Ein Mann entdeckt sein zweites Ich in einem Film. Keine Erklärung, keine Logik, nur die nackte Tatsache: Dieser Fremde sieht aus wie er selbst, spricht wie er selbst, existiert parallel zu seinem Leben. Denis Villeneuve macht aus dieser Prämisse einen der verstörendsten Mystery-Thriller des jüngeren Kinos. Jake Gyllenhaal spielt beide Männer und verleiht ihnen eine unheimliche Präsenz. Zwischen Spinnen-Metaphern, brutalistischer Architektur und kafkaesker Stimmung entfaltet sich ein Rätsel, das bis zur letzten Sekunde keine Ruhe gibt.
Ein einsamer Taxifahrer, eine verdreckte Metropole, eine langsam anschwellende Wut: Martin Scorseses Studie aus dem Jahr 1976 gilt bis heute als einer der prägendsten Filme des amerikanischen Kinos. Robert De Niro brennt sich mit Travis Bickle tief ins kollektive Gedächtnis, Jodie Foster steht als 13-Jährige vor dem Durchbruch, Bernard Herrmann schreibt seinen letzten Score. Fünfzig Jahre später wirkt das Werk erschütternd gegenwärtig. Warum trifft dieses düstere Porträt einer entgleisenden Seele heute womöglich härter als zum Zeitpunkt seiner Uraufführung?
Terry Gilliam hat immer Filme über Menschen gemacht, die aus der Welt herausfallen. In „The Zero Theorem" treibt er dieses Motiv auf die Spitze: Qohen Leth wartet auf einen Anruf, der ihm den Sinn seines Lebens erklären soll – und verbringt eben dieses Leben damit, auf ihn zu warten. Eine mathematische Formel, eine virtuelle Liebe und ein allwissender Konzernchef umkreisen ihn wie Planeten um ein schwarzes Loch. Was passiert, wenn die Antwort auf alle Fragen nur das Nichts ist?
Coq au Vin ist ein Gericht, das Geduld braucht. „Kokowääh", der gleichnamige Film von Til Schweiger aus dem Jahr 2011, verlangt von seinem Protagonisten Henry ebenfalls etwas Ungewohntes: stillzuhalten und hinzuschauen. Mit mehr als vier Millionen Kinobesuchern gehörte er zu den meistgesehenen deutschen Filmen des Jahres – und das nicht ohne Grund. Schweiger inszeniert mit einem klaren Blick auf das, was Familien zusammenhält, auch wenn sie auf dem Papier gar keine sind.
Seit den Anfängen des Superhelden-Kinos trägt der Held das Kostüm mit Überzeugung. Er kämpft, er rettet, er leidet – und er steht dazu. John Hancock aus dem Jahr 2008 macht das anders. Er trinkt, beleidigt, zerstört und interessiert sich kaum für den Dank der Öffentlichkeit. Regisseur Peter Berg und Will Smith haben eine Figur entworfen, die den klassischen Heldenweg verweigert – und dabei auf eine überraschende mythologische Tiefe stößt. Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Experiment?