Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Es gibt Filme, die nicht beruhigen wollen. Martin McDonaghs Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ gehört zu dieser Sorte. Hinter der spröden Oberfläche einer amerikanischen Provinzgeschichte verbirgt sich ein Werk über Schuld, Wut und die Frage, wie viel Menschlichkeit nach einem Verlust überhaupt noch bleibt. Drei rote Plakate. Eine Mutter, die nichts mehr zu verlieren hat. Und eine Kleinstadt, die ihre eigenen Abgründe nicht länger ignorieren kann.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Dauer: 115 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2017
Kategorien: Krimi, Thriller
Regie: Martin McDonagh
Produzenten: Graham Broadbent, Peter Czernin, Martin McDonagh
Hauptdarsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell
Nebendarsteller: Abbie Cornish, Lucas Hedges, Željko Ivanek, Caleb Landry Jones
Studio: Blueprint Pictures, Cutting Edge Group, Fox Searchlight Pictures, Film4 Productions

McDonagh erzählt auf zwei Ebenen zugleich. Zum einen entwickelt sich ein bitterer Konflikt zwischen Bürgerin und Behörde, zum anderen ein leiseres Drama über die zerstörerische Kraft des Schmerzes. Frances McDormand führt das Ensemble mit einer Härte an, die nie kalkuliert wirkt. Auch Woody Harrelson und Sam Rockwell prägen das Geschehen mit Figuren, die sich jeder einfachen Einordnung entziehen. Wie weit darf Gerechtigkeit gehen, wenn sie sich in Selbstjustiz zu verwandeln droht?

Besetzung, Regie und Drehorte

Regie und Drehbuch des 2017 erschienenen Films liegen beide in den Händen von Martin McDonagh. Produziert wurde die US-amerikanisch-britische Koproduktion von Graham Broadbent, Pete Czernin und McDonagh selbst. Die Kameraarbeit übernahm Ben Davis, für den Schnitt war Jon Gregory verantwortlich. Carter Burwell komponierte die zurückhaltende, von Spaghetti-Western inspirierte Filmmusik. Gedreht wurde in 33 Tagen in North Carolina, vor allem in Sylva, Asheville und Black Mountain. Die Idee zum Film entstand auf einem Roadtrip durch Texas.

In der Hauptrolle der Mildred Hayes überzeugt Frances McDormand. Woody Harrelson verkörpert den krebskranken Polizeichef Bill Willoughby, während Sam Rockwell als Officer Jason Dixon eine zwiespältige Schlüsselfigur des Films übernimmt. Lucas Hedges spielt Mildreds Sohn Robbie, John Hawkes ihren Ex-Mann Charlie. Caleb Landry Jones, Peter Dinklage, Abbie Cornish und Kerry Condon ergänzen das Ensemble in tragenden Nebenrollen. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Interopa Film GmbH unter der Dialogregie von Marius Clarén.

Mit einer Laufzeit von 116 Minuten und einer Freigabe ab zwölf Jahren erreichte der Film ein breites Publikum. Bei der Oscarverleihung 2018 wurde er in sieben Kategorien nominiert und gewann zwei Trophäen für McDormand und Rockwell. Auch die British Academy Film Awards würdigten das Werk mehrfach, ebenso die Golden Globes. Die markanten roten Plakate inspirierten später reale Protestaktionen weltweit.

Handlung & Inhalt vom Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

In einer abgelegenen Region des US-Bundesstaates Missouri liegt die fiktive Kleinstadt Ebbing, und zugleich sind sieben Monate vergangen, seit Mildred Hayes ihre Tochter Angela verloren hat. Das Mädchen wurde in der Nähe des Elternhauses vergewaltigt, ermordet und anschließend verbrannt, wobei der Täter bis heute nicht gefasst ist. Daraufhin entscheidet sich Mildred für einen ungewöhnlichen Akt des Protests, indem sie drei seit Jahrzehnten ungenutzte Plakatwände an einer Landstraße mietet und dort in schwarzen Lettern auf rotem Grund den örtlichen Polizeichef Willoughby öffentlich der Untätigkeit anklagt. Dadurch zieht die Aktion binnen kurzer Zeit die Aufmerksamkeit der Medien auf sich.

Willoughby sucht das persönliche Gespräch und erklärt Mildred, dass die DNA-Spuren des Täters in keiner Datenbank verzeichnet seien sowie keine Augenzeugen existierten, doch Mildred bleibt unnachgiebig, selbst als der Polizeichef ihr seine schwere Krebserkrankung offenbart. Auch Officer Jason Dixon, der für seine rassistischen Übergriffe bekannt ist, fühlt sich von der Aktion persönlich angegriffen, währenddessen die Stimmung in der Stadt kippt und somit Mildred zusehends unter Druck gerät. Ihr Sohn Robbie wünscht sich nichts mehr als Ruhe, wobei jedoch ihr Ex-Mann Charlie, der inzwischen mit einer Neunzehnjährigen zusammenlebt, um die Hartnäckigkeit seiner ehemaligen Frau weiß. Dennoch verteidigt Mildred ihre Aktion mit drastischen Mitteln und schreckt dabei auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück.

Konfrontation und Konsequenzen

Nach einem letzten Tag im Kreis seiner Familie nimmt sich Willoughby das Leben, um so seinen Angehörigen das Leid einer langen Krankheit zu ersparen, und zugleich hat er zuvor anonym eine weitere Monatsmiete für Mildreds Plakate beglichen. Daraufhin tritt an seine Stelle der externe, schwarze Polizeichef Abercrombie, währenddessen Dixon in seiner Trauer Red Welby, den Vermieter der Tafeln, für den Suizid verantwortlich macht und ihn deshalb brutal niederprügelt sowie anschließend aus dem Fenster der ersten Etage stürzt. Infolgedessen kostet diese Tat Dixon seinen Dienst bei der Polizei, und zudem gehen kurz darauf die Plakatwände in Flammen auf.

Mildred verdächtigt Dixon und daher schleudert sie in der Nacht mehrere Molotowcocktails gegen die Polizeiwache, wobei sie jedoch nicht ahnt, dass sich Dixon dort allein im Dunkeln aufhält. Währenddessen liest er über Kopfhörer einen Brief Willoughbys und überhört dabei das warnende Telefon, sodass ihm zwar die Flucht aus dem brennenden Gebäude gelingt, er jedoch schwere Verbrennungen davonträgt. Dennoch kann er die Akte Angela Hayes retten, und schließlich liegt er im Krankenhaus ausgerechnet im selben Zimmer wie Red Welby, wo es dann zwischen den beiden Männern zu einer stillen Annäherung kommt.

Mildred erhält indessen Besuch von einem Unbekannten. Der Mann tritt bedrohlich auf und deutet eine Verbindung zum Mord an Angela an. Wenig später belauscht Dixon in einer Kneipe genau diesen Fremden, der sich mit einer früheren Vergewaltigung und einer Verbrennung brüstet. Dixon provoziert eine Schlägerei und entwendet eine DNA-Probe. Der Test entlastet den Mann, da er zur Tatzeit als Soldat im Ausland war. Für Mildred und Dixon bleibt der Fremde dennoch ein Schuldiger. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Idaho. Ob sie ihre Selbstjustiz vollziehen werden, lässt der Film offen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

Martin McDonaghs „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ lebt von der Spannung zwischen Schmerz und Sarkasmus. Das Drehbuch verweigert sich jeder bequemen Eindeutigkeit. Frances McDormand verleiht ihrer Mildred eine harte, fast versteinerte Würde, die in den stillen Momenten besonders nachwirkt. Sam Rockwell wiederum führt seinen Officer Dixon vom dumpfen Schläger zu einer brüchigen, zweifelnden Figur, ohne diesen Wandel zu psychologisieren. Ben Davis fängt die Weite der Provinz in ruhigen Einstellungen ein. Carter Burwells Musik erinnert mit ihren Anklängen an Morricone an die Mythen des Westerns.

Die Inszenierung wirkt ungewöhnlich konzentriert. McDonagh widersteht der Versuchung, den Plot in Richtung eines klassischen Rache Thriller zu treiben. Stattdessen lässt er seine Figuren stolpern, scheitern, sich widersprechen. Der schwarze Humor zerschneidet das Drama an unerwarteten Stellen, etwa wenn Mildred einen vorlauten Schüler vor der Schule mit beiläufiger Härte zur Räson bringt. Solche Momente entlasten die Schwere, ohne sie zu verharmlosen. Das Tempo bleibt unaufgeregt, die Bildsprache nüchtern, das Sounddesign zurückgenommen. Genrekategorien lösen sich auf.

Wer ein eindeutiges Urteil sucht, wird hier nicht bedient. Genau darin liegt die Stärke des Films. McDonagh traut seinem Publikum widersprüchliche Empfindungen zu und belohnt dieses Vertrauen mit einem Schluss, der bewusst offen bleibt. Für Liebhaber sprachlich präziser Charakterstudien und bitterer Tragikomödien gehört dieses Werk zu den lohnendsten Arbeiten der vergangenen Jahre. Eine klare Empfehlung für alle, die Vielschichtigkeit über Eindeutigkeit stellen.

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