Die guten Feinde

Der Filmemacher, Sohn Christian Weisenborn, taucht in der Dokumentation „Die guten Feinde“ tief in die eigene Familiengeschichte ein und liefert eine Hommage an seinen Vater, schildert dabei jedoch auch die tragischen Umstände, mit denen Weisenborn noch nach Kriegsende zu kämpfen hatte: Gegen „historische Verleumdung“, für Rehabilitation seiner ermordeten Freunde, sowie einer bis zuletzt ausbleibenden Danksagung der deutschen Bundesregierung für Kampf und Zivilcourage der „Die Rote Kapelle“.

Angebot
Die guten Feinde - Mein Vater, die Rote Kapelle und ich
Dauer: 90 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Christian Weisenborn
Produzenten: Moritz Bundschuh, Jörg Bundschuh
Hauptdarsteller: Günther Weisenborn, Adolf Grimme
Studio: Salzgeber & Co. Medien GmbH
Sprachen: Deutsch

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Das Leben von Günther Weisenborn liest sich wie ein bewegender Geschichtsroman: Zunächst im wilden Berlin der Weimarer Republik als Künstler und Kulturschaffender tätig, gründete er zusammen mit seinen Freunden kurz nach Hitlers Machtergreifung die Widerstandsgruppe „Die Rote Kapelle“. Insgesamt bestand diese aus rund 400 Mitgliedern, von denen viele dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen.

Besetzung, Regie und Drehorte

Regie in „Die guten Feinde“ hatte Christian Weisenborn, welcher die Schriften seines Vaters Günther als Erzählernarrativ verwendet, aber auch aus der „Ich-Perspektive“ des Sohnes berichtet. Verwendet werden unter anderem private Filmaufnahmen, Weisenborns Tagebucheinträge aus seiner Zeit in Berlin, samt Gefangenschaft, und zahlreiche Film- und Tonaufnahmen der Dreißiger und Vierziger Jahre. Daneben werden Zeitzeugen wie Saskia von Brockdorff interviewt, Tochter der 1943 hingerichteten Widerstandskämpferin und Freundin der Weisendorfs, Erika von Brockdorff.

Dreh und Angelpunkt von „Der Roten Kapelle“ bildete Berlin, nicht nur als kulturelles sondern auch politisches Zentrum des Landes. Neben Aufnahmen des Zuchthauses Luckau werden daher vor allem Film- und Tonaufnahmen aus dem damaligen Berlin gezeigt (darunter etwa die Berliner Volksbühne, an der Weisenborn tätig war). Der berühmte Schauspieler Heinrich George übernahm hier 1934 die Hauptrolle in Weisenborns erstem und vielfach gelobten Theaterstück „U-Boot S-4“.

Handlung & Inhalt vom Film „Die guten Feinde“

Vieles wurde über die Rote Kapelle geschrieben und vieles geriet nach Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen die Fronten von „West“ und „Ost“: So galt die Widerstandsgruppe bis zum Jahr 2009 als kommunistische Tarnorganisation, welche den Westen im Auftrag der UdSSR ausspioniert haben sollte. Dass die Gruppe jedoch ihren Namen „Rote Kapelle“ von der Abwehr, dem deutschen militärischen Geheimdienst der Reichswehr erhielt, geriet dabei neben vielen weiteren Tatsachen in den Hintergrund.

 

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In Christian Weisenborns intimer Dokumentation räumt dieser mit den Verallgemeinerungen und Mythen rund um „Die Rote Kapelle“ auf und taucht dabei tief in die eigene Familiengeschichte ein. Sein Vater Günther Weisenborn: Publizist, Künstler und Widerstandskämpfer, sowie Mutter Margarete Schnabel waren beide aktiv im deutschen Widerstand und entkamen, anders als zahlreiche Freunde und Genossen des Paares, nur knapp der Hinrichtung durch die Nazis.

Weisenborn wurde 1902 in Veldbert geboren. Nach dem Studium und publizistischer Tätigkeit bei verschiedenen Zeitschriften entdeckte er seine Liebe fürs Theater. Bereits in den 20er Jahren beteiligte er sich an Anti-Kriegs-Aktionen und publizierte neben verschiedenen lyrischen Texten zunehmend auch Theaterstücke – mit Erfolg. Nach einem kurzen Aufenthalt in den USA ging er 1936 zurück nach Deutschland und führte dort ein Doppelleben: „offiziell als Kulturbeauftragter unter den Nazis, gleichzeitig als Mitbegründer der Widerstandsorganisation, die später als „Die Rote Kapelle“ an Bekanntheit gewann und eine der größten deutschen Widerstandsorganisationen im Nationalsozialismus darstellte. Nach seiner Verhaftung im Jahr 1942 erhielt Weisenborn zunächst die Todesstrafe, wurde anschließend jedoch zu zehn Jahren Zuchthaus verdammt und 1945 von der Roten Armee in Luckau befreit.

Neben der Darstellung des Lebens junger Menschen im Berlin der Weimarer Republik – zwischen Jugend, Freundschaft und der zunehmenden Politisierung im Schatten des Nationalsozialismus, zeigt der Film auch das Leben „nach 1945“, wo das Thema Widerstand samt den ermordeten Freunden der Familie, das Alltagsleben der Weisenborns weiterhin bestimmte.

 

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Günther Weisenborn versuchte bis zu seinem Tod im Jahr 1969 vergeblich, den verantwortlichen Richter, der die Ermordung seiner Freunde veranlasste, darunter Harro Schulze-Boysen und seine Frau Libertas, zur Rechenschaft zu ziehen. Im Film wird somit auch ein ganzes Stück der deutschen Nachkriegszeit kritisch hinterfragt, in der zahlreiche ehemaligen Mitglieder der NSDAP bis weit in die Achtziger Jahre Einfluss in hohen Ämtern ausübten.

Und so verwundert es wenig, dass auch Weisenborns Freunde und Genossen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen, erst im Jahr 2009 ihre Rehabilitation vom Deutschen Bundestag erhielten – knapp 60 Jahre nach Kriegsende. Auf ein Dankeschön von Seiten der Bundesrepublik und somit einer späten Würdigung der Tätigkeit im Widerstand wartete Weisenborn vergeblich.

Fazit & Kritiken zum Film „Die guten Feinde“

Mit „Die guten Feinde„, benannt nach einem Theaterstück Weisenborns, liefert Sohn Christian Weisenborn einen intimen Blick auf das Kapitel des deutschen Widerstands, samt dem eigenen Erwachsenwerden im Schatten des Krieges. Wer waren die Personen und was trieb sie an, das eigene Leben im Namen höherer Ideale und Überzeugungen zu riskieren? Wie fühlt es sich an, als Sohn zweier ehemaliger „Staatsfeinde“, deren Organisation nach Ende des Krieges ins nächste ideologische Kreuzfeuer geriet – auch unterstützt durch vermeidlich progressive, demokratische Mainstreammedien wie dem Stern oder SPIEGEL, die zur Verleumdung der Gruppe aktiv beitrugen?

„Die guten Feinde“ ist keineswegs nur ein Film über den Widerstand im Dritten Reich. Auch Weisenborns Kampf, die Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen, die auch in der BRD weiter in hohen Positionen tätig waren wird thematisiert und somit auch die Rolle der BRD kritisch in den Blick genommen. Ein Stück deutsche Geschichte, die in Zeiten zunehmendem „Rechtsrucks“ und Populismus bis heute brandaktuell geblieben ist.

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