Clyde beschließt er, die Tageseinnahmen des Charlotte Motor Speedway zu stehlen.
Der Coup und seine heiklen Voraussetzungen
Für den Plan brauchen die Logans einen Fachmann: Joe Bang, Safeknacker und Sprengstoffexperte, sitzt im Gefängnis. Jimmy überzeugt ihn dennoch, dass Joes Ex-Freundin sein früheres Diebesgut bereits ausgibt und verschwendet. Auch Joes zwei wenig geistig bewegliche Brüder werden in den Plan eingeweiht. Clyde lässt sich absichtlich verhaften, um im selben Gefängnis wie Joe zu landen. Gemeinsam mit den Mitgefangenen, die einen fingierten Aufstand inszenieren, gelingt schließlich ein temporärer Ausbruch.
Der Coup fällt auf das Coca-Cola 600, ein vielbesuchtes NASCAR-Rennen in Charlotte. Die Bang-Brüder legen das Internetsystem der Strecke lahm und erzwingen Barzahlungen. Dadurch werden alle Einnahmen per Rohrpost in den Zentraltresor geleitet und gesammelt. Joe beschädigt das System schließlich mit einem improvisierten Sprengsatz aus Gefängnisteilen. Jimmy und seine Helfer saugen das Bargeld mit Industriestaubsaugern ab und füllen es in Müllsäcke. Ein Teil der Beute verlässt das Gelände per Elektrokarren, der Rest unbemerkt im Müllwagen.
Das FBI nimmt die Ermittlungen unter Agentin Sarah Grayson auf, doch Joe und Clyde haben durch ihren vermeintlichen Gefängnisaufenthalt ein wasserdichtes Alibi. Ein Teil der Beute wird in einem gestohlenen Lastwagen gefunden – der Betreiber der Strecke weiß jedoch nicht, wie viel tatsächlich gestohlen wurde. Nachdem die Behörden den Fall einstellen, verteilt Jimmy die verborgene Summe an alle Beteiligten. Sadie gewinnt den Wettbewerb mit dem Lied „Take Me Home, Country Roads“. Der Film endet offen: In Clydes Bar stoßen die Logans und Joe auf ihren Erfolg an – ohne zu ahnen, dass Agentin Grayson am Tresen sitzt und sie beobachtet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Logan Lucky“
„Logan Lucky“ funktioniert, weil Soderbergh seiner Prämisse vollkommen vertraut. Der Film stellt das Milieu nicht aus, er bewohnt es. Die Figuren aus West Virginia sind weder Karikaturen noch Sympathieträger aus dem Sozialkitsch-Regal – sie sind Menschen mit eigener Würde, eigenen Kalkulationen und eigenem Humor. Daniel Craig als blondierter Joe Bang ist dabei eine Klasse für sich: trocken, präzise, mit einer Komik, die aus vollständiger Ernsthaftigkeit entsteht. Adam Driver hält dagegen mit einer leisen, nuancierten Performance, die den Film immer wieder erdet, wenn er zu sehr ins Absurde zu gleiten droht.
Kameratechnisch bleibt Soderbergh seiner Handschrift treu: zweckmäßig dort, wo die Szene Konzentration verlangt, und leichtfüßig-schwelgerisch, wo der Film Raum zum Atmen braucht. Das Tempo stimmt über weite Strecken, auch wenn einzelne Nebenstränge – die FBI-Ermittlungen mit Hilary Swank, Jimmys flüchtige Liebesgeschichte mit Sylvia Harrison – mehr strukturelle Pflicht als erzählerische Notwendigkeit wirken. Die Musik von David Holmes fügt sich organisch ins Lokalkolorit ein, ohne es zu übertönen. Was das Drehbuch an dramatischer Fallhöhe bewusst verweigert, kompensiert es durch die raffinierte Konstruktion eines Plans, dessen Vollständigkeit sich erst im letzten Drittel enthüllt.
Für Fans des Heist-Genres ist „Logan Lucky“ eine lohnende Erfahrung – gerade weil er die Konventionen des Subgenres nicht ignoriert, sondern bewusst verschiebt. Wer elegante Hochglanzgauner erwartet, wird umgestellt. Wer sich darauf einlässt, findet einen Film mit echtem Herz, solidem Handwerk und einem Ensemble, das sichtlich Freude an der Arbeit hat. Das offene Ende hält eine Tür auf – und man würde ihr gern folgen.