Ghost Rider
Ein flammender Schädel auf einem Motorrad – und dahinter ein Jahrzehnte altes Comic-Konzept, das Hollywood seit den frühen 1990er Jahren nicht losließ. Als „Ghost Rider“ im Februar 2007 endlich in die Kinos kam, hatten Regisseur, Studio und Hauptdarsteller einen steinigen Produktionsweg hinter sich. Fünfzehn Jahre Entwicklungshölle, wechselnde Regisseure, verschobene Starttermine – und am Ende stand Nicolas Cage vor der Kamera.

| Dauer: | 114 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2007 |
| Kategorien: | Action, Mystery |
| Regie: | Mark Steven Johnson |
| Produzenten: | Avi Arad, Michael De Luca, Gary Foster, Steven Paul |
| Hauptdarsteller: | Nicolas Cage, Eva Mendes, Sam Elliott |
| Nebendarsteller: | Wes Bentley, Peter Fonda, Matt Long, Brett Cullen |
| Studio: | Crystal Sky Pictures, Relativity Media, Columbia Pictures, Marvel Studios, Canarsie |
Mark Steven Johnson, der zuvor bereits das Marvel-Projekt „Daredevil“ verantwortet hatte, übernahm 2003 die Regie und schrieb das Drehbuch selbst. Kann ein Film, der so lange in der Entwicklung feststeckte, noch ein kohärentes Ergebnis liefern – oder verrät jede Szene die Spuren seiner turbulenten Entstehungsgeschichte?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Ghost Rider“ entstand unter der Regie von Mark Steven Johnson, der gleichzeitig als Drehbuchautor fungierte. Die Produktion, koordiniert von Avi Arad, Michael De Luca, Gary Foster und Steven Paul, hatte ein Budget von rund 110 Millionen US-Dollar. Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Australien statt, hauptsächlich an den Melbourne Docklands Studios. Für Nachaufnahmen reiste das Team im April 2006 nach Vancouver. Den Filmschnitt übernahm Richard Francis-Bruce, die Kamera führte Russell Boyd.
Nicolas Cage spielt die Hauptrolle des Johnny Blaze, des Motorrad-Stuntfahrers, der zum Kopfgeldjäger des Teufels wird. Eva Mendes ist als seine Jugendliebe Roxanne Simpson zu sehen. Peter Fonda verkörpert den Teufelsfürsten Mephistopheles, während Wes Bentley als Blackheart, Mephistos Sohn, auftritt. Sam Elliott übernimmt die Rolle des geheimnisvollen Caretakers und spricht zudem den Erzählerkommentar. Donal Logue ist als Johnnys Manager Mack zu sehen.
Den Soundtrack komponierte Christopher Young, der den Score bei Varèse Sarabande veröffentlichte. Die australische Band Spiderbait steuerte eine Coverversion von „Ghost Riders in the Sky“ für den Abspann bei. Das Sounddesign des Ghost Riders selbst entwickelte Dane Davis, Oscar-Preisträger für „The Matrix“. Der Film erhielt in Deutschland eine FSK-12-Freigabe; eine Extended Version mit dreizehn zusätzlichen Minuten erschien zeitgleich mit der regulären Kinofassung auf DVD.
Handlung & Inhalt vom Film „Ghost Rider“
Die Geschichte beginnt im Wilden Westen. Mephistopheles schickt einen verfluchten Kopfgeldjäger aus – den Ghost Rider –, um einen Vertrag einzuholen, der ihm 1.000 verdammte Seelen aus dem Dorf San Venganza sichern würde. Der Rider erkennt die zerstörerische Macht dieses Dokuments und verweigert die Übergabe. Er flieht, versteckt den Vertrag und entzieht ihn damit dem Teufel. 150 Jahre später: Der 17-jährige Stuntfahrer Johnny Blaze geht einen Pakt mit Mephistopheles ein, um seinen krebskranken Vater zu retten. Der Teufel heilt den Vater – doch noch am selben Tag stirbt dieser bei einem Unfall. Mephistopheles erscheint sofort danach und erklärt Johnny, dass er sich von allem Geliebten trennen muss.
Jahre vergehen. Johnny ist inzwischen ein berühmter Stuntfahrer, bekannt für seine waghalsigen Sprünge und sein scheinbar übernatürliches Überleben. Bei einem Auftritt begegnet er Roxanne Simpson wieder, die heute als Reporterin arbeitet. Sie verabreden sich zum Abendessen. Doch genau in diesem Moment erscheint Mephistopheles erneut: Sein Sohn Blackheart ist auf die Erde gekommen, um den versteckten Vertrag von San Venganza an sich zu reißen. Mit drei gefallenen Engeln an seiner Seite – Gressil, Wallow und Abigor, die die Elemente Erde, Wasser und Luft verkörpern – beginnt Blackheart seine Suche. Mephistopheles zwingt Johnny, als Ghost Rider gegen ihn vorzugehen.
Dämon gegen Dämonen: Die Eskalation beginnt
Johnny verwandelt sich bei Nacht in den Ghost Rider: ein flammendes Skelett auf einem feurigen Motorrad, bewaffnet mit einer Eisenkette. Er tötet Gressil bei einem ersten Aufeinandertreffen auf einem alten Bahnhof. Roxanne hingegen glaubt zunächst nicht an Johnnys übernatürliche Natur, bis sie ihn selbst an einer Hauswand hochfahren sieht. Blackheart beobachtet diese Szene und erkennt, dass Roxanne Johnnys Schwachstelle ist. Der Ghost Rider besiegt unterdessen auch Abigor auf einem Dach, doch seine Nächte enden jeweils bei Morgengrauen in einer Friedhofskapelle, wo ihm ein alter Wärter namens Caretaker begegnet.
Blackheart entführt Roxanne und zwingt Johnny, den Vertrag von San Venganza als Gegenleistung für ihr Leben zu übergeben. Der Caretaker enthüllt sich als Carter Slade, der erste Ghost Rider, der dank seiner Reitkraft noch am Leben ist. Gemeinsam reiten die beiden durch die Wüste zum Schauplatz der finalen Konfrontation. Slade gibt Johnny seine Schrotflinte, erklärt jedoch, dass seine Kraft verbraucht ist und er nur noch einmal die Verwandlung vollziehen konnte. Auf dem letzten Weg in die Stadt tötet Johnny auch Wallow.
In einer Kirche kommt es zur Entscheidung. Johnny übergibt den Vertrag, Blackheart absorbiert die 1.000 Seelen und nennt sich fortan Legion. Konventionelle Waffen versagen. Johnny erinnert sich an Slades Rat, im Schatten die Quelle seiner Macht zu suchen – er verwandelt die leere Schrotflinte im Dunkeln in eine Höllenwaffe. Er trifft Blackheart, doch dieser regeneriert sich sofort. Erst jetzt erkennt Johnny den entscheidenden Vorteil: Die absorbierten Seelen machen Blackheart nun angreifbar für den Blick der Bestrafung. Er verbrennt alle 1.000 Seelen in Blackheart. Mephistopheles erscheint daraufhin und bietet Johnny seine Seele zurück – doch Johnny lehnt den vollständigen Tausch ab und behält den Fluch, um ihn künftig gegen den Teufel selbst einzusetzen.
Filmkritik und Fazit zum Film „Ghost Rider“
„Ghost Rider“ trägt die Spuren seiner langen Entstehungsgeschichte offen sichtbar. Mark Steven Johnson inszeniert mit solidem Handwerk, aber ohne die konzeptionelle Schärfe, die den Stoff zu mehr als einem anständigen Genre-Produkt hätte machen können. Nicolas Cage rettet dabei vieles, was das Drehbuch gefährdet: Er spielt Johnny Blaze mit einer seltsam zärtlichen Ironie, die der Figur mehr Tiefe verleiht, als das Skript hergibt. Christopher Youngs orchestraler Score setzt dabei die richtigen atmosphärischen Akzente und hält auch in schwächeren Szenen die emotionale Spannung aufrecht.
Die Schwächen liegen vor allem im dramaturgischen Gerüst. Die Kämpfe gegen Blackhearts Schergen sind kurz und ohne echtes Gewicht – kaum dass ein Antagonist auftaucht, ist er schon besiegt. Das nimmt den Begegnungen jede Bedrohlichkeit. Dazu kommt: Die visuellen Effekte des Riders selbst wirken eigentümlich glatt, trotz aufwendiger Produktionsinfrastruktur mit Houdini-Pipeline und elfköpfigem Flame-Team. Wes Bentley als Blackheart bleibt blasse Staffage. Sam Elliott hingegen liefert als Caretaker das eindrücklichste Nebenporträt: Er spricht den Narration mit ruhiger Gravität und gibt dem Film, wann immer er erscheint, etwas von dem Western-Erbe zurück, das dem Rider-Mythos ursprünglich eingeschrieben ist.
Für eingefleischte Comicfans und Genre-Liebhaber bietet „Ghost Rider“ trotz seiner Unzulänglichkeiten einen Abend mit atmosphärischem Unterhaltungswert. Der Film weiß, was er ist, und überdehnt seine Ambitionen nicht. Wer einen kompromisslosen Superheldenfilm erwartet, wird enttäuscht. Wer hingegen mit Cages eigentümlichem Charisma und dem Versprechen eines feurigen Skeletts auf einem Motorrad zufrieden ist, findet hier solides Actionkino – nicht mehr, aber auch nicht weniger.