The Fall Guy
Hollywood feiert sich gern selbst. Selten aber geschieht das mit so viel handwerklichem Ehrgeiz und so wenig Eitelkeit wie in „The Fall Guy„. David Leitch, einst selbst Stuntdouble, richtet mit diesem Film einen langen, zugewandten Blick auf jenen Teil des Filmbetriebs, der im Abspann zwar namentlich auftaucht, auf der Bühne aber nie steht: die Stuntleute. Das ist kein nostalgischer Gruß ans Publikum. Es ist eine Grundsatzentscheidung.

| Dauer: | 127 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2024 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | David Leitch |
| Produzenten: | Guymon Casady, Kelly McCormick, Ryan Gosling, David Leitch |
| Hauptdarsteller: | Ryan Gosling, Emily Blunt, Aaron Taylor-Johnson |
| Nebendarsteller: | Hannah Waddingham, Teresa Palmer, Stephanie Hsu, Winston Duke |
| Studio: | 87North Productions, Entertainment 360, Universal Pictures, Australian Government |
Die Prämisse könnte kaum geschickter konstruiert sein: Ein Stuntman kehrt nach einer Verletzung ans Set zurück, motiviert weniger von beruflichem Ehrgeiz als von privaten Gefühlen. Dahinter steckt jedoch mehr als eine Liebesgeschichte in Kulissen aus Pyrotechnik und Studiobeleuchtung. Wie viel davon aufgeht, wie viel davon in lautem Spektakel verloren geht – das ist die eigentliche Frage, die dieser Film stellt.
Besetzung, Regie und Drehorte
„The Fall Guy“ ist eine US-amerikanische Actionkomödie aus dem Jahr 2024, inszeniert von David Leitch, der das Drehbuch von Drew Pearce verfilmte. Leitch, bekannt durch „John Wick“ und „Bullet Train“, produzierte den Film gemeinsam mit Kelly McCormick, Ryan Gosling und Guymon Casady. Die Filmmusik stammt von Dominic Lewis, die Kamera führte Jonathan Sela, den Schnitt verantwortete Elísabet Ronaldsdóttir. Gedreht wurde ab Oktober 2022 vorwiegend in Sydney, unter anderem am Opera House, der Harbour Bridge und im Wynyard Park.
Ryan Gosling übernimmt die Hauptrolle des Stuntmans Colt Seavers, Emily Blunt spielt die Nachwuchsregisseurin Jody Moreno. Aaron Taylor-Johnson verkörpert den selbstverliebten Filmstar Tom Ryder, Hannah Waddingham dessen Produzentin Gail Meyer. In weiteren Rollen sind Winston Duke als Stunt Coordinator Dan Tucker sowie Stephanie Hsu als Ryders Assistentin Alma Milan zu sehen. Cameo-Auftritte haben Lee Majors und Heather Thomas, die Hauptdarsteller der Originalserie, sowie Jason Momoa als er selbst.
Der Film läuft in der Kinofassung 125 Minuten, eine Extended Version umfasst rund 145 Minuten. Die Altersfreigabe beträgt FSK 12. Bei den Screen Actors Guild Awards 2025 wurde das Stuntensemble ausgezeichnet; zudem erhielt der Film bei den Austin Film Critics Association Awards eine Auszeichnung für die besten Stunts. Stunt Coordinator Chris O’Hara wurde erstmals in der Filmgeschichte der SAG-AFTRA als „Stunt Designer“ kreditiert.
Handlung & Inhalt vom Film „The Fall Guy“
Colt Seavers arbeitet seit sechs Jahren als Stuntdouble für den Filmstar Tom Ryder. Am Set lernt er die Kamerafrau Jody Moreno kennen, und zwischen beiden entwickelt sich eine Romanze. Die Beziehung endet abrupt, als Colt sich bei einem Stunt schwer am Rücken verletzt. Er zieht sich zurück, meldet sich weder bei Jody noch bei seinem Arbeitgeber, und verschwindet aus dem Filmgeschäft. Achtzehn Monate später arbeitet er als Einparker, weit entfernt von den Kulissen, die einmal sein Zuhause waren. Dann erreicht ihn ein Anruf der Produzentin Gail Meyer.
Gail bittet Colt, als Double für Ryder auf einem neuen Dreh in Australien einzuspringen, dem Science-Fiction-Western „Metalstorm“. Colt zögert zunächst. Als er aber erfährt, dass es sich um Jodys Regiedebüt handelt, sagt er zu. In Sydney angekommen, empfängt Jody ihn mit spürbarer Reserviertheit. Sie hat seinen Rückzug nicht vergessen. Trotzdem nimmt sie sein Engagement an, und nutzt vermeintlich filmische Gespräche, um Colt zu signalisieren, wie sehr seine Reaktion nach dem Unfall sie verletzt hat. Langsam tauen alte Gefühle wieder auf. Dann verschwindet Hauptdarsteller Tom Ryder spurlos vom Set.
Täuschung, Gefahr und ein Mordvideo
Gail beauftragt Colt heimlich, Ryder zu finden, um Jodys Produktion zu retten. Colt nimmt den Auftrag an und beginnt die Suche in einem Nachtclub, wo ihn jemand unter Drogen setzt. Danach stößt er in Ryders Apartment auf die Leiche eines Stuntmanns, die kurz darauf verschwindet. Trotzdem lässt er sich nicht aufhalten, obwohl Gail ihn zur Abreise drängt. Stattdessen sucht er gezielt Ryders Assistentin Alma Milan auf und verschafft sich Zugriff auf dessen Mobiltelefon.
Auf dem Gerät entdeckt Colt ein Video, das zeigt, wie Ryder den Stuntmann versehentlich tötet, nachdem dieser ihn wegen fehlender echter Stunts konfrontiert. Mit diesem Beweis wird Colt selbst zur Zielscheibe. Er erkennt außerdem, dass Ryder und Gail gemeinsam ein Deepfake dieses Videos erstellt haben, um ihn als Täter darzustellen. Dabei planen sie sogar seinen Tod. Colt durchschaut den Plan, täuscht seinen eigenen Tod vor und taucht unter. Schließlich geht das Originalvideo bei einer Schießerei verloren.
Colt und Jody schmieden gemeinsam einen Plan: Sie wollen Ryder bei den abschließenden Dreharbeiten zu einem Geständnis bewegen und dieses auf Film festhalten. Das Vorhaben gelingt, doch Gail gelangt an die Aufnahmen und versucht gemeinsam mit Ryder zu flüchten. Mit Hilfe seines Stuntteams sichert Colt die belastenden Beweise, reinigt seinen Namen und verhindert die Flucht der beiden. Gail wird von der Polizei verhaftet. Ryder sprengt sich versehentlich selbst in die Luft. „Metalstorm“ wird schließlich mit Jason Momoa neugedreht und wird ein voller Erfolg.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Fall Guy“
Was „The Fall Guy“ von vergleichbaren Actionkomödien unterscheidet, ist seine Haltung zum eigenen Metier. Leitch inszeniert die Stuntsequenzen nicht als bloßes Spektakel, sondern als Argument: Kameramann Jonathan Sela setzt die Körperlichkeit der Darsteller in den Vordergrund, CGI tritt zurück, die Mechanik der gefährlichen Arbeit wird sichtbar gemacht. Ryan Gosling und Emily Blunt harmonieren dabei mit einer Leichtigkeit, die dem Drehbuch von Drew Pearce viel verdankt. Ihre Dialoge pendeln zwischen Witz und Verletzlichkeit, selten kippen sie ins Sentimentale.
Im mittleren Drittel verliert der Film jedoch an Präzision. Der Kriminalplot um das verschwundene Mordvideo und das Deepfake-Konstrukt folgt verlässlichen Genremustern, ohne darüber hinauszuwachsen. Dominic Lewis‘ Musik begleitet das Geschehen zuverlässig, ohne eigene Akzente zu setzen; stärker wirken die Soundtrack-Entscheidungen, etwa der Einsatz von AC/DCs „Thunderstruck“ oder Phil Collins‘ „Against All Odds“, die mit sicherem Gespür für Ironie platziert werden. Aaron Taylor-Johnson und Hannah Waddingham spielen ihre Figuren mit einer ansteckenden Überzeugung, die das Nebenhandlungsgefüge trägt, auch wenn es inhaltlich nicht immer überzeugt.
Für Fans des Actionkinos, das seine handwerkliche Herkunft nicht verleugnet, ist „The Fall Guy“ eine lohnenswerte Erfahrung. Der Film weiß, was er ist, und behandelt sein Publikum entsprechend. Er verlangt keine Ernsthaftigkeit, liefert aber mehr als reines Vergnügen. Wer bereit ist, über einen konstruierten Krimiplot hinwegzusehen, findet hier eine Hommage, die ihr Versprechen einlöst.