Es ist nur eine Phase, Hase

Die Midlife-Crisis ist in der deutschen Komödie ein gut abgehangenes Motiv. Wer sich an ihr versucht, muss etwas bieten, das über die erwartbare Mischung aus Prostata-Witz und Yogamatte hinausgeht. Florian Gallenbergers „Es ist nur eine Phase, Hase“ tritt mit einem sprachlich aufgeladenen Begriff an: Alterspubertät. Die Umetikettierung klingt neu. Sie ist es nicht.

Es ist nur eine Phase, Hase
Dauer: 105 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2021
Kategorien: Komödie
Regie: Florian Gallenberger
Produzenten: Max Frauenknecht, Benjamin Herrmann, Benedikt Böllhoff
Hauptdarsteller: Christoph Maria Herbst, Christiane Paul, Jürgen Vogel
Nebendarsteller: Emilia Nöth, Bella Bading, Wanja Valentin Kube, Jytte-Merle Böhrnsen
Studio: Viafilm, ARD Degeto, Majestic Film

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch versammelt mit Christoph Maria Herbst und Christiane Paul ein Duo, das Routine und Reibung zugleich verkörpern soll. Gallenberger, einst Oscar-Preisträger für den Kurzfilm „Quiero ser“, sucht den schmalen Grat zwischen Slapstick und Seelenporträt. Ob die Balance gelingt oder ob der Film am Ende nur die alten Gags in neuer Verpackung liefert?

Besetzung, Regie und Drehorte

Regie bei „Es ist nur eine Phase, Hase“ führte Florian Gallenberger, der auch am Drehbuch beteiligt war. An seiner Seite arbeitete Malte Welding an der Adaption des Romans von Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch aus dem Jahr 2018. Die Produktion lag in den Händen von Benjamin Herrmann, verantwortlich bei Majestic Film in Koproduktion mit Viafilm und ARD Degeto. Für die Musik zeichnet Enis Rotthoff verantwortlich, Christian Rein übernahm die Kamera, Sven Budelmann den Schnitt. Den Titelsong „Ich wär so gern gut“ steuerte Judith Holofernes bei.

In den Hauptrollen spielen Christoph Maria Herbst als Paul Mann und Christiane Paul als Emilia Mann. Jürgen Vogel verkörpert den Freund Theo, Jytte-Merle Böhrnsen die Lehrerin Eva Schneiderhahn, Nicola Perot den jüngeren Liebhaber Ruben Jacobs. Die drei Kinder werden von Emilia Nöth, Bella Bading und Wanja Valentin Kube gespielt. In Nebenrollen treten unter anderem Ulrich Tukur, Cordula Stratmann, Bettina Lamprecht und Peter Jordan auf. Cameos haben Sandra Maischberger und Scooter-Frontmann H. P. Baxxter.

Der Film läuft 105 Minuten und trägt die FSK-Freigabe ab zwölf Jahren. Gedreht wurde an 35 Drehtagen in Köln und München, gefördert unter anderem durch die Film- und Medienstiftung NRW und den FilmFernsehFonds Bayern. Die Weltpremiere fand auf dem Zurich Film Festival statt, der deutsche Kinostart folgte am 14. Oktober 2021. Nach der zweiten Woche überschritt der Film die Marke von 100.000 Besuchern.

Handlung & Inhalt vom Film „Es ist nur eine Phase, Hase“

Paul und Emilia Mann stehen Ende vierzig und blicken auf zwanzig Ehejahre zurück. Paul ist Schriftsteller und Autor einiger erfolgreicher Romane über die Generation Golf, doch die großen Erfolge liegen bereits Jahre zurück. Emilia arbeitet inzwischen als Synchronsprecherin für Telenovelas, obwohl sie früher mit deutlich größeren schauspielerischen Ambitionen gestartet ist. Gemeinsam haben sie drei Kinder: Bo, der alles wissen will, Marie, die bereits alles zu wissen glaubt, und Fe, die konstant wütend ist. Nach außen wirkt die Familie stabil, jedoch hat sich innerlich längst der Alltag zwischen die beiden geschoben. Während Haare dünner werden, die Sehkraft nachlässt und auch die Libido abnimmt, wirken plötzlich nur noch die anderen jung.

Auf dem Weg zu einem Spieleabend gerät Emilia jedoch aus der Bahn. Zunächst zufällig, dann immer bewusster, landet sie in den Armen des deutlich jüngeren Ruben und gesteht Paul diesen Seitensprung noch in derselben Nacht. Daraufhin beschließen beide eine Beziehungspause, wobei Emilia die neu gewonnene Freiheit sofort intensiv auslebt und eine Beziehung mit Ruben beginnt. Gleichzeitig zieht Paul in eine kleine Wohnung, in der er zunehmend in Einsamkeit versinkt. Zudem lehnt sein Verleger sein neues Manuskript als hoffnungslos ab, während seine Freunde Theo und Jonathan zwar präsent sind, aber nur zweifelhafte Ratschläge liefern. Schließlich greift Paul sowohl zu Antidepressiva als auch zu Testosterontabletten, um irgendwie Stabilität zu finden.

Zwischen Zerfall und Neubeginn

Die Eskalation erreicht schließlich ihren Höhepunkt auf dem fünfzigsten Geburtstag einer gemeinsamen Freundin. Dort trifft Paul erneut auf Emilia und bricht vor der gesamten Gesellschaft verbal zusammen, indem er lautstark über das Altern schimpft und der Runde einen Spiegel vorhält. Gleichzeitig fordert er von Emilia die Scheidung, obwohl beide sichtlich unsicher sind, ob dieser Schritt wirklich richtig ist. Dennoch ziehen sie ihn zunächst durch, doch was als Befreiung gedacht war, entwickelt sich schnell zu einer zweiten Enttäuschung.

In der Folge beginnt Paul eine Affäre mit Eva Schneiderhahn, der deutlich jüngeren Lehrerin seiner Tochter, doch auch diese Verbindung scheitert letztlich an seiner eigenen Ratlosigkeit. Parallel dazu beendet Emilia den Kontakt zu Ruben, da dieser mehr als nur eine Episode fordert. Somit stehen beide erneut getrennt und paradoxerweise unglücklicher als zuvor da. Währenddessen veröffentlicht Paul einen Facebook-Post, der überraschend stark bei seiner Generation resoniert und ihm neue Aufmerksamkeit verschafft.

Aus diesem Post entsteht schließlich ein Buch, das den Titel „Es ist nur eine Phase, Hase“ trägt. Darin verarbeitet Paul genau jene Krise, die er selbst durchlebt hat, und erlebt dadurch einen unerwarteten Erfolg. Folglich führt ihn dieser in eine Talkshow bei Sandra Maischberger, in der er sich live vor laufender Kamera an Emilia wendet und ihr eine Liebeserklärung macht. Letztlich wird aus der angekündigten Scheidung keine endgültige Trennung, sondern eine Rückkehr zueinander, allerdings auf einer bewussteren Ebene. Somit endet die Phase tatsächlich als das, was sie ist: ein Durchgangsstadium, während die Liebe die Selbstzweifel letztlich überdauert.

Filmkritik und Fazit zum Film „Es ist nur eine Phase, Hase“

Florian Gallenbergers „Es ist nur eine Phase, Hase“ setzt auf Tempo, Pointe und die Zugkraft seiner Hauptdarsteller. Christoph Maria Herbst spielt gegen das Echo seiner Stromberg-Rolle und findet im verzagten Paul einen fast zerbrechlichen Grundton. Christiane Paul balanciert das Drehbuch, wo es zur Klischeehäufung neigt, mit präziser Zurückhaltung aus. Die Kamera von Christian Rein bleibt funktional und meidet das visuelle Risiko. Enis Rotthoffs Musik untermalt, mehr führt sie nicht. Judith Holofernes‘ Titelsong setzt den pointiertesten Akzent.

Das Tempo des Films stolpert gelegentlich über die eigene Routine. Wo die Inszenierung Slapstick will, greift sie zu Motiven, die man aus einem Dutzend ähnlicher Komödien kennt: das Newton-Pendel im falschen Moment, die hauteng sitzende Heldenverkleidung, der Macarena-Tanz als väterliche Selbstdemütigung. Diese Szenen funktionieren, ohne zu zünden. Stärker wird der Film, wenn er leise wird. Eine Arztpraxis, ein Frühstückstisch, ein Anrufbeantworter – hier entsteht jene melancholische Schärfe, die das Drehbuch im Grundsatz sucht. Das Genre verlangt die Versöhnung, und Gallenberger liefert sie, ohne den Konflikt ernsthaft zu riskieren.

Für Liebhaber der deutschen Beziehungskomödie lohnt sich der Film trotz der Vorhersehbarkeit. Das Spiel des Hauptduos trägt über die Durststrecken hinweg und verleiht den vertrauten Motiven einen warmen, menschlichen Kern. Wer Neues über das Altern erfahren will, wird nicht fündig. Wer hingegen eine solide gespielte, unaufgeregt erzählte Midlife-Komödie sucht, findet hier Unterhaltung mit Herz. Nicht weniger, nicht mehr.

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