The Nice Guys
Los Angeles, 1977: eine Stadt zwischen gebräunten Schultern und Altölgeruch, zwischen Schlagerparolen und Spätkapitalismus. Wer die Pathosgesten der klassischen Schwarzen Serie in dieses Jahrzehnt verpflanzt, muss die Sentimentalität entlacken und doch den Sog bewahren. Shane Black kennt diese Kunst. Mit „The Nice Guys“ verlegt er einen Kriminalfall in ein Jahrzehnt, das längst selbst zur Attrappe geworden ist. Das Ergebnis balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Zitat und Eigenleben.

| Dauer: | 116 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Shane Black |
| Produzenten: | Joel Silver |
| Hauptdarsteller: | Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice |
| Nebendarsteller: | Matt Bomer, Margaret Qualley, Yaya DaCosta, Keith David |
| Studio: | Silver Pictures, Waypoint Entertainment |
Die Grundkonstellation ist klassisch, die Ausführung jedoch gezielt aus der Balance gebracht. Ein verlotterter Schnüffler, ein grimmiger Schläger, eine verschwundene junge Frau. Aus dieser Trias formt Black keine reine Hommage, sondern eine Versuchsanordnung über Tempo und Taktung. Die Kamera Philippe Rousselots wählt warmes Licht, das auf brutalen Inhalten liegt wie Honig auf einer Wunde. Zwischen Slapstick und Leichenfund entsteht eine spröde Komik. Wie hält ein solches Spiel eine gesamte Spielfilmlänge durch?
Besetzung, Regie und Drehorte
Hinter „The Nice Guys“ steht Shane Black, der Regie führt und gemeinsam mit Anthony Bagarozzi auch das Drehbuch verantwortet. Produziert hat die neo-noirische Buddy-Komödie Joel Silver, der bereits seit den frühen 2000ern an der Realisierung arbeitete. Die musikalische Untermalung stammt von David Buckley und John Ottman, für die Kameraarbeit zeichnet Philippe Rousselot verantwortlich. Joel Negron übernahm den Schnitt. Entstanden ist der Film unter dem Dach von Warner Bros. Pictures, die sogar ihr altes Produktionslogo von 1972 bis 1984 reaktivierten.
Russell Crowe verkörpert den rauen Auftragsschläger Jackson Healy, Ryan Gosling gibt den chronisch überforderten Privatdetektiv Holland March. Angourie Rice spielt dessen dreizehnjährige Tochter Holly, Margaret Qualley die untergetauchte Amelia Kuttner. Matt Bomer tritt als kühler Auftragskiller John Boy auf, Kim Basinger als hochrangige Ministerialbeamtin Judith Kuttner. Weitere Rollen übernehmen Keith David, Lois Smith, Murielle Telio, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Ty Simpkins und Jack Kilmer. Die deutsche Synchronisation entstand unter der Dialogregie von Clemens Frohmann.
Produziert wurde mit einem Budget von rund 50 Millionen US-Dollar, gedreht ab Oktober 2014 in Atlanta und Decatur im US-Bundesstaat Georgia. Ergänzende Außenaufnahmen entstanden in Los Angeles. Die Weltpremiere fand am 15. Mai 2016 bei den Filmfestspielen von Cannes statt. In Deutschland lief der Film am 2. Juni 2016 mit einer Laufzeit von 116 Minuten und der Altersfreigabe FSK 16 an.
Handlung & Inhalt vom Film „The Nice Guys“
Healy übernimmt seinen Auftrag zunächst konsequent und sucht folglich March auf, dem er dabei kurzerhand den linken Arm bricht. Dennoch bleibt March an dem Fall dran, da ihm Mrs. Glenns Geld wichtiger ist als seine Verletzung im Gips. Am Abend eskaliert die Lage zusätzlich, als plötzlich zwei bewaffnete Männer in Healys Wohnung auftauchen und ihn brutal niederschlagen, um Amelias Aufenthaltsort zu erfahren. Jedoch gelingt es Healy, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Aus Sorge um Amelia entscheidet er sich anschließend, ausgerechnet March erneut zu engagieren, den er zuvor noch selbst attackiert hatte. Dadurch entwickelt sich aus den unfreiwilligen Gegnern ein ebenso unfreiwilliges Ermittlerduo. Schließlich stoßen sie über den Filmvorführer Chet auf eine erste heiße Spur, denn offenbar hatte Amelia gemeinsam mit einem Pornoproduzenten einen sogenannten Experimentalfilm gedreht.
Healy nimmt seinen Auftrag ernst. Er sucht March auf und bricht ihm den linken Arm. Mrs. Glenns Geld ist March wichtiger als sein Gips, also bleibt er dran. Am Abend stehen plötzlich zwei bewaffnete Männer in Healys Wohnung, prügeln ihn nieder und wollen Amelias Aufenthaltsort erfahren. Healy schlägt die beiden in die Flucht. Weil er Amelia in Gefahr wähnt, engagiert er nun seinerseits den zuvor verprügelten March. Aus den unfreiwilligen Gegnern wird ein noch unfreiwilligeres Ermittlerduo. Sie finden über den Filmvorführer Chet einen ersten Hinweis: Amelia habe mit einem Pornoproduzenten einen sogenannten Experimentalfilm gedreht.
Eine Filmrolle und ein Umweltskandal
Auf einer Party des Produzenten eskaliert die Lage, währenddessen stolpert March angetrunken über dessen Leiche und Healy hilft sofort beim Verschleiern. Gleichzeitig verhindert Holly, Marchs Tochter, ein Attentat auf Amelia durch den Killer Blue Face. Eine Verfolgungsjagd folgt, die schließlich tödlich für den Killer endet, während Amelia erneut verschwindet. Kurz darauf heuert Amelias Mutter, die hochrangige Ministerialbeamtin Judith Kuttner, die beiden Ermittler an; offiziell aus Sorge um ihre Tochter, tatsächlich jedoch mit ganz anderen Absichten. Die Spuren führen schließlich in ein Hotel, wo bereits der eiskalte Auftragskiller John Boy auf Amelia wartet.
Amelia landet verletzt in Marchs Wagen. In der Folge entlarvt eine falsche Lösegeldübergabe Judith Kuttner und ihre Sekretärin Tally als Mitspielerinnen. Während Healy und March nun selbst in eine Falle geraten, dringt John Boy gleichzeitig in Marchs Haus ein. Holly setzt sich zunächst gegen ihn zur Wehr, doch schließlich gelingt der Mord an Amelia. Erst im Morgenlicht erkennt Healy, dass Mrs. Glenn keine reale Person gesehen hat, sondern lediglich eine Filmprojektion – und damit wird klar, dass eine Kopie existieren muss.
Die Kopie befindet sich bei Chet, der den Film nun offenbar auf der bevorstehenden Automobilmesse öffentlich zeigen will. Daraufhin eilen Healy, March und Holly zur Messe und finden den schwer verletzten Filmvorführer. John Boy und Tally versuchen gleichzeitig, die Filmrolle an sich zu bringen, doch im finalen Handgemenge setzen sich die beiden ungleichen Ermittler schließlich durch und sichern das belastende Material. Der Film entlarvt Judith Kuttners Bestechlichkeit zugunsten der Automobilhersteller, woraufhin sie angeklagt wird. Am Ende sitzen March und Healy in einer Bar, und schließlich präsentiert March einen Werbeflyer: darauf steht der Name ihrer neuen gemeinsamen Detektei.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Nice Guys“
Das Eigentümliche an „The Nice Guys“ liegt in einer kalkulierten Disharmonie. Shane Black inszeniert die Gewalt beiläufig und die Komik präzise. Rousselots Kamera badet das Los Angeles des Jahres 1977 in einem weichen, fast nostalgischen Schimmer, während der Schnitt von Joel Negron die Pointen kurz und trocken setzt. Crowes körperliche Schwere trifft auf Goslings schlaksige Nervosität, beide Figuren ergänzen sich im Rhythmus. Angourie Rice bildet als Holly das moralische Gegengewicht. Sie ist der wache Blick in einer Welt aus Dunst und Zynismus.
Die Stärke des Films liegt im Tempo, seine Schwäche in der Dichte. Black häuft Drehorte, Nebenfiguren und Wendungen zu einem Szenengeflecht, das mitunter mehr Bewegung als Richtung entwickelt. Die Enthüllung um den Umweltskandal wirkt funktional, nicht zwingend. Dagegen steht ein Sounddesign, das Schmutz und Sehnsucht der Epoche wirkungsvoll stützt. Die Partymordszene und der stumme Moment in der Hotelbar zeigen, wozu Black fähig ist. Hier gelingt ihm jene Gleichzeitigkeit aus Trauer und Absurdität, die das Genre zum Leben braucht.
Als Neo-Noir-Komödie bleibt der Film eine eigensinnige, schmutzige Freude. Wer den lakonischen Ton der Siebziger und das Buddy-Movie des späten zwanzigsten Jahrhunderts schätzt, findet hier einen sehenswerten Gegenentwurf zur glattgeschliffenen Gegenwart. Blacks Regie vertraut auf Handwerk, nicht auf Effekt. Manche Handlungsfäden reißen ab, doch die Chemie der Hauptdarsteller trägt über jede Lücke. Für Genre-Liebhaber lohnt die Sichtung.