The Gentlemen
Ein Regisseur kehrt heim. Nach Ausflügen zu Sherlock, Artus und Aladdin meldet sich Guy Ritchie zurück auf jenem Terrain, das er einst selbst erschlossen hat. „The Gentlemen“ von 2019 ist die ungeschönte Rückbesinnung auf sein Herkunftsgenre. Gangster in Tweed, Prolete im Jogginganzug, Dialoge wie Klingenhiebe. Der Brite inszeniert sein eigenes Vermächtnis – mit Augenzwinkern und spürbarer Lust am Spiel.

| Dauer: | 107 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2020 |
| Kategorien: | Drama, Komödie |
| Regie: | Guy Ritchie |
| Produzenten: | Matthew McConaughey, Guy Ritchie, Ivan Atkinson, Bill Block |
| Hauptdarsteller: | Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Michelle Dockery |
| Nebendarsteller: | Jeremy Strong, Lyne Renee, Colin Farrell, Henry Golding |
| Studio: | Miramax, Toff Guy Films, Coach Films |
Dabei wirkt der Film weniger wie eine müde Wiederholung, sondern wie eine reflektierte Fortführung alter Motive. Ritchie nutzt die verschachtelte Rahmenerzählung, um die eigenen Routinen offenzulegen und gleichzeitig zu feiern. Matthew McConaughey als Drogenbaron bildet das ruhige Zentrum eines Ensembles, das mit Hugh Grant und Colin Farrell in selten gesehenen Registern auftrumpft. Funktioniert die Rückkehr zum Vertrauten in einer Gegenwart, die längst andere Erzählmuster bevorzugt?
Besetzung, Regie und Drehorte
Regie bei „The Gentlemen“ führte Guy Ritchie, der das Drehbuch gemeinsam mit Marn Davies und Ivan Atkinson verfasste. Atkinson und Bill Block übernahmen neben Ritchie die Produktion. Die Kamera verantwortete Alan Stewart, den Schnitt übernahmen James Herbert und Paul Machliss. Christopher Benstead steuerte die Musik bei. Gedreht wurde unter anderem in den West London Film Studios sowie in den Longcross Studios. Auch der Brompton Cemetery und das Princess Victoria in Shepherd’s Bush dienten als Schauplätze.
Im Zentrum des Ensembles steht Matthew McConaughey als Drogenbaron Mickey Pearson. Charlie Hunnam verkörpert seine rechte Hand Raymond Smith, Michelle Dockery dessen Frau Rosalind. Hugh Grant brilliert als schmieriger Privatermittler Fletcher, Jeremy Strong gibt den Milliardär Matthew Berger. Colin Farrell erscheint als Coach, Henry Golding als Dry Eye. Tom Wu, Eddie Marsan und Bugzy Malone ergänzen die Besetzung. Lyne Renée und Samuel West sind ebenfalls vertreten.
Die Premiere fand am 3. Dezember 2019 im Londoner Curzon Mayfair statt. Der Kinostart in Deutschland folgte am 27. Februar 2020 über den Verleih Leonine. Die Laufzeit beträgt 115 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. Bei den Saturn Awards 2021 erhielt „The Gentlemen“ eine Nominierung als bester Action- oder Abenteuerfilm.
Handlung & Inhalt vom Film „The Gentlemen“
Mickey Pearson hat sich in London ein stattliches Marihuana-Imperium aufgebaut. Dabei stammt der Amerikaner ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen und verkaufte zunächst an Kommilitonen, bevor er sein Netzwerk über Jahre hinweg systematisch ausdehnte. Inzwischen betreibt er zwölf unterirdische Anbaustandorte auf Landsitzen verarmter Aristokraten. Angesichts der bevorstehenden Legalisierung will er sich jedoch zurückziehen. Deshalb bietet er sein Geschäft dem Milliardär Matthew Berger für 400 Millionen Pfund an. Gleichzeitig tritt Dry Eye auf, ein ehrgeiziger Unterboss des chinesischen Gangsters Lord George, der ebenfalls Interesse zeigt. Dennoch lehnt Pearson beide Angebote ab. Kurz darauf sitzt er in einem Londoner Pub und telefoniert entspannt mit seiner Frau Rosalind.
Parallel dazu sucht der Privatdetektiv Fletcher den Vertrauten Raymond Smith zu Hause auf. Im Auftrag von Big Dave, dem gekränkten Herausgeber des Daily Print, hat er Pearsons Geschäfte umfassend ausspioniert. Folglich bietet er seine gesammelten Beweise samt einem daraus entstandenen Drehbuch für 20 Millionen Pfund an. Währenddessen entfaltet sich in Rückblenden die eigentliche Geschichte. Zunächst wird eine Cannabis-Farm Pearsons von jugendlichen Amateur-Boxern überfallen. Danach stellen die Diebe ein Video ihres Coups ins Netz. Daraufhin bietet der Trainer der Jungen, genannt Coach, Smith seine Unterstützung als Wiedergutmachung an. Infolgedessen schließt Pearson den kompromittierten Standort und bleibt fortan wachsam.
Verrat, Vergeltung und finstere Allianzen
Im weiteren Verlauf bittet Lord Pressfield, Verpächter eines weiteren Standorts, um Hilfe bei seiner heroinabhängigen Tochter Laura. Daraufhin holt Smith sie aus einer verwahrlosten Wohnung. Allerdings stürzt dabei der junge Russe Aslan aus dem Fenster und stirbt. In der Folge filmen anwesende Jugendliche den Vorfall. Später liefert der Coach Smith Phuc aus, einen Handlanger Dry Eyes, der die Boxer auf die Farm hingewiesen hatte. Gleichzeitig bedroht Pearson Lord George und zerstört eines seiner Heroin-Labore. Kurz darauf wird Lord George erschossen, nachdem er Dry Eyes Tod anordnet. Schließlich wird die Intrige sichtbar: Dry Eye und Berger haben sich verbündet.
Bergers Plan bestand darin, durch inszenierten Ärger den Kaufpreis zu drücken. Zusätzlich will Dry Eye das Geschäft selbst übernehmen und lässt deshalb Rosalind entführen. Genau in diesem Moment spitzt sich die Lage im Pub dramatisch zu. Plötzlich erscheint ein Bewaffneter, ein Schuss fällt, und Blut spritzt auf Pearsons Bierglas. Glücklicherweise erschießt Smith den Attentäter rechtzeitig. Daraufhin eilen beide zu Rosalind, die bereits zwei Gehilfen Dry Eyes mit einer Deringer ausgeschaltet hat. Schließlich tötet Pearson Dry Eye, bevor dieser Rosalind vergewaltigen kann. Damit enden die Rückblenden.
Anschließend setzt Fletcher Smith eine Frist von 72 Stunden. Daraufhin erbittet Smith einen Gefallen beim Coach. In der Folge entführen dessen Schüler Big Dave, setzen ihn unter Drogen und erpressen ihn mit belastendem Material. Gleichzeitig konfrontiert Pearson Berger und fordert 270 Millionen Pfund sowie ein Pfund Fleisch. Bei der Geldübergabe offenbart Smith schließlich, dass er Fletcher längst durchschaut hat. Zudem verrät Fletcher den Drahtzieher des Pub-Anschlags. Kurz darauf werden zwei russische Attentäter vom Coach erschossen. Schließlich präsentiert Fletcher sein Drehbuch dem Studio Miramax, doch beim Einsteigen in ein Taxi erkennt er Raymond Smith am Steuer.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Gentlemen“
Mit „The Gentlemen“ kehrt Guy Ritchie zu einer Regiesprache zurück, die er über zwei Dekaden verfeinert und zuletzt fast verloren hat. Die Rahmenerzählung zwischen Fletcher und Raymond Smith dient als strukturelles Rückgrat. Sie erlaubt Sprünge in der Chronologie, ohne den Zuschauer zu verlieren. Alan Stewarts Kamera arbeitet mit bewussten Kontrasten zwischen Landsitzidylle und Stadt-Rauheit. Christopher Bensteads Soundtrack unterlegt die Szenen mit rhythmischer Präzision. McConaughey agiert zurückhaltend und verleiht Pearson eine unterkühlte Würde.
Das eigentliche Zentrum bildet allerdings Hugh Grant. Er verkörpert Fletcher mit einer Schmierigkeit, die jede Szene kippt, in der er auftritt. Charlie Hunnam wiederum beweist komisches Timing in Momenten wachsender Genervtheit. Colin Farrell und Michelle Dockery setzen wirksame Akzente mit begrenzter Leinwandzeit. Das Tempo bleibt kontrolliert, selbst in Actionszenen wie der improvisierten Verfolgungsjagd der Boxer-Schüler. Manches wirkt selbstverliebt, etwa wenn Dialoge ihre eigene Eleganz zu bewundern scheinen. Das Drehbuch rettet sich durch Tempo und Timing aus dieser Falle.
Wer Ritchies frühe Arbeiten schätzt, wird hier mit einem abgeklärten Wiedergänger belohnt. Der Film bietet keine stilistische Neuerfindung, sondern eine bewusste Destillation des Bewährten. Gangsterfilm-Freunde und Liebhaber scharfkantiger Dialoge kommen auf ihre Kosten. Wer Nuancen in Figuren und Metaebenen sucht, findet sie ebenfalls. Ein Genre-Stück mit Stil, Tempo und Witz – ohne Anspruch auf Tiefe, aber mit erkennbarer Handschrift.