White House Down

White House Down“ ist ein Film, der genau weiß, was er sein will – und darin liegt sowohl seine Stärke als auch seine Begrenzung. Roland Emmerich, der Stuttgarter Exportschlager Hollywoods, inszeniert 2013 einen knallbunten Actionthriller, der sich selbst nie zu ernst nimmt und dennoch mit beachtlicher Energie aufgeladen ist. Das Weiße Haus als Spielfeld der Zerstörung, ein zögernder Held in Unterhemd und Waffe – das Rezept ist vertraut, die Zubereitung jedoch keineswegs beliebig.

White House Down
Dauer: 137 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2013
Kategorien: Action, Thriller
Regie: Roland Emmerich
Produzenten: Bradley J. Fischer, Larry Franco, Laeta Kalogridis, Harald Kloser, James Vanderbilt
Hauptdarsteller: Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal
Nebendarsteller: Jason Clarke, Richard Jenkins, Joey King, James Woods
Studio: Columbia Pictures, Mythology Entertainment, Centropolis Entertainment, Iron Horse Entertainment, Street Entertainment

Dass der Film an den Kinokassen scheiterte, hat weniger mit seiner Qualität als mit seinem Pech zu tun. Wenige Monate zuvor hatte „Olympus Has Fallen“ denselben Schauplatz gestürmt und das Publikum bereits mit ähnlichen Bildern versorgt. Kann ein Actionfilm dennoch punkten, wenn das Territorium schon vermessen ist – und womit genau?

Besetzung, Regie und Drehorte

White House Down“ entstand unter der Regie von Roland Emmerich nach einem Drehbuch von James Vanderbilt, der Sony Pictures sein Skript für kolportierte drei Millionen US-Dollar verkaufte. Produziert wurde der Film mit einem Budget von rund 150 Millionen US-Dollar. Die Kamera führte die deutsche Cinematografin Anna J. Foerster, den Schnitt verantwortete Adam Wolfe. Den Soundtrack komponierten Harald Kloser und Thomas Wander, aufgeführt vom Hollywood Studio Symphony.

In den Hauptrollen sind Channing Tatum als Capitol-Polizist John Cale und Jamie Foxx als Präsident James W. Sawyer zu sehen. Maggie Gyllenhaal spielt Secret-Service-Agentin Carol Finnerty, Jason Clarke den Söldnerführer Emil Stenz. James Woods übernimmt die Rolle des Sicherheitschefs Martin Walker, Richard Jenkins die des Parlamentssprechers Eli Raphelson. Joey King verkörpert Cales Tochter Emily, Lance Reddick General Caulfield.

Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Montreal statt, wo die wichtigsten Räumlichkeiten des Weißen Hauses originalgetreu nachgebaut wurden. Einzelne Außenaufnahmen entstanden in Washington D.C. Der Film trägt in Deutschland eine FSK-12-Freigabe und hat eine Laufzeit von 131 Minuten. Sein Kinostart in Deutschland war der 5. September 2013.

Handlung & Inhalt vom Film „White House Down“

John Cale ist Capitol-Polizist und arbeitet als Sicherheitsmann für den Parlamentssprecher Eli Raphelson. Er bewirbt sich vergeblich beim Secret Service – ausgerechnet bei seiner früheren Schulkameradin Carol Finnerty. Um seine Tochter Emily nicht zu enttäuschen, nimmt er sie anschließend mit auf eine Besichtigungstour durch das Weiße Haus. Emily ist eine leidenschaftliche Kennerin amerikanischer Geschichte und ein erklärter Fan von Präsident Sawyer. Cale hofft, den Ausflug wenigstens als kleinen Trost zu verkaufen. Doch das Weiße Haus ist an diesem Tag kein sicherer Ort.

Eine schwerbewaffnete paramilitärische Einheit unter Führung von Emil Stenz, einem ehemaligen Delta-Force-Offizier, hat sich als Kinotechniker ins Gebäude eingeschlichen. Unter dem Vorwand, eine Surroundanlage zu erneuern, nehmen die Männer das Weiße Haus unter ihre Kontrolle. Um Einsatzkräfte abzulenken, zerstören sie die Kuppel des Kapitols durch eine Sprengung. Sicherheitschef Martin Walker, kurz vor seiner Pensionierung, ist in das Komplott eingeweiht. Während die Touristen als Geiseln genommen werden, entwischt Emily kurzzeitig auf die Toilette. Cale macht sich auf die Suche nach ihr – und trifft stattdessen auf Präsident Sawyer. Der Leibwächter, der keiner sein durfte, übernimmt instinktiv die Verantwortung für das höchste Amt des Landes.

Atomare Eskalation und letzte Sekunden

Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Walker, unheilbar an Krebs erkrankt und mit noch drei Monaten Lebenserwartung, verfolgt ein privates Racheziel: Sein Sohn starb bei einer geheimen Militäroperation im Iran. Um einen Dritten Weltkrieg auszulösen, knackt der Computerspezialist Skip Tyler die Firewalls des NORAD-Systems. Drei Black-Hawk-Hubschrauber werden mit Flugabwehrraketen abgeschossen. Die Air Force One mit Vizepräsident Hammond an Bord wird vernichtet. Parlamentssprecher Raphelson übernimmt die Präsidentschaft und ordnet die Bombardierung des Weißen Hauses an. Cale und Sawyer kämpfen sich durch die Flure, entkommen in der gepanzerten Präsidentenlimousine und werden durch schweres Beschussfeuer gestoppt.

Walker erpresst Sawyers Kapitulation mit einer Drohung gegen Emily im Oval Office. Sawyer ergibt sich. Cale, inspiriert von einem historischen Gemälde des Weißen-Haus-Brandes von 1814, löst durch ein Feuer die Sprinkleranlage aus und befreit die Geiseln. Walker versucht, 24 Atomraketen auf den Iran abzufeuern. Er schlägt Sawyer nieder und nutzt dessen Hand als biometrischen Schlüssel für das Abschusssystem. Cale durchbricht mit einem schweren SUV die Wand des Oval Office und erschießt Walker mit einer Minigun in letzter Sekunde.

Emily rettet das Weiße Haus mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Mittel: Sie schwenkt die Präsidentenflagge vor dem Gebäude und zwingt die herannahenden F-22-Piloten zum Abbruch des Angriffs. Sawyer hat den Schuss überlebt – seine Taschenuhr hat das Projektil abgefangen. Finnerty deckt Raphelson als Komplizen auf. Cale konfrontiert ihn öffentlich mit seiner Beteiligung, die der Waffenlobby durch einen Krieg enorme Gewinne gesichert hätte. Raphelson gesteht vor Zeugen und wird verhaftet. Sawyer bietet Cale die Stelle als persönlichen Leibwächter an. Gemeinsam mit Emily und Finnerty fliegen sie im Tiefflug über den Reflecting Pool – und verschwinden im Washingtoner Abendhimmel.

Filmkritik und Fazit zum Film „White House Down“

White House Down“ trägt seine Vorbilder offen zur Schau. Die Stirb-langsam-DNA ist unverkennbar: der versehrte Einzelkämpfer, der institutionelle Verrat, die Eskalation durch immer absurdere Bedrohungsszenarien. Channing Tatum gelingt dabei Überraschendes – er spielt Cale mit entwaffnendem Charme, ohne je in reine Muskelaction zu verfallen. Jamie Foxx hingegen hält seinen Präsidenten auch in extremen Momenten präsidentiell: kein zweiter Held, sondern eine eigenständige Figur. Die Chemie beider trägt den Film über weite Strecken, selbst wenn das Drehbuch die Buddy-Dynamik bisweilen zugunsten von Sprengstoffsequenzen vernachlässigt.

Emmerichs Inszenierung entfaltet ihre Stärken dort, wo sie sich auf handgemachte Action verlässt. Die nachgebauten Räume des Weißen Hauses erlauben dem Regisseur ein räumliches Spiel, das vom Flurgefecht über die Gartenverfolgungsjagd bis zum Durchbruch durch Oval-Office-Wände reicht. Anna Foersters Kameraarbeit gibt diesen Sequenzen eine ungewöhnliche Plastizität. Weniger überzeugend sind die selten eingesetzten CGI-Effekte – die digitale Schaulustigen-Menge vor dem Gebäude wirkt auffällig künstlich. Auch der politische Subtext, der Lobbyismus als eigentlichen Feind ausmacht, wird zu offen formuliert, um wirklich zu stechen.

Der Film lohnt sich für Zuschauer, die das Popcornkino der 90er-Jahre schätzen und bereit sind, seinen nostalgischen Gestus als Stilmittel zu akzeptieren. Er ist zu lang, sein Verschwörungsplot zu konstruiert – doch er unterhält mit Tempo und Situationskomik. Wer Action sucht, die sich selbst nicht überhöht, findet hier einen Film, der seine Grenzen kennt und innerhalb dieser Grenzen zuverlässig liefert.

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