Toy Story
Es gibt Filme, die man gesehen hat, bevor man wusste, was Kino eigentlich bedeutet. „Toy Story“ gehört dazu. John Lasseters Debüt aus dem Jahr 1995 ist nicht nur ein Meilenstein der Animationsgeschichte er ist der erste vollständig am Computer erstellte Langfilm überhaupt. Pixar wagte damit einen Schritt ins Unbekannte, und das Erstaunliche ist: Der Schritt gelang.

| Dauer: | 81 Min. |
|---|---|
| FSK: | G (US) |
| Jahr: | 1995 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | John Lasseter |
| Produzenten: | Ralph Guggenheim, Bonnie Arnold |
| Hauptdarsteller: | Tom Hanks, Tim Allen, Don Rickles |
| Nebendarsteller: | Jim Varney, Wallace Shawn, John Ratzenberger, Annie Potts |
| Studio: | Pixar |
Was aber macht diesen Film dreißig Jahre später noch sehenswert? Nicht die Technik, die längst von der eigenen Nachfolge überholt wurde. Es ist das Grundvertrauen in die Geschichte selbst in Figuren, die trotz Plastik und Polyester erstaunlich menschlich wirken. Was treibt uns an, wenn wir Anerkennung verlieren? Was bleibt von uns, wenn jemand Besseres kommt? „Toy Story“ stellt diese Fragen mit der Leichtigkeit eines Kinderfilms, ohne ihre Schwere zu verleugnen.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Toy Story“ wurde 1995 von Pixar Animation Studios im Auftrag der Walt Disney Company produziert und feierte am 19. November desselben Jahres Premiere in Hollywood. Regie führte John Lasseter, der damit sein Langfilmdebüt vorlegte. Das Drehbuch verantworteten Joss Whedon, Andrew Stanton, Joel Cohen und Alec Sokolow. Produziert wurde der Film von Ralph Guggenheim und Bonnie Arnold, den Schnitt übernahmen Robert Gordon und Lee Unkrich.
Die Originalstimmen liefern Tom Hanks als Cowboy Woody und Tim Allen als Space-Ranger Buzz Lightyear. Beide prägen den Ton ihrer Figuren maßgeblich Hanks mit leiser Verletzlichkeit, Allen mit selbstbewusstem Charme. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron in München; Dialogregie führte Pierre Peters-Arnolds. Die Musik stammt von Randy Newman, dessen Song „You’ve Got a Friend in Me“ für einen Oscar als bester Filmsong nominiert wurde. Im Deutschen sang Klaus Lage die Texte.
Der Film hat eine Laufzeit von 81 Minuten und ist ohne Altersbeschränkung freigegeben (FSK 0). Bei der Oscarverleihung 1996 erhielt Lasseter einen Sonderoscar für den ersten computeranimierten Spielfilm. Zudem war „Toy Story“ für drei weitere Oscars nominiert: Beste Filmmusik, Bester Song und Bestes Originaldrehbuch. 2005 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen. Aus dem Erfolg entwickelte sich eine Filmreihe mit bislang fünf Hauptteilen: „Toy Story“ (1995), „Toy Story 2″ (1999), „Toy Story 3″ (2010), „Toy Story 4“ (2019) und „Toy Story 5″ (2026).
Handlung & Inhalt vom Film „Toy Story“
Im Kinderzimmer des Jungen Andy herrscht eine ungeschriebene Ordnung, wobei Woody, ein Cowboy-Sheriff aus Stoff und Plastik, an der Spitze dieser stillen Hierarchie steht. Er ist Andys Lieblingsspielzeug, und das, so lautet zumindest sein festes Selbstverständnis, wird sich auch nicht ändern. Zusammen mit Rex, dem von Selbstzweifeln geplagten Plastikdinosaurier, dem sarkastischen Mr. Potato Head, dem treuherzigen Slinky und einem Dutzend weiterer Spielzeuge wartet er deshalb auf den Moment, in dem Andy das Zimmer betritt. Sobald es so weit ist, erwachen sie zum Leben. Doch Andys Geburtstag steht bevor und mit ihm zugleich die größte aller Bedrohungen: ein neues Spielzeug.
Schließlich trifft Buzz Lightyear ein. Der Space-Ranger aus hochglänzendem Plastik, der mit Laserlicht, Sprachmodul und ausfahrbaren Flügeln ausgestattet ist, nimmt innerhalb kürzester Zeit Woodys Platz ein, und zwar sowohl in Andys Gunst als auch im gemeinsamen Bett. Besonders schwer erträgt Woody jedoch, dass Buzz tatsächlich glaubt, ein echter Astronaut zu sein, der das Universum retten muss. Während die anderen Spielzeuge deshalb zunehmend von Buzz begeistert sind, versucht Woody immer wieder, dessen Fähigkeiten kleinzureden und seine Bedeutung herunterzuspielen. Dadurch wächst die Spannung zwischen den beiden immer weiter, bis schließlich ein missglückter Sabotageversuch Buzz aus dem Fenster befördert. Zwar beteuert Woody, dass dies nur versehentlich geschehen sei, doch für die übrigen Spielzeuge macht das keinen Unterschied.
Flucht, Gefangenschaft und ein gefährlicher Nachbar
Ausgestoßen und im Unrecht, begleitet Woody dennoch Andy zum Erlebnislokal Pizza Planet – und Buzz hängt sich heimlich ans Auto. An einer Tankstelle geraten die beiden in Streit und fallen gemeinsam heraus. Eine zufällige Mitfahrgelegenheit führt sie ins Pizza Planet, wo sie in einem Greifautomaten entdeckt werden, von Sid, dem Nachbarsjungen, dessen Freizeitvergnügen im Zerstören von Spielzeug besteht. Er nimmt die beiden mit nach Hause, in ein Zimmer voller entstellter, aus Einzelteilen zusammengesetzter Kreaturen. Fluchtversuche scheitern. Die Situation verschlimmert sich mit jedem Stundenverlauf.
Buzz, der sich inzwischen durch einen Fernsehwerbespot als bloßes Massenprodukt erkannt hat, verfällt in eine tiefe Depression. Er leistet keinen Widerstand mehr. Sid schnallt ihm eine Rakete auf den Rücken und plant, ihn am nächsten Tag zu zünden. Woody, nun auf sich allein gestellt, muss handeln und verbündet sich mit den entstellten Spielzeugen aus Sids Zimmer. Gemeinsam inszenieren sie eine gezielte Erschreckung: Sie zeigen sich vor Sid als lebendig. Der Junge flieht entsetzt, und das Experiment endet mit einer stillen Vereinbarung, Spielzeuge künftig anders zu behandeln.
Die Flucht kommt fast zu spät. Der Umzugswagen rollt bereits, Andy sucht verzweifelt nach seinen zwei Lieblingsfiguren. Woody und Buzz verfolgen den Wagen mit einem ferngesteuerten Spielzeugauto, doch der Akku gibt nach. Woody zündet schließlich Sids Rakete, die Buzz noch immer trägt. Sie fliegen durch das Schiebedach direkt ins Auto, genau in den Umzugskarton, den Andy als Erstes öffnet. Am Ende, an Weihnachten, haben die beiden ehemaligen Rivalen Andys Herz gemeinsam gewonnen. Die Spielzeuge lauschen, wie Andy einen Hund auspackt und die alte Angst kehrt zurück, still und vertraut.
Filmkritik und Fazit zum Film „Toy Story“
Was „Toy Story“ von den meisten Animationsfilmen seiner Zeit unterscheidet, ist die Ernsthaftigkeit, mit der das Drehbuch seine Figuren behandelt. Woody ist kein simpel gezeichneter Held, sondern ein Charakter, dem Neid und Angst vor Bedeutungslosigkeit anzumerken sind. Buzz Lightyear wiederum durchläuft eine echte Krise: die Konfrontation mit der eigenen Konstruiertheit. Diese psychologische Tiefe, für einen Kinderfilm bemerkenswert klar artikuliert, trägt den Film weit über seine erzählerischen Konventionen hinaus. Lasseter inszeniert mit einem Gespür für Rhythmus, das selten überholt wirkt.
Die visuellen Maßstäbe von 1995 sind heute überholt das wäre unehrlich zu leugnen. Menschliche Figuren wirken steif, Hintergründe flach. Was hingegen überzeugend bleibt, ist das Spielzeugdesign: Die Texturen, Materialien und Bewegungslogiken der Figuren sind mit großer Liebe zum Detail umgesetzt. Randy Newmans Musik arbeitet sparsam und treffsicher, ohne die Szenen zu überwältigen. Der Song „You’ve Got a Friend in Me“ ist ein echtes Stück Filmgeschichte eingängig, warmherzig, ohne Kitsch zu werden. Das Pacing des Films ist dicht und verliert kaum Fahrt.
„Toy Story“ ist ein Film, der Kindern eine spannende Abenteuergeschichte erzählt und Erwachsenen eine über Verdrängung und Neubeginn. Für Freunde des Animationsfilms bleibt er ein Pflichtwerk, nicht wegen seiner Technik, sondern wegen der Haltung, die dahintersteckt: der Überzeugung, dass eine Geschichte Würde verdient, ganz gleich, welches Material ihre Figuren trägt.