Die 5. Welle
Eine Invasion muss nicht mit brüllendem Kriegsgerät beginnen. Manchmal genügt ein gigantisches Raumschiff, das schweigend über dem Horizont verharrt, um die Ordnung einer Welt zu erschüttern. Genau an diesem Punkt setzt „Die 5. Welle“ von J Blakeson an – ein Genrebeitrag, der sich zwischen Endzeitthriller und Coming-of-Age-Geschichte einordnen lässt. Die Prämisse trägt das Versprechen einer nüchtern durchdachten Apokalypse in sich. Ihre Umsetzung folgt spürbar dem Muster aktueller Young-Adult-Stoffe. Das erzeugt Reibung – und eine interessante Fallhöhe.

| Dauer: | 112 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Science-Fiction |
| Regie: | J Blakeson |
| Produzenten: | Graham King, Tobey Maguire, Matthew Plouffe, Lynn Harris |
| Hauptdarsteller: | Chloë Grace Moretz, Nick Robinson, Ron Livingston |
| Nebendarsteller: | Maggie Siff, Alex Roe, Maria Bello, Maika Monroe |
| Studio: | LStar Capital, Columbia Pictures, GK Films, Material Pictures |
Blakesons Film tritt mit einer klaren Erwartung an sein Publikum heran. Er will unterhalten, berühren und gleichzeitig die Dimensionen einer globalen Katastrophe fassbar machen. Zwischen diesen Ansprüchen pendelt die Inszenierung. Chloë Grace Moretz übernimmt die Hauptrolle und trägt den Film über weite Strecken allein. Ihre Figur steht im Schnittpunkt zwischen Kriegserzählung, Familiendrama und romantischer Schwärmerei. Lässt sich ein solcher Balanceakt in 117 Minuten tatsächlich halten?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Die 5. Welle“ entstand 2016 in den USA unter der Regie von J Blakeson, der sich zuvor mit dem Kammerspiel „Die Entführung der Alice Creed“ einen Namen gemacht hatte. Columbia Pictures produzierte den Film gemeinsam mit Graham Kings GK Films und Tobey Maguires Material Pictures. Das Drehbuch verfassten Susannah Grant, Akiva Goldsman und Jeff Pinkner nach dem gleichnamigen Bestseller von Rick Yancey aus dem Jahr 2013. Henry Jackman komponierte die Filmmusik. Enrique Chediak zeichnete für die Kamera verantwortlich, Paul Rubell für den Schnitt.
In der Hauptrolle der Cassie Sullivan ist Chloë Grace Moretz zu sehen, bekannt aus „Kick-Ass“ und „Die Wolken von Sils Maria“. An ihrer Seite agieren Nick Robinson als Ben Parish und Alex Roe als der rätselhafte Evan Walker. Liev Schreiber verkörpert den undurchsichtigen Colonel Vosch, Maika Monroe tritt als Scharfschützin Ringer auf. Weitere Rollen übernehmen Maria Bello, Maggie Siff, Ron Livingston, Zackary Arthur und Tony Revolori. Das Ensemble vereint etablierte Charakterdarsteller mit aufstrebenden Jungschauspielern.
Die Dreharbeiten fanden von Oktober 2014 bis Januar 2015 in Atlanta, Georgia, statt. Rund 21,7 Millionen Dollar flossen in die Produktion vor Ort. Der Film hat eine Laufzeit von 117 Minuten und trägt in Deutschland die Freigabe FSK 12. Bei einem Budget zwischen 38 und 54 Millionen Dollar spielte er weltweit rund 109,9 Millionen Dollar ein. Chloë Grace Moretz erhielt dafür eine Nominierung bei den Teen Choice Awards.
Handlung & Inhalt vom Film „Die 5. Welle“
Cassie Sullivan lebt zunächst ein scheinbar normales Leben als Highschool-Schülerin. Dabei teilt sie ihren Alltag mit ihren Eltern sowie ihrem kleinen Bruder Sam. Doch eines Tages verändert sich alles abrupt, denn ein riesiges Raumschiff erscheint über der Erde, ohne dass die Insassen irgendeinen Kontakt zur Menschheit aufnehmen. Kurz darauf beginnt eine systematische Vernichtungsstrategie, die nach und nach mehrere „Wellen“ auslöst.
Zunächst legt ein elektromagnetischer Impuls sämtliche elektrischen Geräte lahm und stürzt die Zivilisation dadurch in ihren ersten großen Zusammenbruch. Anschließend folgen nur wenige Wochen später gewaltige Naturkatastrophen, bei denen durch Erdbeben ausgelöste Tsunamis ganze Küstenregionen verwüsten. Danach setzt eine dritte Welle in Form eines Vogelgrippevirus ein, der schließlich auch Cassies Mutter das Leben kostet. Infolgedessen ziehen sich die wenigen Überlebenden in provisorische Flüchtlingslager zurück, in der Hoffnung auf Schutz.
Zwischen Schützengraben und erstem Zweifel
In einem dieser Lager finden Cassie, ihr Vater Oliver und Sam zunächst Zuflucht. Allerdings ändert sich die Situation erneut drastisch, als ein Konvoi der US Army unter dem Kommando von Colonel Vosch das Gelände erreicht. Dabei kündigt er die bevorstehende vierte Welle an und behauptet, die „Anderen“ könnten nun menschliche Körper übernehmen. Aus logistischen Gründen werden anschließend zunächst die Kinder evakuiert, darunter auch Sam. Währenddessen entfaltet sich jedoch eine grausame Wendung: Nachdem die Jüngsten abtransportiert wurden, erschießen die Soldaten systematisch alle Erwachsenen.
Cassie verpasst jedoch den Konvoi und muss aus ihrem Versteck mitansehen, wie ihr Vater getötet wird. Infolgedessen bleibt ihr nichts anderes übrig, als allein zu überleben, weshalb sie beschließt, ihrem Bruder zu folgen. Auf ihrem Weg zur Militärbasis wird sie von einem Scharfschuss getroffen, doch später wird sie auf einer abgelegenen Farm von Evan Walker versorgt. Zwar wächst ihr Misstrauen zunächst, doch nach einigen Konflikten begleitet er sie schließlich auf ihrer Reise.
Parallel dazu werden Sam, Ben Parish und Ringer in der Militärbasis zu Kindersoldaten ausgebildet. Dabei erhalten sie Implantate und spezielle Zielsysteme, die angeblich feindliche Wirte erkennen sollen. Doch Ringer desertiert früh und entfernt ihr Implantat, woraufhin Ben erkennt, dass die Rekruten selbst die fünfte Welle sind. Währenddessen spitzt sich die Lage weiter zu, bis es schließlich zu einer Konfrontation mit Colonel Vosch kommt. Cassie, Evan, Ben und Ringer schaffen es jedoch gemeinsam zu fliehen und Sam zu retten, während die endgültige Lösung des Konflikts offen bleibt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Die 5. Welle“
„Die 5. Welle“ beginnt mit einer erzählerischen Dichte, die Hoffnung macht. Blakeson inszeniert die Wellenlogik der Invasion in prägnanten, fast dokumentarisch anmutenden Bildern. Der elektromagnetische Blackout, die Flutszenen und die schleichende Seuche entfalten ein dystopisches Klima, das Henry Jackmans zurückgenommener Score klug trägt. Enrique Chediaks Kamera bleibt lange nah an Cassie und verleiht dem Weltuntergang dadurch einen überraschend intimen Resonanzraum. Moretz füllt diese Perspektive mit Ernst und Zurückhaltung. Ihre Verletzlichkeit wirkt echt, nicht inszeniert.
Mit dem Auftritt Evan Walkers kippt jedoch die Statik des Films. Was zuvor als Genrekino mit echtem Weltuntergangsgewicht funktioniert hatte, verschiebt sich in Richtung einer Romanze, der die Zeit zum Atmen fehlt. Die Parallelmontagen zwischen der Militärbasis und Cassies Suche halten das Tempo aufrecht, doch die emotionalen Wendungen kommen zu schnell und wirken deklamiert. Liev Schreiber spielt seinen Colonel Vosch mit kontrollierter Undurchschaubarkeit, bleibt jedoch Schablone. Die visuellen Effekte der zweiten Welle überzeugen in der Idee, nicht immer in der Ausführung.
Am Ende bleibt ein zwiespältiges Werk. Blakesons Film besitzt mehr Substanz, als seine Rezeption vermuten lässt, verliert sich aber in der Mitte in Konventionen. Für Freunde konzeptueller Science-Fiction ist er zu brav, für Romantik-Sucher zu unentschieden. Wer sich auf das Zusammenspiel aus apokalyptischer Stimmung und jugendlicher Identifikationsgeschichte einlässt, findet durchaus Sehenswertes. Eine echte Empfehlung bleibt an Genre-Toleranz gebunden.