Einfach zu haben
Was wäre, wenn ein einziges Wochenende, eine einzige Lüge, ein einziges falsches Wort genügen würde, um das soziale Gefüge einer ganzen Schule in Bewegung zu setzen? „Einfach zu haben“ stellt diese Frage mit einer Präzision, die dem Genre der Highschool-Komödie selten zugetraut wird. Will Glucks Film aus dem Jahr 2010 funktioniert dabei nicht trotz seiner leichten Oberfläche, sondern wegen ihr.

| Dauer: | 92 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Komödie, Romantik |
| Regie: | Will Gluck |
| Produzenten: | Zanne Devine, Will Gluck |
| Hauptdarsteller: | Emma Stone, Penn Badgley, Amanda Bynes |
| Nebendarsteller: | Dan Byrd, Thomas Haden Church, Patricia Clarkson, Cam Gigandet |
| Studio: | Screen Gems, Olive Bridge Entertainment |
Das ist kein Film, der sich hinter seiner literarischen Vorlage versteckt. Er trägt sie demonstrativ, fast provokativ, als rotes Abzeichen auf der Brust – und fragt dabei, ob sich seit dem 17. Jahrhundert eigentlich irgendetwas verändert hat. Wirklich irgendetwas? Die Antwort, die „Einfach zu haben“ gibt, ist unbequemer, als das knappe Laufzeitversprechen von 92 Minuten vermuten lässt.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Einfach zu haben“ ist eine US-amerikanische romantische Komödie von Regisseur Will Gluck, der gemeinsam mit Produzentin Zanne Devine das Projekt realisierte. Das Drehbuch stammt von Bert V. Royal, der es nach eigener Aussage in nur fünf Tagen schrieb. Kameramann Michael Grady verantwortete die visuelle Gestaltung, während Schnittmeisterin Susan Littenberg für den Rhythmus des Films zuständig war. Die Filmmusik komponierte Brad Segal, und gedreht wurde in der kalifornischen Stadt Ojai, konkret in der Nordhoff High School als Kulisse der fiktiven Ojai North High School.
Die Hauptrolle der Olive Penderghast übernahm Emma Stone, die zuvor in Nebenrollen zu sehen war und mit dieser Darstellung ihren Durchbruch feierte. Als ihre fromme Antagonistin Marianne Bryant besetzt war Amanda Bynes, für die dieser Film ihren letzten Kinoauftritt markierte. Alyson Michalka spielte Olives beste Freundin Rhiannon, Penn Badgley den einfühlsamen Todd. In der Nebenrolle des schwulen Mitschülers Brandon übernahm Dan Byrd. Renommierte Charakterdarsteller wie Stanley Tucci und Patricia Clarkson spielten Olives Eltern, Thomas Haden Church und Lisa Kudrow das Lehrerpaar Griffith. Malcolm McDowell war als Schuldirektor besetzt.
Der Film wurde mit einem Budget von rund acht Millionen US-Dollar produziert und hatte seine Weltpremiere am 11. September 2010 beim Toronto International Film Festival. In den deutschen Kinos startete er am 11. November 2010. Die FSK-Freigabe liegt bei 12 Jahren. Bei den Critics‘ Choice Movie Awards 2011 gewann der Film den Preis für die beste Filmkomödie. Emma Stone wurde für den Golden Globe als beste Darstellerin in einer Komödie nominiert.
Handlung & Inhalt vom Film „Einfach zu haben“
Die Teenagerin Olive Penderghast ist das, was man an einer amerikanischen Highschool einen Unsichtbaren nennt: unauffällig, durchschnittlich, von der sozialen Hierarchie kaum registriert. Als ihre beste Freundin Rhiannon sie zu einem Camping-Wochenende einlädt, lehnt Olive ab – und erfindet, um eine Erklärung zu haben, einen Jungen namens George samt einem romantischen Date. Montags in der Schule drängt Rhiannon auf Details. Olive gibt nach und behauptet, mit George geschlafen zu haben. Die religiöse Mitschülerin Marianne Bryant belauscht das Gespräch zufällig. Sie trägt das Gerücht in die Schule, und aus einem harmlosen Flunkern wird innerhalb weniger Stunden eine Geschichte, die Olives Ruf fundamental verändert.
Im Englischunterricht liest die Klasse gerade Nathaniel Hawthornes „Der scharlachrote Buchstabe“. Die Parallele liegt auf der Hand. Eine Mitschülerin fordert Olive auf, analog zur Romanheldin Hester Prynne ein rotes „A“ zu tragen. Olive antwortet mit einer Beleidigung und landet beim Schuldirektor, wo sie auf den schwulen Mitschüler Brandon trifft. Der Kontakt führt zu einer ungewöhnlichen Abmachung: Auf einer Schülerparty täuschen Brandon und Olive lautstark Sex vor, um ihn vor weiteren Anfeindungen zu schützen. Die Aktion gelingt, Brandon gewinnt an sozialem Ansehen. Olive jedoch verlässt die Party bedrückt. Sie begegnet Todd, einem alten Schulbekannten, dem sie noch immer etwas bedeutet – doch die Umstände lassen kaum Raum für mehr. Durch Brandon spricht sich herum, dass Olives Ruf nur eine Inszenierung ist. Doch statt die Situation zu entschärfen, nutzen mehrere Mitschüler das Wissen als Verhandlungsmasse.
Gerüchte, Gegenleistungen und der Preis des Schweigens
Sie bieten Olive Geschenkgutscheine und Geld an, damit sie behauptet, sexuellen Kontakt mit ihnen gehabt zu haben. Olive nimmt die Deals an, und dadurch verschlechtert sich ihr Ruf, während gleichzeitig der Status der Jungen steigt. Rhiannon, die von dem Schwindel nichts weiß, wird eifersüchtig und schließt sich deshalb Mariannes Kirchengruppe an. Olive trägt nun offen ein rotes „A“ auf der Kleidung, und zwar nicht als Zeichen der Scham, sondern als trotzige Aneignung des Symbols.
Die Situation nimmt jedoch eine neue Wendung, als Mariannes Freund Micah behauptet, er habe sich Chlamydien bei Olive eingefangen. Tatsächlich hatte er eine Affäre mit Mrs. Griffith, der Vertrauenslehrerin und Ehefrau von Olives Lieblingslehrer. Um ihr zu helfen, spielt Olive die Lüge mit, doch der Preis dafür ist hoch. Niemand möchte noch mit ihr gesehen werden. Ein junger Mann namens Anson bittet sie auf ein Date, gibt am Ende jedoch unverhohlen zu verstehen, er habe für das Treffen mit einem Baumarktgutschein bezahlt. Olive bleibt verletzt zurück. Todd fährt sie nach Hause, denn er glaubt ihr, und außerdem mag er sie.
Olive versucht nun, ihren Ruf mit eigenen Mitteln zu reparieren. Sie bittet die Mitschüler, die sie benutzt haben, die Lügen zu widerrufen. Alle weigern sich. Auch Mrs. Griffith lehnt eine Aussage ab und macht Olive klar, dass ihr ohnehin niemand glauben würde. Olive konfrontiert daraufhin Mr. Griffith mit der Affäre seiner Frau. Kurz darauf bereut sie es. In einer inszenierten Webcam-Show bittet Olive alle Schüler, ihre Website zu besuchen, wo sie – statt einer versprochenen Sexshow – die Wahrheit erzählt. Brandon ist mit einem Mann durchgebrannt. Mr. Griffith hat sich von seiner Frau getrennt. Micah lebt bei seinen Großeltern. Olive erklärt, was wirklich geschehen ist. Am Ende deutet sich eine Versöhnung mit Rhiannon an, und Todd kommt auf einem Rasenmäher angefahren.
Filmkritik und Fazit zum Film „Einfach zu haben“
Was „Einfach zu haben“ von vergleichbaren Highschool-Komödien unterscheidet, ist weniger seine literarische Vorlage als die Art, wie er mit ihr umgeht. Bert V. Royals Drehbuch zitiert Hawthorne nicht, sondern denkt ihn weiter. Die Webcam-Struktur, in der Olive ihre Geschichte als privaten Rückblick erzählt, fügt dem Stoff zudem eine reflexive Ebene hinzu: Was erzählen wir über uns, wenn wir erzählen dürfen? Emma Stone trägt diese Konstruktion mit einer Leichtigkeit, die täuscht. Ihre Olive ist schlagfertig, ohne überheblich zu wirken, und zugleich verletzlich, ohne je ins Sentimentale zu kippen.
Will Glucks Inszenierung bleibt konsequent im Dienst der Geschichte, was jedoch nicht als Schwäche zu verstehen ist. Michael Gradys Kamera bevorzugt warme, klare Bilder ohne überflüssige Gimmicks, und auch das Tempo stimmt, während die Szenenübergänge sicher sitzen. Brad Segals Musik sowie der wiederkehrende Song „Change of Seasons“ von Sweet Thing setzen Akzente, ohne zu dominieren. Die Nebenbesetzung mit Stanley Tucci und Patricia Clarkson als Olives Eltern ist außerdem eine besondere Stärke, denn ihre Figuren könnten leicht zur Karikatur verflachen, doch beide spielen sie mit einer Wärme, die den Film erdet. Amanda Bynes hingegen gibt ihre religiöse Gegenspielerin als pointiertes Zerrbild, das funktioniert, weil es nie ins Böse überdreht.
„Einfach zu haben“ ist kein Film ohne Schwächen. Die Liebeshandlung mit Todd bleibt bis kurz vor Schluss unterentwickelt, und manche Nebenhandlung löst sich etwas zu gefällig auf. Dennoch: Für Liebhaber intelligenter Genrekomödien, die Wortwitz und Haltung gleichermaßen schätzen, ist dieser Film ein lohnender Abend. Emma Stone allein wäre Grund genug.